Beitragvon Peter Gustav Bartschat » 6. April 2006, 05:56
Eine zusätzliche Möglichkeit könnte noch sein, dass der Spieler in den Regeln immer gemäß der Epoche und dem Umfeld angeredet wird, in der/dem das Spiel angesiedelt ist.
In einem Spiel, das unter Kaufleuten des Mittelalters spielt ("Pfeffersäcke") wäre dann "Ihr" und "Euch" angebracht, während ein Spiel um militärische Fragen zur Zeit der Aufklärung ("Friederich") sein Lokalkolorit durch ein knappes, obrigkeitliches "er" erhielte.
Aufmerksamkeit fordert zum Beispiel "Im Schatten des Kaisers": Im Mittelalter wurde ausschließlich der Kaiser mit "Sie"* angeredet, hier wäre also in den Regelpassagen, die sich mit Zügen der Barone und Kurfürsten beschäftigen, das "Ihr" angemessen, während die speziellen Zugmöglichkeiten des amtierenden Kaisers mit "Sie" zu erläutern sind.
Ungeklärt ist bislang noch die korrekte Anrede für "Im Tal der Mammuts". In "Wallenstein" ist es natürlich angemessen, den Spieler mit "Euer Liebden" zu titulieren.
Mit einem lieben Gruß
Gustav
* Das ist ein Relikt aus spätrömischer Zeit, als es
1. zwei Kaiser gab, und jeder gemäß der Hofetikette auch als stellvertretend für den anderen angesehen wurde, und es
2. verpönt war, den Kaiser direkt anzureden - selbst, wenn er unmittelbar vor einem stand - sondern das Wort formal immer an einen neben dem Kaiser stehenden Sprecher ("Locutus") gerichtet wurde, selbst wenn der gerade nicht da war.
Wollte man also dem Kaiser mitteilen, dass die Staatskasse leer war, musste man sich vor ihn stellen, ein paar Zentimeter neben ihn in die Luft starren und sagen "Leider sind sie pleite.", wobei mit dem "sie" dann gemäß der Etikette beide Kaiser gemeint waren, obwohl in Wirklichkeit vielleicht nur einer pleite war.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich dann in der deutschen Sprache so etwas wie eine "Inflation der Höflichkeit", und die Anrede gegenüber dem Höchstgestellten verbreitete sich durch die sozialen Schichten nach unten, bis das "Sie" zur üblichen distanzierten Anrede geworden war.