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PEEP / 2 Armada

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Michael Andersch

PEEP / 2 Armada

Beitragvon Michael Andersch » 8. Juni 2002, 11:34

Vorab: Die Überschrift bezieht sich darauf, dass wir das Spiel nicht fertig gespielt, sondern nach einigen Runden einstimmig wegen allgemeinen Missfallens abgebrochen haben. Trotzdem möchte ich einige (wenn auch nicht unbedingt besonders positive) Eindrücke zu Armada loswerden:

Material: Schöner Spielplan, 2 nette Zinnschiffe pro Spieler, ein Haufen Aktionskarten und jede Menge äußerst billig wirkende Marker (Piraten und Besitzmarker in den Spielerfarben, Eingeborene, Gold).

Spielidee: Ausgehend von der eigenen Provinz (am Rand des Spielplans gelegene Inselgruppe) entweder mehrere andere Provinzen + auf einer zentralen Insel gelegene Handelsstützpunkte erobern und diese eine Runde halten, oder nur auf der zentralen Insel 4 der 5 Handelsstützpunkte erobern und ebenfalls eine Runde halten (so war es glaube ich – bin mir aber nicht mehr ganz sicher wegen s.o.).

Dazu kann man:
Piraten auf Schiffe laden, damit herumschippern, andere Inseln erkunden (dort tauchen dann jeweils mehr oder weniger Eingeborene und mehr oder weniger Gold auf), Eingeborene oder Mitspieler (von Ihnen besetzte Landgebiete oder deren Schiffe) angreifen, Gold auf Stützpunkte verfrachten und dort in Piraten umwandeln und Aktionskarten spielen bzw. nachkaufen. Dies alles geschieht auf Aktionspunktbasis (10).

Hmm... klingt alles ein wenig lustlos geschrieben? Ist es auch. Armada war meine grösste Enttäuschung seit „Cortez".
Nicht nur, dass man während der Züge der Mitspieler zu absoluter Untätigkeit verdammt ist, auch wenn man selbst am Zug ist plätschert es nur so vor sich hin. Das Spiel bietet keine neuen Mechanismen und unterscheidet sich von Risiko nur durch
-anderer Spielplan
-vereinfachter Kampfmodus, aber auch mit Würfeln
-Begrenzung auf 4 Spieler
-Aktionskarten, die teilweise sehr heftig sind
-eine andere Nachschubregelung (Piraten werden mit Gold gekauft, im Gegensatz zu den Armeen die mit den Karten bzw. über die Anzahl der besetzten Länder ins Spiel kamen)
-und die Möglichkeit, Armeen (Piraten) nicht nur von Land zu Land, sondern auch mit dem Schiff etwas weiter zu transportieren

Vielleicht liegt meine Enttäuschung einfach in der zu hohen Erwartung begründet (ich kannte die vorherigen 2 Ausgaben nicht), aber Armada merkt man eindeutig an, dass es ein Spiel aus der Mitte der 80er Jahre ist.

Seeehhhr enttäuschte und die weiter unten von Attila geäußerte Meinung keineswegs nchvollziehen könnende Grüße,
Micha

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Attila
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Re: PEEP / 2 Armada

Beitragvon Attila » 10. Juni 2002, 20:03

Hiho,

Naja, das es nicht jedermann's Spiel ist, sehe ich durchaus ein. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, das man lange darauf wartet wieder am Zug zu sein - das war hier durchaus nicht der Fall. Man hat immer beim Spielzug der anderen gefiebert um zu sehen was passiert und die Planung entsprechend der neue Situation anzupassen.
Das "auf Aktionspunktbasis" hört sich so negatib an, ich finde es gerade das Interessante daran - bei Risiko musste man nicht überlegen ob man einen Kampf besser abbricht (obwohl es nicht schlecht aussieht), weil man die Punkte nicht anders besser verbraten will ! Hier gibt es keine eroberungszuege quer über den Plan in Risiko-Manier.

