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Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

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Heinrich Glumpler

Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

Beitragvon Heinrich Glumpler » 5. Juni 2002, 07:16

Hi Sven,

ich hab' den Thread zu "1001" erst sehr spät mitbekommen, weshalb ich ihn jetzt noch mal "wieder-eröffne", um auf Deinen Beitrag zu antworten.

Du hast geschrieben:
"die Grundidee von Geschichten aus 1001 Nacht fand ich sehr schön. Allerdings fand ich, dass es nicht sehr gut umgesetzt ist. ..."

Ich antworte Dir, ohne genau zu wissen, wie oft Du "1001" schon gespielt hast oder mit welchen Erwartungen Du an das Spiel herangegangen bist - notgedrungen könnte ich mit meiner Einschätzung also daneben liegen.

Das Spiel führt Anfänger sehr langsam ein, indem der Mechanismus dafür sorgt, dass zunächst nur sehr simple Abenteuer "generiert" werden - die "spannenden" Abenteuer sind den wahren Helden vorbehalten. Es ist tatsächlich Erfahrungssache, sich für die richtigen Reaktionen zu entscheiden.

Das Spiel hat einen sehr eigenen kulturellen Hintergrund, in dem viele Dinge nicht so funktionieren, wie wir uns das so vorstellen. Erst, wenn man eine Weile gespielt hat, kommt man auf den Trichter. Dass bei einem "Feind" die Fertigkeit "Kampffähigkeit" (="Waffengeschick") etwas helfen soll, ist so eine typische Einschätzung ;-). "Waffengeschick" hilft (in etwa 50% der Fälle), wenn alles tatsächlich auf einen Kampf hindeutet. Oftmals ist List und Tücke oder ein simples Gebet wesentlich hilfreicher - es ist manchmal schwer, in die Rolle eines Muslimen zu schlüpfen.

Kurz und gut - wenn Du (noch) Wert darauf legst, das Spiel näher kennen zu lernen, schick' mir eine Mail. Vielleicht kann ich Dich noch auf den Geschmack bringen, insbesondere, wenn Du es noch selten gespielt hast.

Grüsse!
Heinrich

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Sven Weiss

Re: Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

Beitragvon Sven Weiss » 5. Juni 2002, 16:46

Hallo Heinrich,

das Spiel habe ich tatsächlich erst einmal gespielt. Ein umfassendes und endgültiges Urteil will ich mir deshalb nicht anmassen, aber ich glaube doch, dass meine wesentlichen Kritikpunkte gerechtfertigt sind. Und schliesslich dürfte Deine Meinung als Herausgeber (richtige Bezeichnung?) auch nicht ganz unparteiisch sein. ;-)

Ich zitiere mal aus Deiner homepage:

"...Der Spielmechanismus ist bereits fast zehn Jahre alt und außerordentlich ausgereift – es handelt sich hier um die deutsche Ausgabe eines sehr erfolgreichen amerikanischen Spieles. Das Spiel reagiert logisch (wenn auch manchmal unerwartet). Wenn ein Charakter sich entschließt, jemanden anzugreifen, so ist es hochwahrscheinlich, daß das daraus resultierende Abenteuer die Fertigkeit „Waffengeschick“ fordern wird oder prüft, ob man das „Schwert der Unsichtbarkeit“ oder das „Blitzschwert“ bei sich führt..."

Fast scheint es mir etwas verdächtig, dass die obigen Punkte extra betont werden, denn meiner Meinung ist gerade das der Schwachpunkt, dass das Spiel eben nicht logisch reagiert. Das bestreitest Du ja selbst auch nicht, wenn Du sagst:

>...Das Spiel hat einen sehr eigenen kulturellen Hintergrund, in dem viele Dinge nicht so funktionieren, wie wir uns das so vorstellen. Erst, wenn man eine Weile gespielt hat, kommt man auf den Trichter. Dass bei einem "Feind" die Fertigkeit "Kampffähigkeit" (="Waffengeschick") etwas helfen soll, ist so eine typische Einschätzung . ...<

Wenn also die Fähigkeiten, die ich besitze, nicht weiterhelfen, wozu wähle ich dann am Anfang überhaupt welche? Okay, Du entschuldigst das mit dem eigenen kulturellen Hintergrund, den man erst mit der Zeit kennenlernt. Aber ehrlich gesagt, habe ich keine Muse, ein Spiel 5,6 Mal zu spielen, bevor ich weiss, wie es eigentlich funktioniert.

