Beitragvon Michael Weber » 2. September 2005, 10:49
Lucky Matthias schrieb:
> Ich würde gerne ein 'heißes' Thema zur Diskussion stellen,
> und hoffe auf interessante Beiträge Eurerseits.
So heiß ist das nicht. Jedenfalls nicht für eingeweihte. Eher für den nicht schreibenden Spieler ...
> Ich frage mich eigentlich schon lange, ob
> Spielezeitschriften/-magazine (ob online oder als
> Printmedium) wirklich unabhängig sind.
Printmedien sind immer von Anzeigen abhängig. Ob und wei weit da Vermischungen in den redaktionellen Bereich stattfinden, hängt vom Einzelfall ab.
Die meisten Online-Medien haben - zumindest was Anzeigen angeht - da weniger Propbleme, weil die Anzeigen in der Regel nicht von Verlagen, sondern von Händlern geschaltet werden.
Zur Abhängigkeit von Verlagen bezüglich Rezensionsmaterial hat Katrin einen guten Link gepostet, der meiner Meinung nach gut darstellt, wie die Situation ist (siehe zum Beispiel Ausführung von Roman).
> Spielemagazine leben doch irgendwie auch von der
> Unterstützung durch die Verlage. Sägen die Herausgeber und
> Tester nicht an Ihrem eigenen Ast, wenn ein Spiel komplett
> verrissen wird, weil es nach deren Meinung '?§§$%& ist? Und
> was ist, wenn eben mehrere Spiele dieses Verlages deutlich
> unterdurchschnittlich sind? Die Unterstützung durch den
> Verlag könnte dann ziemlich schnell dahin sein... keine
> Rezensionsspielexemplare, keine News oder andere Infos mehr.
Nein, eine gute Verlags-Pressearbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie versucht, das Produkt zu verbreiten, nicht die Medien zu kontrollieren. Sicher wird in einem oder anderem Fall gesiebt, aber nicht, weil es schlechte Besprehungen gibt (wenn Sie denn nicht absichtlich und ohne Grundlage verfasst werden), sondern weil es KEINE gibt. Was zum Leidwesen aller tüchtigen Journalisten und Rezensenten besonders häufig dann auftritt, wenn die Messe in Essen stattfand ... Dort laufen meiner Meinung nach doch einige Abzocker herum, die unbedarfte Verlage ausnutzen.
> Fragen über Fragen: Eigentlich kann ein Magazin doch nur
> unabhängig sein, wenn es eben keine testbeeinflussenden
> Kontakte zu den Verlagen pflegt, oder? Müssten dann nicht
> alle Spiele anonym im Laden gekauft werden? Siehe Stiftung
> Warentest... Alle Tests in denen steht: "Wir danken dem
> Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars." sind
> dann schon fragwürdig...
Nein, Kontakte sind wichtig und fließen im Idealfall nicht in die Bewertung eines Produktes ein. Aber es ist möglich, das will ich gar nicht leugnen, dass der eine oder andere Konatkt dazu führt, dass im Unterbewusstsein, die Messlatte etwas neidrier angesetzt wird oder rosarote Brillen aufgesetzt werden. Aber im Unterbewusstsein.
Was den Vermerk angeht, ist das wirlklich Geschmackssache. Bei Reich der Spiele fehtl dieser Vermerk, obwohl von den über 1.000 rezensierten Produkten deutlich mehr als drei Viertel vom Verlag zugeschickt wurden. Ist es für den leser wichtig, ob der Hinweis dort steht? Wenn er nicht dort steht, bedeutet dies eine größere Objektivität?
> Doch halt! Ist ein Spielemagazin sowieso nur zur Info
> (Spielmechanismus, Thema, Anleitung, Design, usw.) da, damit
> der geneigte Leser selbst entscheiden kann? Sind Tests denn
> nicht eh nur subjektiv? Dann spielt die Wertung ja gar keine
> grosse Rolle! Und außerdem gibt es dann mehr 'kleine'
> Magazine, die sich eine Unabhängigkeit sowieso gar nicht
> leisten könnten.
Tests, lieberLucky Matthias, sind IMMER und AUSSCHLIEßLICH Subjektiv!!! Die Wertung ist aber das A und O eines tests, wasd leider einige Kollegen ab und an vergessen ... Und warum sollen sich kleinere Magazine Unabhängigkeit nicht leisten können?
> Was mir jedenfalls auffällt: Einige Spielemagazine
> (absichtlich keine Namen!)haben eine völlig sinnlose
> Bewertungsweise. Da werden fast alle Spiele im oberen Viertel
> der Skala bewertet, wirklich schlechte Spiele gibt es
> nicht/kaum. Wozu dann die unteren Noten der Skala?
Gute Fragen, ich bin ja seit jeher gegen Noten :-D
Allerdings muss man schon sagen, dass der allergrößte teil der Spiele zumindest so gut funktionieren, dass man die schlechteste Note, welche das auch sein mag, in der Regel nicht geben muss oder gar nicht geben kann.
> Ich neige dazu, Spiele nur nach Tests zu kaufen, die von
> unabhängigen (also nicht an Magazine gebundenen) Spielern
> stammen. Foren und Seiten, auf denen nur 'private' Spieler
> Tests schreiben, sind dazu besonders geeignet. Vor allem
> dann, wenn eine große Anzahl an Spielern ein Spiel als gut
> bewertet.
Ich denke, das musst du entscheiden. Ich vertraue einem guten Text über Stärken und Schwächen eines Spieles, der nach mehreren Partein in unterschiedlicher Besetzung entsteht, eher, als zehn Postings von Spielern in eben diesen Foren, die das Spiel eventuell nicht mal wirklich gespielt haben ... Der Unterschied zwischen Journalismus und Meinung wird hier häufig überdeutlich!
> Wie macht Ihr das? Benutzt Ihr Spielemagazine nur als Info
> und zur Meinungsbildung? Oder geht Ihr tatsächlich nach den
> subjektiven Noten eines einzelnen Testers des Magazins?
Als Reich-der-Spiele-Macher bin ich hier befangen :-P
Letztlich dienen doch aber alle Texte immer nur als Info. Wer - tschuldigung - so doof ist und einer Besprechung eines Schreibers blind vertraut und dershalb ohne weitere Meinungsbildung oder Probepartie ein Spiel kauft, darf sich nicht wundern, wenn er mal daneben greift. Natürlich wäre es schön (und würde mich asl Schreiber immer freuen), wenn es anders wäre, aber wundern darf man sich im negativen Fall eben nicht.
Michael