Anzeige

Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
malzspiele
Kennerspieler
Beiträge: 313
Kontakt:

Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon malzspiele » 12. Februar 2010, 14:38

Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, wie euer Weg zu den "komplizierten" Strategiespielen verlaufen ist, und was ihr für Erfahrungen damit gemacht habt, andere dazu zu bekehren. Wie seht Ihr das Image von Strategiespielen?

Ich entsinne mich, dass ich früher einen großen Respekt von Spielen wie El Grande, Puerto Rico oder Funkenschlag hatte, weil überall darüber zu lesen war, wie komplex diese seien. Dadurch baute sich eine sehr hohe Hemmschwelle auf, die mich jahrelang davon abhielt, solche Spiele zu spielen.

Inzwischen sind solche Spiele für mich schon relativ normal, und ich empfand das Erlernen dieser Spiele weder als "kompliziert" noch als besonders anstrengend. Selbst mein 11-jähriger Sohn spielt problemlos mit.

In meinem weiteren Bekanntenkreis merke ich trotzdem immer wieder, dass viele andere ähnliche "Probleme" haben. Sie glauben aufgrund der wenigen Informationen, die man als Normalsterblicher über solche Spiele bekommt, dass man mindestens studiert haben muss, um sich an solche Spiele trauen zu können. Und glauben wirklich, dass Spiele wie "Mensch ärgere Dich nicht" und "Monopoly" besser, weil einfacher, wären.

Woher kommt das?

Ist das ein Problem des Marketings der Verlage? Machen diese nicht deutlich genug, dass sogenannte Strategiespiel auch nur ganz normale Spiele sind? Versuchen sie absichtlich, mit den banalen Klassikern Geld zu scheffeln, oder haben sie schon aufgegeben, den Normalkunden vom Kauf etwas besserer Spiele zu überzeugen?

Was können wir als "Spieleverrückte" (als solche sehe ich erst einmal alle an, die wie ich hier unterwegs sind) tun, damit das Image dieser genialen Spielen dahingehend verändert wird, dass sich mehr rantrauen und feststellen, wie unterhaltsam, spannend und befriedigend ein Spieleabend mit besseren Spielen als MäDn oder Monopoly sein kann?

Oder sind Strategiespiele wirklich nur für einen ganz kleinen Teil der spielenden Menschheit geeignet?

Ich freue mich auf Eure Meinungen!

Ciao
Stefan

www.malz-spiele.de

Benutzeravatar
widow-s-cruse

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon widow-s-cruse » 12. Februar 2010, 15:02

Hallo Stefan,

ich sehe für das profane Volk nicht das Problem, solche Spiele zu spielen. Als Spieleerklärer konnte ich in meinem Umfeld schon großes Vertrauen erlangen und etwas zur Verbreitung solcher Spiele beitragen.

Aber dass der Spiele-Normalverbraucher sich ein umfangreiches Regelwerk selbstständig erarbeiten soll, ist nach meiner Meinung das große Problem.

Die Verlage haben unter anderem zwei Möglichkeiten diesem Problem zu begegnen. Sie produzieren "kurze Regel"-Spiele oder verfolgen vielleicht den Weg, wie ihn zum Beispiel die Jury Spiel des Jahres mit der Video-Erklärung von Dominion aufgewiesen hat.

Aber die lang zu lesende Spieleerklärung dürfte weiterhin die große Hemmschwelle bei der Verbreitung solcher Spiele bleiben.

Liebe Grüße

Nils Kruse
http://aiblinger-zockerbande.de

Benutzeravatar
malzspiele
Kennerspieler
Beiträge: 313
Kontakt:

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon malzspiele » 12. Februar 2010, 15:18

Hallo Nils,

ja, ich denke auch, dass die inzwischen doch zahlreich verfügbaren Video-Anleitungen eine gewisse Hilfe zumindest für diejenigen Interessenten darstellen, die sich die Mühe machen, im Internet nach Informationen zu suchen (was leider noch immer recht wenige sind).

Die KOSMOS-Spieleerklärer, zu denen Du gehörst, sind auf jeden Fall auch eine tolle Sache, weil sie dort ansetzen, wo die nicht so Internet-vertrauten, potentiellen Spieler zu erreichen sind, nämlich im Spielwarenhandel und auf Spielemessen. Deshalb werde ich dort auch bald mitarbeiten (meine erste Schulung ist im April).

Es bleibt aber die Grundfrage: Wie schaffen die Verlage (und wir) es, den Ruf der Strategiespiele insgesamt zu ändern? Gibt es noch andere Möglichkeiten? Marketingansätze? Sonstige Ideen?

Das Ziel "kurze Regel" wird in vielen Fällen leider dazu führen, dass das Spiel selbst weniger Möglichkeiten hat. Von dieser Art Spiele gibt es m.E. eigentlich genug.

Ciao
Stefan

www.malz-spiele.de

Benutzeravatar
Attila
Kennerspieler
Beiträge: 4715

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Attila » 12. Februar 2010, 15:26

Hiho,

Komplex != Kompliziert !

