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Anmerkung zum Sinn von Spielepreisen

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Karl-Heinz OBERWINKLER

Anmerkung zum Sinn von Spielepreisen

Beitragvon Karl-Heinz OBERWINKLER » 11. Juni 2001, 10:03

Hallo Spielefans !!!
Anläßlich der derzeit stattfindenden, alle Jahre in der selben Form wiederkehrenden Diskussion über das Spiel des Jahres möchte ich "meinen Senf dazugeben" und etwas zum Sinn von Spielepreisen sagen.
Dies tue ich vor dem Hintergrund der Tatsache, daß weder (wie man am Forum sieht) das SdJ noch der DSP (habt Ihr das Fiasko im letzten Jahr vergessen, das war ja fast wie das Dopingproblem im Radsport !) unumstritten sind.
1.) Ich bin schon der Meinung, daß ein Preis wie das SdJ Leute zum SPiel bringt. Bei mir zum Beispiel war es so. Als ich vor über 15 Jahren als Student vor den Schaufenstern stand, fiel mein Blick auf den roten Pöppel. "Dieses Spiel (es war übrigens "Heimlich und Co.) möchte ich mir kaufen", dachte ich mir... Und "Heimlich und Co." war tatsächlich das erste Spiel, das wir (mittlerweile war ich verheiratet) uns kauften. Und auch in der Folge haben wir uns nochlängere Zeit an den Pöppeln orientiert. Es gab damals ja noch kein Forum wie dieses !
Heute, als "Familien-Viel-Spieler" treffe ich meine Kaufentscheidungen natürlich vielschichtiger und die Spielepreise spielen nur mehr eine "Teilrolle". Aber es steht fest, das Sdj war mein "Geburtshelfer" in Sachen Spiel, um mal einen Ausdruck aus meiner Berufswelt zu gebrauchen.
2.) Gerade für uns Vielspieler halte ich es für wichtig, daß auch vile SPiele erscheinen können bzw. verlegt werden. Das ist den Verlagen (genauso wie beim Kulturgut Buch) natürlich nur möglich, wenn auch "Knaller" im Programm haben, die ihnen Geld bringen. Nur so können sie auch Spiele verlegen, die zwar von der -immer noch im Verhältnis kleinen (vergeßt das nicht !)- Gruppe der Vielspieler geschätzt werden, sich aber nicht sooo toll verkaufen auch auflegen. Und da brauche ich Euch, glaube ich, nicht zu sagen, wie sehr zu diesem Mechanismus die Spielepreise beitragen, vor allem das SdJ. Ein klassisches Beispiel dafür ist doch der KOSMOS-Verlag.
Ich finde diese Entwicklung in keinster Weise negativ, im Gegenteil, sie sorgt weiter für jene Vielfalt, die den deutschsprachigen Markt kennzeichnet. Und daß "Geld die Welt regiert", das ist halt so, denkt nur daran, bei wie vielen Spielen der geweinnt, der am Ende die meiste Kohle hat...
Fazit 1: Auch wenn wir als Vielspieler uns nicht (mehr)in erster Linie nach den Spielepreisen richten, ist es wichtig und gut, daß es sie gibt....
Fazit 2 (ergibt sich aus Fazit 1): Ob meine persönlichen Favoriten dabei sind, ist eigentlich sekundär.
Gruß, Karl-Heinz (der von "auf der Liste" Carcasonne, Babel und Händler von Genua am meisten mag und von "nicht auf der Liste" Medina, Gnadenlos, Die neuen Entdecker und Java)

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peer

re: Anmerkung zum Sinn von Spielepreisen

Beitragvon peer » 11. Juni 2001, 10:47

Hi,
Schönes Statement! Vor allem das endlich mal der "Wirtschaftsfaktor" (der letztes Jahr in den Diskussionen immer der Teufel war) mal positiv gesehen wird, gefällt mir (Seid den Siedlern ist die Spielevielfalt messbar gestiegen).
Aus dem Fazit 2 folgt vor allem, dass man wirklich keinem Extratitel für Vielspieler braucht. Wozu auch? Die haben das Spiel sowieso, der wird noch mehr kritisiert werden, da die üblichen "Ausreden" ja nicht ziehen und zudem sagt sowieso jeder dritte Vielspieler, der SdJ ist ihm/ihr (spätestens seit der diesjährigen Liste ;-) schnurzpiepegal. Er wäre nur dazu da, damit Medina (oder ein anderes Spiel, dem man es gönnen würde) auf die Liste kommt...
ciao,
Peer