Ich würde es nicht als Risiko-Clone bezeichnen, denn es ist schon was anderes, aber ein ähnliches "feeling" wie "damals" kam bei mir schon auf - ich fand's halt einfach genial ! Und gegen den Würfel ist imho überhaupt nichts einzuwenden - die einen nennen es Glück - die anderen Mathematik - die entgegen jeder Wahrscheinlichkeit spielen, gewinnen dabei nicht so oft - ist das Pech ? :-)

Ich kann durchaus verstehen wenn das Spiel einem nicht gefällt !

Atti

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Michael Andersch

Re: PEEP / 2 Armada

Beitragvon Michael Andersch » 11. Juni 2002, 13:06

Attila schrieb:

> Naja, das es nicht jedermann's Spiel ist, sehe ich durchaus
> ein. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, das man
> lange darauf wartet wieder am Zug zu sein - das war hier
> durchaus nicht der Fall.

Es war nicht nur die Länge (ca. 5 Minuten, zu viert). Es war auch die völlige "Actionlosigkeit" in dieser Zeit. Klar, die anderen spielen weiter, und wenn einem das Spiel selbst gefällt fiebert man da sicher mit. Wir fanden es halt an sich langweilig und die Warterei deshalb doppelt öde.

> Das "auf Aktionspunktbasis" hört sich so negatib an, ich
> finde es gerade das Interessante daran. bei Risiko musste
> man nicht überlegen ob man einen Kampf besser abbricht
> (obwohl es nicht schlecht aussieht), weil man die Punkte
> nicht anders besser verbraten will ! Hier gibt es keine
> eroberungszuege quer über den Plan in Risiko-Manier.

Naja. Ich habe schon bessere Aktionspunktspiele gespielt. Allerdings hast Du in Bezug auf den dadurch entstandenen Unterschied zu Risiko recht. Das ist im Vergleich wirklich ein Vorteil!
Wobei ich finde, dass (vgl. hierzu auch die vor einigen Tagen geführte Diskussion um "mehr Schein als Sein" bei Spielen am Beispiel von Goldland), dass diese Aktionspunkte irgendwo eine Spieltiefe vorgaukeln, die das Spiel einfach nicht hat - rumschippern, draufhauen (entweder auf die Eingeborenen oder den Gegner), Gold abgreifen, Piraten kaufen, rumschippern, draufhauen...
Das ist mir einfach zu wenig, zu dürr!

> Und gegen den Würfel ist imho überhaupt nichts einzuwenden

Nö, gegen den Würfel an sich nicht. Ich finde es sogar irgendwie eleganter als bei Risiko. Aber dass man als Verteidiger nicht mal würfeln darf (auch wenn es im Endergebnis völlig egal ist, wie der Kampfausgang ermittelt wurde) macht die Warterei noch öder.

> Ich kann durchaus verstehen wenn das Spiel einem nicht gefällt !

Was ich auch etwas schlecht finde ist die prinzipielle Möglichkeit, dass ein Spieler komplett ausscheidet. Das halte ich nicht mehr für zeitgemäss.

Ansonsten kann man offensichtlich wohl geteilter Meinung sein, und wenn Armada seine Freunde findet, dann möchte ich ihm eine Daseinsberechtigung auch nicht absprechen. Vielleicht hatte ich einfach nur zu viel erhofft.

Viele Grüße,
Micha

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Attila
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Re: PEEP / 2 Armada

Beitragvon Attila » 13. Juni 2002, 14:23

Michael Andersch schrieb:

> Wobei ich finde, dass (vgl. hierzu auch die vor einigen Tagen
> geführte Diskussion um "mehr Schein als Sein" bei Spielen am
> Beispiel von Goldland), dass diese Aktionspunkte irgendwo
> eine Spieltiefe vorgaukeln, die das Spiel einfach nicht hat

Moment ! Ich finde nicht das Aktionspunkte einem eine "Spieltiefe" vorgaukeln ! Man kann halt nur X Aktionen machen ! - Das hat nichts mit Spieltiefe zu tun, sondern imho mehr mit dem Spielmechanismus !
Ich finde das Armada ganz und gar nicht Spieltiefe "vorgaukelt" - es ist kein kompliziertes Spiel - das sieht man auf anhieb ! Es ist innerhalb von weniger Minuten zu erlernen und man kann gleich loslegen !

