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Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Matthias

Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Matthias » 18. März 2007, 21:21

Guten Abend allerseits!

In den letzten Wochen stellte sich uns die Frage, ob sich bei uns (meiner beständigsten Spielerunde: meiner Frau und mir) eine Übersättigung eingeschlichen hat, die sich nicht nur aus den Neuerscheinungen eines Jahrgangs erklären lässt, sondern schleichend schon über einen grösseren Zeitraum hinweg eingetreten ist. Wobei ich - um Mißverständnissen vorzubeugen - nicht nur 2er- Spiele meine, sondern Spiele "beliebiger" Konstellation an Mitspielern. Und noch etwas muss hier natürlich unbedingt gesagt sein: nicht alle Spiele haben keinen Reiz mehr für uns... nur ziemlich viel neues verdirbt uns den Freizeitspass.
Kennt ihr das auch? Denkt noch jemand "lieber was bekanntes spielen, als was neues?"
Ich denke, die Frage ist vielleicht zu provokant formuliert, aber es ist ein Resümee vieler Wochenenden, an denen wir engagiert an Neuheiten herangingen (und davon haben wir noch einige auf Halde liegen...) und feststellen mussten, dass wir eher den Spass verloren haben (da wir nunmal ein Spiel mindestens einmal gerne durchspielen wollen, um uns einen Eindruck davon zu machen), als Spass zu haben: Viele Spiele, die wir angingen, die nicht nur nichts neues, sondern auch keinen weitereichenden Spielspass brachten, obwohl sie in der Kritik (in den einschlägigen Magazinen und Foren) als sehr oder zumindest empfehlenswert gehandelt wurden. Dazu kamen Anleitungen (obwohl ich mich an diesem beliebten Thema gar nicht aufhalten will), die einen Einstieg z.T. geradezu unmöglich machten.
Wir finden das schade, da wir uns begeistert auf neue Spiele stürzen und neue Welten und Erfahrungen sammeln wollen - nur wird das irgendwie immer schwieriger...
Kennt ihr das auch? Oder liegt das - aus irgendwelchen Gründen - an uns?

Ich möchte wie gesagt nicht missverstanden werden: es geht mir nicht einfach nur um miese Anleitungen; die bekommen wir meist auch in den Griff (obwohl miese Anleitungen oder ein Regelstudium von 38 Seiten und mehr durchaus ein Hemmnis sein können).

Viele Grüsse,

Matthias

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Braz
Kennerspieler
Beiträge: 6431

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Braz » 18. März 2007, 22:45

Hallo Matthias,

Matthias schrieb:
> ... nur ziemlich viel neues verdirbt
> uns den Freizeitspass......
> Kennt ihr das auch?


Oha, so Krass ist es bei uns nicht im Entferntesten.
Ich denke, dass es zum einen sehr viele Sammler gibt, welche sehr viele Neuheiten einfach in ihren "Bestand" aufnehmen wollen und zum anderen gibt es aber auch die, welche Spiele lieber mehrfach spielen wollen, um dadurch erst richtig Strategien planen und ausarbeiten zu können....
Ich denke, dass es bei mir wohl eine "gesunde" Mischung der beiden Extrema ist.

Gerade bei den neuen Spielen fand ich jedoch, dass diese oft sehr gut thematisch umgesetzt wurden (z.B. Khronos, Säulen der Erde, Space Dealer, Guatemala Café) und zum anderen aber auch genügend strategische "Hämmer" dabei waren, welche ihren Reiz mit Sicherheit noch lange behalten werden (Through the ages, Imperial, Canal Mania etc.).
Meines Erachtens bestichen gerade die Jahrgänge 2006/2007 durch eine Flut wirklich sehr guter neuer Spiele.

Dein geschildertes Empfinden kenne ich auch, muß aber sagen, dass es bei mir/uns dieses Jahr in keinster Weise ein solches Empfinden aufkam. Dazu gibt`s einfach zu viel Gutes .... ist jedenfalls meine Meiung ;)

Besten Gruß
Braz

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Ernst-Jürgen Ridder

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 18. März 2007, 23:04

Hallo Matthias,

das ist ein Thema mit vielen Aspekten, die teilweise etwas ausführlicher behandelt werden müssten.

