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Beeinflußter Spieletester?

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Jürgen aus dem Harz

Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Jürgen aus dem Harz » 1. Januar 2005, 21:56

Wie sicher viele Spieler auch informiere ich mich vor einem Kauf auf den Spieleseiten über Meinungen von Rezensenten zum jeweiligen Spiel.
Mir ist aufgefallen, daß sich einige Rezensenten am Ende einer Rezension beim jeweiligen Verlag für die Zusendung eines Exemplars bedanken.

Nun meine Vermutung:

Bei Zusendung von kostenlosen Exemplaren ist dieser Rezensent von Verlag beeinflußt!
Die jeweilige Benotung dürfte höher ausfallen?

Was meint Ihr dazu?

Jürgen aus dem Harz

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Roman Pelek

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Roman Pelek » 2. Januar 2005, 04:55

Hi Jürgen,

Jürgen aus dem Harz schrieb:
>
> Wie sicher viele Spieler auch informiere ich mich vor einem
> Kauf auf den Spieleseiten über Meinungen von Rezensenten zum
> jeweiligen Spiel.
> Mir ist aufgefallen, daß sich einige Rezensenten am Ende
> einer Rezension beim jeweiligen Verlag für die Zusendung
> eines Exemplars bedanken.

Manche nennen das explizit als offenes und ehrliches Dankeschön an die Verlage und ihre Unterstützung derer, die sich auch für das gleiche Thema interessieren und mit ihren Beiträgen versuchen, Werbung betreiben. Ob man's machen will oder nicht ist aber, so denke ich, 'ne individuelle Geschichte und nichts mit besonderer Aussagekraft (denn diejenigen, die es nicht tun, sind mit Sicherheit nicht undankbarer, sondern mögen es nicht schlicht nicht öffentlich kund tun). Auf jeden Fall sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Usus - und richtig - ist, dass Rezensenten ihr Arbeitsmaterial von Verlagen zu Sonderkonditionen (welche dies sind, variiert je nach Einzelfall) gestellt bekommen.

> Bei Zusendung von kostenlosen Exemplaren ist dieser
> Rezensent von Verlag beeinflußt!
> Die jeweilige Benotung dürfte höher ausfallen?

Das ist in meinen Augen der falsche Ansatz. Eher ist die Problematik anderherum gelagert: was an Material nicht an Multiplikatoren gelangt, kann auch nicht weiterverbreitet werden. Lieber 'ne schlechte Kritik zuviel als eine Erwähnung zuwenig...

Ciao,
Roman

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Peter Gustav Bartschat

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 2. Januar 2005, 08:25

Jürgen aus dem Harz schrieb:
> Nun meine Vermutung:
> Bei Zusendung von kostenlosen Exemplaren ist dieser
> Rezensent von Verlag beeinflußt!

Dass Rezensenten Rezensionsexemplare erhalten, ist doch ein völlig alltägliches Ereignis: Irgendwie muss so ein Rezensent schließlich erfahren, dass es ein neues Produkt in seinem Fachbereich gibt, dem er seine Aufmerksamkeit zuwenden kann.

Daher erhalten Buchkritiker Leseexemplare, werden Filmkritiker zu Pressevorführungen eingeladen, bekommen Theaterkritiker Freikarten für die Premiere, werden Kunstkritiker zu ... äh ... Dingsdas eingeladen ... mir fällt grade das Wort nicht ein ... irgendwas französisches ...

... also müsste - deiner Überlegung folgend - jede Rezension, die seit dem ersten Feuilleton der ersten Zeitung erschienen ist, von einem beeinflussten Rezensenten geschrieben worden sein, und das würde auch bis zum Ende der Zeiten so bleiben.

Nun darf jeder vermuten, was er möchte, und meine persönliche Empfehlung ist: Wer befürchtet, dass die Zusendung eines Rezensionsexemplars den Renzensenten umgehend seines freien Willens und der Fähigkeit zur Äußerung seiner Meinung beraubt, der sollte für sich persönlich die Entscheidung treffen, Rezensionen nicht zu seiner Meinungsbildung heranzuziehen, sondern auf andere Quellen auszuweichen.

