Beitragvon Roman Pelek » 6. Juli 2001, 01:09
Hi YK,
[Jeder Verlag mit Spielen von hauptberuflichen bzw. großen Spieleautoren]
Die Fragen die sich mir dabei stellen sind folgende:
>1. Haben diese Autoren einfach die besten Spielideen, so das sie zurecht allen anderen Autoren vorgezogen werden oder macht doch der Klang ihrer Namen es ihnen wesentlich einfacher Spiele bei Verlagen unterzubringen.<
Zwei Dinge sind's: zum einen zieht der Name, zum anderen garantieren diese Autoren dafür, dass die Spiele funktionieren und ausreichend getestet wurden, was bei vielen unerfahrenen Autoren so nicht der Fall ist. Dass hierbei die Originalität nicht immer die allerbeste ist, ist natürlich wahr. So manche Idee eines unbekannten Autoren würde, entsprechende (zeit- und kostenintensive) Überarbeitung vorausgesetzt evtl. im Einzelfall auch mehr bringen als das 365. abgewandelte Spielprinzip eines namhaften Autoren.
Was hier fehlt, ist eine "Schule" sowie "Lobby" für junge Autoren, eine Heranführung an professionelle Spieleentwicklungsarbeit sowie ein Garant dafür, dass die Spiele auch funktionieren und getestet wurden. Es muss mehr Erfahrungsaustausch bzw. auch gezielte Seminare für solche ambitionierten, aber unerfahrenen Autoren geben. Die Ansätze sind da, aber sie reichen m.E. noch lange nicht aus (Hippodice, Göttingen, SAZ, Leitfaden, Internetaktionen etc.).
>2. Haben kleinere Verlage oft nur die B-Ware dieser Autoren die einer der größeren Verlage nicht wollte?<
Erfahrungsgemäß gehen erfolgversprechende Produkte von erfahrenen Autoren auch den Weg der bestmöglichen, professionellsten Verbreitung. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
>3. Brauchen wir wirklich 10 Spiele mit dem selben aufbau (mal als Kartenspiel mal als Brettspiel), mal mit kleinen Änderungen in der Wertung, mal mit kleinen Abweichungen bzw. Vereinfachungen in den regeln.<
Klares "Jein". Zum einen ist die Spielebranche auch eher der Evolution denn Revolution unterworfen, insofern wird und darf und muss auch vieles variiert oder weiterentwickelt werden. Zum anderen fragt man sich natürlich auch oft, warum manch müde Idee namhafter Größen das Licht der Welt erblickt, während Jungautor XY aus Z mit seiner innovativen Idee nie mehr Anklang findet als den eigenen Freundeskreis und den Zuspruch der Spielzubehörlieferanten und Farbpatronenhersteller ;-)
>Ich denke, dass diese Autoren es wesentlich einfacher haben als Namenlose Autoren und das vor allem kleinere Verlage hoffen auch mit zweitklassigen Spielen auf sich aufmerksam zu machen und Käufer anzulocken...<
Du gibst Dir die Antworten ja schon selbst, denn Du weisst es selbst gut genug ;-)
>Aber geht diese Theorie den auf? Wer kennt den außer den Freaks einen Knizia, Kramer, Teuber und Co.? Der Bekanntheitsgrad ist doch verschwindent gering (ich habe mal ein paar Gelegenheitsspieler gefragt - und die konnten einzelne Spieler keinem einzigen Autor zuschreiben (vielleicht Teuber und Siedler - aber selbst da war die Trefferquote gering).<
Ich sehe die Sache mit den Namen in der Spieleszene als positive Entwicklung, die allerdings noch im Aufbau begriffen ist. Jeder kennt Musiker, Schriftsteller oder Regisseure sowie Schauspieler beim Namen und weiss, was sie oder ihn erwartet. So wird es über kurz oder lang auch in der Spieleszene werden. Und das ist gut. Denn dann kann jeder selbst entscheiden, ob er einen Knizia, Kramer oder Teuber satt hat und wagemutig einen "Independent-Autoren" von einem kleinen "Label" geniessen will oder ob er auf bewährte, funktionierende, Spass garantierende, aber vielleicht nicht immer innovativste Kost setzen will. Das ist für mich ein Stück Mündigkeit und Selbstbestimmung.
>YK (der immer noch auf die rechtschreibkorrektur wartet)<
Ciao,
Roman (der die Frage: "Ihr spielt soviel, kennt ihr denn auch die 'Siedler'?" nach wie vor süß findet, aber die Vergleiche jedweden Spiels mit ebenjenem nur noch nervend ;-)