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"Spiele-Ignoranten", was entgeht ihnen?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Erhard Portner

"Spiele-Ignoranten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Erhard Portner » 31. Oktober 2000, 21:09

Hallo, liebe Mitspieler,
vor einiger Zeit hatte ich hier die Frage aufgeworfen, was Spiele uns bedeuten. Viele von Euch hatten sich dazu eingehend Gedanken gemacht und diese - wie ich meine - in sehr eindrucksvollen Beiträgen hier ins Forum gestellt. Ich möchte mich dafür nochmals ganz herzlich bei all denen bedanken, die sich daran beteiligt haben.
Unser Spiele-Hobby wird jedoch - und das ist ja durchaus auch ganz normal! - nicht von allen Mitmenschen verstanden. Ihr alle werdet sicherlich auch die Erfahrung gemacht haben, dass viele die Beschäftigung mit Spielen z.B. für "kindisch", für Zeitverschwendung oder was auch immer halten.
Ich meine, dass auch die Diskussion über solch allgemeine, über ein konkretes Spiel hinaus gehende Themen hier im Forum ganz interessant sein kann. Deshalb würde ich gerne einmal die Frage zur Diskussion stellen, ob und was nach Eurer Meinung solchen "Spiele-Ignoranten" entgeht. Was meint Ihr? Ich bin gespannt auf Eure Beiträge.
Mit verspielten Grüßen
Erhard

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Andreas

re: "Spiele-Ignoranten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Andreas » 31. Oktober 2000, 22:07

Spiele-Ignoranten?
Ein interessantes Wort, und zunächst dachte ich mir, ignorieren den Beitrag einfach. Doch, ich entschied mich anders.
Wer bitte ist ein Spiele-Ignorant. Derjenige, der Spiele als kindisch abtut, ignoriert sie ja eigentlich nicht wirklich, er lehnt sie ab, eben, weil er sie kindisch findet. Einem solchen "IGNORANTEN" entgeht wahrlich nichts, außer vielleicht ein furchtbar langweilige Kinderkramabend. Soll er doch BIG BROTHER gucken, oder irgend so eine Soap. Ist doch egal.
Da soll es aber noch andere Ignoranten geben. Wie wäre es mit den Knizia-Ignoranten oder den Siedler-Ignoranten?
Ich selbst oute mich an dieser Stelle gleich mal als HERR DER RINGE - Ignoranten. Dieses Spiel kommt mir nicht auf den Tisch. Und ich glaube, mir entgeht gar nichts.
Klartext: Deine Einteilung in Spieler und Spiele-Ignoranten halte ich für unglücklich. Die Frage, ob sie etwas verpassen, und was das sei ist doch eher überflüssig.
Andreas
P.S.: Was versäumt wohl ein Alkohol-Ignorant?

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Mario

"Spiele-Idioten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Mario » 1. November 2000, 01:22

Eine richtiger gestellte Frage fände ich:
Spiele-Idioten, was entgeht ihnen?
Ich kenne einige Leute, die sich mit nichts anderem mehr beschäftigen als mit kindischen Spielen. Jeden Abend sind sie auf einem anderen Spieltreffen. Ihre ganze Freizeit stecken sie in das sammeln, verwalten und spielen von Brett- und anderen Spielen.
Warum können diese Leute sich nicht mehr mit Freunden treffen ohne über einem Pappbrett zu brüten? Warum beschäftigen sie sich nicht mehr oder kaum noch mit Büchern, Musik, Sport, ...? Was entgeht ihnen nicht alles?
Letztlich ist Spielen auch ein Flucht aus der Realität. Denn was hat eine Welt aus Kunstregeln schon mit dem wirklichen Leben zu tun? Insofern ist der Vorwurf, diese Freizeitgestaltung sei kindisch absolut berechtigt.
Die Zeit von jedem von uns ist begrenzt. Jeder wählt aus, was er machen WILL und jeder hat zu vielen anderen Dingen dann keine Zeit mehr. Deshalb sind wir alle in viel mehr Dingen Ignoranten, als Fans.
Also: Ich finde diese Frage kindisch.
Ciao
Mario

