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Wollt ihr jedes Spiel gewinnen?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Rainer Wagner

100% richtig, ich meine etwas anderes

Beitragvon Rainer Wagner » 10. Mai 2002, 16:16

Das was Du mir schilderst mache ich grundsätzlichg, das ist ja eine gesunde Taktik. Wenn du sagst "Vielleicht dreht sich das Blatt ja noch" dann beinhaltet es ja immer noch Taktisches oder Strategisches überlegen oder ein Spiel auf Sieg.

Was ich allerdings nicht mag ist folgender Satz:
Wenn ich schon nicht gewinnen kann, dann will ich wenigstens entscheiden wer gewinnt (z.B. meine Frau, mein Freund o. a.).
Oder wenn es jemad wurscht wer gewinnt ist, hauptsache andere ärgern, egal ob es der erste, der vorletzte oder irgendjemand anders ist. Solche Mitspieler kann man auch gut durch durch einen Würfel ersetzten.

Gruß Rainer

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Volker Kaiser

RE: sinnlose Zerstörer - oder wie man wohl spielen sollte?

Beitragvon Volker Kaiser » 10. Mai 2002, 16:35

Oli schrieb:
>
> Kommt natürlich auf die Spielerunde an (die meinige ist zum
> Glück sehr tolerant ;)). Wenn man irgendwelche "Mimosen"
> dazwischen sitzen hat, sollte man das eher lassen. Sicherlich
> ist es sinnvoll, hier auch die Spieleauswahl anzupassen
> (Wucherer ist z. B. ganz schlecht! ;)).

Spontan hätte ich gesagt, es gibt kein Spiel, das ich nicht gewinnen will. Aber Wucherer kann ich nicht konstruktiv spielen (einmal versucht, ist totlangweilig), es ist einfach zu verführerisch hi und da mal eine Bombe zu werfen. Leider hab ich da schon den Stempel des Bösen, so dass sogar eher empfindsame Spieler eine nie dagewesene Freude an den Tag zu legen, mir allen Abschaum in die Häuser zu setzten, zu morden, sprengen, was das Zeug hält.

Ansonsten stimme ich zu, dass man seine Spielweise ein wenig an seinen Mitspielern anpassen sollte.

Gruß
Volker

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Arne Hoffmann

Re: Wollt ihr jedes Spiel gewinnen?

Beitragvon Arne Hoffmann » 10. Mai 2002, 16:53

Moin Volker!

Volker Kaiser schrieb:
>
> Also ich halte es für die Pflicht eines jeden Spielers bei
> einer drohenden Niederlage immer gegen den Führenden zu
> spielen. Wenn ich schon am Verlieren bin, dann sollte ich
> doch immerhin noch das Recht haben, den Führenden etwas zu
> ärgern und vielleicht ... vielleicht ... vielleicht dreht
> sich das Spiel ja noch.

Da muß ich Dir aber widersprechen! Ich halte es gerade [b] nicht [/b] für die Pflicht, in dieser Situation gegen den Führenden zu spielen. Wenn ich schon sehe, daß ich nicht mehr für den Sieg in Frage komme und vielleicht sogar abgeschlagen hinten liege, dann sollte ich meine Aktionen doch noch so wählen, daß für mich noch immer das best mögliche dabei herauskommt. Blind gegen den Führenden zu spielen, halte ich gerade in einer solchen Situation für verkehrt.
Diese Aussage muß ich etwas relativieren, wann schon gegen den Führenden zu spielen ist (das wäre dann aber nicht blind). Wenn dieser mich z.B. mehrmals während des Spiels in irgendeiner Weise benachteiligt hat (wie auch immer dies aussah), dann empfinde ich es schon als legitim, als abgeschlagener Letzter gegen den entsprechenden Spieler zu spielen, um ihm ein weiteres Vorankommen möglichst zu erschweren (Rache ist meist nicht lukrativ, aber ab und an doch sehr schön :-) ).

Gerade auch Dein Nachsatz sollte dazu führen, daß man nicht gegen den Führenden spielt, liegt man weit hinten. Wenn sich das Spiel noch drehen kann, dann sollte ich vielleicht versuchen meine Position zu stärken und den 2. und 3. plazierten evtl. gegen den Führenden spielen zu lassen (damit ich dann evtl. deren Position übernehmen kann, wenn diese sich dabei verausgabt haben sollten).

