Von Andreas Keirat
Hallo!
Ich wurde bereits gefragt, wie die Unterschiede zwischen Hellrails (Mayfair) und Fracht Express (Franjos) sind. Da dies vielleicht auch andere Leute interessiert, liste ich die kleinen Unterschiede mal auf.
Preis: Das amerikanische Original ist naturgemäß teurer. In Essen mußte man 40 DM bezahlen. Das Franjos-Spiel dagegen konnte man günstiger bekommen.
Thema: Bei Hellrails hat man ein etwas makaberes Thema, weil man verlorene Seelen zu ihren Ruhestätten in die verschiedenen Bereiche der Hölle transportieren soll. Fracht Express hat dagegen konventionelle Handelswaren.
Material: Bei Hellrails gibt es 45 Schienenkarten, während Fracht Express 50 Stück (5 Kreuzungen !)besitzt. Die Ereignischips bei Hellrails sind bereits auf den Bahnhofskarten bei Fracht Express integriert. Spieltechnisch macht das keinen großen Unterschied, da man die Bahnhöfe ja auch in einer anderen Reihenfolge bei gleichen Positionen auslegen kann (einige große Aufträge können dadurch leichter werden, andere Aufträge schwerer...).
Während Frachtexpress für die Variante noch Einspruchs- und Flugkarten hat (insgesamt 6 Stück), gibt es beim Mayfair-Spiel einige Chips dafür. Die Schachtel von Franjos besitzt kein Inlet, die von Mayfair schon. Außerdem sind die Holzloks bei Mayfair kleiner.
Spielregeln: Natürlich ist Hellrails in Englisch, in Essen konnte man aber eine deutsche Regel bekommen. Diese ist alles in allem ordentlich, wenn es auch einige Passagen gibt, die man der Einfachheit halber anders übersetzen sollte.
Regeltechnisch ist das Grundspiel bei beiden Spielen gleich, aber die fünf Extrakarten bei Franjos mit den Kreuzungen machen eine neue Regelung zwingend. Meiner Meinung nach ist das Risiko beim Überfahren einer solchen Kreuzung zu groß und die Mitspieler teilen dies meistens. In den seltensten Fällen wurde eine Kreuzung ausgelegt und wenn, dann nur am Spielende, um den Nachziehstapel zu reduzieren.
Die Ereignisse:
Hier gibt es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Spielversionen. Die Ereignisse bei Franjos auf den Bahnhöfen B, C und J sind identisch, E, F, H wurden abgewandelt. Dazu kommen auf der Hellrails-Seite noch:
-Abgrund: Karte abwerfen, danach ausliegende Streckenkarte auswählen, deren Aktionswert gleich der abgeworfenen Karte ist und diese Streckenkarte aus der Auslage entfernen und abwerfen.
-Schwefelwagen: Kann in einem Bahnhof genommen werden, sofern noch ein Chip vorhanden ist. Der Wagen wird direkt an die Lok angekoppelt und zählt als Anhänger! Man darf nun keine Karte mehr abwerfen, um neue Karten zu ziehen. Statt dessen gibt es jede Runde drei neue Handkarten!
-Chaos: Alle Chips (das sind die Ereignisse auf den Bahnhöfen in Hellrails) werden eingesammelt, verdeckt gemischt und wieder ausgelegt.
-Vergehen: Man legt auf ein Gleis einen kleinen Marker. Wenn eine Eisenbahn hier rüberfahren will, wird eine Karte vom Zugstapel gezogen und die dort verzeichneten Aktionspunkte mit der Anzahl an Waggons verglichen, die die Lok angehängt hat. Hat die Loks mehr Hänger als die Aktionszahl vorgibt, muß man überschüssige Waggons abwerfen. Das entspricht dem Feature der Kreuzungen bei Fracht Express, ist aber deutlich flexibler ausgelegt.
-Ketzerei: Man kann einen Chip aus zwei verschiedenen Arten wählen. Bei der einen Sorte kann ein Ereignis eines Spielers annulliert werden, bei der anderen Sorte wird ein Ereignis, daß den Spieler betrifft, auf einen Mitspieler umgelenkt. Entspricht in etwa den "Einspruch"-Karten bei Frachtexpress.
-Höllische Mächte: Man nimmt einen der Aktionschips aus der Reserve und legt ihn auf die eigene Lok. Wenn man später einen Bahnhof anfährt, darf man auswählen, ob man den mitgebrachten Chip nutzen will oder den, der auf dem Bahnhof liegt. Nach der Nutzung kommt der Chip wieder in die Ablage.
-Austausch: Man darf den Austausch-Chip mit einem anderen Chip austauschen. Die Nutzung ist nicht in diesem Zug möglich.
-Seelenfänger: Der Chip wird vor die eigene Lokkarte gelegt. Wenn man einen Zug eines Mitspielers rammt, darf man dessen letzte Waggon-Karte entfernen. Dann muß allerdings auch der Chip abgelegt werden.
Frachtexpress hat hingegen folgende anderslautende Ereignisse:
-Bahnhof schließen: Handkarte auf einen unbesetzten Bahnhof legen, der nun nicht mehr angefahren wird und dessen Gleise normal behandelt werden. Wenn die Aktion wieder gewählt wird, wird der alte abgedeckte Bahnhof wieder geöffnet und ein beliebiger anderer unbesetzter Bahnhof geschlossen.
-Einspruch: Eine entsprechende Karte wird genommen. Ein Mitspieler kann bei der Bahnhofeinfahrt gezwungen werden, die Aktion auszuführen oder sie nicht auszuführen. Alternativ kann man bei der freiwilligen Nutzung einer Aktion eines Mitspielers das Ziel bestimmen. Ist ähnlich den Ketzerei-Chips bei Hellrails.
-Streckenumbau: Unter bestimmten Bedingungen und unter Abwurf einer Karte kann man eine ausliegende Streckenkarte drehen oder umlegen!
-Waggon anhängen: Eine Karte des Zugstapels aufdecken. Entspricht der Aktionswert einer eigenen Handkarte mit gleichem Aktionswert, wird diese Handkarte automatisch an die Lok gehängt, unabhängig von ihrem eigentlichen Ankoppelort, sofern der Spieler nicht bereits fünf Anhänger hat.
-Waggonraub: Man wählt einen Mitspieler und dreht danach die oberste Karte des Zugstapels um. Entspricht der Aktionswert einem Aktionswert eines ausliegenden Waggons des gewählten Gegners, verliert dieser den Waggon und er wird an den eigenen Zug gehängt.
So, ich glaube, das waren alle kleineren Unterschiede. Es ist schwer zu sagen, welche Version die bessere ist. Die Aktionen der englischen Version gefallen mir eigentlich besser, das Material bei Franjos ist aber schöner. Hoffen wir einfach, daß es mal irgendwann eine Erweiterung gibt oder man muß sich die Chips eben selbst basteln und die Notierungen der Bahnhöfe ignorieren.
Andreas Keirat