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Harem - Mut zum Thema!

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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RoGo

Re: Harem - Mut zum Mechanismus?

Beitragvon RoGo » 16. März 2004, 22:35

Hallo Oliver,
denn freu ich mich auf das nächste, bunte Jahr. Und wegen der Fotos: einfach fragen. Due subjektive Färbung dürfte dabei auch nicht zu stark sein.
Grüße
Roland

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Heinrich Tegethoff

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 17. März 2004, 09:03

Oli schrieb:
> Ciao, Oli (dem die staendige 'political correctness' auch
> etwas auf den Keks geht)

Hallo Oli,

vielleicht solltest Du einmal eine Weile in Amiland verbringen, dann wüßtest Du,
was political correctness ist...

Beispiel: Auf boardgamegeek.com findet sich überall ein "Report Abuse" Button.
Auch wenn den meisten Deutschen klar ist, dass es hier um saubere Netiquette
geht ist dies bei den meisten US-Amerikanern anders. Deine u.a. Kommentare zum
Thema Harem wären hier schon längst abgemahnt.

Servus,
Heinz (der hofft, das wir nie amerikanische politcal correctness bekommen, und
einige nette und einige idiotische Anekdoten dazu erzählen kann)

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Arno Steinwender
Brettspieler
Beiträge: 64

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Arno Steinwender » 17. März 2004, 10:37

Auf www.spieletest.at haben wir ein Interview mit den beiden Gewinnern geführt und natürlich auch nachgefragt ob das Thema wohl zu gewagt ist!

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RoGo

Re: Harem - Mut der Frauen!

Beitragvon RoGo » 17. März 2004, 11:52

Ah, die Nebel lichten sich:

"Außerdem entscheiden sich die Frauen in unserem Spiel selbst ob und in welchem Harem sie leben wollen, die Männer haben da nichts mitzubestimmen."

Unterdrückte Grüße
Roland

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Roland G. Hülsmann

Re: Harem - Mut der Frauen!

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 17. März 2004, 11:57

RoGo schrieb:

> "Außerdem entscheiden sich die Frauen in unserem Spiel selbst
> ob und in welchem Harem sie leben wollen, die Männer haben da
> nichts mitzubestimmen."

Ich ahnte es doch, daß die Sache einen Haken hat! :grin:

Gruß
Roland (der Ältere)

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Andrea Meyer

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Andrea Meyer » 17. März 2004, 15:07

Stefan Brück schrieb:
>
> Steffen S. schrieb:
>
> > Ich denke durchaus, dass der Markt ein paar
> > nicht so abgedroschene Themen mehr verträgt (und z.B. ein
> > paar Plantagen weniger), ohne einen "Verdienstausfall" zu
> > kreieren. Im Gegenteil. Ein Beispiel war für mich "ad acta",
> > das ich ohne die Affinität zum Thema a) nicht gekauft, b) nie
> > gespielt und mit dem ich wohl c) bei anderem Thema auch nicht
> > so viel Spaß gehabt hätte, da die Begleitsticheleien mir hier
> > fast mehr Spaß machten als das Spiel selbst.
>
> Wir beide reden schon vom selben "Markt", oder!?
> Andrea und Friedemann etc. können, nein [i]müssen[/i] fast
> schon auch per Thema, Grafik, Ausstattung etc. auffallen/aus
> dem Rahmen fallen, wollen sie zunächst einmal "draußen"
> überhaupt wahrgenommen werden.
>
> Dies gilt aber [i]nicht mehr[/i] für Verlage wie Hans im
> Glück, Abacus oder alea.
> Und genau deswegen können wir uns solche "Versuchsballone"
> nicht leisten, denn was hätten wir auch davon?

[...]

> Der Markt besteht aber eben (leider!!!!!) nicht (nur) aus
> "Spielern", sondern zu 95% aus "Normalos" - und wollen wir
> Verlage erfolgreich (im Sinne von wirtschaftlich) sein,
> sollten wir schon versuchen, es auch diesen 95% ein wenig
> Recht zu machen, oder!?

Hi,

natürlich hat Stefan recht mit Nischenmärkten und "schrägen" Themen, wie immer man das definieren will. Wichtig ist dabei, dass diese Nischen durchaus umsatz- und gewinnträchtig sind. Wichtig scheint mir auch, das "der Markt" durch Internet und andere Entwicklung zunehmend international wird und dass das auch mehr Chancen für andere als "die üblichen" Mittelalter- oder Ägypten-Spiele bedeutet.

