Beitragvon erik » 7. März 2003, 00:52
"Roland G. Hülsmann" hat am 06.03.2003 geschrieben:
> Das von Dir erwähnte Spiel kenne ich nicht.
Kalle Kängu? Ich bleibe dabei: als Spiel wirklich nicht
gut. Wenn man die 10 Lauffelder zwischen Start und
Ziel weglässt, lautet die Siegbedingung (vereinfacht):
der Startspieler beginnt und würfelt mit dem Farbwürfel.
Nach jedem Wurf wird geprüft, ob ein Spieler diese
Farbe als seine hat. Wenn ja, hat dieser gewonnen.
Wenn nicht, wird der Würfel nach links weiter gereicht
usf.
Hatte ich nur als Beispiel für "Knizia und muss nicht
gut sein" (da es auch schon öfter Erwähnung fand)
> Aber ich würde den etwas verworrenen Thesen des
> Spirelepädagogen (müssen Spiele pädagoisch sein?)
> entgegensetzen:
Ich hoffe, dass augenzwinkerndes Zitieren rübergekommen
ist?
Interessant war daran vor allem, dass es schwierig ist,
rauszufinden: wann ist Spiel ein Spiel...
> ...
> Wenn ich denn schon Kriterien für die Güte eines Spieles
> finden wollte, dann doch wohl jenes, wievielen dieses Spiel
> gefällt. Ein (objektiv) gutes Spiel wäre dann ein solches,
> daß vielen Spielern gefällt und daher vermutlich auch von
> vielen gekauft wird. Ein (objektiv) schlechtes Spiel wäre
> dann eines, daß niemandem gefällt (und deshalb vermutlich
> dann auch wirtschaftlich ein Flop ist und seinen Verlag bei
> der Kundschaft in Mißkredit bringt.).
Siehste, und das funktioniert IMHO leider auch nicht. Nach
der Definition wäre "Fundstücke" kein (objektiv) gutes Spiel,
da es sich <130 mal verkauft hat (sicherlich keine signifikante
Zahl im Spielemarkt in DLand). Natürlich ist dieses Beispiel
extrem... Aber Du erklärst gut als solches, dass vielen gefällt.
Das ist, wenn auch vage, so doch sicher erfüllbar. Schwierig ist
Deine Definition von "objektiv schlecht": dass darf *niemandem*
gefallen. Unter dieser Annahme ist mit an Wahrscheinlichkeit
grenzender Sicherheit postuliert, dass es keine objektiv schlechten
Spiele gibt, denn zumindest der Autor wird ja nicht losgegangen sein
und sagen "Hey, ich habe ein wirklich schlechtes Spiel erfunden,
lieber Verlag, packe das in die Schachtel...". Damit hast Du die
Kriterien für "gutes Spiel" weich formuliert (muss Mehrzahl
gefallen) und für schlechtes Spiel eigentlich auf Nichtexistenz
reduziert. Das heisst, für ein gutes Spiel ist es ausreichend,
dass es von vielen als gut erklärt wird. Ein schlechtes Spiel
muss nachweisen, dass niemand es gut findet.
Das ist insofern interessant, als dass es den Reaktionen auf
Spielekritiken hier oder andernorts entspricht: Zustimmung/Lob
wird im allgemeinen kommentarlos hingenommen oder durch
Zusatzlob gestärkt. Kritik wird in vielen Fällen selbst Opfer der
Kritik anderer. Aber das stützt auch wieder Deine These, dass
dafür sein leichter ist als dagegen :-)
> Das sagt natürlich jetzt nichts darüber aus, ob ein Spiel
> pädagogisch wertvoll ist. das wären wieder andere
> Kriterien.
Au weia, da bin ja in einer Ecke, die ich nie wollte. Nix nein danke
pädagogisch wertvoll. Gebt mir Intrige, gebt mir auch wenn es
denn sein muss Provopoli. Und und und. Lasst mir die Möglichkeit,
mein fieses, reallebenverschmähtes ICH in Spielsimulationen
ohne Gefahr auszuleben. Aber lasst mir dabei Freiräume und
mich nicht zum Sklaven unkontrollierbarer Ereignisse werden.
>
> Das sagt auch nichts über die Originalität seiner
> Mechanismen oder Themen aus. Auch das ist eine andere
> Geschichte, wenn auch eine die viele Forumsteilnehmer (mich
> eingeschlossen) interessiert und gerne diskutiert wird.
Wiederholt: Kalle Kängu ist von Knizia und hat nichts an
Thema, Mechanismus oder Originalität zu bieten, was
nicht ein interessierter Praktikant im Hause Ravensburger
besser gekonnt hätte.
Dass mit Euphrat und Tigris ein Spiel-Himmel, ein Titan
des modernen Gesellschaftsspiels entgegen steht, ist
zwar subjektiv aber auch meine Meinung zu der ich stehe.
> Die Aufregung Einiger klang eher wie die Wut oder
> Entäuschung darüber, ein Spiel nur wegen des Autren gekauft
> zu haben, ohne sich vorher mit dem Schachteltext
> auseinanderzusetzen ... warauf dann eine bittere
> Enttäuschung erfolgte. Die Schuld dafür darf man dann m.E.
> nicht bei Autor oder Verlag suchen.
Na aber nicht bei mir, da bin ich drüber weg ;-)
Viel Spass mit den "guten Spielen" wünscht,
Erik