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Roman

Fanatismus & Realitätsflucht

Beitragvon Roman » 1. November 2000, 03:19

Hi Mario,
>Letztlich ist Spielen auch ein Flucht aus der Realität. Denn was hat eine Welt
aus Kunstregeln schon mit dem wirklichen Leben zu tun? Insofern ist der
Vorwurf, diese Freizeitgestaltung sei kindisch absolut berechtigt.<
So, wie Du in diesem Punkt recht haben magst, so trifft er doch auch auf andere Hobbies zu. Was ist realistisch an Tennisspielen, Kinobesuchen, Musikhören, Modelleisenbahnen, dem Verschlingen von Büchern oder 4h Stunden Fernsehkonsum pro Tag?
Ich finde, dass Spielen durchaus auch was Kommunikatives und Kreatives hat, und nachdenken darf man auch mal. Insofern ist doch zumindest nichts schlechteres darüber zu sagen als über andere Hobbies. Übertreiben kann man's überall, und dann wird's zur Sucht oder Realitätsflucht. Das haftet aber nicht dem Spielen an sich an, und ich finde Spielen weniger kindisch als andere Beschäftigungen. Oder es ist in der Tat kindisch im positiven Sinne, nämlich unterhaltsam und kreativ zugleich und hält nebenbei geistig fit. Obwohl letzteres natürlich oftmals "ideologisch" verbrämt und überbewertet wird als Rechtfertigung für ein unterhaltsames Hobby, eben weil es von manchen als kindisch angesehen wird.
Wenn mir jemand sagt, dass Spielen kindisch sei, und sich dann lieber täglich Lindenstrasse oder Big Brother ansieht, kann ich das z.B. nicht sonderlich ernst nehmen. Ist alles, was nicht ernsthaftes Arbeiten und passives Konsumieren ist, kindisch? Dann will ich lieber öfter mal kindisch sein - natürlich nicht immer ;-)
Ciao,
Roman

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sonne

re: was entgeht ihnen?

Beitragvon sonne » 1. November 2000, 15:36

Was den Spiele Ignoranten entgeht:
- die Simulation einer Rolle in der sie im Alltag vermutlich nicht sind
-die Chance eine Handlungsweise oder Strategie auszuprobieren ohne das man realen Schaden nimmt
- das Eintauchen in eine Abenteuer/Szenario wie in ein spannendes Buch in dem jedoch das eigene Handeln des Fortgang bestimmt
- die Gelegenheit die Mitspieler mal so richtig kennezulernen (siehe Jürgens obiges Posting)
- ein potentielles Erfolgserlebnis eine spielerische Schwierigkeit gemeistert zu haben
- Schadenfreude über die Probleme der Mitspieler ohne das realer Schaden entstanden ist
- Spaß, Spannung und Freude
- manchmal auch die Möglichkeit im Spiel eine Handlungsstrategie zu erproben, die im wahren Leben von nutzen sein kann
- auch die Realität manchmal als irres Spiel zu entlarven
- verlieren zu lernen
usw.
Gruß Sonne
PS: Nur läßt sich mein soziales Umfeld trotzdem leider gerne diese Dinge entgehen. Ich glaube es liegt manchmal an einer "Verernstlichung" des Lebens. Viele sind nicht bereit vom hohen Roß des klugen, zeitrationellen und unspontanen herunterzukommen auf die unkalkulierbaren "Risiken", mit denen man sich beim Spiel einläßt.

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Thomy

re: "Spiele-Idioten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Thomy » 1. November 2000, 15:52

Ich spiele gern. Mir ist es egal, ob ich deswegen als "kindisch" oder "realitätsfern" bezeichnet werde.
Meine Freizeit gestalte ich so, wie es mir gefällt und nicht um jemanden zu beeindrucken.
Gruss Thomy

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Christoph Mueller

re: "Spiele-Ignoranten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Christoph Mueller » 1. November 2000, 17:28

Schraenken wir den Begriff "Zeitverschwendung" ein auf die Freizeit des einzelnen. Die Leute die glauben, spielen waere kindisch o.ae., die koennen ja weiterhin vier pro Woche ihr Auto waschen, die Alufelgen polieren und sich Big Brother ansehen. Arme Menschheit
Chris

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Heinrich Glumpler

OT

Beitragvon Heinrich Glumpler » 1. November 2000, 17:32

Hi, OT (off topic, sorry):
Du nutzt den Spitznamen "Sonne" - wenn Du "die" bist, von der ich (wahrscheinlich fälschlicherweise) vermute, dass Du sie bist, schick' mir mal 'ne Mail (in dem Fall sagt Dir mein Name was) - ansonsten vergiss' diese Mail einfach, ok?
Grüsse
Heinrich

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Erhard Portner

re: "Spiele-Idioten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Erhard Portner » 1. November 2000, 20:32

Hallo Mario,
Du hast ja eine tolle neue Web-Site. Da hast Du aber sicherlich eine Menge Freizeit investiert. Na ja, für sein Hobby tut man halt schon so einiges.
Mit lieben Grüßen
Erhard
PS.: Welche Spiele gibt es denn so in Mexiko?

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Mario

re: "Spiele-Idioten", was entgeht ihnen?

Beitragvon Mario » 1. November 2000, 23:36

Ja, danke! Aber man muss schon ein großes Maß an
Kindlichkeit und Realitätsferne entwickeln, um seine Zeit in etwas so unwichtiges wie meine Website zu stecken ;-)
Aber man beachte daneben auch alles andere auf http://www.ymir.de/
Ich melde mich hier erst einmal ab. Die nächsten 5 Wochen flüchte ich nach Lateinamerika, nachdem ich mir hier die ganze Spielewelt zum Feind gemacht habe ;-) Hat aber Spaß gemacht ;-)
Ciao
Mario

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sonne

re: OT

Beitragvon sonne » 2. November 2000, 09:15

Hallo Heinrich,
sorry Dein Name sagt mir bis jetzt noch nicht so viel. Bin eigentlich tendenziell auch eher "der" als "die" ;-).
Viele Grüße sonne

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Tom

Ein Buch zur Frage - Hochinteressant!

