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Alles nur ein Spiel ?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Hanno Schwede
Kennerspieler
Beiträge: 392

Re: Schade, das hier eine Chance vertan wurde

Beitragvon Hanno Schwede » 11. Dezember 2002, 10:28


> Rchtig! Aber vertan wurde sie durch den Ursprungsposter
> "n.n.", der den Text anonym ohne jede Quellenhinweise und
> Links einfach nur kopierte und abschickte. Das Thema an sich
> ist sicher interessant und auch - insofern es die
> Spieleherstellung betrifft - hier diskussionswürdig.


100 % Ack

um mal den Joost zu zitieren

Hanno

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Roland G. Hülsmann

RE: Alles nur ein Spiel? Schade...

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 11. Dezember 2002, 10:37

Matthias Staber schrieb:

> Wie sind denn nun eigentlich die Arbeitsbedingungen in der chinesischen
> Spielzeugindustrie?

Nun, meines Wissens sind in CHINA die Kinderarbeit und auch die Zwangsarbeit (beides nicht mit den UN-Menschenrechtskonventionen vereinbar) weit verbreitet, so dass es durchaus wichtig ist, bei Verträgen mit chinesischen Herstellern zu gewärleisten, daß in den entsprechenden Betrieben dieses eben nicht so ist. Es geht also m.E. nicht darum, die chinesische Wirtschaft komplett zu boykottieren (das wäre auch ziemlich dumm), sondern darauf zu drängen, dass Betriebe, die mit uns kooperieren wollen, sich an die Menschenrechte halten.

Eon Großteil des Spielzeuges und technischer Geräte wird in China (incl. Hong Kong) gefertigt. Und bei weitem nicht an allem klebt der Geruch der verletzten Menschenwürde, aber an eingem eben möglicherweise doch. Von daher ist das Thema durchaus interessant.

Gruß
Roland

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Jochen

Misereor Link (von wegen OT)

Beitragvon Jochen » 11. Dezember 2002, 11:47

Und auf den Seiten der "Werkstatt Ökonomie" befinden sich die zugehörigen Seiten:

http://www.woek.de/fairspielt.htm

Interessant finde ich in dem Zusammanhang, dass die Kampagne bereits seit 1999 läuft.
Unter anderem findet man auf der Startseite Die Überschrift:

-----
Schreiben Sie an eine Spielzeugfirma!

Die Aktion "fair spielt" ruft die Verbraucherinnen und Verbraucher auf, mit Postkarten und Briefen an Spielzeughersteller und -händler die Umsetzung des
Verhaltenskodexes des Weltverbandes der Spielwarenindustrie zu fordern · mehr dazu ... ( http://www.woek.de/fairspielt_briefaktion.htm )
-----

Anscheinend haben sich das Bündnis90/Grüenen zu Herzen genommen. nachdem der Text mit "Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen" war ich bei denen und hab die entsprechende Pressemitteilung gefunden.

http://www.gruene-fraktion.de/rsvgn/rs_dok/0,,17556,00.htm

Leider ist das auch schon alles was dazu (von mir, in der kurzen Zeit zw. 2 Vorlesungen) zu finden war .

Jochen

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Jochen

Re: Misereor Link (von wegen OT)

Beitragvon Jochen » 11. Dezember 2002, 11:51

Ups, ich hab was unterschlagen:

> Anscheinend haben sich das Bündnis90/Grüenen zu Herzen
> genommen. nachdem der Text mit "Bundestagsfraktion Bündnis
> 90/Die Grünen"
unterzeichnet wurde
>war ich bei denen und hab die entsprechende
> Pressemitteilung gefunden.