Ich denke das "Problem" ist, das diese Spiele Art von Spielen nunmal ihre Zeit brauchen und den Spieler durchaus fordern.
Ich habe schon oft den Spruch gehört "Das ist mir zu anstrengend" oder "Da muss ich zu sehr denken".
Ich kann zwar persönlich das nur teilweise nachvollziehen (ja, natürlich muss man dabei denken - das ist doch der Witz daran!), aber ich denke schon das es was damit zu tun hat, das viele Leute ihre Freizeit bevorzugt mit geistig weniger anspruchsvollen Hobbys verbringen, weil sie der Meinung sind das sie in ihrem Job ja schon genug geistige Arbeit verrichten. Imo geht das zwar gar nicht, aber letztendlich muss jeder selbst entscheiden womit er seine Zeit (auch die Freizeit) verbringt und womit nicht.

Atti

Benutzeravatar
Duchamp

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Duchamp » 12. Februar 2010, 15:33

Es gibt mindestens drei Hauptgruppen von Menschen (jetzt mal den Deutschen Markt betrachtet), von denen du, glaube ich, die zweite und dritte ein bisschen miteinander vermischst:
1. Wir (wir wissen, wer wir sind und wen ich damit meine).
2. Gerne & Familienspieler. Die kennen "Siedler", "Carcasonne", "Stone Age" und sind am ehesten auch das Publikum auf Messen oder "in deinem Bekanntenkreis". Für diese ist der "Sprung" zu den "komplexeren" Spielen tatsächlich nur gering. Und zwar, weil der Spielzug selbst oft nict viel komplizierter auszuführen ist (wenn man mal von Optimierern mit AP absieht) sowie zweitens, weil sie es kennen, sich in immer wieder andere Regeln hineinzufinden. Hier sitzen auch diejenigen, die sich das SdJ jedes Jahr zulegen.
3. aber, und nur hier ist das wirklich viele Geld zu machen (so zumindest die Annahme, und Parker, HasBro und Co. kämpfen nicht damit, eine 5000er Auflage über Messen und Internet-Hype an den Mann zu bringen): Die echte "Masse". Die sonstigen 90% , von denen "wir" einfach in der regel wenig zu sehen kriegen. Die ganz vielen, eher einfach gestrickten Leute (und das meine ich NICHT überheblich!), denen es einfach "neu" genug ist, bei Monopoly jetzt mit `ner Scheckkarte zahlen zu können.

Zu beginn deines OP sprichst du m.E. von der 2. gruppe, die du gerne vermehrt zu Spielen hingeführt hättest, die eher von der 1. Gruppe gespielt werden. Dann aber meinst du, es gebe besseres als Mädn oder Monopoly, was für mich nun einmal Spiele für die 3. Gruppe sind.

Tja. Und da hapert es dann schon oft an Willen, geistiger Fähigkeit, am Reiz oder allem zusammen, solche Spiele anzugehen.

Was "wir" tun können? Spielkultur weitertreiben und uns nicht in einen "Elfenbeinturm" zurückziehen. In dem Jugendhaus, in dem ich arbeite, landen nun neben den unvermeidlichen Monopoly und Poker eben auch mal Blokus, Aufsteiger oder Axiom auf dem Café-Tisch - oder mein nächster Prototyp zum Test am "Normalmensch".

Benutzeravatar
Manu125

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Manu125 » 12. Februar 2010, 16:57

Naja ich glaube oft werden die falschen Worte benutzt. Zum Bsp. Agricola, das hat dem Sonderpreis Komplexes Spiel gewonnen. Aber Komplexe heißt nicht das es kompliziert sein muss. Schach ist auch komplex, aber kompliziert? Niemals!

So aber gut bei Agricola würde ich deshalb einfach mal raten. Aufbebber für Sonderpreis komplexes Spiel runter machen und einfach anfangen zu erklären.

Das tolle an Strategiespielen ist doch das Sie LOGISCH sind. Und Logische Dinge mag der Mensch. Deshalb einfach keine schau haben.

Zweiter wichtiger Punkt ist das Erklären. Da gibts natürlich erstmal die, die zu jeder Regel gleich noch die Sonderregel erklären (warum? reicht auch noch im Spiel ) oder die Strategische Tipps zwischen reinbauen. Für Vielspieler ist das nicht so schlimm, aber für wenigspieler schon.

Naja und sonst, einfach vergleiche zum Leben herstellen.Die meisten Spiele haben doch was damit zu tun. Und deshalb kann man zum bsp. Agricola sogar Kinder erklären. Weil es was mit dem Leben zu tun hat.