Um es an Beispielen festzumachen:
- "Schwarzarbeit" verkauft sich in Frankreich fast besser als in Deutschland
- "ad acta" ist in den USA sehr gefragt
- "Das störrische Muli" von Hartmut Kommerell war in Deutschland kein Erfolg, wird aber von US-Spieler extrem gerne gespielt, dann aber mit mexikanischem Akzent

Heißt z.B.: Was alea für den deutschen Markt nicht machen kann und/oder will, ist für Rio Grande in den USA sinnvoll und umsatzträchtig. Das ist insbesondere für AutorInnen wichtig, die bisher vor allem auf deutsche Verlage und die "machbaren" Themen geschaut haben.

Ein Nachsatz zu Friedemann's Nische: Die Auflagenzahlen von FFF und Finstere Flure liegen höher als die einiger Spiele in "etablierten" Verlagen.

Schöner Gruß
Andrea

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Steffen S.

Re: Harem - Mut der Frauen!

Beitragvon Steffen S. » 17. März 2004, 15:46

Ok, dann doch lieber Händler und Baumeister :D :D :D :D

E-Mann-zipierte Grüße
Steffen

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Arno Steinwender
Brettspieler
Beiträge: 64

Re: Harem - Mut der Frauen!

Beitragvon Arno Steinwender » 17. März 2004, 16:04

Jaja, da hat man massig an Öl und bekommt vielleicht tortzdem keine Frau ab! Weil sie sich halt aus Überzeugung gegen ein Leben im Harem entscheidet! ;o)

Na ganz so frei werden sie sich dann doch nicht entscheiden ...

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Stefan Brück

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Stefan Brück » 17. März 2004, 18:16

Andrea Meyer schrieb:
.
.
.
> Heißt z.B.: Was alea für den deutschen Markt nicht machen
> kann und/oder will, ist für Rio Grande in den USA sinnvoll
> und umsatzträchtig. Das ist insbesondere für AutorInnen
> wichtig, die bisher vor allem auf deutsche Verlage und die
> "machbaren" Themen geschaut haben.

In amerik. newsgroups wird übrigens diese unsere Diskussion hier auch schon ein wenig diskutiert - und die sind sich dort einig, dass das Thema dort [i]keine]/i] Chance hätte. Dies allerdings nicht etwa wegen der Damen, sondern ... wegen der Herren. Alle zu bärtig, zu irakisch (?), zu suspekt etc. Sic!
Kein Scherz!

> Ein Nachsatz zu Friedemann's Nische: Die Auflagenzahlen von
> FFF und Finstere Flure liegen höher als die einiger Spiele in
> "etablierten" Verlagen.

Das ist noch kein Widerspruch. Spiele mit "schrägen Themen" können natürl. durchaus mit [i]mittelmäßig[/i] verkauften Spielen aus größeren Verlagen (trotz deren größeren "Allgemeingültigkeit") mithalten, aber nicht mit erfolgreichen. Und darum geht´s! Ohne ihre Allgemeingültigkeit würden diese nie erfolgreich geworden sein ...

vG
Stefan

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Günter Cornett

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Günter Cornett » 17. März 2004, 19:23

Stefan Brück schrieb:
>
> In amerik. newsgroups wird übrigens diese unsere Diskussion
> hier auch schon ein wenig diskutiert - und die sind sich dort
> einig, dass das Thema dort [i]keine[/i] Chance hätte. Dies
> allerdings nicht etwa wegen der Damen, sondern ... wegen der
> Herren. Alle zu bärtig, zu irakisch (?), zu suspekt etc. Sic!
> Kein Scherz!

Und da heisst es immer, 'die Amis' seien so locker ;-)

Sicherlich dürfte so ein Spiel chancenlos sein, wenn es mit Cranium, TP oder Siedler konkurrieren will. Aber ich kann mir echt nicht vorstellen, dass die amerikanische Gesellschaft medienmäßig so gleichgeschaltet ist, dass es für ein humorvoll aufgemachtes Haremsspiel keinen hinreichend großen Markt gibt.