So, jetzt ist der Satz komplett

Jochen
(der jetzt nicht von seiner Deutsch-studierenden Freundin runtergemacht wird ;-)

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Stephan Valkyser

OT: fair gehandelt

Beitragvon Stephan Valkyser » 11. Dezember 2002, 14:22

> Roland (trinkt vorzugsweise fair gehandelten Kaffee aus dem
> Eine-Welt-Laden um die Ecke)


Dieses "fair gehandelt" ist eines der typischen Schlagworte, die in diesen Zusammenhängen oft gebraucht werden, deswegen aber nicht unbedingt mehr Sinn machen als die völlig überholten Klassenkampfparolen unserer heutigen Gewerkschaften. Darüber ärgere ich mich.
Was ist an diesem Handel eigentlich "fair"? Der Erzeuger erzielt einen höheren Preis, gut. Aber ist das "fair"? Schließlich darf man nicht vergessen, daß in den "Eine-Welt-Läden" hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind, ohne deren Engagement der Kaffee am Markt nicht zu platzieren wäre (schließlich zahlt kaum jemand 100% mehr als im Supermarkt, selbst wenn er noch so idealistisch ist). Angebot und Nachfrage bestimmen nun einmal den Preis. Wenn mir als Anbieter der Preis nicht gefällt, brauche ich den Handel nicht abzuschließen.
Anders kann es nicht funktionieren. Dabei wird niemand per se ausgebeutet. Daran ändert sich im Endeffekt auch durch Subventionen (welcher Art auch immer) nichts.

"Fair" ist, wenn ich mehr Geld bekomme, weil andere unentgeltlich arbeiten?
"Sozial" ist die Vermögenssteuer, weil sie "nur die Reichen trifft"?
"Gerecht" ist ein Gesundheitssystem, bei dem alle mehr kriegen, aber keiner dafür aufkommen muss? Oder höchstens die Ärzte, die "ja sowieso zuviel verdienen"?

Ich kann an der von uns allen so liebgewonnenen "Verteilungsbürokratie" im Grunde nichts Soziales erkennen.
"Gib dem Hungernden keinen Fisch, sondern zeige ihm, wie er einen Fisch fangen kann." Das wäre m.E. die bessere Vorgehensweise. Fragt sich nur, ob der "Hungernde" nicht die erste Alternative vorzieht, weil sie mit weniger persönlicher Anstrengung verbunden ist.

Nun, genug gemeckert. Schließlich gehört das ja nun ebenfalls nicht in dieses Forum. Aber das wollte ich gerade mal loswerden...

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Ralf Arnemann
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Beiträge: 2447

Abgrenzung von Diskussionsthemen

Beitragvon Ralf Arnemann » 11. Dezember 2002, 14:29

> Wir diskutieren hier über Spiele, Regeln, Taktiken, Qualität,
> Preise, Bezugsquellen, warum nicht auch darüber, unter welchen
> Bedingungen sie produziert werden ?
Weil diese Produktionsbedingungen nichts SPEZIELL mit dem Thema Spiel zu tun haben (im Gegensatz zu all den anderen genannten Themen).

Mal abgesehen davon, daß es sowieso wohl eher um Spielwaren als um Spiele geht: In China wird eine unglaubliche Anzahl von Konsumartikeln produziert - und die (durchaus kritikwürdigen) Produktionsbedingungen sind da für Teppiche, Autoersatzteile, Spielwaren, Feuerwerkskörper, Plastikeimer, Elektronikteile usw. usw. ziemlich ähnlich.

Es geht hier ganz klar um eine allgemeinpolitische Diskussion, und da werden Spielwaren herausgegriffen, um irgendwie einen Bezug zu diesem Forum zu konstruieren.

Mit demselben Recht könnten wir hier über die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst diskutieren (weil Spiele ja in Stadtbibliotheken ausgeliehen werden), oder das Postmonopol (weil Spiele mit Post oder UPS in die Läden kommen), oder Schröders Haarfarbe (lassen ihm die Friseurtermine genug Zeit, um mit Doris zu spielen) oder den kompletten Nahostkonflikt (da ist bestimmt auch mal ein Spieleladen zerbombt worden).