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Arno C. Hofer
Kennerspieler
Beiträge: 421

re: Anmerkung zum Sinn von Spielepreisen

Beitragvon Arno C. Hofer » 12. Juni 2001, 13:32

Vorerst: der längere PC- und Forumsentzug hat mir gut getan. Nun melde ich mich wieder zurück.
Diese jetzigen Diskusionsbeiträge zum SdJ gefallen mir gut. Denn "SdJ" kann und will nicht das "überdrüberundsonstnochsuper" Spiel eines Jahrgangs sein. (Was es mit "Siedler", "El Grande", "Torres" teilweise a u c h war). SdJ soll Gelegenheitsspieler qualitätvoll für das Spiel gewinnen. Die, die sonst das 10. Monopoly, das 15. Mensch ärgere dich nicht und das x-te "Millionär" kaufen würden: weil sie schlicht und einfach keine neuen Spielregeln "lernen wollen" und beim Spiel auch "den Weg des geringsten Widerstands" gehen. Ganz ohne Grund ist der "Schrottumsatz" mit genannten Spiel-Derivaten sicher nicht.
Und meine Erfahrungen mit den letzten SdJ in der Ludothek und bei vielen, vielen Veranstaltungen: die Leute sind teilweise schon beim Erklären "weggebrochen", d.h. nicht einmal mündlich waren sie zu bewegen bei "diesen komplizierten Spielen" (die für uns dann doch so einfach waren)mitzuspielen. Da entschied man sich dann doch für "leichtere Kost". Das mag auch dem Ansehen von "SdJ" ein wenig geschadet haben - nur so ist zu erklären, warum die Umsatzzahlen von SdJ in den letzten jahren gefallen sind - bis hin zu "Torres", das ja ganz schlecht abgeschnitten hat.
Den "Normalspielern" wars zu kompliziert, den Freaks vertraut aber nicht so ans Herz gewachsen wie die Siedler, die viel Herz-Mund-Kauf-Werbung auf sich vereinen konnten.
Insofern macht es Sinn, von Seiten der Jury wieder mal auf die "Anspruchsbremse" zu steigen. Mit einer "honorigen Auswahl-Liste", mit "netten Nominierungen". Ich glaube, diese Spiele können alle: VielspielerInnen, Spiele-VerkäuferInnen, Ludothekarnnen und Ludothekare empfehlen ohne eine schlechte Nachred' zu haben.
Nur einem Gustav dem Bären, einem Roman, etc. braucht die Jury doch nichts mehr empfehlen! Die (wir) sind doch schon mündig - was die Auswahl betrifft.
Und irgendwie würde es mich freuen vielen Menschen Zapp Zerapp, Das Amulett oder Ganz besonders auch Carcassonne empfehlen und erklären zu dürfen. Und wenn ich vor Weihnachten in die Grazer Spielgeschäfte gehe (die sich teilweise wieder sehr bemühen!!!) werden mich viele Menschen nach meinen Empfehlungen für die und die Spielgruppe fragen. Und da fällt mir dann nicht nur das SdJ und das KSdJ und die Auswahlliste ein, sondern viele Spiele der letzten Jahrgänge, für jede Spielgruppe hoffentlich das maßgeschneiderte ...
Aber auch in "Fetzen-Läden" (Boutiquen, etc.), die ich
hin und wieder besuche, stellen mich die Leute und sagen mir, dass sie sich auch heuer wieder dazu entschlossen haben Spiele zu verschenken, weil die, die ich ihnen im Vorjahr empfohlen habe gut angekommen sind. SdJ ist Bewußtseinsarbeit für das Spiel. Das Spiel "ins Bewußtsein rücken" bei denjenigen, die es noch nicht entdeckt haben. Mit qualitativ ansprechenden Titeln: und das ist heuer u.a. der Fall.
Das müsste noch stärker in die Öffentlichkeit hinaus wirken: in die Öffentlichkeit, die von unserer internen Öffentlichkeit noch Lichtjahre entfernt lebt. Diese zu erreichen aber ist Schwerstarbeit. Da ist es noch leichter eine "Bestenliste" zu erstellen ...
Arno