Tschö,

- Arne -

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Arne Hoffmann

RE: sinnlose Zerstörer - oder wie man wohl spielen sollte?

Beitragvon Arne Hoffmann » 10. Mai 2002, 17:05

Wieder moin!

Volker Kaiser schrieb:
>
> Spontan hätte ich gesagt, es gibt kein Spiel, das ich nicht
> gewinnen will. Aber Wucherer kann ich nicht konstruktiv
> spielen (einmal versucht, ist totlangweilig), es ist einfach
> zu verführerisch hi und da mal eine Bombe zu werfen. Leider
> hab ich da schon den Stempel des Bösen, so dass sogar eher
> empfindsame Spieler eine nie dagewesene Freude an den Tag zu
> legen, mir allen Abschaum in die Häuser zu setzten, zu
> morden, sprengen, was das Zeug hält.

Oben noch widersprochen, hier jetzt eine ähnliche Sicht von mir :-) Generell möchte ich auch jedes Spiel gewinnen. Läßt das Spiel eine destruktive Spielweise zu (d.h. letztendlich, es ist größere Interaktion in dem Spiel und es gibt bestimmte Regeln, die einen Zug zulassen, der mir nützt in dem ich einem Gegener in die Suppe spucke), so setze ich diese auch ab und an mal gerne ein. Dies jedoch nur, wenn ich mir für mein Vorankommen dafür einen größeren Nutzen verspreche als von einem rein konstruktiven Zug. Spiele wie Wucherer oder Junta um nur zwei zu nennen, leben ja gerade von ihren destruktiven Elementen. Da wäre es zu schade, wenn man nur auf Friede-Freude-Eierkuchen spielt und selber nie mal den "Erstschlag" wagt, wenn er einen voranbringt.

> Ansonsten stimme ich zu, dass man seine Spielweise ein wenig
> an seinen Mitspielern anpassen sollte.

Klar, aber ich muß im ersten Schritt schon die Spielauswahl an die Mitspieler anpassen und dann evtl. noch im Spiel die Spielweise an die Mitspieler (wobei ich ersteren Schritt für klüger halte als zweiteren - wenn man sich schon auf ein Spiel geeinigt hat, dann sollte man, sobald alle mit dem Spiel vertraut sind (hier bin ich bereit, meine Spielweise anzupassen), das Spiel auch so spielen, wie es die Regeln zulassen).

Tschö,

- Arne - (wurde schon häufig [b] immer zu Unrecht[/b] ;-) als destruktiver Spieler gebranntmarkt)

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Ernst Knauth

Königsmacher

Beitragvon Ernst Knauth » 10. Mai 2002, 17:23

Hallo Volker,

Volker Kaiser schrieb:
> Also ich halte es für die Pflicht eines jeden Spielers bei
> einer drohenden Niederlage immer gegen den Führenden zu
> spielen. Wenn ich schon am Verlieren bin, dann sollte ich
> doch immerhin noch das Recht haben, den Führenden etwas zu
> ärgern und vielleicht ... vielleicht ... vielleicht dreht
> sich das Spiel ja noch.

Sorry, da habe ich eine absolut konträre Meinung dazu:

Erstens: Es bringt nichts, wenn ich als abgeschlagener Spieler dem Ersten zu schaden versuche. Denn anschliessend wird der Zweite zum Ersten, und das "Problem" ist noch genau dasselbe, nur in anderer Besetzung. Da spiele ich lieber ergebnisorientiert und versuche, meinen Stand noch etwas zu verbessern.

Zweitens: Wenn ich selbst noch um den Sieg mitspiele, möchte ich in keinem Fall (egal ob ich gerade vorne liege oder nicht), daß sich ein "abgeschlagener" Mitspieler einmischt und dadurch entscheidet, ob ich oder einer meiner Mitstreiter gewinnen kann oder nicht (zugegebenermaßen ist das manchmal nur schwer zu vermeiden). Das sollen gefälligst die Führenden unter sich ausmachen. Der Beste soll gewinnen, und zwar aufgrund eigener Leistung, nicht durch anderer Gnaden (oder Blödheit) ...