Mag sein, dass andere German/Euro Games oder auch WarGames beliebter sind und ein Verlag, der was anderes macht, erstmal gegen den Strom schwimmt. Wenn er aber der einzige ist, der ein Spiel über 'Männer mit Bärten' macht, ist er in diesem bestimmten Sektor konkurrenzlos. Und er erschließt womöglich neue Zielgruppen.

Also nur zu: Mut zum Thema!

Und ich wette, wenn das Spiel erfolgreich ist, bringt Ravensburger 'Das verrückte libysche Rind' für den arabischen Markt heraus.

Gruß, Günter

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Oli-spielbox

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Oli-spielbox » 18. März 2004, 03:52


> vielleicht solltest Du einmal eine Weile in Amiland
> verbringen, dann wüßtest Du,
> was political correctness ist...

:D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D

Leider daneben, da bin ich naemlich gerade! :P
Aber Du hast schon irgendwie recht, bei dem Thema sind die Amis noch verkniffener als wir Deutschen. Wenn ich bedenke, was fuer Sachen wir frueher an unserer Labortuer hingen hatten; die wuerde ich hier NIE aufhaengen. Komischerweise hatten sich vor allem unsere KollegINNEN darueber kaputt gelacht. Trotzdem, wenn man die Leute hier ein bisschen besser kennt, dann kann man schon mal den ein oder anderen 'politisch unkorrekt' auf die Schippe nehmen. Man muss halt - wie in Deutschland - wissen, mit wem man es machen kann und mit wem nicht.

Ciao, Oli (der ebenso hofft, dass amerikanische political correctness nie nach Deutschland kommt, weil diese Gedachtes einfach nur ungesagt laesst.)

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Oli-spielbox

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Oli-spielbox » 18. März 2004, 04:06

Andrea Meyer schrieb:
>
> Ein Nachsatz zu Friedemann's Nische: Die Auflagenzahlen von
> FFF und Finstere Flure liegen höher als die einiger Spiele in
> "etablierten" Verlagen.

Finstere Flure ist auch wirklich klasse (FFF natuerlich auch ;) ). Ich habe es vor einigen Wochen auf einem Con hier in Vermont zweimal vorstellen koennen. Erst einer Gruppe Jugendlicher (ca 16-18 Jahre) und dann einem Vater mit seinen beiden Soehnen (ca. 8-10). Bis auf den Juengsten, der doch etwas ueberfordert war, hat es allen supergut gefallen. Ich denke Thema und einfache Regeln sind ganz klar die Pluspunkte von Friedemanns Spiel. Leider ist der Euro im Vergleich zum $ inzwischen so angestiegen, dass das Spiel hier recht teuer geworden ist. Trotzdem, ich werde weiter dafuer Werbung machen. ;)

Meiner Meinung nach ist das Thema auch noch lange kein Grund, FF nicht zum SdJ zu kueren. Wenn man bedenkt, was heute alles im Fernsehen gezeigt wird, sind ein Monster und eine Blutlache aus Pappe wirklich nicht zum Fuerchten. Ich kenne auch keine Familie, die Bedenken haette, FF mit ihren Kindern zu spielen. Fuer die meisten Kinder waere das Spiel sogar eine Riesengaudi.

Ciao, Oli (der hofft, dass es FF wenigstens auf die Nominiertenliste schafft)

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Oli-spielbox

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Oli-spielbox » 18. März 2004, 04:21

Günter Cornett schrieb:
>
> Und da heisst es immer, 'die Amis' seien so locker ;-)

Wo das herkommen soll, ist mir inzwischen schleierhaft. Offen und freundlich trifft sicherlich zu, aber "locker"??

> Sicherlich dürfte so ein Spiel chancenlos sein, wenn es mit
> Cranium, TP oder Siedler konkurrieren will. Aber ich kann mir
> echt nicht vorstellen, dass die amerikanische Gesellschaft
> medienmäßig so gleichgeschaltet ist, dass es für ein
> humorvoll aufgemachtes Haremsspiel keinen hinreichend großen
> Markt gibt.

Die amerikanische Gesellschaft IST gleichgeschaltet. Ich haette es selbst nicht fuer moeglich gehalten, was fuer ein sozialer Druck hier besteht, sich dem Mainstream anzupassen. Schon im Fernsehen wird nur "Jung, schoen, erfolgreich (=reich) und optimistisch" gepredigt. Kein Wunder, dass hier Werbung fuer Antidepressiva wie in Deutschland fuer Hustenbonbons gemacht wird - bei den Vorgaben kann man nur depressiv werden.

