Beitragvon Oli-spielbox » 20. März 2004, 05:17
Günter Cornett schrieb:
>
> Dann erfüllte so ein Spiel sogar eine wichtige soziale
> Funktion, das ein wenig aufzubrechen. :) Ich kann mir nicht
> vorstellen, dass es da kein Bedürfnis gibt, diese
> Gleichschaltung zu überwinden.
Im "Geheimen" sicherlich, aber nach aussen zeigen darf man es natuerlich nicht. Nur mal ein - zugegebenermassen etwas krasseres - Beispiel: Die USA hat die groesste Pornoindustrie der Welt und meines Wissens auch den hoechsten Umsatz pro Einwohner. Trotzdem brach ein Schrei der Entruestung los, als Janet Jacksons Busen fuer gerade 3 Sekunden auf der Mattscheibe zu sehen war. Sex hat hier (fast) jeder, aber alle tun so, als ob es war ganz Schlimmes waere. ;)
>
> > Das Haremsspiel KOENNTE sich im amerikanischen
> > Hobby-Spielebereich verkaufen; halt so gut wie ein
> > 'German-board game' eben geht. Sobald aber ein paar negative
> > Kommentare auf einschlaegigen Webseiten auftauchen, koennte
> > die Chance auch ganz schnell dahin sein.
> Welche der Webseiten sind das? Warum haben die soviel Macht?
Macht haben die vor allem deshalb, weil der Markt fuer German boardgames eben noch extrem klein ist. Ein 'gut sortierter' Fachhandel ist hier so gut wie nicht vorhanden (vielleicht abgesehen von einigen Ausnahmen vor allem in den Metropolen) und eine Spieleabteilung im Kaufhaus (wenn ueberhaupt vorhanden) fuehrt bestenfalls Monopoly und Cluedo. Dehalb bestellen fast alle online; dann liegt es aber nahe, sich auf Seiten wie Boardgamegeek usw. zu informieren. Und ich bin mir sicher, waeren anfangs vor allem negative Kommentare zu Puerto Rico hier und auf anderen Webseiten gepostet worden, dann waere es nie zu dem Renner geworden, der es nun ist.
> Wie verträgt sich die pc mit den ganzen Wargames?
Krieg wird hier mit ganz anderen Augen betrachtet als in Deutschland oder auch im restlichen Europa. Soldaten sind hier immer noch "Helden"; es ist eine "Ehre sich fuers Vaterland geopfert zu haben" und Sechsjaehrige, die mit einer Spielzeugpistole auf Dich schiessen, sind "niedlich". Kuerzlich habe ich in einer Wissenschaftssendung gesehen, wie die neuesten Entwicklungen in der Waffentechnik gepriesen wurden, von der Smart bomb zu Stealth fighter und Fernglaesern mit eingebautem GPS. Fazit: Jeder Gegner soll sehen, dass es hoffnungslos ist, sich mit der ueberlegen amerikanischen Armee anzulegen. Man sollte meinen, die Amis haetten seit Vietnam dazugelernt...
> Und wenn die Medienlandschaft bis hin zu den Spielen so
> gleichgeschaltet ist, muss man das einfach als Fakt nehmen
> und durch entsprechende Spielethemen unterstützen oder ist es
> in einem solchen Fall nicht besser, selber mit eigenen Themen
> Trends zu setzen? Oder ist die Situation so schlimm, dass das
> aussichtslos ist.
Ich glaube nicht, dass es aussichtslos ist, aber Spiele sind bestimmt nicht das richtige Medium, um hier Meinungsvielfalt einzufuehren. Verstehe mich nicht falsch, generell koennen sie das. Aber "German board games" sind hier immer noch ein sehr schutzbeduerftiges Pflaenzchen, dass gerade etwas an Popularitaet gewinnt. Wenn ein solches "Skandalspiel" ploetzlich auftauchen wuerde, koennte das eine Menge Bemuehungen schnell zunichte machen.
> > Ciao, Oli (der sich fragt, ob diese ganze Diskussion nicht
> > ein bisschen unfundiert ist, wenn man ausser ein wenig
> > Pressetext nichts ueber das Spiel weiss. :-? )
>
> Wir diskutieren ja nicht über das Spiel sondern über das Thema.
Schon, aber anhand des Spieles wird wohl eher deutlich, ob das ganze bierernst oder mehr satirisch gemeint ist. Aber das macht am Ende wahrscheinlich sowieso keinen Unterschied; such mal die News nach dem Wort "Ghettopoly" durch und sieh selbst, wie ueber eine eher satirische Monopolyvariante hergezogen wird.
Ciao, Oli