Es gibt eine Reihe von Spielen, bei denen dieses Königsmacher-Problem verstärkt auftritt. Ich kann mich an eine Partie Manhattan erinnern, als der Letzte durch seinen letzten Zug bestimmt hatte, wer gewinnt. Sowas ist natürlich völlig unbefriedigend. Solche Spiele (und solche Spieler) sind nichts für mich ...

Gruss

Ernst

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Ulrich Roth

Re: Wollt ihr jedes Spiel gewinnen?

Beitragvon Ulrich Roth » 10. Mai 2002, 17:26

[b] "Spielen (nur) um zu gewinnen"?

NEIN [/b] , das wäre allzu traurig! :cry: Gute Spiele (und nur solchen sollte man ja seine kostbare Zeit widmen) haben bekanntlich viel mehr zu bieten als den eventuellen finalen Egokick: Zwischenmenschlichkeit, Hirnmassage, Adrenalindusche, ästhetischen Genuss.....

[b] "Auf Gewinn spielen"?

JA [/b] , unbedingt und immer, nicht zuletzt aus Respekt vor dem Mitspieler! Durch lasches Spiel meinerseits würde ich nämlich seinen (immerhin denkbaren :wink: ) Sieg entwerten.
(Ich erinnere mich nur zu gut an die Mischung aus Wut, Enttäuschung und Demütigung :mad: , die ich als kleiner Pimpf empfand, als ich einmal merkte, dass mein Vater mich im Schach absichtlich hatte gewinnen lassen!)

Ulrich


PS: Vielleicht kennt ihr noch nicht alle die folgende einschlägige Anekdote, bei der die Thematik durch die Remis-Möglichkeit angereichert wird:

1953 soll zwischen den Weltklassespielern Najdorf und Boleslawski während einer Schach-Turnierpartie folgende Unterhaltung stattgefunden haben.
Najdorf: “Remis?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf nach einiger Zeit nachdenklich:“Spielen Sie auf Gewinn?”
Boleslawski:“Nein!”
Najdorf sofort:“Also doch Remis?”
Boleslawski:“Nein!”
Najdorf:”Spielen Sie auf Verlust?”
Boleslawski:“Nein!”
Najdorf:“Ja was wollen Sie denn?”
Boleslawski:”Spielen!”

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Jost Schwider

RE: sinnlose Zerstörer - oder wie man wohl spielen sollte?

Beitragvon Jost Schwider » 10. Mai 2002, 20:03

"Niccolo" hat am 10.05.2002 geschrieben:

>> Tatsächlich "hasse" ich Mitspieler, die nicht auf Sieg
>> spielen, sondern nur so mitplätschern, bzw. - was noch viel
>> schlimmer ist - nur den sinnlosen Zerstörer spielen.
>
> Hm - diesen Ton hab ich jetzt zwei/dreimal gefunden hier.
> Wer urteilt da bitte darüber?

[i]Ich[/i], schließlich habe ich es so formuliert: "[i]sinnlose[/i] Zerstörer"!

Wer den Chaos-Agent spielt, sollte sich lieber ganz aus dem Spiel raushalten... :-/

> Muß noch lange nicht sinnlos sein! Es gibt nunmal Spiele...
> oder besser: Situationen in Spielen, wo aus meiner Sicht
> ein destruktiver Zug weit konstruktiver für mich ist, als
> alles andere.

Das ist ja auch OK und damit legitim.
Das ist ja auch nicht sinnlos, sondern "nur" destruktiv. ;-)
Das ist m.E. ein großer Unterschied!

> Spiel ich "lieb" ... lass es also möglichst unauffällig
> "plätschern"? ... des Friedens Willen?

:-O Ich habe mich doch ganz im Gegenteil gegen das Plätschern geäußert! :-?

>> Und wenn ich sehe, daß ich nicht mehr erster werden kann
>> [...] versuche Zweiter zu werden [...] wenigstens Dritter, und ...
>> [...] daß ich versuche den ersten so zu stören. daß er
>> wenigstens nicht erster wird ...
>
> Auch kein leichter Stunt. Um Zweiter zu werden, muß man
> wohl meist eher über die Schwachen steigen und kann nicht
> teilhaben an der Basis'strategie': "Alles gegen den
> Führenden!"