Benutzeravatar
Braz
Kennerspieler
Beiträge: 6431

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Braz » 12. Februar 2010, 17:42

Hiho Stefan,


malzspiele schrieb:
>
> Hallo zusammen,
>
> mich würde mal interessieren, wie euer Weg zu den
> "komplizierten" Strategiespielen verlaufen ist, und was ihr
> für Erfahrungen damit gemacht habt, andere dazu zu bekehren.
> Wie seht Ihr das Image von Strategiespielen?
>
> Ich entsinne mich, dass ich früher einen großen Respekt von
> Spielen wie El Grande, Puerto Rico oder Funkenschlag hatte,
> weil überall darüber zu lesen war, wie komplex diese seien.
> Dadurch baute sich eine sehr hohe Hemmschwelle auf, die mich
> jahrelang davon abhielt, solche Spiele zu spielen.
>
> Inzwischen sind solche Spiele für mich schon relativ normal,
> und ich empfand das Erlernen dieser Spiele weder als
> "kompliziert" noch als besonders anstrengend. Selbst mein
> 11-jähriger Sohn spielt problemlos mit.


Ich denke mal, dass alles Gewohnheit und "Training" ist. Komm`mal mit einem Puerto Rico zu eine "Standard-Familie", welche noch nie groß (oder nur sehr wenig) gespielt hat.
Dann siehst du wahrscheinlich nur offene Münder vor dir sitzen, wenn du mit dem Regelwerk von Puerto Rico ankommst.

Im Ernst: Die Spiel des Jahres haben nicht umsonst nur ein paar Regelseitchen....

Kurzum: IMHO Das Lesen einer Regel trainiert und man empfindet folgende Regeln immer weniger schwer. Ein Wenigspieler oder Nichtspieler hat mE dennoch oft Probleme....so jedenfalls kenne ich es aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis -> alles was über 20 MInuten Regellesen geht interessiert keinen mehr.
"Ok, lass uns halt einfach mal loslegen..." heißt es dann oft UND das, obwohl man noch nciht einmal das Ende der Regel inkl. Spielziel gelesen hat..... ;-)

Benutzeravatar
Micha A.
Kennerspieler
Beiträge: 1340

RE: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Micha A. » 12. Februar 2010, 20:26

"Braz" hat am 12.02.2010 geschrieben:

> Ich denke mal, dass alles Gewohnheit und "Training" ist.

Sehe ich genau so. Hinzu kommt etwas "Wille".

Ich habe letzte Woche meinen Sohn (8J) bei zwei Spielen aus der Bücherei einfach mal die Regel lesen und das Spiel erklären lassen. Hat bis auf einen kleine Fehler gut geklappt - wir konnten danach sofort losspielen!

Natürlich war das auch ein viel niedrigerer Regellevel, dafür ist er natürlich auch erst in der dritten Klasse.

Fazit: Wenn man will, dann geht es auch! Die 4 oder 6 seiten Regeln der meisten Familienspiele sollten für einen Erwachsenen, der gewillt ist und bereit, etwas Zeit und Konzentration aufzubringen, m.E. ohne Probleme zu meistern sein.

Gruß
Micha


****************************************************************************************************************************************
Wenn du dich klein, nutzlos und depressiv fühlst, dann denke immer daran: Du warst einmal das schnellste und erfolgreichste Spermium deiner Gruppe!

Benutzeravatar
Gevatter
Kennerspieler
Beiträge: 139

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Gevatter » 12. Februar 2010, 22:12

"Ok, lass uns halt einfach mal loslegen..."

genau darin liegt der Schlüssel - selbst leidlich komplexe spiele wie z.b. "puerto rico" habe ich meiner familie (darunter ein 9-jähriges kind) schritt für schritt, also "learning by doing" beigebracht; es hat 2-3 spiele gedauert, bis sie etwa ebenbürtige spielpartner waren - so komplex sind diese spiele dann doch nicht, man muss nur den willen haben, sie kennenzulernen.......

...inzwischen spielt mein sohn (inzw. 11 j. alt) mit mir schon recht anspruchsvolle kosims und kann häufig sogar mithalten....

lange rede, kurzer sinn: einfach darauf losspielen !!!;-)

gruß

Benutzeravatar
malzspiele
Kennerspieler
Beiträge: 313
Kontakt:

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon malzspiele » 12. Februar 2010, 23:09

Noch ein paar Gedanken von mir zu diesem Thema:

Das mit Agricola finde ich ein gutes Beispiel. Warum wird Agricola von Lookout Games weiterhin AKTIV als "komplexes Spiel" angepriesen? Sorgt das allein nicht schon dafür, dass Otto Normalbürger kein Interesse daran hat? Viele denken, komplex ist automatisch kompliziert, und kompliziert ist schlecht.

Immerhin spricht man auf der Website nicht von "Strategiespiel", sondern etwas harmloser von "Entwicklungsspiel". Vielleicht wäre aber der Begriff "Simulation" noch besser? Das kennen die Leute vom PC-Spiel, und es dürfte sie eher anlocken als abschrecken.

Ich denke, dass gerade die Verlage den Fehler machen, uns Vielspieler zu direkt anzusprechen! Das ist nicht nötig - wir wissen, welches Spiel gut ist, und welches nicht. Sie müssen UNS nicht davon überzeugen, dass ein Spiel besonders komplex oder besonders anspruchsvoll (grausames Wort!) ist. Die Gemeinschaft der Vielspieler ist bestens organisiert, und ein gutes Strategiespiel wird sich dort immer relativ schnell durchsetzen.