Deshalb erst einmal nur relativ kurz:

Wir probieren auch gerne Neues aus. Zum Glück gibt es immer wieder Spiele, die auch wirklich Spaß machen, aber auch so manche, die einfach nur frustrieren.

Zu letzteren gehören für mich z.B. Siena, Khronos und Herr der Ringe (Phalanx), weil sie grottenschlechte Regeln haben. Wenn vor dem Spielspaß erst einmal ein enormer Arbeitsaufwand angesagt ist, weil Autor und Verlag ihre "Hausaufgaben" nicht gemacht haben, bevor man überhaupt spielen kann, verleidet mir das die Lust auf das betroffene Spiel.

Zu den Spielen der letzten Zeit, die gleich Spaß gemacht haben, gehören z.B. Maestro Leonardo, Thurn&Taxis, Gheos, Wikinger (ProLudo, das von HiG gibt es noch nicht, soweit ich weiß), Venedig, Guatemala Café, aber auch Um Krone und Kragen, Risiko-Express und Catan-Würfelspiel, um nur einige zu nennen.

Auch "Altes" spielen wir immer wieder gerne, so z.B. die Siedler von Catan in allerlei Variationen.

Das Problem bei Leuten wie mir, die die Beschäftigung mit solchen Spielen als Hobby betreiben, besteht meist darin, zu wenig Zeit und Muße zu haben. Will man Neues ausprobieren, verkürzt das die verfügbare Zeit für altbewährte Spiele. Ist das Neue dann nicht gut genug, schaut man enttäuscht auf die Zeit, die man für ein besseres Spiel hätte verwenden können.
Auf Kritiken kann man zwar achten, um solches zu vermeiden. Diese helfen einem aber nur, wenn man den Standpunkt des Kritikers kennt. Wenn ein Vielspieler hier z.B. Wikinger von PL ablehnt, könnte einem ein aus meiner Sicht wirklich schönes Spiel entgehen. Weiß ich, dass dieser Vielspieler einen Schwerpunkt Strategie-Spiele hat und einen starken Einfluss von Würfeln und Karten auf das Spielgeschehen nicht mag, kann ich die Kritik, die ja völlig ok ist, einordnen: Für mich weiß ich dann, dass ich das Spiel mögen kann, weil mir das mich interessierende Thema wichtiger ist als reine Strategie. Passen Würfel- und Karteneinsatz zum Thema, trifft das alle Spieler im wesentlichen gleich und kann man spielerisch trotzdem deutlich Einfluss nehmen, ist das für mich in Ordnung.

So hängt, denke ich, die Frage, ob Neues enttäuschend ist, wesentlich davon ab, ob man beim Kauf genügend darauf geachtet hat, ob das Spiel die eigenen Kriterien für ein als gut empfundenes Spiel erfüllt.

Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen
(Bei der Gelegenheit ist doch mal lobend zu erwähnen, dass die Grafik von Wikinger PL ohne die Hörner auf den Kampfhelmen auskommt)

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Grzegorz Kobiela

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Grzegorz Kobiela » 19. März 2007, 01:02

Matthias schrieb:
>
> Denkt noch jemand "lieber was bekanntes
> spielen, als was neues?"
>

Die Frage stelle ich mir jedesmal. Nachdem ich nun einige sehr gute, sorry, wollte sagen hervorragende Spiele kennen gelernt habe, die mir sehr viel Spaß machen, lasse ich mich meist nur noch schwerlich zu anderen Spielen überreden. Dennoch zwingt mich mein Sammeltrieb einige der schönen neuen Spiele zu kaufen, meist allein wegen einer tollen Idee oder des Materials wegen. Aber ich bemühe mich, alle meine Spiele auch irgendwann einmal auszutesten und dann hoffentlich verschiedene auch mehrmals zu spielen.

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Peter Gustav Bartschat

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 19. März 2007, 07:33

Matthias schrieb:
> Kennt ihr das auch? Denkt noch jemand "lieber was bekanntes
> spielen, als was neues?"

Zumindest für mich persönlich schließt sich das nicht gegenseitig aus.

Neben vielen Dauerbrennern, die ich immer wieder gern spiele, lerne ich auch gerne etwas neues.