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Roman Pelek

re: Anmerkung zum Sinn von Spielepreisen

Beitragvon Roman Pelek » 12. Juni 2001, 18:31

Hi Peer, hi Arno,
sehr schöne Statements zu den Themen "Wirtschaftsfaktor" und "Öffentlichkeit". Auch wenn man über die Liste streiten mag, so steht doch wohl fest, dass allen letztendlich damit gedient ist, über einfach zugängliche Spiele wieder mehr Menschen zu erreichen - der Rest, nämlich auch der Zugang zu komplexeren Titeln bzw. die nötige Finanzkraft zur Entwicklung derselben, würde sich dann auch von selbst ergeben.
Insofern sehe ich konstruktive Kritik in bezug auf die Jury hauptsächlich in einer Förderung der Öffentlichkeit des Preises und auch der Auswahlliste als Entscheidungshilfe für die etwas selbstbestimmteren Gelegenheitskäufer. Mit den "besten" Spielen alleine auf einer Liste ist uns sicher nicht immer gedient, wenn sie die Zielgruppe des SdJ überfordern. Es gehören sicher _auch_ welche auf die Liste, aber dass ein "Händler von Genua" z.B. nicht SdJ wird, ist relativ klar.
Für die sekundäre, szeneinterne Information bzw. "Rechtfertigung" der Entscheidung wäre allerdings ein besserer Zugang zu aktuellen Informationen und Rezensionen der Jurymitglieder und eine Verstärkung der "Mannschaft" für eine breitere Meinungsvielfalt innerhalb der Jury sicherlich wünschenswert. Natürlich sieht man recht deutlich in der Art der Entscheidung der Jury, welche Mitglieder noch drin sind und welche nicht mehr ;-) Und sicher gibt's auch intern noch ein paar Sachen zu regeln bzw. zu kritisieren - die interessieren aber nur uns direkt und nicht die breite Masse.
Ciao,
Roman

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Arno

re: Anmerkung zum Sinn von Spielepreisen

Beitragvon Arno » 13. Juni 2001, 10:17

Hi Roman,
mit dem, was Du hier postest stimme ich zu zu 100% überein.
1. Die Jury braucht eine "Blutauffrischung"
2. Das offensichtliche Manko liegt in der
Öffentlichkeitsarbeit - und zwar dort, wo es
wirklich schwierig ist ...
3. Die Verlage werden nur dann "hochwertigste" Spiele
im Programm halten können, wenn die
"ausgezeichneten Spiele" auch wirklich etwas
"abwerfen" und möglicherweise einige Jahre lang gut
laufen ...
4. Der wahre Wettbewerb läuft aber unter den
"Redakteuren": wer traut sich immer etwas noch
"Besondereres" auf den Markt zu bringen. Denn den
Redaktionen ist "das beste Spiel gerade gut genug".
Wenn ihnen die Marketingabteilungen nicht so ein-
fach einen Riegel vorschieben können garantiert
uns ein für den mittleren Massengeschmack "klug"
ausgewähltes "Spiel des Jahres" auch in den
Folgejahren Top-Spiele für "Vielspieler".
4. ... und das bitte ich die "Jury": stärker auch mit
der "Spielszene" zu kooperieren. Sie könnte z.B.
wesentliche Anteile der Öffentlichkeitsarbeit
tragen. Wenn ihr sie als "Botschafter des Spiels"
anerkennen und einsetzen würdet ... P.S.: man muß
nicht alles selbst machen!!! Sowie - in diesem
speziellen Fall - Kontrolle ist gut, Vertrauen ist
besser ...
5. Es gibt nichts, was nicht verbeserungsfähig wäre -
diese Veränderungnmöglichkeit birgt allerdings auch
die Gefahr, dass etwas "schlechter" werden kann ...
darum soll das alles "gewogen und geplant" werden -
und der "Reformeifer dann wieder seine Kinder
fressen", wie das bei manchen Revolutionen so der
Fall war ...
6. würde ich mir auch wünschen, dass der DSP (es tut
mir nur wegen des Namens leid) wirklich
zu einem "Szenepreis" aufgewertet würde, der den
Ansatz von "beste Spiele des Jahres" verwirklichen
will ...
7. und 7.

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Arno (nochmal)

re: Tut mir wegen der Formatierung leid ...

Beitragvon Arno (nochmal) » 13. Juni 2001, 10:26

und 7. wollte ich noch sagen würde es mich freuen, wenn es uns miteinander gelänge, beide Preise gleichberechtigt nebeneinander veröffentlichen zu können, denn wieso sollte das "friedlichste und effektivste Bildungsmedium der Menschheit" (auch wenn es nur indirekt wirkt und viele es so nicht sehen wollen) sich nicht weiter verbreiten lassen, als es verbreitet ist.
Arno

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Arno

re: Irgendwie ist das heute "nicht unbedingt" mein Tag ...

Beitragvon Arno » 13. Juni 2001, 10:37

5. Es gibt nichts, was nicht verbesserungsfähig wäre -
diese Veränderungnmöglichkeit birgt allerdings auch
die Gefahr, dass etwas "schlechter" werden kann ...
darum soll das alles "gewogen und geplant" werden -
und der "Reformeifer dann wieder seine Kinder
fressen", wie das bei manchen Revolutionen so der
Fall war ...
sollte natürlich so lauten:
5. Es gibt nichts, was nicht verbesserungsfähig wäre -
diese Veränderungnmöglichkeit birgt allerdings auch
die Gefahr, dass etwas "schlechter" werden kann ...
darum soll das alles "gewogen und geplant" werden -
damit der "Reformeifer dann n i c h t wieder seine Kinder frisst", wie das bei manchen Revolutionen so der
Fall war ...


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