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Michael Weber

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Michael Weber » 2. Januar 2005, 11:34

Jürgen aus dem Harz schrieb:
> Mir ist aufgefallen, daß sich einige Rezensenten am Ende
> einer Rezension beim jeweiligen Verlag für die Zusendung
> eines Exemplars bedanken.

Das ist persönliche Geschmackssache. Bei Reich der Spiekle gibt es diesen Hinweis nicht, weil wir auch andere (selbst erworbene) Spiele besprechen und deshalb bei einigen Rezensionen diesen Hinweis weglassen müssten. Daher wäre das alles unsinnig.

> Bei Zusendung von kostenlosen Exemplaren ist dieser
> Rezensent von Verlag beeinflußt!
> Die jeweilige Benotung dürfte höher ausfallen?

Definitiv nicht. Wer sich so beeinflussen lässt, versteht seine Tätigkeit falsch. Krtitiker erhalten in vielen Bereichen kostenlose Exemplare, Eintrittskarten o. ä. Aber beeinflussen lassen sie sich deshalb nicht. Das erwartet der Verlag auch nicht. Sinn der Pressearbeit ist es, mit den Budget (bei Spielen unter anderem Rezensionsexemplaren) möglichst viele potenzielle Käufer oder aus Imagegründen auch "nur" Leser zu erreichen. Das ist ein ganz normales Vorgehen.

Was die Beeinflussung angeht, ist es im Spielebereich eher unbedeutend. Wenn die eine oder andere Firma aber vielelicht die Schreiber ganz besonders umhegt und pflegt, dann ist zumindest im Unterbewusstsein eine prinzipielle Tendenz von Beeinflussung nicht auszuschließen. Auch "befreundeten" PR-Leuten gegenüber werden Kritiker sicherlich eher mal ein Auge zudrücken. Das ist in der Tat aber im Spielebreich eher nicht der Fall. Schwieirg wird es hier nur, wenn ein Kritiker Spiele bespricht, für die er direkt oder indirekt mitverantwortlich ist.

Also, bitte nicht die Webseitenbetreiber dafür bestrafen, dass sie diese Dankesfloskel unter dem Text stehen haben. Das wäre ungerecht und nicht angemessen.

Michael

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Fabian Pfitzenmaier

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Fabian Pfitzenmaier » 2. Januar 2005, 21:48

Hallo Gustav,

> Daher erhalten Buchkritiker Leseexemplare, werden
> Filmkritiker zu Pressevorführungen eingeladen, bekommen
> Theaterkritiker Freikarten für die Premiere, werden
> Kunstkritiker zu ... äh ... Dingsdas eingeladen ... mir fällt
> grade das Wort nicht ein ... irgendwas französisches ...

Wie wäre es mit "Vernissage"?
(Definition von wissen.de: voroffizielle Eröffnung einer Kunstausstellung mit geladenen Gästen und Pressebesichtigung)
Klingt doch gut, oder ;-)

Auch mit einem lieben Gruß
Fabian (der vermutlich aus Versehen schon auf so was Ähnlichem war)

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Peter Gustav Bartschat

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 2. Januar 2005, 23:19

Fabian Pfitzenmaier schrieb:
> Wie wäre es mit "Vernissage"?

Bingo! Genau das war´s, was mir nicht einfiel, lieber Fabian.

Beste Grüße
Gustav

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sven

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon sven » 4. Januar 2005, 09:58

Ein interessantes Thema.

Wäre schön, das auch mal von Verlagsseite beleuchtet zu bekommen!

Insbesondere Kleinverlage "leiden" uner den Kritikern. Motto: Ich bin bei der Zeitung XY, der Jury ABC - schicken Sie mir mal alle Neuheiten!