Das Haremsspiel KOENNTE sich im amerikanischen Hobby-Spielebereich verkaufen; halt so gut wie ein 'German-board game' eben geht. Sobald aber ein paar negative Kommentare auf einschlaegigen Webseiten auftauchen, koennte die Chance auch ganz schnell dahin sein. Stefan hat schon recht, wenn er meint, dass es schon einige bedenkliche Kommentare zu dem Spiel gibt.
http://www.bgdf.com/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&t=526&start=60

Ciao, Oli (der sich fragt, ob diese ganze Diskussion nicht ein bisschen unfundiert ist, wenn man ausser ein wenig Pressetext nichts ueber das Spiel weiss. :-? )

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Chregi

Re: Harem - Mut zum Mechanismus?

Beitragvon Chregi » 18. März 2004, 10:15

Naja, alternativ kannst du ja den Schauplatz in die Karibik umsiedeln ;-)

Gruss aus Puer.. ähh Schweiz

Chregi

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Günter Cornett

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Günter Cornett » 18. März 2004, 13:15

Oli schrieb:
>
> Die amerikanische Gesellschaft IST gleichgeschaltet. Ich
> haette es selbst nicht fuer moeglich gehalten, was fuer ein
> sozialer Druck hier besteht, sich dem Mainstream anzupassen.

Dann erfüllte so ein Spiel sogar eine wichtige soziale Funktion, das ein wenig aufzubrechen. :) Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da kein Bedürfnis gibt, diese Gleichschaltung zu überwinden. Aber vielleicht sollte ich mal hinfahren und mich selbst überzeugen.


> Das Haremsspiel KOENNTE sich im amerikanischen
> Hobby-Spielebereich verkaufen; halt so gut wie ein
> 'German-board game' eben geht. Sobald aber ein paar negative
> Kommentare auf einschlaegigen Webseiten auftauchen, koennte
> die Chance auch ganz schnell dahin sein. Stefan hat schon

Welche der Webseiten sind das? Warum haben die soviel Macht?
Eine Diskussion sollte doch auch einen Werbeeffekt haben.

> recht, wenn er meint, dass es schon einige bedenkliche
> Kommentare zu dem Spiel gibt.
> http://www.bgdf.com/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&t=526&start=60


Wie verträgt sich die pc mit den ganzen Wargames?

Und wenn die Medienlandschaft bis hin zu den Spielen so gleichgeschaltet ist, muss man das einfach als Fakt nehmen und durch entsprechende Spielethemen unterstützen oder ist es in einem solchen Fall nicht besser, selber mit eigenen Themen Trends zu setzen? Oder ist die Situation so schlimm, dass das aussichtslos ist.

> Ciao, Oli (der sich fragt, ob diese ganze Diskussion nicht
> ein bisschen unfundiert ist, wenn man ausser ein wenig
> Pressetext nichts ueber das Spiel weiss. :-? )

Wir diskutieren ja nicht über das Spiel sondern über das Thema.

Gruß, Günter

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Heinrich Tegethoff

Re: Harem - Mut zum Thema! / Kriegsspiele

Beitragvon Heinrich Tegethoff » 19. März 2004, 08:46

Günter Cornett schrieb:
> Wie verträgt sich die pc mit den ganzen Wargames?
[ pc := political correctness ]

Hallo Günter & Oli,

die Wargames sind kein Problem, hat doch Krieg in der amerikanischen
Gesellschaft nichts mit political correctness zu tun. Zwar gibt es dazu dort
verschiedene Meinungen, aber das *Äußern* der Meinung im "falschen"
Umfeld ist nicht opportun. "falsch" sind dabei viele...

Spiele:
Nein, hier geht es nicht im Tagespolitik, aber dass das US-Verhältnis zu Kriegs-
spielen ein völlig anderes ist habe ich erst diese Woche bei BoardGeekGame.com's
Top250 gesehen: IMHO ist die Hälfte(!) aller Spiele -- die nicht auch auf unserem
Markt zu finden aber gut gewertet sind -- Kriegssimulationen. Das Thema ist hier in
der Form überhaupt nicht präsent, und ist in Europa nach ganz anderer historischer
Erfahrung wohl auch gar nicht gefragt.