Sollten die Verlage nicht vielmehr versuchen, solche Spiele insofern zu "verharmlosen", als sie versuchen, sie eher Durchschnitts-SdJ-Spielern schmackhaft zu machen?

Damit würden sie den potentiellen Käuferkreis deutlich erweitern, was allen Seiten helfen würde: den Verlagen (die größere Auflagen erreichen), uns (weil bei größerem Markt mehr gute komplexe Spiele verlegt werden) und besagten Durchschnitts-SdJ-Spielern (weil diese endlich die Hemmungen ablegen und bessere Spiele spielen können).

Der Beitrag, den wir selbst als Missionare in Sachen Spiele leisten können, ist zwar spürbar, aber im Vergleich zu den Möglichkeiten des Verlagsmarketings eher winzig.

Wie gesagt, nur so eine Idee für die Damen und Herren von alea, eggertspiele, KOSMOS, Lookout Games, Phalanx, und all die anderen Verlage, die auch Spiele für anspruchsvolle Spieler im Programm haben...

Der einzige Verlag, der m.E. schon halbwegs in diese Richtung arbeitet, ist Hans im Glück. Dort werden viele Strategiespiele angeboten, die eher über dem typischen SdJ-Niveau liegen, aber so in alltagstaugliche Themen verpackt werden (z.B. "Schweinebande", "Finca" oder "Thurn und Taxis"), dass der normale Spieler nicht sofort abgeschreckt wird.

Diese lockere Art bei den noch komplexeren Spielen würde solche Spiele bestimmt noch erfolgreicher machen!

Ciao
Stefan

www.malz-spiele.de

Benutzeravatar
Helmut
Kennerspieler
Beiträge: 1529

Re: Spielen soll entspannen!

Beitragvon Helmut » 12. Februar 2010, 23:47

widow-s-cruse schrieb:
> Aber die lang zu lesende Spieleerklärung dürfte weiterhin die
> große Hemmschwelle bei der Verbreitung solcher Spiele bleiben.
>

Stimmt. Spielen soll Entspannung sein, aber keine Arbeit. Von den unteren Bildungsschichten, die außer TV-Programm und vielleicht Sportnachrichten nichts mehr lesen, ist das Durchlesen von 4-6 Seiten Spielregel eh nicht zu erwarten.
Andere Lese-Gewandte sind dann "Spielregel-Ungern-Leser", wie mir letzthin eine Bekannte mit Hochschulabschluss mitteilte: "Erklär mir bitte das Spiel, ich lese nicht gerne Spielregeln."
In unserem Spielkreis kommen meine Mitspieler meistens mit der Ankündigung: "Bin müde, bitte nur leichte Kost." Agricola oder LeHavre brauche ich denen nicht auf den Tisch zu legen. Also erübrigt sich für mich auch das Durcharbeiten dieser Spielregeln. "Diamonds Club" wird da gerade noch akzeptiert.
Aber eines ist doch klar: Keiner muss jedes Spiel spielen müssen. Wenn sich eine Familie stundenlang mit Mädn prächtig amusiert, ist das gut so, und wir sollten da nicht anfangen zu missionieren: "Hier, lest mal 5 Seiten Spielregel und spielt doch mal ein gescheites Strategiespiel!"

Benutzeravatar
Mapache
Brettspieler
Beiträge: 74

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Mapache » 13. Februar 2010, 01:01

Ob Video-Erklärungen das Problem wirklich lösen?
Da braucht man ein Abspielgerät in der Nähe, kann nicht schnell mal nachfragen (beim Erklärer) oder nachlesen (beim selbst Lesen), und das Tempo ist vorgegeben.

Ich kenne auch genug Leute die sich eine Spielregel lieber erklären lassen als selbst zu lesen. Spielregeln sind aber meist auch nicht einfach zu verstehen, vor allem wenn man nur liest (oder auch nur zuhört). Meist klärt sich vieles einfach dann beim machen. Daher ist es vielleicht besser eine kleine Spielrunde mit in die Anleitung zu integrieren, vielleicht als Einstieg in das Spiel nach der Erklärung und vor dem richtigen Spiel.


Chao
Mapache

Benutzeravatar
Manu125

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Manu125 » 13. Februar 2010, 03:06

Naja ich denke man sollte da nicht vergleichen. Denn zwischen Agricola und T&T liegen Welten. Ja selbst zwischen Stone Age und Agricola oder PR liegen welten. Das fängt bei der Spielregel an und hört beim Spielmaterial auf.

Dennoch hast du Prinipell recht. Spiele werden einfach falsch beschrieben.

Ein weiters Bsp. war bei mir das neue Spiel von eddgertspiele "HAVANNA"

Im ersten Abschnitt wird beschrieben was jeder Mensch schon kennt.

"Die Spieler können Persos oder Baustoffe holen, Arbeiter anheuern, den Arichtekten ins Spiel bringen, Steuern eintreiben - oder einfach mal Siesta halten und sich von ihren Leibwächtern beschützen lssen."

