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Spieleladen vs. Spieleversand

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Matthias

Re: Veränderung von Strukturen?

Beitragvon Matthias » 10. April 2006, 09:26

Hallo Steffen,

erstmal ist es interessant zu sehen, dass Du Dich doch zu einem ausführlichen Kommentar durchringen konntest... Wohl nicht zuletzt auch wegen der dann doch erstaunlich hohen Anteilnahme an diesem so ausgelutschten Thema, wie ich annehme.

Die Kompensation des Wegfalles durch das Internetgeschäft erfolgt (bzw. erfolgte) bei den beiden von mir so gerne erwähnten Spieleläden durch ein breitgefächertes Angebot an z.B. Kleidung für LARP- Spieler (heissen doch so, glaub ich?), Jonglierbedarf und andere Freizeitaktivitäten wie Frisbee etc. Hier in Zürich verbindet man "unseren" Bedarf mit einer großen Rollenspielabteilung und einem bestimmten Spielzeugsortiment u.ä. für Kinder.
Das war eigentlich auch gar nicht mein Punkt und kam erst im Laufe der Tage hier auf, dass es eine Verlagerung zur Frage gibt, ob man in einen Laden gehen MUSS, um ihn zu erhalten und dass die Internetanbieter die bösen Buben sind. Meine Frage war völlig wertneutral gemeint, da ich wie gesagt noch nie bei einem Internetanbieter ein Spiel bestellt habe und gerne gewusst hätte, was dafür spricht (was ich nun sehr ausführlich erfahren habe) und was vielleicht aber auch nicht. Und vor allem, ob Vielspieler tatsächlich im Grossen und Ganzen den Internetkauf vorziehen.
Wie ich in einem der letzten Beiträge - dem von Klaus Knechtskern - entnehmen konnte, scheint mein Gefühl für das besondere Flair, einen Spieleladen betreten zu können und Gleichgesinnte auch mal abseits des Spieletischs zu sehen, auch von anderen geteilt zu werden.
Für mich persönlich sind die Argumente Faulheit (der lange Weg, Parkplatzsuch etc...), Geld und Mangel an Beratung keine Gründe für einen Internetkauf.

Steffen S. schrieb:

> Drastischer ausgedrückt: Die liebegewonne, alte, muffige
> "Spieleklitsche" um die Ecke hat in ihrer Ursprungsform
> ausgedient. Es ist NICHT die Aufgabe von uns Käufern, und im
> übrigen auch mittelfristig weder sinnvoll noch
> erfolgsversprechend, durch unser Geld (Stichwort: höhere
> Preise) eine antiquierte Geschäftsform künstlich am Leben zu
> halten. Das Verschwinden dieser Läden mag man bedauern - sei
> es aus Gewohnheit, aus persönlicher Affinität oder schlicht
> aus Nostalgie, verhindern wird man es langfristig nicht.

Mir ist nichts dran gelegen, irgendwelche Entwicklungen zu verhindern, ich würde es aber bedauern wenn meine liebste Zugangsquelle zu Spielen, der Laden, verschwinden würde. Ich kaufe keine Spiele in einem Laden aus Subventionsgründen, das möchte ich klar zum Ausdruck bringen.

> Ich habe bei
> vielen Leuten, die in den Spieleladen treten, den Eindruck,
> dass das große Angebot sie nicht begeistert, sondern eher
> erschlägt. Vielleicht liegt darin sogar ein Grund, warum
> viele letztendlich dann doch ("sicherheitshalber") zum
> altbekannten Monopoly greifen. Bei der Information über das
> Internet stoße ich auf ebenso große Vielfalt, aber ich kann
> sofort durch diverse Rezensionen, Lesermeinungen etc. ein
> Feedback abrufen, was das betreffende Spiel taugen mag. Eine
> solch differenzierte Rückkopplung kann eine einzelne
> Verkaufsperson (mit unterstelltem Verkaufsinteresse noch
> dazu!) niemals leisten. Könnte es nicht auch sein, dass
> dadurch GERADE im Internet Spiele gekauft werden, zu denen
> sich manch "Laufkunde" im Laden nicht hinreissen lassen
> konnte - unsicher, ob das Spiel qualitativ seinen
> Vorstellungen entspricht...?

