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Was macht ein gutes Gesellschftsspiel aus?

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Markus Nikisch

Was macht ein gutes Gesellschftsspiel aus?

Beitragvon Markus Nikisch » 4. April 2000, 17:49

"Ein gutes Spiel ist ein Spiel, das uns ein Leben lang begleitet." (Wolfgangt Kramer) Was macht ein gutes Gesellschaftsspiel aus? Kann man wissenschaftlich darübwer bestimmen, was ein gutes oder schlechtes Spiel ist? Gibt es Kriterien, die darüber auskunft geben, was ien gutes Spiel ist und was nicht?
Ich möchte hier eine Diskussion über dieses Thema starten. z.B. Spielbox und die Jury "Spiel des Jahres" haben Kriterien... ist es aber überhaupt möglich für alle Spieler repräsentativ von einem "guten" Spiel oder wie die Jury sagt, von dem "Spiel des Jahres" zu reden.

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Erhard Portner

Re: Was macht ein gutes Gesellschftsspiel aus?

Beitragvon Erhard Portner » 4. April 2000, 20:39

Ich glaube, letztlich werden Spiele immer Geschmacksache sein. Ob ein Spiel als "gut" empfunden wird, dürfte von persönlichen Stimmungen, von den Mitspielern und von vielerlei anderen Faktoren abhängen.
Ich denke, wir haben doch alle schon die Erfahrung gemacht, dass ein und dasselbe Spiel einmal als spannend, interessant, lustig oder wie auch immer positiv empfunden wird, und zu einem anderen Zeitpunkt - sei es, weil wir oder unsere Mitspieler anders "drauf" waren - als weniger interessant angesehen wird. Ich denke, allgemein gültige Kriterien, wie ein "gutes" Spiel sein muss, lassen sich nicht aufstellen.
Es gibt unendlich viele Leute, die wahnsinnig gerne "Uno" spielen, und andere Leute finden ihre spielerische Erfüllung nur in Spielen wie "18xx" oder "Civilization". Dritte mögen ausschließlich nur "Schach" und sonst nichts. Wiederum andere finden grundsätzlich alle Spiele "blöd" und die Beschäftigung damit als reine "Zeitverschwendung". Wer möchte hier richten?
Ein weiterer Gesichtspunkt kann in diesem Zusammenhang übrigens auch das Spielmaterial sein. Manche Leute - dazu gehöre auch ich - empfinden den Umgang mit schönem Spielmaterial als ästhetischen Genuss. Wenn Ästhetik und Spielspass bzw. Spielwert Hand in Hand gehen, ist das schon mal ein großer Vorteil.
Um nicht missverstanden zu werden: Ich finde Spieleauszeichnungen durchaus gut und wichtig, weil sie (neben anderen Gründen) für weniger sachkundige Käufer im Allgemeinen eine gute Kaufhilfe darstellen. Abgesehen von einigen allgemein geltenden Gesichtspunkten wird den Kriterien, nach denen ein Spiel prämiert wird, letztlich aber immer auch ein persönliches subjektives Werturteil zugrunde liegen.
"Wissenschaftlich" zu bestimmen, was ein "gutes" Spiel ist, das dürfte nicht möglich sein. Spiele sind so vielfältig wie die Menschen und das Leben. Und das ist gut so!
Mit verspielten Grüßen Erhard

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Gustav der Bär

Ein wissenschaftlicher Unterschied zwischen ...

Beitragvon Gustav der Bär » 4. April 2000, 21:16

... "gut" und "schlecht"? Nein, das gibt´s gewiss nicht, da diese Begriffe nur subjektives Empfinden widergeben.
Wissenschaftlich untersuchen kann man natürlich, welche Kriterien unter welchen Umständen welche Individuen zu diesen Empfindungen führen; aber das wäre, wie Michael Ende sagte, eine andere Geschichte und sollte ein andermal erzählt werden.
Auch die "Spiel des Jahres"-Jury trifft ja kein Urteil nach wissenschaftlichen (also überprüfbaren, verifizierbaren, unter Laborbedingungen wiederholbaren und allgemeingültigen) Kriterien, sondern wie alle Jurys vom "Grand Prix d´Eurovision de chanson" bis zur Oscar-Verleihung nur nach dem persönlichen Empfinden.
Liebe Grüße Gustav der Bär

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RoGo

Re: Ein wissenschaftlicher Unterschied

Beitragvon RoGo » 5. April 2000, 08:55

Hallo Gustav
> Wissenschaftlich untersuchen
und
> verifizierbar ist unserem Sprachwissenschaftler, da etwa ein Lapsus unterlaufen
gruß Roland, der Karl

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Gustav der Bär

Mir sind im Leben schon mehrere Lapsi ...

Beitragvon Gustav der Bär » 6. April 2000, 05:44

... unterlaufen, aber was meinst du genau? fragt sich ... ... Gustav der Bär

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RoGo

Re: Mir sind im Leben schon mehrere Lapsi ...