Aber das gilt zum Beispiel auch für Bücher (ich habe in den letzen Jahren nach und nach das Gesamtwert von Karl May ein zweites Mal gelesen, aber zwischendurch auch immer wieder Neuerscheinungen), und Filme (meine DVD-Sammlung enthält so einiges, was ich schon ein Dutzend Mal oder mehr gesehen habe, aber trotzdem gehe ich immer wieder ins Kino).

Selbst James Cook, der Entdecker und mehrfache Weltumsegler, hat vermutlich nicht an jedem Tag seines Lebens nach neuen Kontimenten und Inseln gesucht, sondern es auch mal genossen, zu Hause im Schaukelstuhl zu sitzen und sich am Anblick seines vertrauten Vorgartens zu erfreuen.

Zum Glück ist man nicht gezwungen, dem eigenen Hobby ein "Leistungsverzeichnis" überzustülpen: Wenn es mal eine Phase gibt, in der man eigentlich nichts neues spielen möchte, dann ist doch nichts einfacher, als das einfach auch nicht zu tun. Ein halbes Jahr später ertappt man sich vielleicht selbst dabei, wie man begehrlich auf die Cover und Rezensionen der Neuerscheinungen schielt ... und dann macht man´s einfach wieder anders.

Mit einem lieben Gruß
Gustav

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Herbert

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Herbert » 19. März 2007, 08:03

Hallo Matthias

Matthias schrieb:
>
> Guten Abend allerseits!
>
> In den letzten Wochen stellte sich uns die Frage, ob sich bei
> uns (meiner beständigsten Spielerunde: meiner Frau und mir)
> eine Übersättigung eingeschlichen hat, die sich nicht nur aus
> den Neuerscheinungen eines Jahrgangs erklären lässt, sondern
> schleichend schon über einen grösseren Zeitraum hinweg
> eingetreten ist. Wobei ich - um Mißverständnissen vorzubeugen
> - nicht nur 2er- Spiele meine, sondern Spiele "beliebiger"
> Konstellation an Mitspielern. Und noch etwas muss hier
> natürlich unbedingt gesagt sein: nicht alle Spiele haben
> keinen Reiz mehr für uns... nur ziemlich viel neues verdirbt
> uns den Freizeitspass.

Das Gefühl ist mir nicht ganz unbekannt. Liegt bei mir daran, dass ich früher mehr Zeit zum Spielen hatte. Trotzdem bleibt man natürlich am Ball und kauft sich auch neue Spiele, man will ja nichts verpassen. Und ab dem Moment des Kaufes hat man im Hinterkopf, dass man das Spiel nun mal spielen muss.

Dieses "muss" ist das Problem. Man sollte dahingehend umdenken, dass man einen grossen Vorrat an noch nicht gespielten Spielen besitzt. Und dann sollte man nur spielen, wenn man wirklich Lust darauf hat. Und das, worauf man Lust hat.

> Kennt ihr das auch? Denkt noch jemand "lieber was bekanntes
> spielen, als was neues?"

Ja, und dann sollte man genau das auch tun.

> Ich denke, die Frage ist vielleicht zu provokant formuliert,
> aber es ist ein Resümee vieler Wochenenden, an denen wir
> engagiert an Neuheiten herangingen (und davon haben wir noch
> einige auf Halde liegen...) und feststellen mussten, dass wir
> eher den Spass verloren haben (da wir nunmal ein Spiel
> mindestens einmal gerne durchspielen wollen, um uns einen
> Eindruck davon zu machen), als Spass zu haben: Viele Spiele,
> die wir angingen, die nicht nur nichts neues, sondern auch
> keinen weitereichenden Spielspass brachten, obwohl sie in der
> Kritik (in den einschlägigen Magazinen und Foren) als sehr
> oder zumindest empfehlenswert gehandelt wurden. Dazu kamen
> Anleitungen (obwohl ich mich an diesem beliebten Thema gar
> nicht aufhalten will), die einen Einstieg z.T. geradezu
> unmöglich machten.
> Wir finden das schade, da wir uns begeistert auf neue Spiele
> stürzen und neue Welten und Erfahrungen sammeln wollen - nur
> wird das irgendwie immer schwieriger...

