Beitragvon Gustav der Bär » 11. Mai 2002, 12:37
So ganz genau weiß ich ja nicht, worauf du hinaus willst, lieber Udo.
Möchtest du wissen, wie tief die persönliche emotionale Verstrickung in ein Spiel ist? Ob ich vielleicht eine lebenslange Feindschaft gegenüber jemanden entwickeln kann, der mir beim "siedeln" die längste Handelsstraße abgenommen hat? Ob ich Nächte lang wach liege, geplagt von einer tiefen Sinnkrise, weil ich bei "Incognito" einen Gegner fälschlich als Verbündeten eingeschätzt habe?
Da kann ich nur so antworten: Ein Fehler im Beruf kann mich arbeitslos machen, ein Fehler im Straßenverkehr kann mich umbringen, ein Fehler im Spiel ist bedeutungslos in dem Moment, in dem das Spiel vorbei ist. Das ist ja gerade das schöne beim Spiel: Egal, wie viel man falsch macht, es hat niemals irgend welche Konsequenzen für das eigene Leben.
Bedeutet das jetzt, dass ich beim Spielen gerne viel falsch mache, um diesen Effekt besonders genießen zu können?
Nein: Es bedeutet, dass ich mich beim Spielen in einem Ausmaß engagieren kann, das ich im Beruf oder im Straßenverkehr nicht zeigen würde; ich verhalte mich im wirklichen Leben eher defensiv, weil die Strafe für Fehler überall mehr Schaden für mich bedeutet, als die Belohnung für Erfolg mir Nutzen bringen kann.
Es bedeutet, dass ich es bei einem Spiel wage, ungewöhnliche und riskante Wege einzuschlagen, um zu gewinnen - was ich in der Realität grundsätzlich vermeide.
Ich versuche also beim Spiel, zu gewinnen, während ich mich im Beruf und im Straßenverkehr mit einer Position irgendwo im Mittelfeld zufrieden gebe. "Alles oder nichts" heißt bei einem verlorenen Spiel nur, dass ich beim nächsten Mal auf andere Weise neu versuchen kann, zu gewinnen - "Alles oder nichts" im Leben bedeutet, dass es im ungünstigen Fall kein nächstes Mal mehr gibt.
Im Spiel versuche ich daher jedes Mal aufs Neue, zu gewinnen - aber ich gehe nicht davon aus, dass ich bei diesem Versuch jedes Mal Erfolg haben muss. Bei den Spielen, die "gar nicht so toll" sind, versuche ich, trotzdem zu gewinnen (mein Interesse liegt eher darin, solche Spiele möglichst gar nicht zu spielen, nicht darin, meinen Mitspielern zu demonstrieren, wie schlecht ich spielen kann.)
Konnte ich deine Frage - zumindest, was mich persönlich betrifft - damit beantworten?
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)