Diese Einstellung teile ich nicht, da ich denke, dass die Leute, die in einem Laden von der Vielfalt "erschlagen" werden, kaum im Netz nach kleinen Verlagen surfen, die dadurch, dass sie nicht so bekannt sind, auch nicht überall vertreten bzw. mit einer Rezi bedacht werden. Was mir nur als Beispiel dienen soll. Wenn ein SPIELER in einen solchen Laden geht, sollte ihm das Herz höher schlagen (tut´s zumindest bei uns) - Wenigspieler wenden sich in unserem Laden nachweislich gleich an den netten Mann hinter der Theke mit der Frage, was man für so oder so einen Menschen für ein Spiel empfehlen würde, da sie selbst keine Ahnung haben.

> Letztendlich bleibt: "Robinhoodismus" ist m.E. im Bezug auf
> veraltete Geschöftsmodelle unengebracht und auch langfristig
> erfolglos. Dass auch Internetkäufer den Faktor Service und
> Qualität noch nicht gänzlich über den Preis stellen, zeigt
> sich am Erfolg von "Adam spielt". Die Adams sind eindeutig
> nicht der billigste Versand, dennoch einer der beliebtesten -
> wegen ihrem schnellen Service, der hervorragenden Verpackung
> und dem einmalig tollen, kostenlosen Katalog mit
> Spielebeschriebungen und -empfehlungen. Da zahle auch ich
> gern den ein oder anderen Euro mehr dafür. Und nebenbei:
> Würde ich an dieser Stelle fordern, gefälligst im Laden zu
> kaufen - wäre das nicht ein gleichsam großer Verrat an den
> (ebenso vielen!) arbeitenden Menschen, deren Existenz an
> Verkauf und Vertrieb über das Internet hängt...?

Tja, wie gesagt, da wurde meine Intention, glaube ich, missverstanden.

> Steffen (hofft, dass die gesundheitlichen Probleme bei den
> Adams bewältigt werden können, und auch schöne Katalog seine
> Fortsetzung erhält)

Es freut mich, wenn Du so begeistert von Deinem Internethändler bist, für mich (bzw. meine Frau und mich) besteht ein Teil der Spieleleidenschaft nicht zuletzt aus dem Gang in den Laden, um zu sehen, was es denn neues gibt oder Insiderinfos auszutauschen. Nicht jeder findet auch immer die Zeit (falsch: ist bereit, seine freie Zeit zum Surfen zu opfern - ja, das gibt´s auch noch...), um sich all diese Informationen aus dem Netz zu holen. Alle paar Wochen Samstag mal in den Laden gehen, ist dagegen schon drin bei uns.

Matthias

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Matthias

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Matthias » 10. April 2006, 09:39

Hallo Christiane,

einer der bislang letzten Beiträge, aber schön, dass auch noch jemand ein paar nette Worte über einen Spieleladen verlieren kann... :)
Dieses "Rettet die Spieleläden" wurde in meinem Thread hier irgendwann aufgebracht, ohne dass das meine Intention gewesen wäre. Interessant finde ich, dass Du eigentlich auch lieber in einem Laden kaufst als im Netz, dazu aber mehr oder minder gezwungen wurdest, nachdem Dein Laden sein Sortiment anders ausgerichtet hatte. Das war bisher aber auch mein einziger Punkt, der für mich für einen Internetkauf spricht: Wenn ich nicht in einer Stadt mit gutem Laden wohnen würde, würde wohl nichts anderes übrigbleiben, als online zu bestellen.
Man hörte hier auch allenthalben den Frust raus, das es keinen vernünftigen Laden gibt und die Leute einen quasi beneiden, wenn man selbst einen kennt. Schlechtes Personal und schlechtes Sortiment machen dann spätestens dem Vergnügen des Ladengehens den Garaus. Ich habe auch indirekt gleich drauf hingewiesen, dass ich das nicht objektiv angehen kann, da ich immer das Glück hatte, einen sehr guten Laden in meiner Stadt zu haben. Nebenbei brauche (und brauchte) ich mindestens eine halbe Stunde Auto-/Rollerfahrt, um ans Ziel zu gelangen. Also das öfter angeführte Argument des Weges kann ich zumindest zum Teil entkräften.
Ein Laden 5 Gehminuten entfernt ist beneidenswert; aber vermutlich wären wir dann tatsächlich schon pleite... ;)

Auch wenn´s nicht reinpasst, aber sag doch mal kurz, wie Thurn und Taxis war!

