Beitragvon Bernd » 22. Februar 2001, 08:49
Hallo Erhard,
ich hatte gestern im Spielwarenladen meines Vertrauens die Möglichkeit, Big Deal zu spielen.
Big Deal ist ein Wirtschaftsspiel das in der Zukunft spielt. Irgendwie beruhigend, dass auch in der Zukunft noch Konzerne gegründet werden, und Aktien und Ressourcen mit Geld bezahlt werden. Um es schonmal vorweg zu nehmen: Zukunftsweisend oder innovativ ist an diesem Spiel nichts. Nachdem wir den Spielplan mit den Ressourcenhaltern aufgebaut hatten, ging es an die Spielvorbereitung, sprich der Konstruktion des Nachziehstapels. In die Aktienkarten werden Game Over Karten reingemischt, die das Spielende herbeiführen. Aha, kennt man doch von Union Pacific. Naja, es kann ja nicht alles immer neu sein.
So, nachdem jeder sein Startkapital kassiert hat, geht's los. Als erstes zieht man eine Karte vom Stapel und kassiert dann sein Einkommen. Einkommen gibt es für Konzerne, und da man anfangs natürlich keinen hat, kann man dann weitere Aktionen ausführen. Jetzt DAS Innovative: Man kann Aktionen auch teilweise (!!) durchführen, doch dazu später mehr. Im Grunde geht es jetzt darum, Konzerne zu gründen, damit man in den folgenden Runden Einkommen kassieren kann. Dazu braucht man 2 Aktien der gleichen Firma, und die auf den Aktien angegebenen Ressourcen. Man erhält also nur Einkommen für Aktien, die man ausgespielt hat. Kennt man das nicht von Union Pacific? Nun ja, wer bei guten Spielen klaut... Also schaut man, dass man zwei gleiche Aktien zusammen bekommt, d.h. man hat Glück und hat schon zwei gleiche oder zieht eine passende. Dann braucht man nur noch die richtigen Ressourcen. Davon gibt es vier verschiedene Arten, und von jeder Art ca. 11 Stück. Da die Ressourcen innerhalb einer Art immer teurer werden, kauft man natürlich direkt am Anfang. Das Prinzip, Anfangs die billigen kaufen, und wenn dann viele verkauft sind wieder teuer zu verkaufen, kennt man doch aus Playboss und McMulti, oder?
So, sobald Konzerne im Spiel sind, kann es zu feindlichen Übernahmen kommen. Dazu spielt man eine Aktie des angegriffenen Konzerns aus, und macht ein Angebot für eine Aktie, das dann im Falle der Übernahme mit der Anzahl der Aktien multipliziert wird. D.h., biete ich für eine Aktie 200 Mio $ und der Konzern besteht aus 3 Aktien, zahle ich im Fall der Übernahem 600 Mio$. Das Startangebot des Angreifers muß aber mindestens so hoch wie der Wert der Aktie (der ist fest, und ändert sich nie) sein, weitere Gebote vom Verteidiger (der die eine Aktie des Angreifers haben will) und Angreifer müssen jweils 50 Mio. höher sein als das vorherige Gebot. Aha denkt man, jetzt kommt Leben in die Bude, jetzt wird versteigert und geboten. Dummerweise gibt es aber sogenannte Cash-Karten, die den Gegnern das Bargeld aus der Tasche ziehen. Man versucht also, möglichst wenig Bargeld zu besitzen. Aber da der Angreifer im Laufe des Kampfs Ressourcen, Aktien usw. verkaufen darf, der Verteidiger aber auf sein Bargeld angewiesen ist um eine Übernahme zu verhindern, versteht es sich von selbst, das man als Angreifer dem Verteidiger erstmal das Geld aus der Tasche zieht, um den Konzern dann für ein Butterbrot zu übernehmen.
Was kann man sonst noch machen? Aktien verkaufen bzw. kaufen. Um Aktien zu kaufen, muss aber erstmal jemand Aktien verkaufen, da diese Aktien dann in einen Pool kommen, aus dem Aktien gekauft werden können. Aber da man ja immer darauf wartet, eine zweite Aktie für die Gründung eines Konzerns zu bekommen, verkauft eigentlich niemand eine Aktie. Schließlich kann man, wenn ein Konzern aus mindestens vier Aktien besteht, einen Konzern auch teilen, vorausgesetzt man hat die nötigen Ressourcen. Das bringt dann zwar doppeltes Einkommen, macht den Konzern aber anfälliger für Übernahmen.
Das Spiel endet, wenn eine bestimmte Anzahl von Game Over Karten gezogen wurden. Dann bekommt man zusätzlich zu seinem Bargeld noch für jede Aktie, egal ob auf der Hand oder ausgespielt, und jede Ressource 150 Mio. $. Das führt natürlich dazu, dass sobald die vorletzte Game Over Karte gezogen wurde, die Spieler hektisch anfangen, Aktien (und somit auch Konzerne) und Ressourcen zu verkaufen. Denn der aufgedruckte Wert der Aktien ist fast immer höher als 150 Mio. $. So verkauft man gegen Ende des Spiels so ziemlich alles was man besitzt und wartet auf das Spielende.
Noch kurz zu den teilweise durchgeführten Aktionen: Ich denke, damit ist das Verkaufen von Aktien und Ressourcen bei Übernahmeversuchen durch den Angreifer gemeint. Also kein richtiger Mechanismus, sondern eher das Unvermögen einen richtigen zu kreiren.
Ich fand Big Deal absolut unspannend. Es ist vollkommen glücksabhängig, vorhersehbar, und besteht im Grunde nur aus geklauten Mechanismen (ich meine auch, Elemente von X-Pasch entdeckt zu haben...) und wenn man bei einem Spiel auf das Spielende wartet, ist das auch etwas merkwürdig.
Ich werde es also auf keinen Fall kaufen
Bernd