Bei mir liegt das auch daran, dass ich mir inzwischen fast alle Spiele über die Regeln selbst erarbeite. In früheren Jahren wurde mir vieles einfach erklärt, da habe ich die schlechten Regeln nicht so bemerkt.

> Kennt ihr das auch? Oder liegt das - aus irgendwelchen
> Gründen - an uns?

Einen prinzipiellen Trend sehe ich eigentlich nicht - vielleicht liegt es am älter bzw. reifer werden.

> Ich möchte wie gesagt nicht missverstanden werden: es geht
> mir nicht einfach nur um miese Anleitungen; die bekommen wir
> meist auch in den Griff (obwohl miese Anleitungen oder ein
> Regelstudium von 38 Seiten und mehr durchaus ein Hemmnis sein
> können).
>
> Viele Grüsse,
>
> Matthias

Gruss aus dem Münsterland
Herbert

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Matthias

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Matthias » 19. März 2007, 09:34

Danke für eure Darstellung der Sichtweise.

Mein Problem besteht in letzter Zeit darin, dass Spiele, die - aus ersten Informationen oder einem Anspielen in Essen etc. - genau in unserem Focus liegen müssten, es nicht mehr tun. Ernst-Jürgens letzter Punkt ist unser Knackpunkt.
Ich erarbeite stets alle Regeln und wir haben über Jahre eine grosse Sammlung zusammengetragen. Und wie Braz meinte, so denken eigentlich auch wir, dass dieser Jahrgang ein guter ist. Aber alle möglichen Spiele, die alle Welt toll findet und die wir auch toll gefunden hätten, vor ein paar Jahren zumindest, sind auf einmal nichts besonderes mehr. Nicht ausgefallen genug, einmal zuviel die Verknüpfung von Bekanntem.
Ich lese hier gerne den Austausch über Spieleerfahrungen und das war auch häufig animierend, nun selbst an dieses oder jenes Spiel heranzugehen - und dann sind wir einfach enttäuscht. Nun haben wir schon Spiele mehrfach versucht, die uns von Anfang an nicht recht gefielen, nur, weil alle Welt die gaanz toll findet (waren auch welche von den hier im Thread genannten dabei). Dennoch wollte sich die alte Freude nicht einstellen.
Vielleicht hat Herbert recht, vielleicht liegt es am älter werden. Aber unsere grundsätzliche Begeisterung für Spiele ist noch die selbe eigentlich. Gut, ich habe auch beruflich mit Spielen zu tun - aber das macht die Sache eher interessanter als dass es hemmend wäre. Es werden nur immer weniger, die uns noch fesseln können. Das finden wir schade.
Und natürlich hat Gustav recht, dass man kein Leistungsverzeichnis anlegen muss - es ist aber schon ein Drang da und wenn wir all die neuen Spiele sehen, die sich stapeln (und es werden dann doch immer mehr über´s Jahr), dann denken wir gerade an Wochenenden häufig, "jetzt muss es DOCH mal was neues sein...". Und es geht viel zu oft wieder los...

Matthias

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Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Ralf Arnemann » 19. März 2007, 10:22

Ich habe etwas Schwierigkeiten, die Frage zu verstehen.
"Wie oft macht ein Spiel noch Spaß" klingt nach der Frage, wie oft man die altbewährten Spiele "aushält".
Im Text geht es dann aber im Gegenteil darum, wieviel Lust man noch auf Neuheiten entwickelt.

Bei unserer Spielerunde kann ich da keine Gesetzmäßigkeit feststellen.
Immer wieder stellt man natürlich bei den Neuheiten fest, daß sie einem oder mehreren Beteiligten nicht so gefallen.
Manche Spiele werden zwar als gut befunden, so nach dem Motto "müßte man öfter spielen", erzeugen aber offenbar nicht genügend Motivation, dies wirklich zu tun.

Und andere werden aus dem Stand zu Hits.

Letztes Jahr waren wir zum Beispiele einige Monate lang fast nicht mehr für Neuheiten zu motivieren.
Da kamen nur Klassiker auf den Tisch, die ohne große Worte sofort gespielt werden konnten: Städte & Ritter, El Grande, Zug um Zug, Attika und immer wieder Puerto Rico.

Dann kam Essen, und pflichtgemäß wurden die Neuheiten durchprobiert - einige davon haben durchaus gefallen (z. B. Yspahan).

