Beitragvon Christian Hildenbrand » 10. August 2003, 01:17
Sehr geehrter Herr Landgraf !
Wie bereits vor wenigen Minuten angekündigt, hier eine weitere Theorie zur Entstehung des Skat-Spiels:
Die “Thüringische Auffasung”.
Eine der wesentlichen Theorien der „Thüringischen These“ behauptet, das Skatspiel sei in Altenburg im Jahre 1817 vom Advokaten Friedrich Ferdinand Hempel “erfunden” und von diesem in den Osterländischen Blättern 1818 erstmals erwähnt worden. „Erfunden“ scheint eine gewagte Formulierung zu sein, denn es ist unstrittig, dass der frühe Skat eindeutige Merkmale anderer, älterer Kartenspiele (Schafskopf, Tarock und L`Hombre) in sich vereinte. Andere glauben zu wissen, dass der Skat zwischen 1810 und 1815 von der Brommeschen Tarockgesellschaft in Altenburg aus der Taufe gehoben wurde. Wieder andere meinen, dass das Skatspiel Anfang des 19. Jahrhunderts von einem Kutscher nach Altenburg gebracht und von den dortigen Tarockspielern mit größter Begeisterung aufgenommen worden sei. Nach den Recherchen des anerkannten Skatforschers Stein soll dies ein Altenburger Kutscher gewesen sein.
Dass die Spielbezeichnung “Scat” erstmals am 04. September 1813 in der Spielkladde des Herzoglichen Regierungsrates Hans Carl Leopold von der Gabelentz auftauchte - Spielort soll Schloss Poschwitz gewesen sein - scheint unbestritten - ist doch genau diese Aufzeichnung im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar, Außenstelle Altenburg, erhalten. Allerdings war der Begriff “Scat” schon beim sehr viel älteren Tarock-Spiel die Bezeichnung für einen Stapel von Restkarten. Haben sie nun an jenem 04. September 1813 tatsächlich den ersten Skat gespielt, die Herren der Tarock- Gesellschaft (zum erlesenen Kreise dieser Kartenspieler gehörten Dr. Carl Ludwig Schuderoff, Carl Adam Neefe, Friedrich Ludwig Hempel, Friedrich Ferdinand Hempel und Herr von der Gabelentz)? Auf jeden Fall spielten sie mit einem Kartenspiel deutschen Blattes, in dem die Karte “Ober” der “Dame” des französichen Blattes entspricht.
Bereits um 1815 wurde beim Skat die Matadorenrechnung eingeführt, welche in der Folgezeit zum heute bekannten “Reizen” weiter entwickelt wurde. Sehr früh kamen auch die Nullspiele hinzu, die dem Skat einen besonderen Reiz verliehen, da sie ihm seinen streng feudalen Charakter nahmen: Nun hatten auch die “Armen” mit einer Hand voller Luschen eine Gewinnchance. Etwa zeitgleich kam das As-Spiel hinzu, der Vorläufer des heutigen Grands, welches jedoch ohne Trümpfe gespielt wurde. Selbst die Wenzel (Buben, Unter) genossen keine Privilegien und mussten sich in ihre Farbe einordnen.
Auch “Handspiele” gab es bald: Man nannte sie Solospiele im Gegensatz zu den Wendespielen, bei denen der Skat aufgehoben wurde.
In den Folgejahren versuchte man, durch Regeländerungen die Faktoren Glück und Zufall zurück zu drängen. Das damalige “Reizen” (Bieten, Fragen, Versteigern) wurde mit dem gleichen Ziel fortentwickelt. Die Mühe lohnte sich, denn Skat ist heute ein “gewachsenes” Kartenspiel, das wie kein anderes die Spielkunst in den Vorgrund stellt. Bis etwa 1830 verlief die Entwicklung des Skatspiels dann weitgehend einheitlich.
Ich hoffe, Sie mögen reichlich aus meinen Ausführungen gelernt haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Christian Hildenbrand