Beitragvon Oli-spielbox » 10. Oktober 2002, 19:28
Hallo zusammen!
Als schlecht bezahlter Promotionsstudent bin ich natürlich auch nicht gerade glücklich darüber, dass die Spielepreise jetzt so anziehen, aber mich wundert es eher, dass sie die ganze Zeit so niedrig lagen. Mir ist hier schon öfters aufgefallen, dass doch einige Leute in dieser Hinsicht etwas verwöhnt sind. Da wurde jedes Spiel über 60 DM/30 € gleich als viel zu teuer abgetan. Ich bin nicht in der Verlagsszene, aber ich mache jetzt mal eine kleine Überschlagsrechnung, um Euch zu zeigen, wie BILLIG Spiele die ganze Zeit waren:
Gehen wir mal von einem üblichen Brettspiel mit 30 € Ladenverkaufspreis aus. Nach den Zahlen von Amigo verkauft sich ein relativ gut gehendes Spiel in dieser Kategorie ca. 20.000 mal (vgl. mit RR 18.000 und Union Pacific 26.000), sagen wir pro Auflagsjahr 8000mal. Der Händler verdient ca. 7 € (wie gesagt, alles nur geschätzt). Bleiben 23 € Verlagseinnahmen.
Materialien + Druck: - 6 €
Verpackung + Versand: - 3 €
Autor (5% Verkaufspreis?): - 3 €
Bleiben noch 11 € mal 8000 = 88.000 €. Von diesen bezahlt Ihr als Spielehersteller mind. einen Redakteur mit ca. 50.000 € (als Arbeitgeber), Marketing (z. B. auch einen großen Messestand), Miete und was sonst noch zu einem Geschäftsbetrieb dazugehört, Steuern und sonstige Abgaben, Geschäftsführer, Grafiker und eventuell eine Sekretärin etc. etc. Da bleibt selbst von einem gut laufenden Brettspiel nicht mehr allzu viel übrig. Und wenn es sich um einen Flop handelt (< 10.000 verkaufte Exemplare), dann muß da auch noch ganz schön was reingebuttert werden.
Fragt doch mal die “Kleinverleger“, wie hoch Ihr Stundenlohn ist und überlegt Euch, ob Ihr dafür z. B. bei Ravensburger arbeiten würdet. Dabei sparen die „Kleinen“ alle anderen Personalkosten und häufig noch den Händleranteil, wenn sie ihr Spiel direkt verkaufen (z. B. in Essen). Komischerweise sind diese dann trotzdem so teuer wie die Spiele der Großverlage, obwohl die wenigsten von ihrem Hobby leben müssen (ganz im Gegensatz zu den Großverlagen).
Dementsprechend schätze ich mich glücklich, dass es in Deutschland doch so viele Verlage gibt, die dieses risikoreiche Geschäft weiterbetreiben und es so lange geschafft haben, ihre Spiele zu solch niedrigen Preisen anzubieten. Ich denke, es ist leicht, auf die „gierigen“ Verlage zu schimpfen, aber dort sitzen auch nur hart arbeitende Menschen, die wie wir für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen. Und in den letzten Jahren haben die angebotenen Spiele nun wirklich sowohl vom Material als auch vom Spielreiz her kaum etwas zu wünschen übriggelassen.
Ciao, Oli