Beitragvon Sven Weiss » 5. Juni 2002, 16:46
Hallo Heinrich,
das Spiel habe ich tatsächlich erst einmal gespielt. Ein umfassendes und endgültiges Urteil will ich mir deshalb nicht anmassen, aber ich glaube doch, dass meine wesentlichen Kritikpunkte gerechtfertigt sind. Und schliesslich dürfte Deine Meinung als Herausgeber (richtige Bezeichnung?) auch nicht ganz unparteiisch sein. ;-)
Ich zitiere mal aus Deiner homepage:
"...Der Spielmechanismus ist bereits fast zehn Jahre alt und außerordentlich ausgereift – es handelt sich hier um die deutsche Ausgabe eines sehr erfolgreichen amerikanischen Spieles. Das Spiel reagiert logisch (wenn auch manchmal unerwartet). Wenn ein Charakter sich entschließt, jemanden anzugreifen, so ist es hochwahrscheinlich, daß das daraus resultierende Abenteuer die Fertigkeit „Waffengeschick“ fordern wird oder prüft, ob man das „Schwert der Unsichtbarkeit“ oder das „Blitzschwert“ bei sich führt..."
Fast scheint es mir etwas verdächtig, dass die obigen Punkte extra betont werden, denn meiner Meinung ist gerade das der Schwachpunkt, dass das Spiel eben nicht logisch reagiert. Das bestreitest Du ja selbst auch nicht, wenn Du sagst:
>...Das Spiel hat einen sehr eigenen kulturellen Hintergrund, in dem viele Dinge nicht so funktionieren, wie wir uns das so vorstellen. Erst, wenn man eine Weile gespielt hat, kommt man auf den Trichter. Dass bei einem "Feind" die Fertigkeit "Kampffähigkeit" (="Waffengeschick") etwas helfen soll, ist so eine typische Einschätzung . ...<
Wenn also die Fähigkeiten, die ich besitze, nicht weiterhelfen, wozu wähle ich dann am Anfang überhaupt welche? Okay, Du entschuldigst das mit dem eigenen kulturellen Hintergrund, den man erst mit der Zeit kennenlernt. Aber ehrlich gesagt, habe ich keine Muse, ein Spiel 5,6 Mal zu spielen, bevor ich weiss, wie es eigentlich funktioniert.
Ich dachte, ich hätte mit den Fähigkeiten, die ich am Anfang gewählt habe, einen Charakter geschaffen, der in den jeweiligen Situationen am besten zurechtkommt, wenn er – logischerweise – auf seine Stärken setzt. Ich dachte, dass man so, z.B. eher aggressive Charaktere schaffen kann oder z.B. solche, die mehr mit Köpfchen arbeiten. Fakt war, dass mir meine Fähigkeiten in keiner einzigen Situation weitergeholfen haben. Bei jeder Begegnung empfanden wir den Ausgang als völlig willkürlich, ja sogar unverständlich. Das Spielerlebnis war deshalb äusserst frustrierend.
Vielleicht ist mein Fehler bei diesem Spiel, dass ich zu strategisch rangehe. Schliesslich ist es kein Strategie-Spiel, sondern es ähnelt eher einem Rollenspiel. Aber gerade diese Unstimmigkeiten haben mich daran gehindert, mich auf das Spiel einzulassen und in die Welt einzutauchen (wie ich ja in meinem posting bereits beschrieben habe). Denn eigentlich hat es mich ausserordentlich gereizt, meinen Charakter zu formen und ihn möglichst geschickt durch diverse Abenteuer zu manövrieren. Aber ich hatte leider den Eindruck, dass ich überhaupt keinen Einfluss auf das Geschehen habe. Und um mich einfach treiben zu lassen und die Geschichten ganz einfach zu erleben, dafür waren mir die Abenteuer zu langweilig.
Wie gesagt, es handelt sich hier um kein umfassendes Urteil. Es ist ganz einfach mein persönlicher Eindruck, den ich wiedergebe, und der in dem Threat vor einigen Tagen ja auch erfragt wurde. Aber vielleicht ist es ja auch eine Anregung für eine evtl Überarbeitung??? ;-) ;-) ;-) ;-) ;-)
Viele Grüsse
Sven