Ein Absatz später folgt dann

"Havanna bestich durch minimale Spielregeln und ein einfachen..."

So jetzt wird dann wieder ein Sprung nach oben gemacht? Absicht? Ich finde schon denn jeder Normalspieler hört hier doch schon auf zu lesen. Dann kommt der Teil der eigentlich mal was zum Spiel selbst sagt. Der steht aber in einem ganz neuen Absatz neben dran.

"...Mechanismus, der immer weider andere Vorgehensweisen erfodert. Intuition und kurzfristiges Taktieren ist ebenso wichtig wie gezieltes Vorausplanen"

Das war die Textstelle warum mein Bruder sich das Spiel gekauft hat. Da ist Taktig gefragt, aber nicht zu viel. Denn die Leute mögen Strategiespiele, aber bitte nur im Rahmen. Ok dazu muss man sagen Havanna hat jetzt keine komplexe Regeln. Aber doch ist der Beschreibungstext für jeden Spielertyp einigermaßen zugänglich.

Ich als Strategiefan sehe den "Satz Intuition und kurzfristiges Taktieren ist ebenso wichtig wie gezieltes Vorausplanen" so wie ich ihn mir denke. Und der Normale Spieleverbraucher so wie er es sieht. Das ist wie bei dem Bild Mona Lisa, egal aus welcher Lage man das Bild anschaut, man denkt immer es lacht ein an.

So ist es bei diesem Text auch. Egal aus welcher Sicht ich das sehe, das Spiel und die Beschreibung lacht jeden an.

Benutzeravatar
Udo Möller
Kennerspieler
Beiträge: 151

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Udo Möller » 13. Februar 2010, 06:02

Strategiespiele sind nicht wirklich kompliziert - das gilt zumindest für viele Vertreter. Agricola ist vom Spielzug her einfach - die Komplexität kommt durch das Zusammenwirken der Karten und das viele Material.

Das gilt für viele Spiele.

Die Herausforderung besteht ganz klar darin, ein Spiel nach der Regellektüre spielen zu können. Den meisten Familien fehlt nämlich der Erklärbär. Mit Erklärbär schaffen es viele mir bekannte Familien, problemlos Spiele wie Robo Rally, Pandemie oder Tore der Welt zu spielen.
Aber ohne diesen Erklärbären sind sie überfordert und das Spiel erhält erst gar keine Chance, weil sie an der Spielanleitung scheitern! Das fängt damit an, dass bekannte Wiedererkennungselemente fehlen (Beispiel Tikal: Das hat ja gar keinen Würfel). Für die Seltenspieler ist die Vergabe von Aktionspunkten alles andere als normal!
Zudem erhalten Spielregelen bei Ottonormalspieler genau eine Chance - danach müssen sie verstanden sein oder das Spiel wandert ins Regal!

Der ideale Ansatz wäre, in jeder Spielwarenfachabteilung und jedem Spieleladen kompetente Erklärer an den Start zu schicken, die Spiele den potentiellen Käufern auch erklären. Und die Käufern erhlaten einen Gutschein für eine Erklärrunde auf einem nahegelegenen Spieletreff.
Damit wäre wahrscheinlich allen geholfen: Dem Laden, der Kompetenz vermittelt und seinen Kunden einen Service bietet, dem Käufer, der einen Ansprechpartner hat, an den er sich wenden kann, und den Spieletreffs, die neue Mitspieler und Spielbegesterte finden können.

LUdo ergo sum

Benutzeravatar
Jonas
Kennerspieler
Beiträge: 339

Re: Zustimmung!

Beitragvon Jonas » 13. Februar 2010, 08:26

Genau so ist es, Helmut.
Und hinzu kommt, dass das Sinn entnehmende Lesen eines Textes durchgängig schlechter bei den Kindern und Jugendlichen wird, zum Teil drastisch, selbst im gymnasialen Bereich. Die Hürde des Spielregellesens wird also auch in Zukunft nicht besser und williger gemeistert werden.

Die Frage ist doch, wo die Spielregelgrenze (und damit meine ich selber-lesen und nicht erklärt bekommen) für die normale Spielebevölkerung, also etwa geschätzte 99,3%, liegt. Ich würde mal sagen gerade noch so bei "Einfach genial" oder "Carcassonne". Alles was umfangreicher ist, wird entweder nicht verstanden oder es will erst gar keiner lesen.

Ein komplexes Spiel muss schon sehr viel Unterstützung erfahren, um weite Verbreitung zu finden. Ich weiß noch, wie es bei Siedler von Catan war. Jeder hat es von irgendwem erklärt bekommen. So gut wie niemand von der breiten Masse hat sich das Spiel selbst über die Regel erschließen müssen. Ohne diesen Erklärdrang der Vielspieler wäre Siedler niemals auch nur annähernd so nachhaltig erfolgreich geworden. Meiner Beobachtung nach ist es bei Dominion ähnlich. Ich kenne einige Leute, die es ständig dabei haben und anderen erklären wollen. Nur so geht es. Alles andere bleibt Wunschdenken.