Alles keine "vernünftige" Lösung. So werden"Chaoten" zum Königsmacher, was letztendlich niemanden zufrieden stellen wird.

Aber was kann man dagegen machen? Ein Mittel ist manchmal die Einführung einer Punkteliste, wo die erzielte Punktzahl (und nicht die Platzierung!) aufsummiert werden. Dann macht es auch noch für den Letzten Sinn, sich "richtig" zu produzieren.

Viele Grüße
Jost aus Soest (hasst Ungerechtigkeit in jeglicher Ausprägung)

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Oli-spielbox

OT: Schachanekdote

Beitragvon Oli-spielbox » 10. Mai 2002, 21:13

Da kenne ich auch noch eine nette Anekdote vom ersten Schachweltmeister Steinitz, die zeigt, daß man den Anderen auch nicht einfach gewinnen lassen sollte:

Steinitz spielte gegen Amateure in einem Wiener Kaffeehaus sehr häufig Blitzpartien um Geld. (Selbst heute verdienen Schachspieler noch nicht so üppig.) Vor allem ein etwas älterer, gut betuchter Herr trat mehrmals in der Woche gegen ihn an, verlor aber immer, da er nun ein wirklicher schlechter Spieler war. Nach einiger Zeit rieten Freunde Steinitz, daß er seinen Gegner doch mal gewinnen lassen sollte, sonst würde dieser irgendwann die Lust verlieren und dann wäre die sichere Einnahmequelle dahin. Nun gut, in der nächsten Partie tat Steinitz alles, um sie zu verlieren, was ihm schließlich mit viel Mühe auch gelang. Daraufhin sprang sein Gegner auf, schrie: Juhu, ich habe gegen den Weltmeister gewonnen!", schnappte sich Hut und Stock, rannte aus dem Cafe und ward nie mehr gesehen. ;)

Ciao, Oli (wenn schon gewinnen, dann ehrlich erkämpft!)

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Gustav der Bär

Versuch einer differenzierten Antwort

Beitragvon Gustav der Bär » 11. Mai 2002, 12:37

So ganz genau weiß ich ja nicht, worauf du hinaus willst, lieber Udo.

Möchtest du wissen, wie tief die persönliche emotionale Verstrickung in ein Spiel ist? Ob ich vielleicht eine lebenslange Feindschaft gegenüber jemanden entwickeln kann, der mir beim "siedeln" die längste Handelsstraße abgenommen hat? Ob ich Nächte lang wach liege, geplagt von einer tiefen Sinnkrise, weil ich bei "Incognito" einen Gegner fälschlich als Verbündeten eingeschätzt habe?

Da kann ich nur so antworten: Ein Fehler im Beruf kann mich arbeitslos machen, ein Fehler im Straßenverkehr kann mich umbringen, ein Fehler im Spiel ist bedeutungslos in dem Moment, in dem das Spiel vorbei ist. Das ist ja gerade das schöne beim Spiel: Egal, wie viel man falsch macht, es hat niemals irgend welche Konsequenzen für das eigene Leben.

Bedeutet das jetzt, dass ich beim Spielen gerne viel falsch mache, um diesen Effekt besonders genießen zu können?

Nein: Es bedeutet, dass ich mich beim Spielen in einem Ausmaß engagieren kann, das ich im Beruf oder im Straßenverkehr nicht zeigen würde; ich verhalte mich im wirklichen Leben eher defensiv, weil die Strafe für Fehler überall mehr Schaden für mich bedeutet, als die Belohnung für Erfolg mir Nutzen bringen kann.

Es bedeutet, dass ich es bei einem Spiel wage, ungewöhnliche und riskante Wege einzuschlagen, um zu gewinnen - was ich in der Realität grundsätzlich vermeide.

Ich versuche also beim Spiel, zu gewinnen, während ich mich im Beruf und im Straßenverkehr mit einer Position irgendwo im Mittelfeld zufrieden gebe. "Alles oder nichts" heißt bei einem verlorenen Spiel nur, dass ich beim nächsten Mal auf andere Weise neu versuchen kann, zu gewinnen - "Alles oder nichts" im Leben bedeutet, dass es im ungünstigen Fall kein nächstes Mal mehr gibt.

