Beitragvon Simon-spielbox » 16. Februar 2007, 12:38
Hallo Danny,
erst einmal vorweg: Ich habe Arkham Horror (engl. Neuauflage) aber "leider" nur die Originalversion von Fury of Dracula gespielt.
Beide Spiele sind sehr unterschiedlich. Arkham Horror ist kooperativ mit starkem Rollenspielelement während Fury of Dracula schön asymmetrisch und storylastig ist.
Sowohl die Grafik als auch der Spielfluss sind bei beiden typisch "amerikanisch", d.h. es wird viel gewürfelt, es gibt unzählig material und einiges an Glück...
Das Spielgefühl bei Arkham Horror lässt sich schwer zusammenfassen. Man versucht die meiste Zeit über das Spielbrett zu ziehen und an verschiedenen Orten Aufgaben zu lösen oder Gegenstände zu sammeln. Es lebt definitiv von dem Cthulhu-Mythos, was sich in vielen "schönen" Graphiken und Texten zeigt. Wer das düstere Horrorambiente mag kommt hier sicher auf seine Kosten.
Das Spiel ist geignet für 1-8 Spieler, wobei bei wenigen diese mehrere Charaktere steuern. Die Spielzüge sind sehr kurz und alles Böse wird durch das Spiel gesteuert (ziemlich geschickt gelöst sogar).
Die Regeln sind, entgegen der hier geläufigen Meinung ;) , nicht so wild und man hat das Spiel recht fix drauf. Es gibt nun einmal vieles was passieren kann aber man braucht mit Sicherheit kein Diplom um alles zu verstehen...
Nachteilig ist meiner Meinung nach, dass einige Charaktere schon zu Handlungen vorbestimmt sind wenn man das Spiel möglichst effektiv Spielen möchte. Genauer gesagt heißt das, dass es einen Spieler gibt, der immer Monster vermöbelt und einen der mehr oder weniger das ganze Spiel über Gegenstände sammelt und diese an die Kämpfer weiterreicht...
Hier noch mal kurz:
Pro: Graphik, Thema, Spielgefühl, Rollenspielelemente, Wiederspielreiz ist hoch
Contra: man wird gespielt (im Extremfall), lange Spieldauer und (anscheinend für viele eine zu komplizierte) Regel
Nun zu "Fury of Dracula"
Das Spiel muss sich immer dem Vergleich mit Scotland Yard stellen, obwohl dieser nur bedingt greift. Der Bewegungsmechanismus ist ähnlich und die deduktive Komponente natürlich auch.
Fury of Dracula erweitert dieses Konzept aber durch jede Menge "Chrom": es kommen Sonderereignisse, Ausrüstungsgegenstände und jede Menge Kämpfe hinzu.
Für mich ist Fury of Dracula definitiv eins der schönsten Spiele und eine geiale Umsetzung der Story. Dracula versucht innerhalb Europas seinen Einfluss zu vergrößern und seine dunklen Diener zu verteilen während Van Helsing & Co ihm immer dicht auf der Ferse sind und versuchen ihn zur Strecke zu bringen.
Auch hier nur noch mal kurz die Vor- und Nachteile:
Pro: Grafik, Thema, Kooperativ gegen einen Spieler
Contra: man könnte Argumentieren, dass es letztlich ein 2-Spieler Spiel ist, das alte Spiel hatte kein festes Ende (wurde im neuen bereinigt), etwas fizzelig (für einen deutschen Spieler, wurde mit der Neuauflage auch verbessert).
Fazit:
Es kommt mehr oder weniger auf das Thema drauf an. Beide Spiele sind atmosphärisch sehr dicht und leben von dem Spielgefühl. Die Spiele werden stark durch die Spieler beeinflusst, d.h. ein Spiel kann nur mit den richtigen, ambitionierten Spielern zum Erlebniss werden.
Beide Spiele verlangen einen gewissen Grad an der Buchhaltung, wobei hier Arkham Horror mehr verlangt. Von der Komplexität her sind beide auch vergleichbar.
Fury of Dracula spielt sich eigentlich in jeder Besetzung gut, wohingegen Arkham Horror (wenn es keine geübten Spieler sind) einfach irgendwann zu lange dauert und man oft das gleiche tut. Interessant ist Arkham Horror definitiv in kleineren Runden mit mehreren Charakteren pro Spieler.
So, ich hoffe das hilft dir ein bischen - wie gesagt: letztlich kommt es auf deinen Geschmack an. Wenn du düstere Horrorspiele magst wirst du mit beiden deinen Spass haben. Für mich ist Fury of Dracula (das alte wohlgemerkt) das schönere Spiel obwohl es anstrengender zu Spielen ist ;) Ich würde liebend gerne mal die Neuauflage ausprobieren, da ich denke, dass genau hier verbessert wurde.
Arkham Horror hat für mich seine Faszination aus der nahezu perfekten Lovecraft umsetzung - man muss jedoch eingespielt sein um das Spiel flüssig spielen zu können.
Ciao,
Simon