Beitragvon Roman Pelek » 4. April 2001, 04:25
Hi Christian,
>Ups, ich komme gerade vom Dienst und habe anscheinend eine ziemlich kontroverse Diskussion ausgelöst.<
Scheint so, obwohl die Diskussion bisher leider noch wenig fundiert ist, insofern mit Vorsicht und etwas Zurückhaltung zu geniessen.
>Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung: Pangea ist für mich das bisher beste Spiel des neuen Jahrgangs; und zwar mit deutlichen Abstand (Medina, Evo, Die neuen Entdecker, Volldampf und Das Amulett habe ich allerdings noch nicht gespielt).<
Medina und Evo sind auf jeden Fall ein Probespiel wert, den Rest kenne ich mangels Erscheinen auch nicht, wobei ich nicht weiss, ob mich Da Amulett oder Volldampf wirklich interessieren nach der Spielbeschreibung im Adam-Katalog.
>Bei der von mir schon einmal erwähnten ehemaligen Pöppel-Revue-Leserreise gab es für Pangea in jeden Fall nur positive bis euphorische Kritiken; während Spiele wie Afrika oder San Marco teilweise glatt durchfielen (manche fanden sie ganz nett, andere teilweise auch wirklich toll).<
Wie oft habt ihr die Spiele denn dort gespielt? Ich habe Pangea heute zum ersten Mal "richtig" zu viert gespielt (im übrigen haben wirs aufgrund einer Melange aus Deinem Beitrag und persönlichem Regelstudium gekauft), und es gefiel mir (natürlich?) besser als im ersten Zweispieler-Regelversteh-Testspiel. Es gibt viele fiese taktische Möglichkeiten, die sich einem erst nach und nach erschliessen. Aber:
- ob diese Möglichkeiten so planbar sind, weiss ich immer noch nicht (ich habe zwar gewonnen, aber das heisst ja nicht, das ich überragend gespielt habe :)
- die Atmosphäre oder Begeisterung für den Mechanismus sind nicht vollends da, aber zumindest gewachsen
Das Empfinden dafür, dass es DAS Spiel des Jahres ist, habe ich allerdings bislang nicht, für das SdJ mag ich immer noch Africa, Capitol, Carcassonne, und für Taktiker Medina (bzw. auch Capitol) lieber.
Auf jeden Fall, um das gesagte wieder zu relativieren (meine Güte, was sind zwei Partien, davon eine zu zweit?): Pangea kommt bei uns noch öfter auf den Tisch, da ich auch bei der zweiten Partie das Gefühl hatte, dass da viel mehr drinne steckt, und sich schon eine deutliche Steigerung von erster zu zweiter Partie bemerkbar gemacht hat.
>Habt ihr (wie Roman) Pangea vielleicht auch nur zu Zweit gespielt? Das würde vieles erklären. Ich finde, bei fast allen mir bekannten Mehrpersonenspiele geht zu Zweit der Spielspaß drastisch "in den Keller" (falls das Spiel denn überhaupt noch funktioniert).<
Hm, es funktioniert "so lala", aber der Spielspass geht in den Keller. Zu viert ist es tendenziell ein bissl unberechenbar (vier Blockademarker und Verschiebereien sind schon heftig), das mag aber auch an Mangel an Erfahrung liegen. Zu dritt möchte ich es unbedingt auch noch spielen, da da vielleicht mehr planbar wird.
>Möglich wäre natürlich auch, das unser Spielgeschmack absolut inkompatibel ist? Das ließe sich über eine Positiv-/Negativspielehitliste klären.<
Ich persönlich mag die grassierenden Fantasythemen und Grafiken in "gewöhnlichen" Spielen nicht so, Magie und Brimborium ist nicht so mein Fall. Deswegen hat sichs auch meine Freundin gekauft... Mir gefällt halt wenn dann der Mechanismus... Aber wenns mich nicht völlig vom Hocker reisst, kann das auch an der Antipathie bzgl. Thematik liegen. Heute erst wieder Drachengold gespielt und gnadenlos verloren, ich glaube, das liegt an der Abneigung gegen Drachen und Magier ;-)
>>die Spielideen sind alle schon mal dagewesen ...<<
>Primär dieser Satz erstaunt mich nun aber wirklich!!!
In den letzten 12 Jahren sind mir ja scheinbar einige tolle Spielideen und Mechanismen völlig verborgen geblieben!? Ich bin überrascht.
Vielleicht kannst du mich ja aufklären: Von welchen Spielen hat Pangea die Mechanismen abgekupfert?
(wenn du San Marco vorwerfen würdest, daß es viele Mechanismen von El Grande hat, könnte ich dies z.B. gut nachvollziehen)<
Hm, da kann ich mich aber anschliessen, hier meine Liste:
- Plättchenverschieben, das neue Wege eröffnet oder blockiert, prominenteste Ausprägung: Das verrückte Labyrinth
- Verschiebbare Wesen oder Stämme, die nur in Verbindung mit bestimmten Landschaftsarten ihre volle Wirkung entfalten: Kings&Things
- Generell: Routenplanung mit Blockademöglichkeiten: Elfenland
- Produktion von Gütern: verdammt viele Spiele...
- (Heim-)Transport von Waren/Artefakten/Amuletten: viele Handelsspiele leben davon, z.B. Serenissima
An Pangea ist mir kein neuer Mechanismus aufgefallen, aber es ist eine neue Verknüpfung von Mechanismen. Ich sehe jedenfalls nicht viel Unterschied zwischen den Recycling-Vorwürfen an San Marco oder Pangea. Da muss ich Mister Anonym zustimmen. Aber im Gegensatz zu anderen, die sich darüber gerne echauffieren, macht mir das wenig aus, wenn die Mischung stimmt - siehe Thematik "Evolution vs. Revolution" im Beitragsarchiv. Mir fällt kein Spiel ein, das revolutionär war, aber viele, die bestimmte Mechanismen erst zur Blüte gebracht oder mit neuen Ideen angereichert haben.
Ich frage mich eh immer wieder, wenn manche Leute von fantastischen Spielen, die superneuartig waren und Spielspass bis zum Jupiter gebracht haben, welche das denn sind? Klar liebe ich Euphrat & Tigris, El Grande (erst diese Woche beide wieder gern gespielt), Löwenherz - und spiel auch online mittlerweile wieder mal Siedler. Aber selbst für damalige Verhältnisse waren die nicht superneu, sondern einfach nur gut. Warum spricht man dieses Recht mittlerweile allen Neuerscheinungen ab? Oder warum machen angeblich alle Neuerscheinungen keinen Spass? Ich hatte viel mit Java, Carcassonne, Babel, Capitol, Africa, San Marco und Medina.
Manchmal glaube ich, sind die Erwartungen höher als Spiele überhaupt leisten können. Oder die Leute erwarten nach jeder Messe ein neues Spiel, das alles dahergewesene toppt und auch noch dem persönlichen Gusto entspricht. Wenn ich mir z.B. ein Mississippi Queen oder Elfenland anschaue, die SdJ wurden, dann entdecke ich heuer ähnlich gute oder bessere Familienspiele. Aber das ist eine endlose Debatte.
>Viele Grüße
Christian Schnabel<
Ciao,
Roman