Benutzeravatar
peer

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon peer » 13. Februar 2010, 08:37

Hi,
ein Aspekt fehlt noch: Nicht jeder will insgeheim tatsächlich Strategiespiele spielen. Selbst wenn man die Regeln per Telepathie vermitteln könnte, heißt das nicht, dass dann alle Leute Strategiespiele spielen. Viele wollen trotzdem nicht nachdenken. Oder finden einfach mehr Gefallen an einfachen Spielen, so wie andere z.B. lieber einen Tatort gucken als einen französischen Independent-Film. Das ist legitim und da darf man sich nix vormachen...

ciao
peer

Benutzeravatar
Helmut
Kennerspieler
Beiträge: 1529

Re: Zustimmung!

Beitragvon Helmut » 13. Februar 2010, 08:38

Jonas schrieb:
>
> Genau so ist es, Helmut.
> Und hinzu kommt, dass das Sinn entnehmende Lesen eines Textes
> durchgängig schlechter bei den Kindern und Jugendlichen wird,
> zum Teil drastisch, selbst im gymnasialen Bereich. Die Hürde
> des Spielregellesens wird also auch in Zukunft nicht besser
> und williger gemeistert werden.
Richtig.
>
> Die Frage ist doch, wo die Spielregelgrenze (und damit meine
> ich selber-lesen und nicht erklärt bekommen) für die normale
> Spielebevölkerung, also etwa geschätzte 99,3%, liegt. Ich
> würde mal sagen gerade noch so bei "Einfach genial" oder
> "Carcassonne". Alles was umfangreicher ist, wird entweder
> nicht verstanden oder es will erst gar keiner lesen.

Ja, und nach dieser Erkenntnis überlege ich mir immer, welches der mir bisher bekannten Spiele erfüllt diese Bedingungen. Normal überschreiten schon die vielen Kartentexte bei Dominion und deren Wechselwirkung die Auffassungsgabe des "Normal-Spielers". Ich möchte nicht wissen, wie viele Dominions als SdJ gekauft und nie gespielt wurden.

Benutzeravatar
malzspiele
Kennerspieler
Beiträge: 313
Kontakt:

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon malzspiele » 13. Februar 2010, 11:10

Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich die Meinungen sind. Zwei Dinge möchte ich noch einmal ins Gedächtnis rufen:

Zum einen ging es mir darum, Eure Erfahrungen beim Versuch des Bekehrens der Spiele-Ungläubigen zu hören. Wo hat es geklappt, wo habt ihr auf Granit gebissen? Welche Spiele sind relativ erfolgreich, welche nicht?

Zum anderen suche ich nach Möglichkeiten, den Anreiz für Durchschnittsspieler zu erhöhen, von selbst ein solches Spiel auszuprobieren. Natürlich wird dies nur bei einem sehr geringen Teil funktionieren. Aber wenn nur jeder hundertste der "gefühlten 99,3%" der Spieler dadurch überzeugt wird, hat sich unseren Zahl wahrscheinlich schlagartig verdoppelt oder noch mehr vervielfacht.

Unbeeinflusst davon habt ihr alle natürlich recht, dass der Weg des Spieleerklärens als Erklärbar oder Ein-Mann-Tingel-Show extrem wichtig und in der Regel auch ziemlich erfolgreich ist. Nur in absoluten Zahlen dürfte das Ergebnis immer noch eher mager sein.

Ciao
Stefan

www.malz-spiele.de

Benutzeravatar
Manu125

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Manu125 » 13. Februar 2010, 11:45

Ok dann will ich mal einen Erfahrungsbericht schreiben

GANZ WICHTIGER PUNKT:

1. Thema muss passen. Also schauen was habe ich da für Leute vor mir (Fantasybegeisterte etc. )

2. Kopfkino. Ich glaube was ein Problem ist, ist das beim Spielen in den Leuten kein Kopfkino abläuft. Deshalb man muss es schaffen die Leute INS Spiel mit rein zu nehmen.

Wie ich das versuche umzusetzen.

Ringkrieg: Ich hab noch immer mit jedem davor ein Herr der Ringe Film angeschaut. Es nimmt dich einfach mit in die Geschichte und die meisten WOLLEN danach echt Spielen und sind total begeistert das es sowas als Brettspielumsetzung gibt.

Ähnlich funktioniert das mit fast allen Mittelalterspielen. Wie zb. auch Stronghold.

Agricola: Je nach Spielergruppe erkläre ich das Spiel auf verschiedene Art und weißen. Vielleicht kennt der ein oder andere Facebook unter anderem das Spiel FarmVille. Komischer weise spielt das gerade jeder und da es in etwas genau so funktioniert wie Agricola (mit Ernten, Sähen, Pflügen...) ist es schnell erklärt! Und wenn ich dann Sage "Das ist die FarmVille bei Facebook" sind alle schon mal gefixt. Sonst komme ich ja aus dem Land und da wünscht sich wohl jedes Kind einen eigen Bauernhof.