Beitragvon Tom » 2. November 2000, 10:34

Hallo ihr Gegenseitig-den-Kopf-Einschlager!
Um Stoff zur Diskussion beizutragen, empfehle ich euch mal die Lektüre des Buches:
"Spielen" von Michael Knopf, dtv!
Dann könnte ihr weiterstreiten.
M.E. ein phantastisches, kurzweiliges Buch, wer MK kennt, weiß seinen Schreibstil zu schätzen.
Also, lesen! Dann weiter streiten!

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Heinrich Glumpler

re: OT

Beitragvon Heinrich Glumpler » 2. November 2000, 13:57

:-))
schon gemerkt - vergiss' es - Du hast zufällig den gleichen Spitznamen wie jemand, den ich kenne.
Grüsse
Heinrich

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Janine

re: OT

Beitragvon Janine » 2. November 2000, 17:58

"Tendenziell"? Ich glaube, ich kann langsam mit Deiner Schwiegermutter mitfuehlen!

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Erhard Portner

re: Ein Buch zur Frage - Hochinteressant!

Beitragvon Erhard Portner » 2. November 2000, 19:24

Hallo Tom,
wer schlägt denn hier wem den Kopf ein? Wir führen hier doch nur einen Gedankenaustausch - und das auf (fast) hohem Niveau!
Michael Knopfs Buch "Spielen" kenne ich und habe ich auch bereits vor einiger Zeit, gleich nachdem es im letzten Jahr erschienen war, gelesen. Das Buch ist in der Tat ganz nett geschrieben und enthält in der bei dtv erschienen Reihe "Kleine Philosophie der Passionen" einige - subjektive - Gedanken zum Thema Spielen. Aber, was hat das nun direkt mit der hier geführten Diskussion zu tun? Michael Knopfs Gedanken zum Thema Spielen (die ich persönlich durchaus sympathisch finde!)nehmen für sich außerdem keine Allgemeingültigkeit in Anspruch.
Welche Auffassung hast denn Du zu diesem Thema?
Mit verspielten Grüßen
Erhard

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Tom

re: Ein Buch zur Frage - Hochinteressant!

Beitragvon Tom » 3. November 2000, 11:17

Hallo Erhard!
Das mit dem Köpfe einschlagen war ja wohl nicht ganz wörtlich zu verstehen. Wollte damit nur ausdrücken, mit welch verschiedenen Sichten der Dinge manche sich auch in meinem privaten Umfeld zu diesem Thema beharken.
Da sind die Nichtspieler, die das ganze "Pöppelgeschiebe und pünktegezähle" nicht verstehen und dies meist auch nicht wollen. Und da sind die Spieler wie ich, die das halt so sehen, dass man ohne Spielen was verpasst - ja sogar die meiste Zeit mit unnützen Sachen vertrödelt (Glotze schauen, Surfen, ...).
Michael Knopf hat mich in meinen Sichten - ich toleriere Nichtspieler voll und ganz, ich bedaure sie nur ein wenig - absolut bekräftigt. Nachdem mir seine Rezensionen schon immer gefallen haben - meist mag er die gleichen Spiele wie ich - hab ich mich in dem Buch voll und ganz wiedergefunden. Und nicht nur mich, auch meine Frau und so manchen bekannten FreundIn.
Und nicht zuletzt kommt MK wie ich aus Oberfranken...
Alles klar?

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Sonne

hallo janine

Beitragvon Sonne » 3. November 2000, 14:03

tja eigentlich ist alles ganz klar, zumindest was meine Veranlagung betrifft. Ich wollte es dem Heinrich nur schonend beibringen, deshalb meinte ich "tendenziell". Ist aber schön, daß Ihr alle so Verständnis für die potentielle Schwiegermutter aufbringt...
Gruß sonne

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Erhard Portner

re: Ein Buch zur Frage - Hochinteressant!

Beitragvon Erhard Portner » 3. November 2000, 17:25

Hallo Tom,
ja, ich mache ähnliche Erfahrungen auch in meinem Bekanntenkreis und werte die Dinge so wie Du. Wie "spleenigen" Spieler werden uns aber nicht unterkriegen lassen, sondern werden zu unseren Pöppeln stehen! Im Übrigen tut es ja auch in der Tat gut, wenn man sich in netten Schilderungen - so wie in dem von Dir angeführten Buch von M. Knopf - selbst ein Stück wiederfindet.
Mit verspielten Grüßen
Erhard
PS.: Ich komme allerdings nicht auch noch aus Oberfranken... (finde Oberfranken aber dennoch sehr schön!)


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