Beitragvon Roman Pelek » 10. Februar 2007, 08:26
Hi Marten, hi Gustav,
endlich mal wieder eine wirklich gut Diskussion, danke.
Peter Gustav Bartschat schrieb:
> Wenn ich mich schnell über irgend etwas informieren will, das
> mir so gar nichts sagt - sagen wir: Irgend ein Sachbegriff
> oder ein Fachwort, das ich irgendwo gehört oder gelesen habe
> - dann hole ich mir gern eine erste Information aus der
> Wikipedia. Oft reicht das schon, um sich ein Bild von dem
> Begriff zu machen.
Diese Meinung teile ich vollkommen. Die Wikipedia ist ein hervorragendes Instrument, um dem vormals alleine gelassenen "Da war doch noch irgendwas, aber ich weiß überhaupt nicht mehr was"-Gefühl abzuhelfen.
> Was mich auch gut gefällt, sind die weiterführenden Links,
> durch die man ja oft zu Informationsseiten kommt, an die man
> nie gedacht hätte. (Ich wäre, glaube ich, ohne die Wikipedia
> nie auf den Gedanken gekommen, dass die CIA eine Homepage
> hat, auf der bisweilen alte Akten veröffentlicht werden, wenn
> die Geheimhaltungsfrist abgelaufen ist.)
Ja, sie ist sie ist ein schöner Ideen- und Assoziationsgeber. Früher war man mit seiner Ratlosigkeit auf sich alleine gestellt, heutzutage kriegt man wenigstens Anregungen, womit man sich beschäftigen könnte, um dem abzuhelfen. Für bare Münze darf man es aber nicht alles nicht nehmen.
[Schlecht redigierte, tendenziöse Artikel in Wikipedia]
> Solche Dinge stoßen mich dann immer wieder ab, und ich bin
> mir ziemlich sicher, dass ein Beitrag zum selben Thema z.B.
> in der Brockhaus Enzyklopädie nicht möglich gewesen wäre.
> (Inzwischen wurde der Boll-Artikel übrigens zumindest in
> seinen krassesten Passagen wieder gelöscht.)
Es war ein hehres Motiv, in einer vernetzten Gesellschaft einmal auszuprobieren, ob Menschen Schwarmintelligenz besitzen. Meines Erachtens besitzen sie sie im nicht, dafür gibt's zu viele persönliche Animositäten, die dem in ihrer allzu leichten Auslebbarkeit entgegenwirken.
> Das ist - um wirklich nicht missverstanden zu werden - nicht
Ich schätze, Du hast bei Deinem Bedürfnis, nicht missverstanden zu werden, manchmal ein ähnliches Trauma wie ich ;-) Wie heißt Deine Psychotherapeutin? Auch Ehefrau? :-))
> die Schuld der Wikipedia-Macher, sondern es ist ein bei einer
> öffentlich zugänglichen Datenbank vermutlich nicht zu
> vermeiden. (Vergleichbar bestimmten Beiträgen in diesem
> Forum, bei denen sich einem auch manchmal die Fußnägel
> aufrollen, für die man aber nicht die spielbox verantwortlich
> machen kann.)
Ich schätze, die "spielbox" (was auch immer dieses Abstraktum darstellt) legt auch großen Wert darauf. Man kann schließlich auch nicht jede sauer werdende Milch unter Beobachtung stellen, mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass das reine Ansinnen, ebensolches zu tun, einen arg schlechten Schatten auf die Diskursfähigkeit der Webseitenbetreiber werfen würde.
> Ich sage mir also: Wenn in einer Datenbank einige krasse
> Unwahrheiten stehen, die mir sofort auffallen, dann mögen
> auch einige verborgene Unwahrheiten darin stehen, die mir
> eben nicht auffallen, und die ich beim unkritischen Lesen
> einfach in meine Vorstelung von der Beschaffenheit der Welt
> übernehmen könnte.
Wie wahr.
> Und daraum mache ich Wikipedia-Beiträge nicht zur Grundlage
> meiner Meinungsbildung - ich würde also die Entscheidung zum
> Kauf eines Spiels nicht aufgrund eines überschwänglichen
> Wikipedia-Artikels treffen, und die Entscheidung dagegen
> nicht aufgrund eines Artikels, in dem sein Autor als
> abgefeimter Schurke dargestellt wird.
Und genau so wenig sollte man dieses Forum zur Grundlage seiner Meinungsbildung machen. Es sei denn, man weiß, mit wem man es zu tun hat.
> Man kann sie aber sehr wohl mit Gewinn nutzen, wenn man die
> Grenzen ihrer Möglichkeiten berücksichtigt.
In der Tat. Es gibt viel Gutes zu vermelden (z.B. kritische Beiträge von Holst und Bartschat), die eigene Paranoia macht es aber mitnichten arbeitslos.
Ciao,
Roman ("I open my curtains at 7 a.m. just to make you think that I'm up with the rest of the men" / The Housemartins)