Im Spiel versuche ich daher jedes Mal aufs Neue, zu gewinnen - aber ich gehe nicht davon aus, dass ich bei diesem Versuch jedes Mal Erfolg haben muss. Bei den Spielen, die "gar nicht so toll" sind, versuche ich, trotzdem zu gewinnen (mein Interesse liegt eher darin, solche Spiele möglichst gar nicht zu spielen, nicht darin, meinen Mitspielern zu demonstrieren, wie schlecht ich spielen kann.)

Konnte ich deine Frage - zumindest, was mich persönlich betrifft - damit beantworten?

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Roman Pelek

HdR - Die Entscheidung

Beitragvon Roman Pelek » 11. Mai 2002, 14:42

Hi Udo,

>Oder als neueres Beispiel "Herr der Ringe - Die Entscheidung". Mit dem richtigen Gegner gespielt, war das richtig spannend, und als ich dann sogar mit den Bösen verloren habe - und das ist wirklich eine Schande! - ließ mich die Sache nicht ruhen, bis ich eine Revanche kriegte.<

Wenn Du sagst, dass das Verlieren mit den Bösen bei HdR eine Schande sei - habt ihr das Spiel als so zum Vorteil des schwarzen Spielers aufgefasst? Bei uns war's zu Beginn so, dass die dunkle Seite aufgrund der Überlegenheit bei den Kämpfen mitunter einfacher zu spielen war. Aber das ist mittlerweile nach ein paar Partien nicht mehr so und ich finde das Spiel recht ausgewogen. Wenn man mit Weiß geschickt ein paar Figuren aus dem Spiel nehmen kann (da müssen dann halt auch eigene dran glauben, z. B. mit Boromir oder durch die Karte "Beide besiegt"), wird's recht leer. Und dann ist Frodo eine sehr mächtige Figur - denn außer dem Warg kann er jedem Angriff seitlich ausweichen und sich im Feindesland auch noch entlang des Flußes bewegen. Da es genügt, Mordor zu erreichen, kann es sehr schwer für den schwarzen Spieler werden, Frodo überhaupt noch abzufangen oder ihm den Weg zu versperren... Habt ihr (oder andere hier) da andere Erfahrungen gemacht?

Ciao,
Roman

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Udo Bartsch
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RE: HdR - Die Entscheidung

Beitragvon Udo Bartsch » 11. Mai 2002, 18:34

Ich habe "Die Entscheidung" noch nicht sooo oft gespielt, dass ich genau sagen könnte, ob es hundertprozentig ausgewogen ist oder nicht. Ist aber für mich keine entscheidende Frage, weil es schlichtweg Spaß macht.
Die letzten Partien waren jedenfalls sehr knapp, egal wer Gut und wer Böse war. Die erwähnte "Schande" bezog sich auf meine ersten beiden Spiele: Ich war geradein Runde 1 vom Bösen in den Boden gestampft worden, durfte nun selber der Böse sein - und verlor schon wieder! Schande!
Dass, wie du erwähnst, andere für Frodo dran glauben müssen, ist für mich einer der besonders gelungenen Aspekte dieses Spiels, weil die Ringgeschichte dadurch gut eingefangen wird.

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Udo Bartsch
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RE: Versuch einer differenzierten Antwort

Beitragvon Udo Bartsch » 11. Mai 2002, 18:34

"Gustav der Bär" hat am 11.05.2002 geschrieben:
> So ganz genau weiß ich ja nicht, worauf du hinaus willst,
> lieber Udo.

Das weiß womöglich niemand.

> Möchtest du wissen, wie tief die persönliche emotionale
> Verstrickung in ein Spiel ist?

Ja, in die Richtung geht es. Ist die emotionale Verstrickung bei allen Spielen gleich (nach dem Motto "Spiel ist Spiel, Sieg ist Sieg") oder wird da differenziert? Doofes Spiel - mäßiges Glücksgefühl beim Erfolg. Tolles Spiel - großes Glücksgefühl. Vielleicht ist das schlichtweg trivial, weil es jedem so geht???

> Ob ich vielleicht eine
> lebenslange Feindschaft gegenüber jemanden entwickeln kann,
> der mir beim "siedeln" die längste Handelsstraße abgenommen
> hat?

Nein, nein, das nun wieder nicht.

