Beitragvon ravn » 1. November 2009, 15:30
Hallo,
das Spielmaterial ist guter Standard. Der Spielplan ist aufgezogen und übersichtlich. Wobei der sowieso nur die zukünftigen Kursentwicklungen und Kurse abbildet und Ablagen für Statussymbole samt Werteleisten bietet. Eher ein Statusplan.
Dagegen fallen die Firmentableauts ein wenig ab, weil auf dünnerer Pappe gedruckt. Da man diese aber nicht ständig hin und her bewegt, sondern die ebenso nur als Ablagefelder dienen, kann man damit leben.
Das Papiergeld hat schön farbige Aufdrucke und ist eben Papiergeld. Typische Funkenschlag-Qualität, um einen Vergleich zu haben.
Nett gestaltet sind die Holz-Dollar-Symbole, um den Papierstapel des Vermögens der letzten Spielrunde der einzelnen Firmen vor Zugriff zu sichern. Dienen sozusagen als Geldstapelbeschwerer.
Einzig die persönlichen Spielmarker gefallen mir nicht. Die sind normaldünne Pappcounter und werden in jeder Spielrunde hin- und herverschoben auf den gespielten Karten und als Anzeiger für Managerposten. Hier hätte ich mir jeweils 12 runde Holzzylinder mit Aufdruck oder notfalls Aufkleber gewünscht - einfach damit die griffiger sind und das Handling einfacher wird, da die erst auf die verdeckt gespielten Karten gesetzt werden, dann werden die Karten umgedreht und die Marker wieder draufgelegt.
(So gesehen im Spieledemo-Video auf BoardGameGeek verlinkt. Eventuell kann man den Ablauf auch vereinfachen, indem jeder eine Karte vor sich verdeckt spielt und dann gemeinsam daraus dann die offene Auslage mit den Markern obendrauf gebildet wird, damit die Zuordnung Karte-Spieler weiterhin klar ist.)
Von der Materialfront erreicht Greed locker German Games Niveau. Wer jetzt für 65 Euro Messepreis einen Materialschlacht wie noch bei Roads & Boats oder Antiquity erwartet, könnte aber enttäuscht sein. Ein Planet Steam im Vergleich bietet wesentlich mehr fürs Auge. Also muss schlicht das Spielprinzip diesen Preis tragen, wobei es Greed inzwischen schon für "nur" 58 Euro bei diversen Händlern gibt. Für den Preis habe ich als Splotter-Fan dann auch zugeschlagen. Auch weil mich das Thema angesprochen hat und ich die grossen Wirtschaftsspiele dieses Verlages bisher wirklich spielenswert fand (Ausnahme Duck Dealer).
Das Spielprinzip ist recht einfach und die Anleitung auch kein Regelmonster. Im Kern versucht man mit seiner Firma über steigende Kurse oder Produktions-Warenketten Umsatz und Gewinn zu erwirtschaften und irgendwann den Absprung zu schaffen als Manager, um eine satte Provision mitzunehmen, wenn das Firmenkapitalkonto gut gefüllt ist.
Dabei unterscheidet man fein zwischen Umsatz und Gewinn und Liquidität. Sofern nur der Umsatz stimmt (Gewinn ist erstmal egal), gibt es keine Schuldzuweisungen und niemand muss seinen Posten räumen.
Man kann in mehreren Firmen zeitgleich aktiv sein und schiebt in einer relativ freien Handelsphase alles mögliche hin und her - zwischen eigenen Firmen und/oder in Beteiligung von Firmen, die von anderen Spielern kontrolliert werden und/oder wo man schon in Lauerstellung auf den CEO-Posten des Geschäftsführers ist. Da scheint vieles möglich von Joint Ventures, Vermögenswerte mieten, Termingeschäfte, Geldverleih und und und.
Seine Abfindungen investiert man selbst in Luxusgüter, die Statuspunkte bringen. Wobei die Luxusgüter zweier Kategorien durch Spielerhand ersteigert werden und damit den Mindestpreis der Luxusgüter der kommenden Runde bestimmen, zeitgleich aber auch Kurs-Preistrends für Waren beeinflussen. Wer am Ende die meisten Statuspunkte durch seine Luxusgüter erwirtschaftet hat, der hat gewonnen. Die Firmen sind da nur Mittel zum Zweck. Realistisch, zynisch mit aktuellem Bezug. Sicher nicht jedermanns Thema. In der Umsetzung aber wirklich gelungen.
Aber leider habe ich es noch nicht spielen können. Alle Wörte vorweg sind also nur als Ersteindruck vor dem ersten Spiel zu verstehen. Die freie Handelsphase scheint allerdings wichtig zu sein, weil da viel möglich ist und ebenso viel Spielpotential verschenkt werden könnte. Wer die als aktionsfaule Spielrunde nicht nutzt, die Möglichkeiten nicht erkennt (wobei die Anleitung schon mit Handelstipps hilft) und die direkte Interaktion mit und gegen Mitspieler nicht mag, sondern nur selbst an seinen Firmen basteln will, wird mit Greed wohl nicht recht glücklich werden, oder?
Cu/Ralf