> rumschippern, draufhauen (entweder auf die Eingeborenen oder
> den Gegner), Gold abgreifen, Piraten kaufen, rumschippern,
> draufhauen...
> Das ist mir einfach zu wenig, zu dürr!

Ich finde die Interaktion, bei Armada zweifelsohne notwendig ist, ist ein nicht unerheblicher Teil des Spieles. Damit diese jedoch zustande kommt, müssen die Spieler sich auf das Spiel auch einlassen. "rumschippern, draufhauen, gold abgreifen" beschreibt den Spielablauf zwar richtig, aber nicht vollständig. Das Spiel lebt nunmal auch von den Spielern. Und man muss sehr genau überlegen was man macht und wo man "draufhaut" ! Denn nach "rumschippern, draufhauen - klappt nicht" doof dazustehen mag ja eine Strategie sein, aber keine sehr erfolgreiche !

> Verteidiger nicht mal würfeln darf (auch wenn es im
> Endergebnis völlig egal ist, wie der Kampfausgang ermittelt
> wurde) macht die Warterei noch öder.

Man ist dadurch doch viel schneller an der Reihe als wenn man noch Würfeln müsste (wo es auch egal ist ob ich dabei bin oder nicht) !
Armada ist in dieser Richtung viel "ehrlicher" als viele andere Spiele, die einem vorgaukeln man könne wärend des Spielzuges der anderen irgendwas machen, dabei steht es schon von vorne rein fest was passiert. Da muss man brav reihum braune Scheiben nehmen - wow, da hat man ja unglaublich viele taktische Möglichkeiten - und die anderen müssen unbedingt warten bis ich von der Toilette zurueck bin ... :-) :-)

> Was ich auch etwas schlecht finde ist die prinzipielle
> Möglichkeit, dass ein Spieler komplett ausscheidet. Das halte
> ich nicht mehr für zeitgemäss.

Was heisst hier "Zeitgemäss" ? So ist die Regel und jeder kennt sie - also kann sich jeder auch darauf einstellen. Was ist daran nicht "Zeitgemäss" ? Verstehe ich nicht. Ich kann ja verstehen wenn man das Spielmaterial nicht so ansprechend findet. Wenn jemand gnadenlos abgeschlagen, ohne Chance auf den Sieg jede Runde Runde nochmal den Würfelmax spielen darf kann es ja auch nicht gerade sein. Ausserdem kann man das doch so pauschal nicht sagen. So kann man z.B. "Formula Dé" schon in der ersten Kurve das Spiel für einen gelaufen sein - ohne eigenes zutun ! "Nicht Zeitgemäss" ? "Bluff" nicht Zeitgemäss ? "Tal der Mamut" ? - Ich finde da nichts "unzeitgemässes" dran !

Aber jeder wie er will.

Atti

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Michael Andersch

Re: PEEP / 2 Armada

Beitragvon Michael Andersch » 14. Juni 2002, 12:02

Attila schrieb:


> Man ist dadurch doch viel schneller an der Reihe als wenn man
> noch Würfeln müsste (wo es auch egal ist ob ich dabei bin
> oder nicht) !
> Armada ist in dieser Richtung viel "ehrlicher" als viele
> andere Spiele

Da hast Du schon recht. Das ist es, was ich mit "eleganter" gemeint habe in meinem Posting. Ich finde die Lösung auch ok, andererseits führt es dazu, dass ich, solange ich nicht am Zug bin tatsächlich NUR Zuschauer bin.


> > Was ich auch etwas schlecht finde ist die prinzipielle
> > Möglichkeit, dass ein Spieler komplett ausscheidet. Das halte
> > ich nicht mehr für zeitgemäss.
>
> Was heisst hier "Zeitgemäss" ? So ist die Regel und jeder
> kennt sie - also kann sich jeder auch darauf einstellen. Was
> ist daran nicht "Zeitgemäss" ?