Wie selektiert man? Wie behandelt man Kritiker, die in einer Zeitschrift oder im Radio vielleicht nur 12 - 20 Spiele vorstellen können und nie eines von den von dem Verlag bemusterten?

Lieber gar keine als eine schlechte Kritik bekommen?


Vor vielen Jahren erlebte ich es so,. dass ein großer Verlag mir ein Spiel gab mit dem Hinweis: wenn eine (positive) Kritik erschienen ist, können Sie sich ein anderes aussuchen!

Andererseits gibt es sicher auch gewisse "Abhängigkeiten" von Kritikern zu Verlagen. In dieser kleinen Branche kennt und mag man sich! Wer will da schon eine ätzende Kritik schreiben? Tut dem Partner ja auch nicht gut, selbst wenn der das akzeptiert und den Kritiker weiter mit Spielen versorgt!

Und schreibt man nicht leichter über ein gleichwertiges Spiel, wenn man ein Gratisexemplar erhält oder stattdessen - sogar vergünstigt - € 30 dafür gezahlt hat?

Also alles nicht so einfach - und berücksichtigen sollte man auch, dass die meisten Kritiker das mehr oder weniger ehrenamtlich machen. Das Zeilenhonorar ist ja nicht einmal Schmerzensgeld, wenn man bedenkt, wieviel Zeit man in einen ordentlichen Test stecken müsste!

Also gehen wir davon aus, dass Tester nicht wesentlich beeinflussbar sind (von den Verlagen auch nciht gezielt gemacht!) und lasst uns die vielen verschiedenen Quellen und Tester vergleichen. Heute gibt es ja die Möglichkeit, sich überall zu informieren und letztlich erhält man ein Gesamtbild.

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Wolfram Püchert alias WeePee

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 4. Januar 2005, 12:18

Jürgen aus dem Harz schrieb:
>
> Wie sicher viele Spieler auch informiere ich mich vor einem
> Kauf auf den Spieleseiten über Meinungen von Rezensenten zum
> jeweiligen Spiel.

Das ist gut!

> Mir ist aufgefallen, daß sich einige Rezensenten am Ende
> einer Rezension beim jeweiligen Verlag für die Zusendung
> eines Exemplars bedanken.

Ich denke, das gehört sich so:
Erstens: Gegenüber den Lesern, damit diese wissen, wie die Rezension zustande gekommen ist.
Zweitens: Gegenüber dem Verlag, der bereit war, ein Exemplar kostenlos zur Verfügung zu stellen.

> Nun meine Vermutung:
>
> Bei Zusendung von kostenlosen Exemplaren ist dieser
> Rezensent von Verlag beeinflußt!

Oooooch, das geht doch noch viel weiter. Schau Dir mal andere Bereiche an: Video, Audio, PC-Games, Pkw. Wird ein positiver Bericht abgedruckt, ist auf einmal eine ganze Menge Werbung gerade des Testsiegers .... etc. in der Zeitschrift vorhanden.

Beim negativen Bericht wird die Zeitschrift vom Anbieter boykottiert. Das kann sogar soweit gehen, dass die Zeitschrift pleite macht.

> Die jeweilige Benotung dürfte höher ausfallen?

Die Frage ist, ob es überhaupt eine "objektive" Benotung geben kann. Ich glaube nicht. Physikalische Kenngrößen lassen sich objektiv messen; Benotungen sind IMMER subjektiv und damit beeinflussbar.

> Was meint Ihr dazu?
> Jürgen aus dem Harz

Ich meine: Nur die Menge an Meinungen ergibt ein rundes Bild. Eine einzelne Meinung - und ist sie noch von einem so begnadeten Rezensenten - ist und bleibt eine einzelne Meinung und spiegelt sicher nicht repräsentativ die Meinung aller wieder.