Space Altert: Finde ich die Spielregel Ginal. Wenn man es genau so aufzieht wie die Spielregel dann wird es eine lustiges Regellernen.

Das sind so auch die Spiele die ich jedem erklären würde, und wo ich dann auch erfolg habe das ihnen das Spiel gefällt.

Wichtig finde ich das man die Mitspieler in das Spiel mit rein nimmt. Ihnen hilft das Kopfkino einzuschalten.
Wenn dieser Schritt mal geschafft wurde, beschäftigen sich die Leute auch gerne mal mit einem solchen Spiel.

Benutzeravatar
Attila
Kennerspieler
Beiträge: 4715

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Attila » 13. Februar 2010, 11:48

Hiho,

Wie "bekehren"?

Es kommt was auf den Tisch und dann wird gespielt.

Bekehren will ich niemanden. Dazu habe ich den falschen Beruf ergriffen.

Atti

Benutzeravatar
Pfoto

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Pfoto » 13. Februar 2010, 12:16

Ich kann deiner Einteilung so zustimmen,
aber meines Erachtens kann man nur schwer von der dritten Kategorie in die erste überspringen -- es muss eine langsame Annäherung stattfinden.
Beispiel: Habe mit meiner Mutter (65 J), die sowas wie Halma, und MÄDN gewöhnt ist, das erste mal Carcassonne gezeigt: Sie war tatsächlich zunächst schon etwas überfordert, wirklich planvoll vorzugehen. Da ist MÄDN natürlich überschaubarer. ;-)
Aber mit der Zeit und im Laufe mehrere Partien konnte ich ihr immer mehr Finessen zeigen und es hat ihr Spaß gemacht.

Aber als sie zu ganz Beginn die Anleitung von Carcassonne sah, war sie tatsächlich geschockt von den 4 vollgeschriebenen Seiten. Es hat sie bereits abgeschreckt, und sie befürchtete sofort, es handele sich um ein sehr komplexes Spiel, dessen Regeln sie wohl nie behalten würde.

Vielleicht wäre eine gute Lösung, als ERSTES eine Beispiel-Partie mit vielen Bildern zu sehen (oder auch als DVD). Wenn man bedenkt, wie viele ergänzende und umschreibende Sätze in so mancher Spielanleitung stehen, könnte man das Spiel wirklich zunächst auf einen beispielhaften Ablauf beschränken -- die Details folgen dann später, wenn man erstmal das grobe Konzept begriffen hat.

Gruß
Jürgen

Benutzeravatar
Suryoyo
Kennerspieler
Beiträge: 356

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Suryoyo » 13. Februar 2010, 14:34

Hi,

also das mit dem bekehren ist so ne Sache. In meinem Freundeskreis (Alter 20 - 25) haben mich alle erstmal schief angeguckt als sie meine Spielesammlung gesehen haben.

Musste mir Dinge anhören wie: Ist das nicht etwas kindisch, Lass uns lieber in die Disco gehen oder Können wir nicht X- Box spielen oder Schön, können wir jetzt gehen ???. Ihr seht schon womit ich konfrontiert bin und extra in einen Spieleclub zu gehen (ca 45 min fahrt) lohnt sich für micht nicht. Also musste ich erstmal aufbauarbeit leisten.

Mit Hilfe von Monopoly und Risiko (musste ich mir leider antun) gelang es mir 2 Leute an den Spieletisch zu bekommen. Dann kamen die ganzen Klassiker an die Reihe (Tikal, PR, CC usw.) Diese habe ich mit Hilfe von Videoanleitungen und Vorstellungen vorgestellt und währenddessen, konnten die Leute sich die Spielmaterialien ansehen und in die Hände nehmen. Im Video Bsp. Agricola: "dann kann man aussähen" - Meine Freunde: "Ah das ist diese Karte". So ging das weiter. Bis ich sie soweit hatte, dass sie nicht mehr ganz so verschlossen gegen Neue Spiele waren.

Das einzige Problem dabei ist, dass sie mittlerweile einige Spiele kennen und garnichts anderes mehr spielen wollen.

Deshalb liegt mein AOE III immernoch ungespielt im Schrank.

Das interessanteste dabei ist aber, dass Ich erstmal die Leute ewig überreden muss bis sie etwas spielen wollen, aber nach der ersten Partie sind es die Leute die mich zu einer Revanche überreden.

