Hallo Steffen,
erstmal ist es interessant zu sehen, dass Du Dich doch zu einem ausführlichen Kommentar durchringen konntest... Wohl nicht zuletzt auch wegen der dann doch erstaunlich hohen Anteilnahme an diesem so ausgelutschten Thema, wie ich annehme.
Die Kompensation des Wegfalles durch das Internetgeschäft erfolgt (bzw. erfolgte) bei den beiden von mir so gerne erwähnten Spieleläden durch ein breitgefächertes Angebot an z.B. Kleidung für LARP- Spieler (heissen doch so, glaub ich?), Jonglierbedarf und andere Freizeitaktivitäten wie Frisbee etc. Hier in Zürich verbindet man "unseren" Bedarf mit einer großen Rollenspielabteilung und einem bestimmten Spielzeugsortiment u.ä. für Kinder.
Das war eigentlich auch gar nicht mein Punkt und kam erst im Laufe der Tage hier auf, dass es eine Verlagerung zur Frage gibt, ob man in einen Laden gehen MUSS, um ihn zu erhalten und dass die Internetanbieter die bösen Buben sind. Meine Frage war völlig wertneutral gemeint, da ich wie gesagt noch nie bei einem Internetanbieter ein Spiel bestellt habe und gerne gewusst hätte, was dafür spricht (was ich nun sehr ausführlich erfahren habe) und was vielleicht aber auch nicht. Und vor allem, ob Vielspieler tatsächlich im Grossen und Ganzen den Internetkauf vorziehen.
Wie ich in einem der letzten Beiträge - dem von Klaus Knechtskern - entnehmen konnte, scheint mein Gefühl für das besondere Flair, einen Spieleladen betreten zu können und Gleichgesinnte auch mal abseits des Spieletischs zu sehen, auch von anderen geteilt zu werden.
Für mich persönlich sind die Argumente Faulheit (der lange Weg, Parkplatzsuch etc...), Geld und Mangel an Beratung keine Gründe für einen Internetkauf.
Steffen S. schrieb:
> Drastischer ausgedrückt: Die liebegewonne, alte, muffige
> "Spieleklitsche" um die Ecke hat in ihrer Ursprungsform
> ausgedient. Es ist NICHT die Aufgabe von uns Käufern, und im
> übrigen auch mittelfristig weder sinnvoll noch
> erfolgsversprechend, durch unser Geld (Stichwort: höhere
> Preise) eine antiquierte Geschäftsform künstlich am Leben zu
> halten. Das Verschwinden dieser Läden mag man bedauern - sei
> es aus Gewohnheit, aus persönlicher Affinität oder schlicht
> aus Nostalgie, verhindern wird man es langfristig nicht.
Mir ist nichts dran gelegen, irgendwelche Entwicklungen zu verhindern, ich würde es aber bedauern wenn meine liebste Zugangsquelle zu Spielen, der Laden, verschwinden würde. Ich kaufe keine Spiele in einem Laden aus Subventionsgründen, das möchte ich klar zum Ausdruck bringen.
> Ich habe bei
> vielen Leuten, die in den Spieleladen treten, den Eindruck,
> dass das große Angebot sie nicht begeistert, sondern eher
> erschlägt. Vielleicht liegt darin sogar ein Grund, warum
> viele letztendlich dann doch ("sicherheitshalber") zum
> altbekannten Monopoly greifen. Bei der Information über das
> Internet stoße ich auf ebenso große Vielfalt, aber ich kann
> sofort durch diverse Rezensionen, Lesermeinungen etc. ein
> Feedback abrufen, was das betreffende Spiel taugen mag. Eine
> solch differenzierte Rückkopplung kann eine einzelne
> Verkaufsperson (mit unterstelltem Verkaufsinteresse noch
> dazu!) niemals leisten. Könnte es nicht auch sein, dass
> dadurch GERADE im Internet Spiele gekauft werden, zu denen
> sich manch "Laufkunde" im Laden nicht hinreissen lassen
> konnte - unsicher, ob das Spiel qualitativ seinen
> Vorstellungen entspricht...?
Diese Einstellung teile ich nicht, da ich denke, dass die Leute, die in einem Laden von der Vielfalt "erschlagen" werden, kaum im Netz nach kleinen Verlagen surfen, die dadurch, dass sie nicht so bekannt sind, auch nicht überall vertreten bzw. mit einer Rezi bedacht werden. Was mir nur als Beispiel dienen soll. Wenn ein SPIELER in einen solchen Laden geht, sollte ihm das Herz höher schlagen (tut´s zumindest bei uns) - Wenigspieler wenden sich in unserem Laden nachweislich gleich an den netten Mann hinter der Theke mit der Frage, was man für so oder so einen Menschen für ein Spiel empfehlen würde, da sie selbst keine Ahnung haben.
> Letztendlich bleibt: "Robinhoodismus" ist m.E. im Bezug auf
> veraltete Geschöftsmodelle unengebracht und auch langfristig
> erfolglos. Dass auch Internetkäufer den Faktor Service und
> Qualität noch nicht gänzlich über den Preis stellen, zeigt
> sich am Erfolg von "Adam spielt". Die Adams sind eindeutig
> nicht der billigste Versand, dennoch einer der beliebtesten -
> wegen ihrem schnellen Service, der hervorragenden Verpackung
> und dem einmalig tollen, kostenlosen Katalog mit
> Spielebeschriebungen und -empfehlungen. Da zahle auch ich
> gern den ein oder anderen Euro mehr dafür. Und nebenbei:
> Würde ich an dieser Stelle fordern, gefälligst im Laden zu
> kaufen - wäre das nicht ein gleichsam großer Verrat an den
> (ebenso vielen!) arbeitenden Menschen, deren Existenz an
> Verkauf und Vertrieb über das Internet hängt...?
Tja, wie gesagt, da wurde meine Intention, glaube ich, missverstanden.
> Steffen (hofft, dass die gesundheitlichen Probleme bei den
> Adams bewältigt werden können, und auch schöne Katalog seine
> Fortsetzung erhält)
Es freut mich, wenn Du so begeistert von Deinem Internethändler bist, für mich (bzw. meine Frau und mich) besteht ein Teil der Spieleleidenschaft nicht zuletzt aus dem Gang in den Laden, um zu sehen, was es denn neues gibt oder Insiderinfos auszutauschen. Nicht jeder findet auch immer die Zeit (falsch: ist bereit, seine freie Zeit zum Surfen zu opfern - ja, das gibt´s auch noch...), um sich all diese Informationen aus dem Netz zu holen. Alle paar Wochen Samstag mal in den Laden gehen, ist dagegen schon drin bei uns.
Matthias