Beitragvon RoGo » 6. April 2000, 10:04

wenn man sich in den Kategorien des kritischen Rationalismus bewegt, ist wg. des Induktionsproblems gerade unter Laborbedingungen keine Veri-, sondern nur eine Falsifikation möglich. Man spricht nur von bewährten Theorien, die ihrer Falsifikation harren.
Gruß von Karl, dem Popper

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Gustav der Bär

Das ist, wie du richtig einschränkend sagst, in ...

Beitragvon Gustav der Bär » 6. April 2000, 17:55

... der Tat dann der Fall, wenn wir vom "Kritischen Rationalismus" ausgehen,
lieber Rogo,
aber eben nur dann. Der Popper´sche "Kritische Rationalismus" ist nämlich keineswegs der einzige wissenschaftliche Ansatz, sondern nur einer von mehreren (womit ich dir vermutlich nichts neues sage).
Popper verstand sein Werk "Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie" selbstverständlich als Kritik am klassischen "Empirismus", wie er von Aristoteles begründet und von Locke weiterentwickelt wurde, sowie am "Neopositivismus" des Wiener Kreises. Eine Kritik aber - und da werden wir uns wohl einig sein - ist keine Falsifikation.
Daher - und da werden wir uns wohl nicht mehr einig sein - lässt seinen Aristoteles auch weiterhin neben deinem Popper gelten ... ... Gustav der Bär

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RoGo

Re: Gustav, der Eiserne

Beitragvon RoGo » 6. April 2000, 20:13

lieber Gustav
Du hast natürlich völlig recht.
und ich freue mich meist sehr über Deine mails
Gruß
Roland

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Mario

Re: Was macht ein gutes Gesellschftsspiel aus?

Beitragvon Mario » 7. April 2000, 00:17

Eigentlich ist es nicht einmal "wissenschaftlich bestimmbar", ob es schlecht ist, einen Spieleautor wegen seines Machwerks zu erschießen.
Die Kriterien des SdJ werden der Welt wohl für immer verschlossen bleiben. Und bei der Spielbox heißt die Regel: Sage mir die Beurteilung und ich sage Dir, wer der Tester war.
Aber meine Spielebeurteilungen gehorchen rein empirisch verifizierbaren Kriterien:
1 Spielgüte 1.1 MIR gefällt es => das Spiel ist gut 1.2 ICH finde es gräßlich => das Spiel ist schlecht 2 Glücksfaktor 2.1 ICH habe gewonnen => mein überragender Intellekt hat sich bei diesem puren taktisch-strategischen Spiel durchgesetzt 2.2 ICH habe verloren => es handelt sich um ein reines Glücksspiel und ich habe nur Glück in der Liebe 3 Komplexität 3.1 ICH habe die Nacht vorher durchgemacht => das Spiel ist fürchterlich umständlich 3.2 ICH habe mir nur ein Viertel der Regeln gemerkt => Das Spiel ist kinderleicht

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Erhard Portner

Re: Was macht ein gutes Gesellschftsspiel aus?

Beitragvon Erhard Portner » 7. April 2000, 18:00

Mario schreibt:
Lieber Mario,
ich muss in diesem Zusammenhang allerdings darauf hinweisen, dass Du eine Straftat nach § 211 StGB (Mord)oder § 212 StGB (Totschlag) begehst, wenn Du einen Spieleautor umbringst. (Auch Spieleautoren sind Menschen!) Dir droht dann eine lebenslange Freiheitsstrafe. Es sei denn, dass Du nach § 20 StGB schuldunfähig oder nach § 21 StGB zumindest vermindert schuldfähig bist.
Nach § 20 StGB handelt ohne Schuld, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.
Gruß Erhard

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Mario

Re: Was macht ein gutes Gesellschftsspiel aus?

Beitragvon Mario » 9. April 2000, 23:11

Danke für den Hinweis auf Paragraphen des StGB. Es geht hier allerdings nicht um Recht und Gesetz, dass ich nicht anzweifeln will, sondern um absolute Kriterien. Recht und Gesetz baut immer auf einem möglichen System von Ansichten darüber auf, was gut und schlecht ist. Wissenschaft kann nie sagen, was gut oder schlecht ist - das ist Aufgabe der Gesellschaft.
Was mich also herausgefordert hat ist die Forderung nach absoluten oder wissenschaftlichen Kriterien für die Beurteilung von irgendetwas, z.B. Spielen. Es gibt leider in diesem Land eine Geschichte, in der eine Pseudowissenschaft zur Entscheidung über gut oder schlecht aufgebaut wurde. Mein Beispiel ist krass, aber mit untigen Erläuterungen vielleicht besser verständlich.
Auch unser Recht kennt Bedingungen, unter denen die Tötung von Menschen rechtlich erlaubt ist: Notwehr (z.B. das schießen eines Polizisten auf einen bedrohlich aussehenden Schatten aus sogenannter putativer Notwehr), Krieg (z.B. die Erschießung von Plünderern durch deutsche Soldaten in Somalia), Abtreibungen und passive Sterbehilfe. Es gab und gibt auch ethische Systeme, die die Tötung von Menschen aus anderen Gründen gutgeheißen hat oder es noch tut (Menschenopfer der Azteken, Hexenverbrennungen, Todesurteile (USA,Iran/Rushdi))


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