Beitragvon Roman Pelek » 15. Juli 2005, 11:50
Hi Jeff,
Jeff Widderich schrieb:
>
> Ich werde jetzt oefters in Schulen eigeladen und spiele mit
> Kindern und Jugendliche. Ich kann es wirklich kaum glauben
> wie gut diese Gruppen spielen koennen.
Hm, da kannst Du Dich ja mit meiner Frau Claudia mal unterhalten, die leitet gerade an ihrer Schule das Projekt "Brettspiele" für Schüler der Klassenstufen 5-13 ;-) Ihr bisheriger Eindruck war, dass die beteiligten Kinder und Jugendlichen, wenn man sie erstmal soweit zur Ordnung gerufen hat, dass sie sich wirklich konzentriert hinsetzen und sich auch eine Spielanleitung mal selbst erarbeiten, erstaunlich gut mit Spielen umgehen können (und vor allem auch viel Spaß daran haben).
Bin ich alleine mit
> dieser Erfahrung oder musst ihr "heutzutage"( wenn das ein
> gueltiges Wort ist) auch besser aufpassen wenn ihr am Tisch
> sitzt mit achtjaehrigen. Was mir am meisten auffaelt ist ihre
> positive Einstellung. Die Sappelrei am tisch ist sehr
> Siegbewusst .Mit dieser Einstellung von der naecsten
> Generation wird es wirklich eine Zukunft fuer Brettspiele
> geben. (Ich rede hier von Kanada)
Ich habe diese Erfahrung auch selbst schon öfter gemacht. Mein Lieblingsbeispiel ist, dass ich mal mit einer Gruppe (zwischen 8 und 12 Jahren) ein "El Grande" gespielt habe (O-Zitat: "Das haben wir jetzt seit '86 im Schrank liegen, weil uns die Regel zu lang war, erklär' und das mal, Roman" *seufz*) - ich hatte es seit längerem nicht mehr gespielt, und was soll ich sagen: die "kleinen Biester" haben verdammt clever agiert, da reichte es für mich gerade noch so zum zweiten Platz in letzter Sekunde :-))
So oder so ist meine primäre Sorge bezüglich des Nachwuchses in der Brettspielszene maximal, dass "die Alten" es verschlafen, Jüngere überhaupt für das Thema zu begeistern. Ich habe es des Öfteren in Familien (siehe obiges Beispiel) erlebt, dass die Passion Brettspielen nur daran gescheitert ist, dass die Eltern zu faul waren, sich eine Spielregel zu erarbeiten und ihre Kinder noch nicht gelernt hatten, mit solchen Gebrauchstexten umzugehen (wie auch, wenn die Eltern ihnen vorleben, dass der Umgang mit Regeltexten anstrengend und wenig gewinnbringend ist). An der Begeisterungsfähigkeit und Cleverness des Nachwuchses mangelt es m. E. jedenfalls nicht.
> Vielleicht wird diese Gruppe wirklich unterschaetzt, und
> viele Verlage sollten die Altersspanne an der Schachtel
> nochmal genau anschauen. Diese bereits vorbereitete Spieler,
> werden sehr hohe Anforderung an Brettspiele verlangen um
> ihre Spannungskurve zu befriedigen.
Ich kenne auch einige Kids, denen man locker mehr zumuten kann, als die Altersangabe verspricht. Andererseits halte ich eine zurückhaltende Altersangabe durchaus für berechtigt, damit niemand das Gefühl hat, überfordert zu sein. Ich denke, es ist psychologisch einfach günstiger, wenn Kinder nach wie vor die Chance haben, zu beweisen, dass sie besser spielen, als man es ihnen zutraut. Nicht zuletzt auch für ihre Eltern :-D
So oder so denke ich jedenfalls, dass der Nachwuchs wie immer besser ist als sein Ruf - angesichts der nächsten Generation den Weltuntergang zu beschwören (die eigenen Kinder jeweils ausgenommen) hat ja eine jahrtausendealte Tradition, wenn man sich die Menschheitsgeschichte mal vor Augen führt. Eigentlich müssten wir schon längst ausgestorben sein, wenn es immer wahr wäre, was eine Generation der nächsten an Verdorbenheit andichtet ;-)
Ciao,
Roman (der sich richtig darauf freut, die Bewertungsbögen aus Claudias Projektwoche zu lesen, um zu sehen, wie weniger vorbelastete Charaktere als wir über den aktuellen Spielejahrgang denken)