Matthias

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Mike Merten

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Mike Merten » 10. April 2006, 11:43

Grzegorz Kobiela schrieb:
>
> Lieber Matthias!
>
> Auch mich würden sehr gerne echte Gründe FÜR den lokalen
> Spielwarenhändler interessieren, denn momentan fallen mir da
> einfach GAR KEINE ein.

Ich sehe da z.B. folgenden: Im hiesigen Spieleladen (Spielkultur in Münster) ist jeden Montag ab 19 Uhr "offenes Spielen". Da kann man nicht nur die Spiele aus dem Laden in Ruhe ausprobieren, sondern auch eigene Sachen mitbringen. Einen Internet-Anbieter der mir ähnliches hier vor Ort anbietet, kenne ich nicht. Vielleicht gibt es das aber in anderen Städten.

Diese Möglichkeit, die Spiele aus dem Laden nicht nur in Ruhe auspacken und anschauen zu können, habe ich aber nur, so lange es diesen Laden auch gibt. Also gebe ich gerne mal ein paar Euro aus, um damit ab und zu einige zig Euros bei einem Fehlkauf zu sparen.

Außerdem kann ich in dem Laden einen Zettel ans Pinbrett heften, der dann auch von Leuten gelesen wird, die vor Ort sind. Oder kann nachschauen, wofür man sonst so grade Mitspieler sucht ...

Und Deinen Punkt 3 kann ich gar nicht nachvollziehen. Rezensionen kann ich mir doch auch durchlesen, bevor ich in einen Laden gehe.

nice dice
Mike

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Conny

Re: Veränderung von Strukturen?

Beitragvon Conny » 10. April 2006, 12:53

Hallo,

>Für mich persönlich sind die Argumente Faulheit (der lange Weg, Parkplatzsuch etc...), Geld und Mangel an Beratung keine Gründe für einen Internetkauf.


ok, das sind ja genau meine Gründe (danke übrigens für die Etikettierung "Faulheit")
1. leih dir ein beliebiges 2-jähriges Kind mit Kinderwagen, fahre 1h Stunde bis zu deinem Spieleladen am besten einen aussuchen in unbekannter Umgebung), suche einen Parkplatz, der 10 Gehminuten von deiner Einkaufsquelle entfernt ist.
2. dort angekommen, frage den Verkäufer nach schönen neuen Spielen, dabei musst du immer ein Auge auf das Kind haben! und als Antwort vom Verkäufer erhälst du eine Liste der grade fünf frisch eingetroffenen Spiele, die jetzt an Deinem Spielgeschmack vorbeigehen. Kaufe soviele Spiele wie du tragen kannst (also mit schlechter Beratung).
3. Fahre wieder 1h Stunde nach Hause.
4. stelle fest, es ist nur ein brauchbares Spiel dabei

wiederhole das ganze 3 Wochen später.
wiederhole das ganze 3 Wochen später.
Wie oft würdest du fahren?




Für mich persönlich ist eine gute Beratung der wichtigste Grund in ein Ladenlokal zu gehen.
Was war dein Grund nochmal?


Liebe Grüße
Conny

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Mike Merten

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Mike Merten » 10. April 2006, 13:36

Mike schrieb:
> Mein entscheidenstes Argument ist jedoch, dass man hier in
> Franken in einer Spiele-Diaspora lebt. Das mag in
> Ballungszentren anders sein (Ruhrgebiet, Frankfurt, Hamburg,
> Berlin). Wenn ich in Nürnberg bei
> Müller/Karstadt/Kaufhof/Obletter nach einem bestimmten Spiel
> suche (z.B. Wongar oder Age of Steam oder Conquest of the
> Empire)...dann ist dort Tote Hose. Was bin ich in Nbg und
> Erlangen und Forchheim herumgelaufen und habe nach Adlungs
> 'Zauberschwert&Drachenei" gesucht. Für das Benzingeld hätte
> ich online noch die Erweiterung bekommen. Was musste ich von
> einer Dame in einem kleinen Spielegeschäft hören: Leider
> besuchen uns nicht die Vertreter der anderen Spielverlage.
> Mit 'anderen' meinte sie die Nicht-Kosmos und
> Nicht-Ravensburger. Schaut Euch doch mal im 'gutsortierten'
> Spielegeschäft um, da glänzt nur das blaue Dreieck und der
> Kosmos. Wohl dem, der in Berlin wohnt oder in Hamburg...
>

Ich glaube, wir sollten erst einmal klären, was mit dem Begriff "Spieleladen" eigentlich gemeint ist. Die Spiele-Abteilung von Karstadt oder Kaufhof würde ich nie dazu zählen. Dort gibt es weder Auswahl noch Beratung. Schließlich sind das Kaufhäuser und keine Fachgeschäfte.
Besser sieht es (zumindest hier in Münster) in Spielwarenläden aus. Aber auch das ist für mich keine Spieleladen.
Ein Spieleladen ist für mich einer, bei dem das Spiel (also Caylus, Magic und Co) den Hauptumsatz und die Hauptladenfläche ausmachen, also ein Fachgeschäft mit dem Schwerpunkt Spiele.

