So, nach dem meine erste Partie (zu dritt) ja abgebrochen wurde und die Regelfragen jetzt geklärt sind, haben ich gestern Abend Mare Nostrum mit drei „Neulingen“ gespielt.
Erster Eindruck der drei: Schönes Spielmaterial und interessant klingende Regeln. Im Verlauf des Spiels verdüsterten sich unsere Minen allerdings…
Woran lag’s? Es war uns zu statisch, man hat einfach zu wenige Möglichkeiten, richtig zu agieren. Die Karawanen und Städte sind ratz fatz ausverkauft, und dann wird im Grunde nur noch gekämpft um an weitere Ressourcen zu kommen!
Ich als Ägypter hatte relativ schnell Hannibal an meiner westlichen Grenze stehen. Also schnell 2 Legionen und eine Festungen gebaut. Und in diesem Moment war das Spiel auch schon praktisch für mich gelaufen! Karawanen und Städte gab es nicht mehr, also brachte mir eine Ausdehnung nach Osten zu den neutralen Babyloniern auch nichts mehr. Ich bekam jede Runde 6 Steuerkarten und 3 Ressourcen, die ich in die Rüstung stecken musste zwecks Abschreckung (heimlich plante ich aber, Rom anzugreifen). Während Hannibal und ich uns im Süden belauerten, baute Rom (ich finde Eigenschaft und Startort viel zu stark), von Griechenland unbehelligt, seine Wirtschaftsmacht aus und kaufte dann als erste Heldin Helena! Bis zu diesem Zeitpunkt war kaum etwas passiert und so wollte ich das Spiel mal etwas in Schwung bringen. Also mittels zweier Flotten 5 Legionen in die südlichste „Stiefelprovinz“ gebracht. Meiner Meinung nach auch die letzte Möglichkeit, den Kampf gegen Rom zu beginnen. Eine Legion lief zum Feind über, und dann verweigerten mir die Würfel noch die Gefolgschaft… Eine römische Festung und zwei meiner Legionen blieben in der Provinz Meine Hoffnung, dass Karthago und Griechenland nun ebenfall gegen Rom marschieren würden, erfüllten sich dann leider auch nicht. Vielmehr legte Griechenland mir auch noch Steine in den Weg, so dass mein Feldzug kläglich scheiterte und Rom unangreifbar wurde. Wenige Runden später hatte Rom dann gewonnen…
Jetzt kann man natürlich sagen: Dumm gelaufen, Deine Mitspieler haben bräsig gespielt. Aber haben sie dass wirklich? Muss ich wirklich so spielen, wie das Spiel es mir vorschreibt? Wenn quasi vorgegeben ist, wie ich mit welchem Volk spielen muss, brauche ich erst gar nicht anzufangen. Und wenn Karthago und Ägypten sich nicht gegenseitig schwächen und dann Opfer von Rom oder Griechenland werden wollen, müssen sie nach Norden expandieren… das ist mir alles zu sehr festgelegt.
Die Ressourcen dienen zwar als Motiv für Angriffe, der Handel und der Bau von Karawanen bzw. Städten wirken irgendwie alibimäßig auf mich. Letzteres dient einfach dazu Karten zu bekommen, mit denen ich dann etwas baue. Was ich dann bauen kann, wird bis zu einem gewissen Grad durch den Handel bestimmt, aber zur Not kann ich immer Legionen, Festungen oder Flotten bauen.
Im Grunde ist Mare Nostrum also eines dieser „Handels-Entwicklungs-Kampf mit Würfel“ Spiele, dem es einfach am Pfiff fehlt. Vom Spielwitz her kann es gegen thematisch ähnliche Spiele wie z.B. Serrenissima, Vinci und auch Tyros keinen Blumentopf gewinnen, geschweige denn gegen AoR oder HotW! Vor 20 Jahren wäre das Spiel mit Sicherheit ein Knaller gewesen, aber glücklicherweise hat sich in der Zeit einiges getan!
Bernd (der gestern Abend den Satz „Das hätten Teuber, Knizia & Co im Halbschlaf gemacht“ hörte)