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Volker Kaiser

RE: sinnlose Zerstörer - oder wie man wohl spielen sollte?

Beitragvon Volker Kaiser » 11. Mai 2002, 19:28

>
> > Ansonsten stimme ich zu, dass man seine Spielweise ein wenig
> > an seinen Mitspielern anpassen sollte.
>
> Klar, aber ich muß im ersten Schritt schon die Spielauswahl
> an die Mitspieler anpassen und dann evtl. noch im Spiel die
> Spielweise an die Mitspieler (wobei ich ersteren Schritt für
> klüger halte als zweiteren - wenn man sich schon auf ein
> Spiel geeinigt hat, dann sollte man, sobald alle mit dem
> Spiel vertraut sind (hier bin ich bereit, meine Spielweise
> anzupassen), das Spiel auch so spielen, wie es die Regeln
> zulassen).
>

Alternative ist auch, die Mitspieler mit Tips langsam auf den eigenen Level zu heben. Allerdings kann es da auch schon mal passieren, dass man 3 mal gegen sich selber spielt und am Schluß nicht mal den Sieg für sich verbuchen kann ;-)

Gruß
Volker

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Volker Kaiser

Re: Königsmacher

Beitragvon Volker Kaiser » 11. Mai 2002, 19:44

> Sorry, da habe ich eine absolut konträre Meinung dazu:
>
> Erstens: Es bringt nichts, wenn ich als abgeschlagener
> Spieler dem Ersten zu schaden versuche. Denn anschliessend
> wird der Zweite zum Ersten, und das "Problem" ist noch genau
> dasselbe, nur in anderer Besetzung. Da spiele ich lieber
> ergebnisorientiert und versuche, meinen Stand noch etwas zu
> verbessern.
>
> Zweitens: Wenn ich selbst noch um den Sieg mitspiele, möchte
> ich in keinem Fall (egal ob ich gerade vorne liege oder
> nicht), daß sich ein "abgeschlagener" Mitspieler einmischt
> und dadurch entscheidet, ob ich oder einer meiner Mitstreiter
> gewinnen kann oder nicht (zugegebenermaßen ist das manchmal
> nur schwer zu vermeiden). Das sollen gefälligst die Führenden
> unter sich ausmachen. Der Beste soll gewinnen, und zwar
> aufgrund eigener Leistung, nicht durch anderer Gnaden (oder
> Blödheit) ...
>
> Es gibt eine Reihe von Spielen, bei denen dieses
> Königsmacher-Problem verstärkt auftritt. Ich kann mich an
> eine Partie Manhattan erinnern, als der Letzte durch seinen
> letzten Zug bestimmt hatte, wer gewinnt. Sowas ist natürlich
> völlig unbefriedigend. Solche Spiele (und solche Spieler)
> sind nichts für mich ...
>

Ich drehe die ganze Sache mal um, wenn ich führe erwarte ich keine Almosen und auch nicht, dass irgendeiner nicht gegen mich spielt.
... das hat noch nie einer gemacht
... warum eigentlich nicht ?
... muß an meiner nicht immer harmonischen Spielweise liegen :->

Aber den Führenden in letzter Minute abzuschießen ist natuerlich nicht die feine englische Art. Ist mir erst zuletzt passiert und ich wurde Opfer einer Verzweiflungstat. Schwamm drüber, sie musste sich für eine Person entscheiden und das war halt nicht ich. Kommt vor, aber sollte es System werden, spiele ich auch nicht mehr mit.

Gruß
Volker

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Hajo

Re: Wollt ihr jedes Spiel gewinnen?

Beitragvon Hajo » 13. Mai 2002, 15:28

Peter Steinert schrieb:
> noch die puren Genießer:
> Da ich mich schon an der Optik schön aufgemachter Spiele kaum
> sattsehen kann, vergesse ich schon mal, über dem klügsten Zug
> zu brüten.

D.h. du setzt schonmal einen Spielstein nach ästhetischen Gesichtspunkten, auch wenn der Zug absolut keinen anderen Sinn machen würde? ("Also hier fehlt noch ein bisschen Blau. So. Ja, jetzt schaut's doch nett aus.") :-D
Das ist echte SpielKULTUR! Respekt!