Ich dachte, ich hätte mit den Fähigkeiten, die ich am Anfang gewählt habe, einen Charakter geschaffen, der in den jeweiligen Situationen am besten zurechtkommt, wenn er – logischerweise – auf seine Stärken setzt. Ich dachte, dass man so, z.B. eher aggressive Charaktere schaffen kann oder z.B. solche, die mehr mit Köpfchen arbeiten. Fakt war, dass mir meine Fähigkeiten in keiner einzigen Situation weitergeholfen haben. Bei jeder Begegnung empfanden wir den Ausgang als völlig willkürlich, ja sogar unverständlich. Das Spielerlebnis war deshalb äusserst frustrierend.

Vielleicht ist mein Fehler bei diesem Spiel, dass ich zu strategisch rangehe. Schliesslich ist es kein Strategie-Spiel, sondern es ähnelt eher einem Rollenspiel. Aber gerade diese Unstimmigkeiten haben mich daran gehindert, mich auf das Spiel einzulassen und in die Welt einzutauchen (wie ich ja in meinem posting bereits beschrieben habe). Denn eigentlich hat es mich ausserordentlich gereizt, meinen Charakter zu formen und ihn möglichst geschickt durch diverse Abenteuer zu manövrieren. Aber ich hatte leider den Eindruck, dass ich überhaupt keinen Einfluss auf das Geschehen habe. Und um mich einfach treiben zu lassen und die Geschichten ganz einfach zu erleben, dafür waren mir die Abenteuer zu langweilig.

Wie gesagt, es handelt sich hier um kein umfassendes Urteil. Es ist ganz einfach mein persönlicher Eindruck, den ich wiedergebe, und der in dem Threat vor einigen Tagen ja auch erfragt wurde. Aber vielleicht ist es ja auch eine Anregung für eine evtl Überarbeitung??? ;-) ;-) ;-) ;-) ;-)


Viele Grüsse

Sven

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Heinrich Glumpler

Re: Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

Beitragvon Heinrich Glumpler » 5. Juni 2002, 16:59

Hi Sven,

schade, ich muss jetzt weg - aber ich antworte einfach morgen auf Deine Kritik, ok.

In Kürze jedenfalls schon mal ... es ist ein Abenteuerspiel in einer fremden Kultur - mit anderen Worten, wenn Du "effektiv" spielen willst, musst Du Deine Erfahrungen sammeln. Das Spiel ist darauf ausgelegt, ein "Rollenspiel" zu simulieren, ohne dass man die umfangreichen Regeln eines Rollenspiels lernen muss - und gerade beim Rollenspiel ergibt sich der wesentliche Spass daraus, zu lernen, wie es eigentlich funktioniert.

Und dass ich der Herausgeber bin, denke ich, ist bekannt - ich melde mich hier praktisch nur zu "1001" zu Wort ... und das vor allem bei Leuten, die es gekauft haben (!), weil ich daran interessiert bin, dass sie etwas für Ihr Geld bekommen und mit dem Produkt zufrieden sind.

Ich schick' Dir eine Kopie der Mail, die ich heute mittag Sabine geschickt habe, die sich für das Spiel interessiert - dort verweise ich explizit darauf, dass ich parteiisch bin ;-) -- allerdings bräuchte ich Deine Mail-Adresse...

Ich habe dieses Spiel - rein privat finanziert - herausgebracht, weil ich davon überzeugt bin und dazu stehe ich gerne und jederzeit :-))

Bis morgen.
Heinrich

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Heinrich Glumpler

Re: Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

Beitragvon Heinrich Glumpler » 6. Juni 2002, 09:38

Hi Sven, (vorsicht - langes Posting)

das Spiel reagiert logisch - vor dem kulturell bedingten Hintergrund. Diese Logik kennen zu lernen ist ein wesentlicher Bestandteil des Spiels - vergleichbar etwa mit dem Versuch, ein Rollenspiel zu spielen wie etwa "Cthulhu", das zwar in einer vertrauten Umgebung spielt, jedoch eine Logik besitzt, die man erst einmal erfahren muss.

