Beitragvon Karsten Peters » 10. Januar 2005, 13:54
Hallo Jürgen,
die Frage, ob kostenlose Rezensionsexemplare ein Ding des Teufels sind, stellt sich sicherlich allen Journalisten, die über wie auch immer geartete Produkte schreiben. Seien es Reisejournalisten, Autotester oder eben auch Spielekritiker, sie alle bekommen in irgendeiner Weise das Material, über das sie schreiben, zur Verfügung gestellt.
Es ist, denke ich, systembedingt, denn die Tests wären sonst häufig gar nicht möglich. Schwierig wird es eher, wenn die Leistungen das Testmaterial übersteigen. In der Autobranche gibt es den Begriff des "Dauertestwagen". Das allerdings ist schon pervers. In der Spielebranche handelt es sich allerdings häufig um freie Kritiker, die für ihre Kritiken nur ein geringes Honorar bekommen. Würden sie die Spiele auch noch bezahlen, bliebe sicher nichts mehr übrig - insofern gäbe es wohl kaum noch Kritiken, und damit wäre auch niemand gedient. Auch hier bleibt also nur die Frage der Verhältnismäßigkeit. Bekommt ein Autor ein Spiel, das er später kritisiert, ist dagegen nichts zu sagen. Bekommt er eventuell noch zwei Spiele, über die er nicht schreibt, die er aber benötigt, um einen Überblick über den Markt zu bekommen, sicher auch nicht. Zahlt ihm der Verlag allerdings Honorare oder ähnliches, ist das sicher nicht mehr in Ordnung.
Dass der Autor wegen der kostenlosen Spiele beeinflusst ist, glaube ich nicht. Wenn er nicht den Mut hat, ein schlechtes Spiel zu verreißen oder wenigstens zu ignorieren, hat er seinen Job verfehlt. Sicher mag es auch Verlage geben, die nach schlechten Kritiken zurückhaltender mit Belegexemplaren sind - das ist ihr gutes Recht, sollte aber niemanden zu einer schleimigen Kritik anregen.
Ich habe in den vielen Jahren, die ich schon Kritiken schreibe, die Erfahrung gemacht, dass die Verlage sehr professionell mit Belegexemplaren umgehen. Dabei ist weniger interessant, was man schreibt, sondern ob man schreibt. Das ist eher die entscheidende Frage.
Allerdings: Dass ein Kritiker sich in seiner Kritik - die ja bitte objektiv gehalten und geschrieben sein sollte - für das Spiel bedankt, finde ich schon etwas albern. In diesem sowieso offt knappen Raum hätte er sicher noch eine - für den Leser interessantere - Information über das Spiel untergebracht.
So long
Karsten