Und dann kam plötzlich Railroad Tycoon. Das ist seinerzeit völlig an uns vorbei gegangen, wird derzeit verramscht und ich habe es nur wegen Thema und dem vielen schönen Material gekauft.

Und plötzlich springen alle drauf an, die diversen Strategien werden durchgespielt, Spieler tauchen auf, die schon länger nicht mehr dabei waren, zusätzliche Spieltermine werden angesetzt - alleine dieses Wochenende haben wir es dreimal gespielt.

Alles schwer erklärlich.

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anderer Matthias

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon anderer Matthias » 19. März 2007, 10:22

Ich denke mal jeder legt an ein Spiel gewisse Kriterien an (zu hoher Glücksfaktor, vlt liebt man Versteigerungen, oder man mag keine Mehrheitenspiele, etc...) und entscheidet dann ob es einem gefällt oder nicht. Dadurch ergibt sich für manche ein weites Spektrum an Spielen bei einigen ein eher enges. Da kann es eben gut sein, dass mal eine zeitlang nichts Aufregendes dabei ist...vor allem wenn ein Kriterium ist, dass es immer was neues sein soll. Ich kann z.B. das x-te Mehrheitenspiel toll finden, wenn es gut gemacht ist. Andere sagen es ist nichts neues und damit durchschnittlich...manche sprechen dann auch von Enttäuschung und einem schlechten Spiel. Ich glaube man sollte sich einfach mal fragen was man von einem guten Spiel erwartet und seine Spiele nach diesen Kriterien aussuchen. Das man da über die Jahre hinweg anspruchsvoller wird ist eher normal und vlt hat man auch mal einen Durchhänger und findet garnichts gut. Mein Tip: Eine Weile aussetzen und dann gezielt etwas spielen von dem man vorher weiß dass es genau seine Kragenweite ist.

P.S.: Ich fand auch nicht, dass bei den Nürnberg Neuheiten die ich bis jetzt gespielt habe wirkliche Knaller dabei sind ;-).

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Matthias

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Matthias » 19. März 2007, 10:36

Hallo Ralf,

ja, Du hast recht. Diesen Aspekt hatte ich dann letztlich gar nicht in meine Ausführung mit eingebracht, nachdem ich mir den anderen Frust von der Seele geschrieben hatte... Aber das ist dennoch im Zusammenhang ähnlich: Viele der Neuheiten spielen wir und wenn wir sie dann ganz gut finden, fehlt oft der Wiederspielreiz - der geht uns immer mehr verloren. Wir fragen uns auch, warum so viele Spiele nicht mehr "dauerhaft", bzw. länger fesseln können und ob das nur uns so geht.

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Peter Gustav Bartschat

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 19. März 2007, 11:17

Matthias schrieb:
> [...] Wir
> fragen uns auch, warum so viele Spiele nicht mehr
> "dauerhaft", bzw. länger fesseln können und ob das nur uns so
> geht.

Meine Frau zu sage pflegt: "Die Antwort auf Fragen, die beginnen mit 'Bin ich eigentlich einzige, der ...' lautet immer: 'Nein'."

Ich selbst erlebe die Begegnung mit neuen Spielen zwar nicht immer so enttäuschend wie du, lieber Matthias - speziell mit "Die Säulen der Erde" und "Through the Ages" habe ich etwa zwei neue Spiele, die mir außerordentlich gut gefallen, und die ich mehrfach gespielt habe, ohne dass der Spaß nachlässt - aber ich bin sicher, dass es mehrere Leute gibt, die neuere Spiele eher mit unangenehmen Assoziationen verbinden.

Flappsig ausgedrückt, bin ich dessen deshalb so sicher, weil die "Früher war alles Besser"-Sichtweise recht weit verbreitet ist. Ich persönlich habe zum Beispiel das Gefühl, Godzilla-Filme seien den 60er Jahren auf geheimnisvolle Weise viel bessere Filme gewesen als heute, wenn ich sie mir wieder auf DVD ansehe.