Ich würde behaupten, dass bei jedem Abenteuer aus "1001" eine Logik erkennbar ist - Fehler mal nicht ausgeschlossen - von denen es meines Wissens nicht mehr viele gibt - ich habe jedes einzelne der 1600 Abenteuer geprüft - zwei Mal ;-|

Manche Abenteuer sind explizit "fremdartig" wie etwa die "Fremde Sitten" oder explizit darauf ausgelegt, den Spieler zu überraschen (vor allem, wenn er es mit "verkleideten" Charakteren zu tun bekommt).

Zum Teil leben die Abenteuer von der Schadenfreude der Mitspieler - vor allem wenn der Abenteurer betont "kampf"-orientiert ist.

Zu guter Letzt hilft es sehr, wenn man die "Geschichten aus 1001 Nacht" kennt - aber das führt jetzt zu weit.

"1001" ist der Versuch, den Flair der "Tales", wie sie im Original genannt werden, näher zu bringen und - das ist für mich noch wesentlich wichtiger - der Versuch, die Tradition des Geschichten-Erzählens zu fördern.

Ich respektiere Deine Kritik - vor dem Hintergrund, dass Du es nur einmal gespielt hast.
Es gibt viele begeisterte Anhänger von "1001" und eine Menge Leute, die nichts damit anfangen können. Es steht in der Top 100 auf Platz 81 - an der angegebenen Varianz der abgegebenen Noten kann man leicht erkennen, wie kontrovers das Spiel beurteilt wird.

Es ist ein Spiel, für Leute, die "Muße" haben - und darüber bin ich ziemlich froh angesichts der heutigen Situation, in der jedes Jahr eine Unmenge von Spielen auf den Markt geworfen werden - ein oder zwei Mal gespielt werden und dann im Schrank verschwinden (abgesehen von solchen Ausnahmen wie Puerto Rico - geiles Spiel!).

Der Anregung, es zu überarbeiten, werde ich wahrscheinlich nicht folgen können - wir haben zwar bereits mehr als die Hälfte unserer kleinen Auflage verkauft, aber es ist nun mal ein Kultspiel, dessen Reiz sich nur erschließt, wenn man sich damit beschäftigt - gerade Deine Reaktion zeigt mir, dass es damit auch ein hohes Risiko ist (und war ;-), es herauszubringen. Den grössten Schwachpunkt - die umfangreiche Spielregel - werden wir bei Gelegenheit aber mal neu strukturieren.

Grüsse!
Heinrich

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Sven Weiss

Re: Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

Beitragvon Sven Weiss » 6. Juni 2002, 16:40

Hallo Heinrich,

was Du da so beschreibst, ist ja schon beeindruckend. Da ist wohl eine Menge Arbeit und Liebe in dieses Spiel geflossen. Und wie Du nur andeutest, scheint auch auf einen stimmigen Hintergrund, was die Geschichten aus 1001 Nacht angeht, Wert gelegt worden zu sein.
Nun, Du bist natürlich der absolute Insider. Klar, dass sich Dir die Feinheiten alle erschliessen. Aber für jemanden, der ganz frisch an das Spiel herangeht (und für die ist es ja gedacht), ist das nicht so einfach.
Mir ist jetzt klar, dass man, wie Du sagst, Muse braucht für dieses Spiel. Wenn es in unserer Runde nochmal vorgeschlagen wird, werd ich bestimmt nicht dagegenstimmen. Aber, wie gesagt, ich persönlich bin jetzt auch nicht unbedingt superscharf drauf, mich richtig einzuarbeiten. Denn das braucht es wohl für dieses Spiel.

Ich wünsche Dir und dem Spiel trotzdem alles Gute. Natürlich unterstütze ich kleine Verlage, Herausgeber und Spiele, die mit soviel Liebe an der Sache produziert werden.

Viele Grüsse

Sven

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Heinrich Glumpler

Re: Geschichten aus 1001 Nacht (Sven Weiss)

Beitragvon Heinrich Glumpler » 6. Juni 2002, 16:59

Vielen Dank!
Ich weiß Deine Einstellung echt zu schätzen!

Grüsse!
Heinrich


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