Gruß Wolfram

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Michael Weber

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Michael Weber » 4. Januar 2005, 13:02

sven schrieb:
> Insbesondere Kleinverlage "leiden" uner den Kritikern. Motto:
> Ich bin bei der Zeitung XY, der Jury ABC - schicken Sie mir
> mal alle Neuheiten!
>
> Wie selektiert man? Wie behandelt man Kritiker, die in einer
> Zeitschrift oder im Radio vielleicht nur 12 - 20 Spiele
> vorstellen können und nie eines von den von dem Verlag
> bemusterten?

Das ist definitiv Verlagssache. Die Kritiker zwingen ja niemanden, etwas herauszurücken ... Im Gegenteil. Ab einem gewissen Status erhält man mitunter Spiele, die man gar nicht angefordert hat. Nur schauen die Verlage eben auch, an wen sie etwas geben. Und das finde ich sehr gut. Das sollte vor allem in Essen sogar noch viel restriktiver gehandhabt werden, letztlich schützt die Szene dadurch auch kleine Verlage!


> Vor vielen Jahren erlebte ich es so,. dass ein großer Verlag
> mir ein Spiel gab mit dem Hinweis: wenn eine (positive)
> Kritik erschienen ist, können Sie sich ein anderes aussuchen!

Ist mir noch nie passiert.

> Andererseits gibt es sicher auch gewisse "Abhängigkeiten" von
> Kritikern zu Verlagen. In dieser kleinen Branche kennt und
> mag man sich! Wer will da schon eine ätzende Kritik
> schreiben? Tut dem Partner ja auch nicht gut, selbst wenn der
> das akzeptiert und den Kritiker weiter mit Spielen versorgt!

Niemand darf sich wundern, wenn er nach zehn Verrissen von Spielen eines Verlages nichts mehr bekommt. Allerdings gibt es doch kaum richtige Verrisse, meistens gibt es sehr lange Beschreibungen mit einem kurzen Fazit. Will man echte Verrisse lesen, greift man zu dem einen der drei Fachmagazine oder liest mal bei Reich der Spiele die eine oder andere Rezension ;-)


> Und schreibt man nicht leichter über ein gleichwertiges
> Spiel, wenn man ein Gratisexemplar erhält oder stattdessen -
> sogar vergünstigt - € 30 dafür gezahlt hat?

Hm, das ist jetzt individuell. Wenn ein Kritiker bereit ist, einen Betrag für ein Spiel zu zahlen, wird er ein Mindestinteresse daran haben. Von daher liegt hier die Sache anders als bei "normalen" Rezensionsexemplaren. Beispiel war zum Beispiel zuletzt Meisterdiebe, das aufgrund seiner Herstellungskosten auch für die Presse ordentlich gekostet hat.

> Das Zeilenhonorar ist ja nicht einmal
> Schmerzensgeld, wenn man bedenkt, wieviel Zeit man in einen
> ordentlichen Test stecken müsste!

Das trifft wohl bei schwachen Spielen zu. Aber bezahlte Kritiker veröffentlichen meistens über Medien, in denen redaktionell eher Tipps als Verrisse gefragt sind.

Michael
(ganz und gar kritisch)

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Michael Weber

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Michael Weber » 4. Januar 2005, 13:06

Wolfram Püchert alias WeePee schrieb:
> Ich denke, das gehört sich so:
> Erstens: Gegenüber den Lesern, damit diese wissen, wie die
> Rezension zustande gekommen ist.
> Zweitens: Gegenüber dem Verlag, der bereit war, ein Exemplar
> kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Nö. Das ist eher eine persönliche Stilfrage. Außerdem sollte kein Leser für so dumm gehalten werden, dass er denkt, die Medien würden sich Rezensionsexemplare kaufen. Was macht es denn inhaltlich für einen Unterschied, wenn unter dem Text "Danke an ..." oder "selbst gekauft" oder gar nichts steht?

> Die Frage ist, ob es überhaupt eine "objektive" Benotung
> geben kann. Ich glaube nicht. Physikalische Kenngrößen lassen
> sich objektiv messen; Benotungen sind IMMER subjektiv und
> damit beeinflussbar.

