Beitragvon Oli-spielbox » 15. März 2004, 04:23
Frank schrieb:
>
> letztendlich mutmaßlich schon, aber ich bin mir nicht sicher,
> ob ich dem "fach"einzelhandel, so wie er ist (nach meinen
> erfahrungen, ausgesprochen unflexibel, völlig überteuert,
> meist schlechter informiert als ich und trotzdem mit einer
> rätselhaften arroganz erfüllt, fachlich ganz doll kompetent
> zu sein) wirklich eine träne nachweinen möchte.
>
> vielleicht sollte man das tun, weil damit mal wieder ein
> stück einkaufskultur verschwindet, aber irgendwie habe ich
> das gefühl, daß ich persönlich mit einer kombination aus
> internet-, foren- bzw. user-infos und günstigen intershops
> nicht nur finanziell besser fahre.
Das sehe ich genauso. Mir ist raetselhaft, warum hier viele meinen, dass nur fachkundige Beratung den Einzelhandel am Leben erhalten kann. Wo bekomme ich denn eine bessere Beratung als im Netz, wo Rezensionen, unterschiedliche Kommentare, Bilder und in vielen Faellen die komplette Spielregel gerade einen Mausklick entfernt sind? Ich gebe gerne zu, dass ich inzwischen nicht nur wegen Preis und Bequemlichkeit, sondern auch wegen der besseren Information lieber im Internet einkaufen gehe. Und wenn man dann auch noch den tollen Service vieler Onlinehaendler (z. B. den hervorragenden Katalog von 'Adam spielt') sieht, dann frage ich mich, wie Beratung alleine das wettmachen soll.
>
> statt die guten möglichkeiten zu nutzen, die etwas neuere
> medien (wie das internet) bieten oder jüngere spielewelten
> (wie computerspiele) ergänzend oder mehr bzw. weniger
> gleichberechtigt ins programm aufzunehmen, kleben die meisten
> an ihrem
> "elektrisches-ist-feind-der-brettspieler-und-ich-hab-nen-echten-laden-und-da- >sollen-die-leute-gefälligst-hingehen-um-meine-fachliche-kompetenz->kaufenderweise-teuer-teuer-zu-bewundern-konzept"
Ja, einfach nur in seinem Laden sitzen und darauf warten, dass ein paar "Dumme" die Tuer hereingestolpert kommen, wird einfach nicht ausreichen. Aktiv um Kunden werben, z. B. auf Spiele- und Gemeindefesten, wird eine der wenigen Moeglichkeiten sein, Neukunden zu werben und sich das Ueberleben zu sichern.
Ich finde es ebenfalls sehr seltsam, wieviele Verlage einfach nur die schlechte Wirtschaftslage beklagen, aber ansonsten wenig Neues im Bereich Marketing zustande bringen. Gut, in Deutschland ist der Markt schon ziemlich ausgereizt, aber anderswo sind 'German-games' noch fast unbekannt. Z. B. hier in den USA habe ich es innerhalb eines Jahres geschafft, eine Spielegruppe von fast 20 Leuten aufzubauen - fast ausschliesslich Freunde und Kollegen, die vorher noch keine Ahnung von 'German-Games' hatten. Das Problem hier ist, dass die Leute nur den Hasbro und MB Einheitsbrei kennen und deswegen Brettspiele meiden wie die Pest. Dabei besteht hier ein riesiges Reservoir an potentiellen Neukunden. Aber faellt da einem deutschen Verlag etwas anderes ein, als sein Spiel an einen der kleinen englischen Verlage auszulizensieren? Meiner Erfahrung nach nein. Mit dieser Unoriginalitaet sehe ich leider fuer die Zukunft schwarz .
Ciao, Oli (der sich trozdem weiter bemuehen wird, deutsche Spiele in den USA bekannter zu machen)