Servus,
Heinz (dem es hier nur um Infos und nicht um Politik geht)

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Marten Holst

RE: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Marten Holst » 19. März 2004, 10:54

Moin Günter,

> Wie verträgt sich die pc mit den ganzen Wargames?

Interessanter Weise findet sich ja unter obigem Link ein Beitrag, der genau umgekehrt argumentiert... "Die Kriegsspiele sind überm Teich verboten, aber ein Spiel, das ein ganzes Volk und die Frauen herunter setzt soll erlaubt sein?" (überm Teich sind wir hier...). Irgendwo scheint es da doch einen kulturellen Unterschied zu geben...

Gibt es eigentlich Café International in den USA?

Tschüß
Marten

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Günter Cornett

RE: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Günter Cornett » 19. März 2004, 21:50

Marten Holst schrieb:
>
> Moin Günter,
>
> > Wie verträgt sich die pc mit den ganzen Wargames?
>
> Interessanter Weise findet sich ja unter obigem Link ein
> Beitrag, der genau umgekehrt argumentiert... "Die
> Kriegsspiele sind überm Teich verboten, aber ein Spiel, das
> ein ganzes Volk und die Frauen herunter setzt soll erlaubt
> sein?" (überm Teich sind wir hier...).

Wobei letzteres in diesem Fall allem Anschein nach Satire ist, die Kriegsspiele sind es zumeist nicht.
Interessant ist auch, dass er denkt Kriegsspiele seien hier verboten, nur weil sie nicht so gut ankommen.

> Irgendwo scheint es da doch einen kulturellen Unterschied zu geben...

Tja, man lacht nicht über Menschen aus fremden Ländern, man erschießt sie. :grin:
Ist ja auch irgendwie gradliniger ...

Das Problem mit der political correctness:
Der Unterschied zwischen satirischem Auf-die-Schippe-nehmen und Verächtlichmachung ist vielen (auch hier im Forum) nicht bewußt (ist zugegebenermassen auch nicht immer eindeutig, da manches kontextabhängig ist).
Sowohl den Leuten, die auf political correctness bestehen, als auch Leute, die das als Vorwurf formulieren, weil man z.B. antisemitische Witze kritisiert, fehlt da irgendwie die Fähigkeit zur Differenzierung. Beide Seiten reagieren IMHO einfach nur affektiv, anstatt sich inhaltlich mit der Sache auseinanderzusetzen.

> Gibt es eigentlich Café International in den USA?

Vermutlich nicht. Bei Funagain steht 'Manufacturer: Mattel Germany'
http://kumquat.com/cgi-kumquat/funagain/00219?;;LUDI

Es ist ja auch nicht 100%ig pc. ;-)

Gruß, Günter

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Oli-spielbox

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Oli-spielbox » 20. März 2004, 05:17

Günter Cornett schrieb:
>
> Dann erfüllte so ein Spiel sogar eine wichtige soziale
> Funktion, das ein wenig aufzubrechen. :) Ich kann mir nicht
> vorstellen, dass es da kein Bedürfnis gibt, diese
> Gleichschaltung zu überwinden.

Im "Geheimen" sicherlich, aber nach aussen zeigen darf man es natuerlich nicht. Nur mal ein - zugegebenermassen etwas krasseres - Beispiel: Die USA hat die groesste Pornoindustrie der Welt und meines Wissens auch den hoechsten Umsatz pro Einwohner. Trotzdem brach ein Schrei der Entruestung los, als Janet Jacksons Busen fuer gerade 3 Sekunden auf der Mattscheibe zu sehen war. Sex hat hier (fast) jeder, aber alle tun so, als ob es war ganz Schlimmes waere. ;)

>
> > Das Haremsspiel KOENNTE sich im amerikanischen
> > Hobby-Spielebereich verkaufen; halt so gut wie ein
> > 'German-board game' eben geht. Sobald aber ein paar negative
> > Kommentare auf einschlaegigen Webseiten auftauchen, koennte
> > die Chance auch ganz schnell dahin sein.

> Welche der Webseiten sind das? Warum haben die soviel Macht?