Es hat natürlich seine Gründe, weshalb das so ist ... aber die liegen vielleicht gar nicht mal daran, dass früher wirklich alles besser war (genausowenig, wie früher zu Weihnachten immer Schnee gelegen hätte, obwohl eine Menge Leute Stein und Bein darauf schwören), sondern vielleicht daran, dass der persönliche Geschmack irgendwann einen Punkt erreicht, an dem er fertig ausgebildet und sich konsolidiert. Es mag da einen Punkt geben, von dem ab einem neue Dinge einfach nicht mehr gefallen mögen.

Jede Generation macht wohl aufs Neue die Erfahrung, dass die Musik, von der man selbst mit 20 ganz sicher ist, dass sie die beste Musik überhaupt ist, von diesen alten Säcken völlig zu unrecht immer als hässlich und laut abqualifiziert wird, während sie doch in Wahrheit melodisch und emotional bewegen ist. Und was macht die nächste Generation, wenn man selbst mal 40 geworden ist? Hört sich hässliche und laute Musik an und beharrt stur auf ihrem Geschmack, obwohl man selbst doch überzeugend erklären kann, dass dieser neue Kram nichts taugt.

Ein anderer möglicher Aspekt ist, dass unser Gedächtnis zur Auswahl der Erinnerungen neigt, die es als speichernswert erachtet. Man stellt vielleicht fest, dass es 2006 nicht mehr als 2 Spiele gegeben hat, die des wiederholten Spielens wert waren und vergleicht das dann mit den 50 tollen Spielen, die man "von früher" kennt. Würde man aber eine Zeitreise zurück in ein beliebiges vergangenes Jahr machen, fände man dort unter den Neuerscheinungen vermutlich auch nicht mehr begeisternde Spiele.

Und irgendwo in diesem Spannungsfeld von Geschmack und Gedächtnis entsteht dann die Frage, weshalb einem die neuen Spiele eigentlich nicht mehr so recht gefallen mögen.

Und warum mag das dann bei mir nicht so sein, obwohl ich doch die 50 längst überschritten habe? Vielleicht kenne ich noch nicht genug Spiele, um eine fest Vorstellung davon zu haben, wie Spiele sein müssen. Oder ich neige einfach nicht dazu, im Voraus Erwartungen im Hinblick auf mir noch unbekannte Dinge zu hegen. Oder ich erinnere mich zu gut daran, dass die Dinge früher auch nicht viel anders waren als heute.

Aber vielleicht ist alles eigentlich doch ganz anders ... wer weiß das schon!

Mit einem lieben Gruß
Gustev

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Stefan Fröhlich

[OT] Danke

Beitragvon Stefan Fröhlich » 19. März 2007, 11:25

Besser kann man es fast gar nicht ausdrücken
Herzlichen Dank
Stefan

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Klaus Regenbrecht

RE: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Klaus Regenbrecht » 19. März 2007, 11:33

"Matthias" hat am 19.03.2007 geschrieben:

> Wir fragen uns auch, warum so viele Spiele
> nicht mehr "dauerhaft", bzw. länger fesseln können und ob
> das nur uns so geht.

Genau dieses Phänomen beobachten wir hier bei uns und bei unseren Kunden und Spielkreisen!
Unter anderem erklärt sich der einschleichende "Frust" und die drastisch schwindende Kauflust auch damit, dass genau betrachtet, in den letzten Jahren keine "wirklichen" Neuheiten mehr auf den Markt kamen. Man kennt eigentlich schon alles. Ein neuer Bietmechanismus eine neue Stichvariante etc. halten oft schon dafür her, ein weiteres Spiel darüber zu stülpen und wieder Masse zu produzieren.
Den doch recht kleinen Kundenkreis der sogenannten Freaks darf man in dieser Betrachtung zum Teil herausnehmen. Die Kunden und Spielgruppen der 80er Jahre, die sich praktisch alle Neuheiten einverleibten gibt es heute so gut wie gar nicht mehr!
Klaus

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Wolfram Püchert alias WeePee

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Wolfram Püchert alias WeePee » 19. März 2007, 13:05

..... viel zum Thema "Übersättigung" .....

Macht einfach mal 2 Monate Pause. Danach macht es sicher wieder Spaß.

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Marion Menrath
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Beiträge: 447

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Marion Menrath » 19. März 2007, 14:15

Bei mir hat sich dieses Frühjahr ein Gefühl des Überdrusses eingestellt. Ich habe noch nicht mal alle Herbstneuheiten ausgiebig getestet und schon startet der Hype um die Frühjahrsneuheiten. Through the ages konnte ich z.B nur zweimal mit den Anfängerregeln antesten.