> Die Krux ist, daß auch ich die allermeisten Spiele aus meiner
> eigenen Sammlung auf den Tisch bringe. Und da ich sie auch
> erkläre, gelte ich oft sofort als "Kenner" des Spiels. Das
> muß aber gar nicht so sein. Auf jeden Fall stecke ich dann
> häufig schon bald in einer aussichtslosen Lage:
> Wer sooo toll erklärt, auf den gebt Acht! Das Resultat ist
> dann oft, daß ich letzter werde. Sei's drum!
>

Ja, das Problem kenne ich. Gerade im Bezug auf Spielregeln erklären habe ich da auch so meine Erfahrungen mit meinen lieben Mitspielern. Weil ich mir ja offensichtlich die Regeln beim erklären so zurechtlege, dass sie hinterher im Spiel mir immer besonders nutzen, klar!
Sollen sich die Leute die Regeln doch selber beibringen, aber dazu sind 'se dann doch zu faul...

Naja, ich lese halt auch nun mal gerne Spielregeln. Und dann muss ich sie hinterher halt auch erklären.


Der Hajo

"Das Spiel ist das einzige, was Männer wirklich ernst nehmen. Deshalb sind Spielregeln älter als alle Gesetze der Welt."

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Adam

Re: Wollt ihr jedes Spiel gewinnen?

Beitragvon Adam » 14. Mai 2002, 17:44

Nicht unbedingt.

Gelegentlich verschenke ich einen sicheren oder doch zumindest möglichen Sieg zugunsten eines besonderen Winkelzuges. Da ich es bin, der die Regeln liest und die anderen quasi immer darauf warten, daß ich es ihnen erzähle, habe ich den Vorteil die über die Spielregel verteilten Elemente vor meinem geistigen Auge zusammenwirken zu lassen.

Der Aufschrei: "Wie?! [b]Das[/b] geht?" mit einem zwischen Wut und Entsetzen changierenden Gesichtsausdruck läßt sich durch keinen Spielsieg ersetzen.

Beispiel Siedler (Städte & Ritter):
Heranbauen an fremden [i]Längste Handelstraße[/i], Versetzen eines eigenen Ritters in die fremde Kreuzung, mit [i]Diplomat[/i] eine jetzt entständige Straße entfernen, eigene Straße hineinbauen (und vielleicht noch Siedlung). Gut, wie ich hier im Forum neulich lernen mußte ist das nicht im Sinne des Erfinders, also genaugenommen nicht regelgerecht. Aber dann spiele ich das gern als Variante.

Beispiel Wucherer:
Die Kombination Familie und Doppelmord (oder Bombe und Mord). Der erste Mord bringt einen ins Gefängnis, der zweite wieder raus (und dafür jemand anderes in den Knast)

Zum einen spiele ich diese Züge nicht gleich beim ersten Spiel. Meine Mitspieler sollen erst alle Regeln, jede für sich, begriffen und wenn möglich angewandt haben. Dann fallen nämlich der vorhersehbaren Vorwürfe weg, das hätten sie nicht gewußt, ich hätte das Spiel nicht richtig erklärt, etc. Und außerdem könnten sie bis dahin auch selbst darauf kommen.

Zum anderen spiele ich nicht von Beginn gezielt darauf hin. Es muß sich schon halbwegs "von selbst" ergeben. Es macht ja auch keinen Sinn, x Spiele hintereinander in der Platzierung hinter den anderen hinterherzuzockeln, weil die Spielsituation einfach nicht eintreten will, nur um [i]einmal[/i] so einen Knalleffekt zu erzeugen - und trotzdem hinten zu bleiben.

Naja, und manchmal muß man auch gar nicht viel tun. Beispiel Funkenschlag: wenn man in Phase 3 nach teurem Bietergefecht als letzter übrig bleibt - und dann wird das Fusionskraftwerk aufgedeckt. Der Ärger der Mitspieler, die zumeist für "schlechtere" Kraftwerke mehr Geld ausgegeben haben gleicht den versagten Sieg mehr als aus.

Sieg oder Niederlage gibt es jedes Spiel wieder. Habe ich jetzt verloren, so werde ich nächstes Spiel wieder gewinnen (hoffentlich :-) ). Aber herausragende Spielzüge gelingen einem doch recht selten.

Gruß
Adam

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Volker L.