Macht haben die vor allem deshalb, weil der Markt fuer German boardgames eben noch extrem klein ist. Ein 'gut sortierter' Fachhandel ist hier so gut wie nicht vorhanden (vielleicht abgesehen von einigen Ausnahmen vor allem in den Metropolen) und eine Spieleabteilung im Kaufhaus (wenn ueberhaupt vorhanden) fuehrt bestenfalls Monopoly und Cluedo. Dehalb bestellen fast alle online; dann liegt es aber nahe, sich auf Seiten wie Boardgamegeek usw. zu informieren. Und ich bin mir sicher, waeren anfangs vor allem negative Kommentare zu Puerto Rico hier und auf anderen Webseiten gepostet worden, dann waere es nie zu dem Renner geworden, der es nun ist.

> Wie verträgt sich die pc mit den ganzen Wargames?

Krieg wird hier mit ganz anderen Augen betrachtet als in Deutschland oder auch im restlichen Europa. Soldaten sind hier immer noch "Helden"; es ist eine "Ehre sich fuers Vaterland geopfert zu haben" und Sechsjaehrige, die mit einer Spielzeugpistole auf Dich schiessen, sind "niedlich". Kuerzlich habe ich in einer Wissenschaftssendung gesehen, wie die neuesten Entwicklungen in der Waffentechnik gepriesen wurden, von der Smart bomb zu Stealth fighter und Fernglaesern mit eingebautem GPS. Fazit: Jeder Gegner soll sehen, dass es hoffnungslos ist, sich mit der ueberlegen amerikanischen Armee anzulegen. Man sollte meinen, die Amis haetten seit Vietnam dazugelernt...

> Und wenn die Medienlandschaft bis hin zu den Spielen so
> gleichgeschaltet ist, muss man das einfach als Fakt nehmen
> und durch entsprechende Spielethemen unterstützen oder ist es
> in einem solchen Fall nicht besser, selber mit eigenen Themen
> Trends zu setzen? Oder ist die Situation so schlimm, dass das
> aussichtslos ist.

Ich glaube nicht, dass es aussichtslos ist, aber Spiele sind bestimmt nicht das richtige Medium, um hier Meinungsvielfalt einzufuehren. Verstehe mich nicht falsch, generell koennen sie das. Aber "German board games" sind hier immer noch ein sehr schutzbeduerftiges Pflaenzchen, dass gerade etwas an Popularitaet gewinnt. Wenn ein solches "Skandalspiel" ploetzlich auftauchen wuerde, koennte das eine Menge Bemuehungen schnell zunichte machen.

> > Ciao, Oli (der sich fragt, ob diese ganze Diskussion nicht
> > ein bisschen unfundiert ist, wenn man ausser ein wenig
> > Pressetext nichts ueber das Spiel weiss. :-? )
>
> Wir diskutieren ja nicht über das Spiel sondern über das Thema.

Schon, aber anhand des Spieles wird wohl eher deutlich, ob das ganze bierernst oder mehr satirisch gemeint ist. Aber das macht am Ende wahrscheinlich sowieso keinen Unterschied; such mal die News nach dem Wort "Ghettopoly" durch und sieh selbst, wie ueber eine eher satirische Monopolyvariante hergezogen wird.

Ciao, Oli

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Günter Cornett

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Günter Cornett » 20. März 2004, 13:29

Oli schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
> > Und wenn die Medienlandschaft bis hin zu den Spielen so
> > gleichgeschaltet ist, muss man das einfach als Fakt nehmen
> > und durch entsprechende Spielethemen unterstützen oder ist es
> > in einem solchen Fall nicht besser, selber mit eigenen Themen
> > Trends zu setzen? Oder ist die Situation so schlimm, dass das
> > aussichtslos ist.
>
> Ich glaube nicht, dass es aussichtslos ist, aber Spiele sind
> bestimmt nicht das richtige Medium, um hier Meinungsvielfalt
> einzufuehren. Verstehe mich nicht falsch, generell koennen

Wenn man das Ziel hat, Meinungsvielfalt einzuführen, ist wohl Film das erste Medium. Aber wenn man Spiele macht und ein nettes Thema hat, ist das IMHO eine gute Sache.

> sie das. Aber "German board games" sind hier immer noch ein
> sehr schutzbeduerftiges Pflaenzchen, dass gerade etwas an
> Popularitaet gewinnt. Wenn ein solches "Skandalspiel"
> ploetzlich auftauchen wuerde, koennte das eine Menge
> Bemuehungen schnell zunichte machen.

Ernsthaft? Steht es so schlimm um unsere Uns-die-Demokratie-Bringer?
Ein Spiel mit Rücksicht darauf nicht zu machen, wäre vorauseilender Gehorsam.

