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Modern Society & "aktuelle" Themen überhaupt ...

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Duchamp

Modern Society & "aktuelle" Themen überhaupt ...

Beitragvon Duchamp » 20. Oktober 2009, 08:25

"Modern Society" von Jussi Autio (Tuonela) ist ein Spiel, in dem die heutige Gesellschaft gestaltet wird. Die Spieler haben Handkarten, mit denen sie die Wichtigkeit von vier gesellschaftlichen Werteskalen beeinflussen (Humanistische Werte, ökologische, ökonomische und sog. "harte Werte" wie Sicherheit, Überwachung, etc.) und Punkte in diesen vier Werten sammeln, mit denen sie wiederum Gesetze kaufen können, die wiederum ...
Interessant sind die internen Verknüpfungen zwischen den Karten, denen man die 5 Jahre Entwicklungszeit anmerkt. Und eben auch Karten wie "Krieg in Afghanistan", "Emissionshandel", "Gleichberechtigung für Homosexuelle", "Handy-Boom" oder "Neo-Nazis" ...

Was mich jetzt umtreibt, ist die Frage: Warum gibt es so wenig Spiele, die die "moderne Gesellschaft" überhaupt noch thematisieren? In den 70er-Jahren waren "aktuelle" Themen wie "Öl für uns alle" oder Börsenspiele mit realem Vorbild keine Seltenheit, heute scheint alles im Mittelalter angesiedelt sein zu müssen, um von einem Verlag (zumindest einem größeren) auf den Markt gebracht zu werden - und erfolgreich zu sein.
Siehe auch Wolfgang Kramers Re-launches (Big Boss als Alcazar, Tycoon als El Capitán) ...
Und selbst ein Spiel wie "Machtspiele" kommt im Retro-Look daher ...

Gibt es weitere Spiele mit ungewöhnlich "modernen" oder gesellschaftlich relevanten Themen in Essen 09?

Mir kommen da erst mal nur die folgenen in den Sinn:
- Modern Society (s.o.)
- Politix (ebenfalls Finnisch, Onni)
- Mali powstańcy - Warszawa 1944 (Egmont Polska) - zwar 1944, aber ein ungewöhnlich ernstes Thema mit Begleitheft zum Background.
- Funkenschlag - Fabrikmanager (2F)
- Klima-Poker (BeWitched)
- Ideology (2nd ed.) Z-Man games

Unter den hunderten von exotischen Städtenamen, Fantasy-Welten und dergleichen eher mager ...

Meinungen? Thesen? Statements? Mehr Spiele?

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Micha A.
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Beiträge: 1340

RE: Modern Society & "aktuelle" Themen überhaupt ...

Beitragvon Micha A. » 20. Oktober 2009, 09:15

> Was mich jetzt umtreibt, ist die Frage: Warum gibt es so
> wenig Spiele, die die "moderne Gesellschaft" überhaupt noch
> thematisieren?
> - und erfolgreich zu sein.

Der letzte Satz ist meiner Meinung nach die Antwort. Weil keiner sowas kauft. Wobei "keiner" in diesem Fall bedeutet: keiner aus der breiten Masse. Uns Vielspieler, die wir jeder schon eine mindestens dreistellige Anzahl von im Mittelalter angesiedelten Spielen daheim haben und ständig nach Neuem (sowohl bzgl. des Mechanismus als auch des Themas) lechzen nehme ich da ganz klar mal aus!

Denn wer spielt, möchte doch normalerweise abschalten, entspannen und nicht mit Problemen des Alltags konfrontiert werden (viele scheitern ja schon am Problem des Lesens und Verstehens der Anleitung). Spielen soll einfach sein und einfach Spaß machen. Wirtschaftskrise nachspielen ist da wohl eher nicht so der Bringer, v.a. wenn der Verdiener Kurzarbeit hat und die Familie den Gürtel ohnehin enger schnallen muss.
Abgesehen davon das ich bezweifle, dass ein solches Thema Kinder/Jugendliche in großem Maße interessiert - bleibt als Zielgruppe der reine Erwachsenenmarkt.

Gruß
Micha (Dem als Spiel mit aktuellem Thema noch dieses Abwrackdingens einfällt)

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peer

Re: Modern Society & "aktuelle" Themen überhaupt ...

Beitragvon peer » 20. Oktober 2009, 09:22

Hi,

"Crunch" zur Wirtschaftskrise fällt mir da noch ein.
Aber ich denke: Während in den 70ern vielleicht etwas optimistischere Stimmung herrschte ("Wir werden alle reich!") während man heute von all den Problemen eher nichts wissen will...
ciao
peer

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Duchamp

Branche / Kunde ...

Beitragvon Duchamp » 20. Oktober 2009, 09:56

Micha A. schrieb:
> Denn wer spielt, möchte doch normalerweise abschalten,
> entspannen und nicht mit Problemen des Alltags konfrontiert
> werden.

Klar, das Argument kennt man auch aus anderen Branchen (ich mal wieder als Drehbuchautor ...), aber dennoch schlagen TV-Krimis mit "aktuellen Bezügen" auch ein, wenn sie gut gemacht sind.

Und in den 70ern war ja nun auch schon Ölkrise, Hungersnöte, Kalter Krieg, etc. ...

Manchmal habe ich eher so ein gefühl von gegenseitiger Verstärkung: Die Branche schaut, was sich gut verkauft, produziert in dieselbe Richtung, der Kunde hat eh`keine Wahl, kauft das Immergleiche, und die Branche macht immer so weiter.

Anders herum: Wäre das Angebot hematisch vielfältiger, wären die Erwartungen der Kunden auch anders.

Mit "aktuell" meine ich ja noch nicht einmal nur "problembelastet" - unsere heutige Welt findet ja nicht einmal statt. Was hindert einen Spieleverlag, irrwitzige Postboten Briefe auszuteilen, statt Postkutschen durchs Biedermeier zu schicken?

Mit aktuellem Gruß aus der jetztzeit,

Daniel

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Duchamp

Re: Modern Society & "aktuelle" Themen überhaupt ...

Beitragvon Duchamp » 20. Oktober 2009, 09:58

Ach ja, die 70er: Autofreie Sonntage, "Heißer Herbst", Ölkrise, Sahelzone, Vietnam-Krieg-Trauma, Kalter Krieg - waren das noch Zeiten ... ;-)

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peer

Re: Modern Society & "aktuelle" Themen überhaupt ...

Beitragvon peer » 20. Oktober 2009, 10:08

Hi,
natürlich - schön waren die nicht (welches Jahrezenht war das schon?) Aber vielleicht war die Wahrnehmung nicht so schlimm. Keine Ahnung, ich kann mich nur an die 80er Jahre erinnern (und die waren furchtbar).
Vielleicht werden aktuelle Themen auch mit den damaligen Spielen assoziiert? *gg

Nein,mal im ernst: Ich denke, viele Leute wollen beim Spielen irgendwie dem "Alltag entfliehen" und das gelingt nicht, wenn man den Alltag spielt.
Ich fände solche aktuellen Spiele schon interessant, aber Verlage schrecken wohl tatsächlich eher davor zurück.

ciao
peer


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