Re: Wollt ihr jedes Spiel gewinnen? - Natrlich!

Beitragvon Volker L. » 10. Juni 2002, 18:22

Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> Natürlich will ich jedes Spiel gewinnen, sei es alleine oder
> in Kooperation mit anderen (wie z.B. bei Herr der Ringe). Und
> ich hoffe stark, daß auch die anderen gewinnen wollen!

Dito

> Aber ebenso natürlich messe ich den Spaß, den mir ein Spiel
> verschafft, nicht daran, ob ich nun gewinne oder nicht. Denn
> gewonnen habe ich auf jeden Fall: einen gelungenen Abend mit
> meinen MitspielerInnen!

Sehe ich auch so.

> Ach ja: Und wenn ich sehe, daß ich nicht mehr erster werden
> kann, maule ich zwar kurz auf, versuche dann aber wenigstens
> Zweiter zu werden und wenn das nicht mehr geht, wenigstens
> Dritter, und ... naja, zum Schluß halt besser Vorletzter, als
> Letzter.

Bis hier 100% ACK, wie ein gewisser Josst aus Söst zu schreiben
pflegt, wenn er nicht gerade im Urlaub(?) ist. ;-)

> Und auch wenn ich nicht mehr Erster werden kann, versuche ich
> wenigstens noch ordentlich aufzumischen und entscheide mich
> womöglich, daß ich versuche den ersten so zu stören. daß er
> wenigstens nicht erster wird ... es werden mir noch Ziele
> einfallen, die das Spiel auch für mich weiter spannend
> erscheinen lassen ...

Hier kann ich Dir nicht zustimmen. Ich wuerde in erster Linie
gegen den vor mir liegenden Spieler spielen, um ggf. meine
Position zu verbessern oder gegen den hinter mir liegenden,
um meine derzeitige Position zu verteidigen. Die Tatsache, dass
ein Mitspieler fuehrt, rechtfertigt in meinen Augen nicht, ihm
ohne eigenen Nutzen zu schaden. Hoechstens, wenn seine Fuehrung
ein Resultat seiner gegen mich gerichteten Aktionen ist, werde
ich mich u.U. dazu entschliessen, es ihm heimzuzahlen, aber auch
dieser Rache wuerde ich i.A. geringere Prioritaet einraeumen als
dem Streben nach bestmoeglichem eigenen Abschneiden.

Gruss, Volker (der [i]endlich[/i] mal die Zeit gefunden hat, sich
diesen alten Thread durchzulesen)

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Wollt ihr jedes Spiel gewinnen? - Natrlich!

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 10. Juni 2002, 19:22

Volker L. schrieb:

> Bis hier 100% ACK, wie ein gewisser Josst aus Söst zu
> schreiben pflegt, wenn er nicht gerade im Urlaub(?) ist. ;-)

:grin:

>> Und auch wenn ich nicht mehr Erster werden kann, versuche ich
>> wenigstens noch ordentlich aufzumischen und entscheide mich
>> womöglich, daß ich versuche den ersten so zu stören. daß er
>> wenigstens nicht erster wird ... es werden mir noch Ziele
>> einfallen, die das Spiel auch für mich weiter spannend
>> erscheinen lassen ...

> Hier kann ich Dir nicht zustimmen. Ich wuerde in erster Linie
> gegen den vor mir liegenden Spieler spielen, um ggf. meine
> Position zu verbessern ...

Ja, natürlich, wenn es da noch Möglichkeiten gibt. Ich meinte nur: Bevor es in dem Spiel gar keine Ziele mehr für mich gibt, werde ich auch vor derartigen Zielen nicht zurückschrecken. Der Führemnde sollte im Übrigen bei seiner Strategie schon berücksichtigen, daß die Mitspieler ihm Übles wollen .... und wenn man Turnier spielt kann es sogar äußerst sinnvoll sein, den Führenden zu stören, um - je nach Turniermodus - den Punkteabstand nicht ausufern zu lassen, da dies einen dann selbst in der Gesamtwertung etwas besser dastehen läßt.

Gruß Roland

> dem Streben nach bestmoeglichem eigenen Abschneiden.
>
> Gruss, Volker (der [i]endlich[/i] mal die Zeit gefunden hat,
> sich
> diesen alten Thread durchzulesen)


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