> > > Ciao, Oli (der sich fragt, ob diese ganze Diskussion nicht
> > > ein bisschen unfundiert ist, wenn man ausser ein wenig
> > > Pressetext nichts ueber das Spiel weiss. :-? )
> >
> > Wir diskutieren ja nicht über das Spiel sondern über das
> Thema.
>
> Schon, aber anhand des Spieles wird wohl eher deutlich, ob
> das ganze bierernst oder mehr satirisch gemeint ist. Aber das

Klar; ich denke aber wir gehen alle von einem satirischen Spiel aus.
Im übrigen setze ich voraus, das Thema und Mechanik gut zusammenpassen.

> macht am Ende wahrscheinlich sowieso keinen Unterschied; such
> mal die News nach dem Wort "Ghettopoly" durch und sieh
> selbst, wie ueber eine eher satirische Monopolyvariante
> hergezogen wird.

Die Kritik ist vor allem 'der schlechte Einfluß auf die Jugend'. Und 'mit diesem Thema spasst man nicht.' Ob es rassistische Klischees eher bedient oder karikiert, ob die Satire Gefühle zu sehr verletzt, lässt sich schwer beurteilen, ohne das Spiel selbst zu sehen. Es scheint mir aber vor allem satirisch gemeint zu sein:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/auf/15942/1.html

Schreib doch mal einen Artikel für die Spielbox über das Spiel und was es auslöst!

Die Abstimmung bei boardgames.about.com ist jedoch bei recht guter Beteiligung sehr eindeutig für das Spiel ausgefallen, ein Hinweis, dass gewagte Themen durchaus gut ankommen können:
It's foul and should not be sold. 206 votes (19%)
It's foul, but if people want to buy it, let them. 120 votes (11%)
Eh. I don't care either way. 54 votes (5%)
It's fine, although I won't buy one .80 votes (8%)
It's fine, and I own a copy or will buy one. 600 votes (57%)

http://forums.about.com/ab-boardgames/messages?lgnF=y&msg=4290.1

Gruß, Günter

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Oli-spielbox

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Oli-spielbox » 24. März 2004, 01:10

> > Aber "German board games" sind hier immer noch ein
> > sehr schutzbeduerftiges Pflaenzchen, dass gerade etwas an
> > Popularitaet gewinnt. Wenn ein solches "Skandalspiel"
> > ploetzlich auftauchen wuerde, koennte das eine Menge
> > Bemuehungen schnell zunichte machen.
>
> Ernsthaft? Steht es so schlimm um unsere
> Uns-die-Demokratie-Bringer?
> Ein Spiel mit Rücksicht darauf nicht zu machen, wäre
> vorauseilender Gehorsam.

Ich wuerde es eher Realitaetssinn nennen. Folgendes Szenario: Ein deutscher Verlag bringt erstmals Buecher eines asiatischen Schriftstellers heraus. Die ersten Kommentare, die Du darueber liest, regen sich ueber die frauenverachtenden Tendenzen in einem seiner Buecher auf. Natuerlich weckt das in manchen Leuten erst recht Interesse, aber die meisten winken wohl gleich ab. Aehnliches wuerde ich fuer German board games hier befuerchten. Dazu kommt noch, dass Brettspiele hier sowieso einen sehr schlechten Ruf haben (wen wundert's ;) ).

> Klar; ich denke aber wir gehen alle von einem satirischen
> Spiel aus.

Wir hier, aber auch Otto Normalverbraucher? Ausserden haben die Amis sowieso keinen Sinn fuer Ironie; meine Kollegen haben schon so manche meiner Aussagen fuer bare Muenze genommen, wo bei uns die Leute nur muede laecheln wuerden.

> Die Kritik ist vor allem 'der schlechte Einfluß auf die
> Jugend'. Und 'mit diesem Thema spasst man nicht.' Ob es
> rassistische Klischees eher bedient oder karikiert, ob die
> Satire Gefühle zu sehr verletzt, lässt sich schwer
> beurteilen, ohne das Spiel selbst zu sehen. Es scheint mir
> aber vor allem satirisch gemeint zu sein:
> http://www.heise.de/tp/deutsch/special/auf/15942/1.html

Q. e. d. Du kannst Satire von ernstgemeinten Aussagen unterscheiden, der Durchschnittsamerikaner kann das meistens nicht.