Und wenn ich nach diesem Kriterium gehe, dann gibt es in diesen Läden bei weitem nicht nur Kosmos und Ravensburger.

nice dice
Mike Merten

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Matthias

Re: Veränderung von Strukturen?

Beitragvon Matthias » 10. April 2006, 14:08

Hallo Conny,

es ist verständlich, dass Du sauer auf die Titulierung bist, da ich in der Klammer hinter Faulheit ein paar (z.T. unpassende, wie ich zugeben muss) Punkte aufgeführt habe, die in den verschiedenen Beiträgen vorkamen. Und ein paar (ich müsste jetzt alle nochmal durchforsten) haben das mehr oder minder so geschrieben. Nenne es dann Bequemlichkeit bei diesen Leuten. Das mit der Parkplatzsuche war allein Deinem Statement entnommen, daher nicht passend. Aber ich habe den allgemeinen Eindruck gewinnen können, dass ein nicht unerheblicher Faktor die Bequemlichkeit ist (und eben der weite Weg zum Laden) und das ist eben für mich kein Argument.
Meine Gründe sind in der Tat die gute Beratung, die ich das Glück hatte, stets zu haben, sowie der Austausch vor Ort mit Gleichgesinnten, was für mich etwas anderes als ein Spieleabend ist. Gut, es ist schon so, dass auch ich einigermassen informiert über Neuheiten und Neuigkeiten bin, so dass ich bzw. wir auch schon etwas ganz bestimmtes anvisiert haben, wenn wir unseren Laden aufsuchen, von dem wir dann noch wissen möchten, was unser Händler davon hält. Abgesehen davon empfinde ich das Stöbern im Internet als lästig und kein Vergleich zum Stöbern in einem schönen Spieleladen; aber das ist meine ganz ganz persönliche Einstellung.
Deinem vorherigen Beitrag konnte ich einige einleuchtende Argumente entnehmen, die mir aber recht spezifisch scheinen und auf mich aufgrund des Kleinkindmangels nicht zutreffen.

Sei also nicht sauer. :)

Matthias

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Matthias

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Matthias » 10. April 2006, 14:12

Da stimme ich Dir zu. Es ist nur witzig, wenn Du nach all den Beiträgen schreibst, dass wir das "erstmal klären" müssen... ;)
Ja, Kaufhof und Co. sind keine Spieleläden, das sind Läden die ein paar Spiele haben. Ein Riesenunterschied. Und da Du das so schön definiert hast, kann man da dann z.B. auch getrost sowas wie Toys`R`Us (wie schreibt sich das??) aussen vor lassen.
Mir tun halt all die Leute leid, die noch nie einen wirklich guten Spieleladen kennengelernt haben.

Matthias

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Mike Merten

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Mike Merten » 10. April 2006, 14:32

Matthias schrieb:
>
> Da stimme ich Dir zu. Es ist nur witzig, wenn Du nach all den
> Beiträgen schreibst, dass wir das "erstmal klären" müssen...
> ;)

Was soll ich denn machen, wenn erst von "Spieleläden" die Rede ist, und dann Kaufhof genannt wird :-(

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Matthias

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Matthias » 10. April 2006, 14:34

:)

Hast ja recht, hast ja recht!

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Roland G. Hülsmann

Re: Spieleladen vs. Spieleversand

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 11. April 2006, 00:49

Mike Merten schrieb:

> Und wenn ich nach diesem Kriterium gehe, dann gibt es in
> diesen Läden bei weitem nicht nur Kosmos und Ravensburger.

Und dummerweise gibt derartige Läden nahezu nirgendwo in diesem unserem Land, so dass nur ein verschwindend geringer Teil der Leserschaft dieses Forums die Möglichkeit hat, sich eines solchen Angebotes zu erfreuen.

Gruß
Roland


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