Ich finde es deshalb nicht zeitgemäß, weil es früher jede Menge Spiele gab wo dies der Fall war, zumindest im Vergleich zu den letzten Jahren. Diese Entwicklung begrüsse ich.
Klar kann man sich drauf einstellen. Nur habe ich nix davon, wenn ich rausfliege und u.U. noch eine ganze Weile nur Zuschauer bin.

> Ausserdem kann man das
> doch so pauschal nicht sagen. So kann man z.B. "Formula Dé"
> schon in der ersten Kurve das Spiel für einen gelaufen sein -
> ohne eigenes zutun ! "Nicht Zeitgemäss" ? "Bluff" nicht
> Zeitgemäss ? "Tal der Mamut" ? - Ich finde da nichts
> "unzeitgemässes" dran !

Formula Dé und Tal der Mammuts halte ich auch nicht gerade für die Krönung der Spielewelt. Bei Bluff dagegen ist es so, dass man zwar eher ausscheiden kann, die Dauer des Nichtmitspielens aber doch vergleichsweise kurz ist. Da stört es mich nicht. Aber wenn die anderen noch eine halbe Stunde weiterkloppen und ich muss zuschauen, dann finde ich das schon irgendwie wenig prickelnd.


> Aber jeder wie er will.

Genau. Für Dich eben "Armada", für mich halt was anderes ;-) ! Das Angebot ist ja zum Glück groß genug!

Viele Grüße,
Micha

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Attila
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Re: PEEP / 2 Armada

Beitragvon Attila » 14. Juni 2002, 16:26

Michael Andersch schrieb:

> andererseits führt es dazu, dass ich, solange ich nicht am
> Zug bin tatsächlich NUR Zuschauer bin.

Ich finde es doof wenn die Spielregel einem irgendwelche einflussmöglichkeiten vorgaukelt, die Entscheidung in 99% aller Fälle eindeutig und unumstrittig ist. *Jeder* wird die Entscheidung treffen, nur muss ich am Brett sitzen und sagen "Ja, das mache ich so" - wenn ich es nicht mache ist es zwar schwachsinnig, aber dann ist man "beschäftigt" ! Das ist leider auch ein Trend in den letzten Jahren gewesen ! :-)

> Ich finde es deshalb nicht zeitgemäß, weil es früher jede
> Menge Spiele gab wo dies der Fall war, zumindest im Vergleich
> zu den letzten Jahren.

Das stimmt und ich finde die aktuelle Entwicklung teilweise ziemlich nervig. Das man Krampfhaft versucht auch den letzten Spieler noch im Spiel zu halten - am besten noch mit einer realistischen Siegchance ? - Wenn die Spieler das wollen, dann kann man problemlos das auslöschen eines Spielers verbieten. Das ist dann eine Regel und schon sind immer alle dabei !

> Klar kann man sich drauf einstellen. Nur habe ich nix davon,
> wenn ich rausfliege und u.U. noch eine ganze Weile nur
> Zuschauer bin.

Also hier ist es so, das wenn man rausfliegt man entweder selber dran schuld ist (Kamikaze Aktionen), oder das Spiel dann schnell vorbei ist. Ich sehe keinen Sinn in willkürlichen rauswerfen von Spielern (es sei denn man erring damit den Sieg), denn meistens schadet man sich damit selber, so das die anderen Spieler sich ins Fäustchen lachen und die Partie dann ohne Probleme gewinnen.

> Formula Dé und Tal der Mammuts halte ich auch nicht gerade
> für die Krönung der Spielewelt.

Kann man sich drüber streiten - macht aber riesen-Fun - und das will ich bei einem Spiel halt haben !

> es mich nicht. Aber wenn die anderen noch eine halbe Stunde
> weiterkloppen und ich muss zuschauen, dann finde ich das
> schon irgendwie wenig prickelnd.

Dann würde ICH mich mir Gedanken über den Grund meines Ausscheidens machen.

> > Aber jeder wie er will.
> Genau. Für Dich eben "Armada", für mich halt was anderes ;-)
> ! Das Angebot ist ja zum Glück groß genug!

"Und das ist gut so !" :-)

Atti


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