Jipp. Unbestreitbar komplett richtig.
Und Bewertungen ohne Zahlen auch nicht ;-)

Michael
(der nach wie vor keine Noten auf seiner Webseite duldet)

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Axel Bungart

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Axel Bungart » 4. Januar 2005, 13:18

Hallo Jürgen aus dem Harz,

jeder Rezensetn verfolgt doch irgendwie das Ziel, dass seine Kritiken gelesen werden und dass man vielleicht den Namen des Rezensenten als sorgfältig und mit dem gesunden Abstand zum Produkt im Kopf behält.

Das wird der Rezensent aber nur erreichen, wenn er seriös arbeitet. Ich glaube, das die allermeisten, die sich hier im Forum und auch sonst in der Spielewelt tummeln, eine Kritik (gut oder schlecht) von einem "Werbetext" unterscheiden können. Also liefe der Rezensetn Gefahr, sich selbst unglaubwürdig zu machen, würde er sich mehr beeinflussen lassen, als unvermeidbar.

Fazit: Weiter Rezensionen lesen und mit anderen Erfahrungen vergleichen, dann merkt man, wie wichtig das Rezensionsexemplar für den Schreiber war.

Gruß
Axel

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Karsten Peters

Re: Beeinflußter Spieletester?

Beitragvon Karsten Peters » 10. Januar 2005, 13:54

Hallo Jürgen,

die Frage, ob kostenlose Rezensionsexemplare ein Ding des Teufels sind, stellt sich sicherlich allen Journalisten, die über wie auch immer geartete Produkte schreiben. Seien es Reisejournalisten, Autotester oder eben auch Spielekritiker, sie alle bekommen in irgendeiner Weise das Material, über das sie schreiben, zur Verfügung gestellt.

Es ist, denke ich, systembedingt, denn die Tests wären sonst häufig gar nicht möglich. Schwierig wird es eher, wenn die Leistungen das Testmaterial übersteigen. In der Autobranche gibt es den Begriff des "Dauertestwagen". Das allerdings ist schon pervers. In der Spielebranche handelt es sich allerdings häufig um freie Kritiker, die für ihre Kritiken nur ein geringes Honorar bekommen. Würden sie die Spiele auch noch bezahlen, bliebe sicher nichts mehr übrig - insofern gäbe es wohl kaum noch Kritiken, und damit wäre auch niemand gedient. Auch hier bleibt also nur die Frage der Verhältnismäßigkeit. Bekommt ein Autor ein Spiel, das er später kritisiert, ist dagegen nichts zu sagen. Bekommt er eventuell noch zwei Spiele, über die er nicht schreibt, die er aber benötigt, um einen Überblick über den Markt zu bekommen, sicher auch nicht. Zahlt ihm der Verlag allerdings Honorare oder ähnliches, ist das sicher nicht mehr in Ordnung.

Dass der Autor wegen der kostenlosen Spiele beeinflusst ist, glaube ich nicht. Wenn er nicht den Mut hat, ein schlechtes Spiel zu verreißen oder wenigstens zu ignorieren, hat er seinen Job verfehlt. Sicher mag es auch Verlage geben, die nach schlechten Kritiken zurückhaltender mit Belegexemplaren sind - das ist ihr gutes Recht, sollte aber niemanden zu einer schleimigen Kritik anregen.

Ich habe in den vielen Jahren, die ich schon Kritiken schreibe, die Erfahrung gemacht, dass die Verlage sehr professionell mit Belegexemplaren umgehen. Dabei ist weniger interessant, was man schreibt, sondern ob man schreibt. Das ist eher die entscheidende Frage.

Allerdings: Dass ein Kritiker sich in seiner Kritik - die ja bitte objektiv gehalten und geschrieben sein sollte - für das Spiel bedankt, finde ich schon etwas albern. In diesem sowieso offt knappen Raum hätte er sicher noch eine - für den Leser interessantere - Information über das Spiel untergebracht.

So long

Karsten


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