Ohne dies sofort statistisch belegen zu können, ist mein Eindruck schon, dass die Zahl der Neuerscheinungen im Vergleich zu vor zehn Jahren zugenommen hat. So bleibt weniger Zeit für das einzelne Spiel. Außerdem geht unser Platz für Neuanschaffungen langsam zu Ende. ;)

Ich merke, dass ich bei möglichen Anschaffungen nun deutlich kritischer aussortiere:
Im Schatten des Kaisers: Einmal inmitten des Messelärms in Essen angespielt und als unnötig verkompliziert eingestuft. Nie mehr angefasst.
Wallenstein: Einmal mit nur wenig Spielverständnis geplättet worden und schon ist das Spiel als weiteres Mehrheitenspiel mit Königmachereffekt abgeschrieben.

Einerseits würde ich gerne mal wieder alte Schätzchen ausgraben: Schoko und Co oder das alte Löwenherz, Adel verplfichtet und dergleichen. Dafür müsste ich mir aber die Regeln neu erarbeiten und Mitspieler finden. . .

Andererseits sind unter den neuen Spielen auch immer wieder welche, die mir spontan gefallen, mit leicht zugänglichen Regeln, grafisch schön aufgemacht, zum Mechanismus passender Thematik, auch gerne mit Glücksfaktor. So lande ich dann bei Neuheiten, die hier im Forum öfters als eines wahren Freaks unwürdig niedergemacht werden: z.B Thurn und Taxis, Säulen der Erde, Um Krone und Kragen. Wenn ich dann mal Zeit für ein Spielewochenende habe, mag ich auch lieber viele kleinere Spiele testen, als eine ganze Nacht lang Civi zu spielen, wo ich eventuell zwei Stunden vor Ende weiß, dass es nicht für einen vorderen Platz reichen wird. Und vor der Rente sehe ich nicht, dass sich dieser persönliche Trend zum schneller und leichter verdaulichen Spiel bei mir wieder umkehren wird. ;)

Danach könnte man ja eine Rentner-WG mit einem großen gemeinsam bestückten Spiele-Saal denken. ;)

Marion

P:S: Trotzdem lese ich aufmerksam die Threads zu Neuheiten, z:B zu Guatemala Cafe. Plantagen, Schiffe und Kaffee hören sich an wie Ingredienzen eines guten Spiels. :lol:

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Hendrik

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Hendrik » 19. März 2007, 14:19

Matthias schrieb:
>Denkt noch jemand "lieber was bekanntes
> spielen, als was neues?"

Für mich gibt es nichts langweiligeres, als 5 Mal hintereinander das selbe Spiel zu spielen. Ich bevorzuge die Abwechslung.
Klar, bei einem neuen Spiel geht man das Risiko ein, dass es trotz sorgfältiger Auswahl nicht zu gefallen weiss.
Aber gearde weil ich gerne abwechsle und gute Spiele nicht "überspiele", habe ich auch heute noch Freude an bspw. El Grande. Der Mix macht's (um einen Spruch aus der Werbung zu zitieren).

Cheers Hendrik

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Matthias

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Matthias » 19. März 2007, 14:47


> Andererseits sind unter den neuen Spielen auch immer wieder
> welche, die mir spontan gefallen, mit leicht zugänglichen
> Regeln, grafisch schön aufgemacht, zum Mechanismus passender
> Thematik, auch gerne mit Glücksfaktor.

Das ist ein weiterer Punkt, den ich aussen vor gelassen habe: Wir stellen auch bei uns immer mehr fest, dass wir nicht mehr die Muße haben, uns wie in CIV- Zeiten durch Anleitungs- man muss schon sagen- bücher zu lesen, um nach vielen Stunden mit dem eigentlichen Spiel zu beginnen. Dabei wurden wir früher immer belächelt, wenn wir 8 Stunden Anleitung studierten, um dann am nächsten Tag mal mit dem eigentlichen Spiel zu beginnen... Sowas kommt nur noch selten vor; nicht zuletzt wohl auch unter dem Aspekt "lohnt sich der Aufwand denn wirklich oder kommt dann wieder nur was mittelmässiges dabei raus, für das wir im Vorfeld schon Stunden investieren durften?".
Allerdings sind uns einfache Spiele - so gut sie auch sicher sein mögen - auf Dauer auch zu unbefriedigend, so dass wir da ein gewisses Dilemma haben.

