Beitragvon Roman Pelek » 15. Oktober 2001, 01:02
Hi Peter,
[Ravensburger auf SuperRTL]
>Das ist ja schon mal ein Anfang, wenn es sich denn etablieren sollte.<
Ein Anfang mag es sein, näheres müsste man sich dann aber mal anschauen. Bei diesem Privatsender und Beschränkung auf einen Verlag bzw. dessen Hauptlabel bin ich jedoch erstmal reserviert, ob das Ergebnis wirklich ein Impuls für die Spieleszene oder das Kulturgut Spiel allgemein ist. Ich hoffe, dass dies nicht auf eine reine Merchandising-Angelegenheit mit Simpel-Spielchen hinausläuft, wie in der Vergangenheit bei solchen Shows :( Darin sähe ich dann nämlich wenig Sinn, weil's einen falschen Eindruck vom Spiel vermittelt, den man bedauerlicherweise so häufig antrifft: Flacher Kinderkram, mit denen den Leuten/Kids Geld aus der Tasche gezogen wird. Ich hatte letzt erst wieder ein recht unerfreuliches Erlebnis dieser Art, wo Spielen als Hobby generell auf eine Stufe mit Trading-Card-Merchandising und Zeitverschwendung gesetzt wurde *seufz* Die Impulse nach aussen müssen m.E. auch in die Richtung gehen, dass dies eine anspruchsvolle und unterhaltsame Freizeitbeschäftigung ist - und dass Spielen im allgemeinen Bewusstsein nicht nur mit Kinderkram, Merchandising bzw. "Erwachsenenspiel" nicht gleich mit einschlägigen "Erotik"-Angeboten gleichgesetzt wird.
>Was meint Ihr? Sollte es denn mehr über Spiele im Fernsehen geben? Ich habe früher (so vor 200 Jahren ;-} ) gerne die Hobbythek angeschaut, da dort doch einiges zum Thema Spiel aufgezeigt wurde.<
Ja, es müsste mehr im TV geben, und die Berechtigung und Sendezeit ist auch da. Obwohl ich die Hobbythek recht häufig genossen habe (vor 200 Jahren oder so ;-), habe ich dort jedoch zum Thema Spiel nie etwas vorgefunden. Was gab's denn da? Aber sowas wäre sicher ein schöner Rahmen.
>Und was sollte denn in diesen Sendungen übermittelt bzw. was sollte dort gemacht werden? Sollen Spiele besprochen werden oder sollte es vielleicht mal einen kleinen Kurs zum Erfinden oder herstellen von Spielen geben? Oder einfach nur Talkshows ( vielleicht mit prominenten Spieleerfindern)?<
Talkshows stelle ich mir als ungeeignet vor. Spieleerfinder, selbst Klaus Teuber mit seinen Siedlern, sind als Namen jenseits der Spieleszene leider nicht präsent. Das schaut sich vermutlich nur die spinnerte Minderheit der Szene an - kurzum: wir und sonst niemand :( Und in gängigen Talkshows läßt sich, beim momentanen Stand, wohl nur "Erotisches" oder "pädagogisch Wertvolles" thematisieren. Scheidet m.E. aus.
Eine Sendung zum Thema "Spiel" müsste, sollte sie nicht nur eine sehr kleine Zielgruppe erreichen, nach meiner Auffassung die ganze Bandbreite des Spielens aufzeigen. Und dazu gehören für mich sowohl Vorstellung guter, einfach zugänglicher Spiele als auch Einblicke in Autoren-/Verlagsarbeit, Spielekreise, die Spielepreise, Veranstaltungen/Messen und vielleicht auch ein Workshop "Eigene Ideen realisieren und basteln". Kurzum: einfach mal einen Überblick geben, was Spielen ausmacht, wer sich damit beschäftigt usw. - einen verständlichen Einblick in die Szene und das Hobby Spiel in seiner Gesamtheit und Facettenreichtum.
Dazu bedarf es jedoch Intitiativen, vorrangig würde ich da natürlich die Verlage selbst sowie die Jury SdJ als geeignete Multiplikatoren mit entsprechenden Mitteln sehen, um an die Macher im Fernsehen heranzutreten. Bei den Verlagen dann aber eher "geschlossen", schon alleine, um persönliches Productplacement oder den Verdacht zu vermeiden - das erzeugt eher o.g. negativen Eindruck in der Öffentlichkeit und schadet m.E. mehr als dass es nützt. Wir müssen ein bissl weg von dem allgemeinen Eindruck, dass nur große Konzerne billige Kinderplastik- oder Sammelkartenspiele für teuer Geld an Kids bringen. Der wirtschaftliche Erfolg einzelner Unternehmen bei der Zielgruppe "Kinder/Jugendliche" ist dort zwar groß, will man aber daneben auch das Spielen für Erwachsene wieder mehr etablieren, muss man andere Wege einschlagen, denke ich. Und das ist letztendlich auch ein Markt, und zwar einer mit Wachstumspotenzial. Man bekommt verdammt viele erwachsene Leute zum Spielen - nur 95% wüßten nicht, dass sie Spass daran haben, wenn man sie nicht explizit dazu einlädt. Und ich denke, das ist ein gutes Schlusswort: Spielen macht vielen viel Spass - die meisten wissen's nur nicht. Und daran kann man etwas ändern!
>Wäre da nicht vielleicht mal der Offene Kanal etwas?<
Ach so, ja: ein OK ist sicher was für Initiativen einzelner Spielgruppen und -kreise. Für die richtige, notwendige PR bräuchte es aber einflussreichere Kreise, s.o. Und es sollte in einem der Hauptkanäle kommen. SuperRTL würde ich da aber auch ausklammern, da dort Seriosität und Unabhängigkeit von Werbekunden zu sehr zu wünschen übrig lassen. Eine unabhängige Reportage oder Sendung über die Spieleszene auf Initiative und mit Unterstützung der Szene hin erschiene mir das Geeignetste. Eben - durchaus kritische - Werbung für die Sache an sich, nicht für einzelne Unternehmen. Das bringt m.E. allen was. Wenn man Spiel als unterhaltsam-anspruchsvolle, aber nicht anstrengende Freizeitbeschäftigung auch für Erwachsene vermitteln will, sollte man auch die Massnahmen dementsprechend zuschneidern.
Ciao,
Roman