Gruß

Suryoyo (der es noch immer nicht geschafft hat seinem besten Freund den Ringkrieg beizubringen)

Benutzeravatar
ulrichblum
Brettspieler
Beiträge: 90
Kontakt:

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon ulrichblum » 13. Februar 2010, 15:12

peer schrieb:
>
> Hi,
> ein Aspekt fehlt noch: Nicht jeder will insgeheim tatsächlich
> Strategiespiele spielen. Selbst wenn man die Regeln per
> Telepathie vermitteln könnte, heißt das nicht, dass dann alle
> Leute Strategiespiele spielen. Viele wollen trotzdem nicht
> nachdenken. Oder finden einfach mehr Gefallen an einfachen
> Spielen, so wie andere z.B. lieber einen Tatort gucken als
> einen französischen Independent-Film. Das ist legitim und da
> darf man sich nix vormachen...
>
> ciao
> peer


Das möchte ich unterstützen. Es ist selbstverständlich das nicht jeder spielen will. Wie in jeder anderen kulturellen Form gibt es eine relativ klein umrissene Zielgruppe. Auch Theater, Oper oder Bildende Kunst werden nur von einem winzigen Teil der Bevölkerung wahrgenommen. In keinem Fall dürfte das an mangelnder geistiger Kapazität liegen. Man kann sich schlicht nicht für alles interessieren. Oder wer könnte aus dem ff die Spielgel Bestsellerliste Belletristik aufzählen UND eine Kurzkritik zu allen Oscar nominierten Filmen abgeben UND über das Verhältnis der Werke Jeff Koons zur Pop Art diskutieren UND für Wii, Xbox und PS3 alle aktuellen Hit Spiele nennen etc. etc.?
Kultur ist Vielfalt und soll es auch sein. In jeder kulturellen Form gibt es Werke die sich primär an den interessierten Rezipienten richten. In manchen Bereichen heisst das dann "Avant Garde", bei den Spielen nennen wir es häufig Vielspielerspiel, Strategiespiel oder eben anspruchsvoll (was ich auch ein etwas unschönes Wort finde in dem Zusammenhang). Aber in jedem Bereich gibt es auch Werke die sich auf der ein oder anderen Ebene auch dem erschliessen, der sich sonst eher für andere Formen interessiert.
Um auf die Ursprüngliche Frage zu kommen; nur mit diesen Werken wird ein Einstieg in eine für die Person unbekannte Form gelingen. Wenn jemand noch nie in einem Sinfoniekonzert war werde ich ihn kaum in ein atonales Werk von Schönberg zerren sondern erst mal was von Beethoven oder Mozart hören. Wieso dann also mit Agricola anfangen wollen? gibt es nicht genügend Spiele mit einfachem Einstieg, die trotzdem eine Ahnung davon bieten, dass es jenseits von Mädn und Monopoly noch was gibt? Gerade beim spielen merke ich dann doch sehr schnell wem ich mehr zumuten kann und wer sich weiterhin nur oberflächlich oder gar nicht für Spiele interessiert.
Zugegeben, es gibt Ausnahmen. Menschen die zu vermeintlich anspruchsvollem leichteren Zugang finden als zu "einfacher Kost" (was ja nur beweist, dass eine Einteilung in ein einfach-schwierig Spektrum nicht funktionieren kann). Manche finden abstrakte Malerei einfach ansprechender als Rembrandt. Bei den Spielen habe ich die Beobachtung gemacht, dass Menschen mit grosser Computerspiel Erfahrung (gerade Aufbaustrategien) problemlos "aus dem Stand" Puerto Rico mitspielen und eher von einfacherem wie Zug um Zug abgestossen sind.

Wenn es also um die Verbreitung des Kulturgutes Spiel geht so sollten wir durchaus immer wieder versuchen Menschen ans Spiel heranzuführen. Aber wie bei so vielem kann man nur die Tür zeigen, hindurchgehen müssen die Menschen selber. Wenig hilfreich schein mir hier ein elitäres Denken im Sinne von Strategiespiel = besseres Spiel. Ja, es gibt objektiv schlechte Spiele, aber auf jedem Level gibt es eine Unmenge an Spielen die interessant sind.

Und wie Peer oben schreibt: Wer halt nicht spielen WILL wird es auch nicht mit Begeisterung tun. Egal wie gut ich ihn an Spiele herangeführt habe.

Gruss
Ulrich

Benutzeravatar
Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 13. Februar 2010, 18:19

Udo Möller schrieb:

> Der ideale Ansatz wäre, in jeder Spielwarenfachabteilung und
> jedem Spieleladen kompetente Erklärer an den Start zu
> schicken, die Spiele den potentiellen Käufern auch erklären.
> Und die Käufern erhlaten einen Gutschein für eine Erklärrunde
> auf einem nahegelegenen Spieletreff.

Und wer würde das bezahlen? Das würde die Spiele dort ziemlich teuer machen.

Gruß
Roland

Benutzeravatar
Duchamp

Re: Sind Strategie-Spiele wirklich kompliziert?

Beitragvon Duchamp » 14. Februar 2010, 13:33

Was auch hilft, sind einfach erst mal MEHR und ANDERE Spiele.

Blokus oder Tsuro oder Transamerica sind so was von schnell erklärt, da ist ja Mädn schon ein regelmonster ("wann darf ich jetzt raus?" "Wie schmeiß ich aus?" "Wo muss ich hin?") :-)

Wenn erst einmal eine gewisse Offenheit gegenüber mehr und interessanteren Spielen erreicht ist, ist die Neugierde unserer "Opfer-Zielgruppe" geweckt und auch die Bereitschaft, es mit einem echt komplexen Spiel wie Carcassonne zu versuchen.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 42 Gäste