> Schreib doch mal einen Artikel für die Spielbox über das
> Spiel und was es auslöst!

Dazu muesste ich ja mein sauerverdientes Geld fuer einen Monopoly-Klon ausgeben. Das ist es mir dann doch nicht wert, wo es doch soooo viele bessere Spiele gibt. :D

> Die Abstimmung bei boardgames.about.com ist jedoch bei recht
> guter Beteiligung sehr eindeutig für das Spiel ausgefallen,
> ein Hinweis, dass gewagte Themen durchaus gut ankommen können:

In "Freakkreisen" ja, aber meine Intention ist es deutsche Spiele generell bekannter zu machen. Es hat mich schon einige Zeit gekostet, die Vorurteile: langweilig, Kinderkram, Zeitverschwendung, nur fuer 'nerds' (=Streber) oder Rollenspielfanatiker auszuraeumen.

Wie auch immer, uns bleibt sowieso nichts anderes, als abzuwarten, ob und wie es veroeffentlicht wird. (Oder hat der Bambus Spieleverlag Interesse? ;) )

Ciao, Oli

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Günter Cornett

Re: Harem - Mut zum Thema!

Beitragvon Günter Cornett » 24. März 2004, 02:24

Oli schrieb:
>
> > > Aber "German board games" sind hier immer noch ein
> > > sehr schutzbeduerftiges Pflaenzchen, dass gerade etwas an
> > > Popularitaet gewinnt. Wenn ein solches "Skandalspiel"
> > > ploetzlich auftauchen wuerde, koennte das eine Menge
> > > Bemuehungen schnell zunichte machen.
> >
> > Ernsthaft? Steht es so schlimm um unsere
> > Uns-die-Demokratie-Bringer?
> > Ein Spiel mit Rücksicht darauf nicht zu machen, wäre
> > vorauseilender Gehorsam.
>
> Ich wuerde es eher Realitaetssinn nennen ... Dazu kommt noch,
> dass Brettspiele hier sowieso einen sehr schlechten Ruf haben
> (wen wundert's ;) ).

Hm, wenn die Brettspiele dort einen so schlechten Ruf haben,
sollte man vielleicht andere Brettspiele veröffentlichen ;-)

> Du kannst Satire von ernstgemeinten Aussagen unterscheiden, der
> Durchschnittsamerikaner kann das meistens nicht.

D.h. Ghettoploy verkauft sich so gut, weil sie die Satire nicht erkennen? :eek:

> > Schreib doch mal einen Artikel für die Spielbox über das
> > Spiel und was es auslöst!
>
> Dazu muesste ich ja mein sauerverdientes Geld fuer einen
> Monopoly-Klon ausgeben. Das ist es mir dann doch nicht wert,
> wo es doch soooo viele bessere Spiele gibt. :D

verständlich, aber mit einer Seite solltest du den Kaufpreis locker wieder drin haben (34 bis 45 ct pro Zeile).

> In "Freakkreisen" ja, aber meine Intention ist es deutsche
> Spiele generell bekannter zu machen. Es hat mich schon einige
> Zeit gekostet, die Vorurteile: langweilig, Kinderkram,
> Zeitverschwendung, nur fuer 'nerds' (=Streber) oder
> Rollenspielfanatiker auszuraeumen.

Naja, wenn nur brave ausgelutschte Themen vorkommen und man davon ausgeht,
dass ein Spiel für Amis nicht zu anspruchsvoll sein darf, ist das irgendwie logisch. ;-)

> Wie auch immer, uns bleibt sowieso nichts anderes, als
> abzuwarten, ob und wie es veroeffentlicht wird. (Oder hat der
> Bambus Spieleverlag Interesse? ;) )

Eher nicht. Wir wollen vor allem unsere eigenen Spiele machen, auch wenn wir immer ein paar Spiele von Gastautoren in der Mache haben. Das Thema ist für uns kein so wichtiger Grund bei der Entscheidung für oder gegen ein Spiel, wenngleich enger Literaturbezug immer ein kleiner Pluspunkt ist. das Wichtigste aber ist, dass das Spiel was taugt.

Würden wir das Haremspiel machen, würden wir vielleicht Ölscheichinnen nehmen, die sich einen Männer-Harem aufbauen. Ob mit oder ohne Osama-Bart würden dann wohl Testrunden entscheiden...

Gruß, Günter


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