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Matthias

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Matthias » 19. März 2007, 14:53

Das ist bei uns allerdings auch oft so - wir konsumieren Spiele. Und nur wenige schaffen es, uns länger zu fesseln. Da das früher weit öfter der Fall war, fragen wir uns nun, ob das an uns oder den Spielen liegt... Und wie Marion schon sagte, es existiert auch da noch eine Hemmschwelle, bei doch irgendwann mal bekannten Spielen nochmal die Anleitung zu lesen und sich erneut hineinzubegeben. Da werden manche alte Perlen (wenn´s denn schon wirklich lange her ist) zu neuen Spielen. Aber wenigstens weiss man dann ja, dass sie einem zumindest damals gefallen haben. ;)

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Marc Noelkenbockhoff
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Beiträge: 283

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Marc Noelkenbockhoff » 19. März 2007, 15:05

Hi,

auch ich gehöre zu denen, die schon mehr Spiele haben, als ich wohl jemals spielen kann. Und hier steckt für mich das größte Dilemma. Einerseits möchte ich Spiele ausreizen, aber natürlich auch neue Spiele ausprobieren.
Bei einigen Spielen geht dies prima mit der BSW. St. Petersburg z.B. ist eins meiner absoluten LIeblingsspiele. Ich habs 3x am Brett gespielt, aber über 2000x in der BSW. Und es macht Spaß, mit der Menge der Spiele nach und nach die Feinheiten zu entdecken (z.B. die Steuerung des Spielendes, nehme ich eine Karte auf die Hand oder lege sie aus usw.). Diese Aspekte gehen verloren, wenn man ein Spiel nur selten oder gar nur einmal spielt.
Habe z.B. Tikal einmal vor ein paar Jahren gespielt und letzte Woche mit meiner Freundin wieder ausgepackt. Das 1. Spiel nach der langen Zeit war ein wenig chaotisch, weil ich gar nicht mehr genau wusste, welche Strategie ich spielen muss. Aber ich habe es jetzt in der Woche 4x gespielt und kenne es jetzt besser und damit steigt auch der Spass, wenn man das Spiel "durchschaut" hat.
Aber wenn mich ein Spiel gar nicht packt beim 1. Mal fehlt natürlich die Lust, es weiter auszuprobieren.
Als Beispiel nehme ich hier mal Hermagor (könnten auch andere Spiele sein).
Eigentlich ein sehr schönes Spiel. Aber da es am Ende für alles mögliche Punkte gibt, ist es mir zu willkürlich. Man spielt lange und am Ende gewinnt jemand wegen der Hauptstraßenwertung mit einem Punkt Vorsprung, obwohl dieser Spieler (das war ich :-) ) nicht mal darauf gespielt hat, sondern per Zufall diese Wertung gewonnen hat. Teilweise haben die Mitspieler daran auch gar nicht mehr gedacht. Klar, wenn man das Spiel ein zweites Mal spielt, hat man das im Kopf und achtet darauf. Aber bei der Masse an Spielen muss man erst mal zu einem 2. Spiel kommen.

Gruß

Marc (ohne Klammersatz)

Mist, dass war ja doch einer :-)

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Marion Menrath
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Beiträge: 447

Re: Wie oft macht ein Spiel noch Spaß?

Beitragvon Marion Menrath » 19. März 2007, 22:52

Ehrlich gesagt war es mir neulich schon zu viel, als wir uns zu viert an die Regeln von Samarkand gemacht haben (das wollte ich eigentlich schon seit Essen ausprobieren). Nur wenn man dann ständig nachlesen muss, geht die Lust etwas verloren. Ich bereite sowas lieber in Ruhe vor. Noch schöner ist es natürlich, wenn es einer erklären kann. ;) In der Zeit, in der wir nur Regeln gelesen haben, hatte der Nachbartisch ein komplettes Railroad Tycoon nach einer kurzen Erklärung gespielt.

Marion


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