> Du hattest dich seinerzeit auch an der Antisemitismus-
> Diskussion beteiligt, hier im Haupt-Forum.
Das war halt aus einer normalen Diskussion entstanden und ist nicht rechtzeitig genug ins OT-Forum ausgegliedert worden.
Das ist etwas völlig anderes als dieser platte Versuch, hier das Selbstlob einer Fraktion einzustellen.

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Uli Schumacher

n.n., ich(wir) bitte(n) um mehr infos

Beitragvon Uli Schumacher » 11. Dezember 2002, 14:48

Hi,
noch verschiedene Leute außer mir scheinen ganz gerne wissen zu wollen,

wer (Verlage)
was (Arbeitsbedingungen besser / schlechter als landesüblich ohne Kinder+Zwangsarbeit)
wo (bekommt man "gutes" Spielzeug, konkrete Informationen, die über das Niveau "es gibt viel böses in dieser Welt" hinausgehen)

also, es wäre an der zeit für n.n., einen neuen, informativen thread zu dem Thema anzustoßen. Nicht-anonym.

Oder ließt n.n nicht mal mit?
Dann ist das wirklich nur unfeine Werbung!

Uli (würde manchmal mehr bezahlen, manchmal nicht, je nach ihrer Finanzlage)

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Günter Cornett

Re: Abgrenzung von Diskussionsthemen

Beitragvon Günter Cornett » 11. Dezember 2002, 15:18

Ralf Arnemann schrieb:
>
> > Wir diskutieren hier über Spiele, Regeln, Taktiken, Qualität,
> > Preise, Bezugsquellen, warum nicht auch darüber, unter
> welchen
> > Bedingungen sie produziert werden ?
> Weil diese Produktionsbedingungen nichts SPEZIELL mit dem
> Thema Spiel zu tun haben (im Gegensatz zu all den anderen
> genannten Themen).

Qualität und Preise hängen übrigens auch von Arbeitsbedingungen ab.
Warum sind Spiele so billig/teuer ?

> Mal abgesehen davon, daß es sowieso wohl eher um Spielwaren
> als um Spiele geht: In China wird eine unglaubliche Anzahl

sowohl Spiele als auch Spielwaren

> von Konsumartikeln produziert - und die (durchaus
> kritikwürdigen) Produktionsbedingungen sind da für Teppiche,
> Autoersatzteile, Spielwaren, Feuerwerkskörper, Plastikeimer,
> Elektronikteile usw. usw. ziemlich ähnlich.

In einem Autoforum wäre es IMHO durchaus auch ontopic zu wissen, unter welchen Bedingungen Autos produziert werden.

> Es geht hier ganz klar um eine allgemeinpolitische
> Diskussion, und da werden Spielwaren herausgegriffen, um
> irgendwie einen Bezug zu diesem Forum zu konstruieren.

Nein, weil es vielen Leuten im Forum nicht ganz unwichtig ist, wie das produziert wird, was sie konsumieren. Es geht dabei um den konkreten Bezug nicht um eine abstrakte politische Haltung. Ich mache mir zugegebenermassen im Allgemeinen ziemlich wenig Gedanken drüber, wo die Sachen herkommen, die ich konsumiere. Gut, dass ich damit an dieser Stelle konfrontiert werde.

Wenn du das für dich ausblenden willst, ist das deine Sache. Aber du kannst doch nicht von allen anderen verlangen, das Hirn beim Konsumieren auszuschalten.

> Mit demselben Recht könnten wir hier über die Tariferhöhungen
> im öffentlichen Dienst diskutieren (weil Spiele ja in
> Stadtbibliotheken ausgeliehen werden), oder das Postmonopol

Nur, dass es hier nicht um ein paar Prozente sondern um Menschenrechte geht.

> (weil Spiele mit Post oder UPS in die Läden kommen), oder
> Schröders Haarfarbe (lassen ihm die Friseurtermine genug
> Zeit, um mit Doris zu spielen) oder den kompletten
> Nahostkonflikt (da ist bestimmt auch mal ein Spieleladen
> zerbombt worden).

Du legst dich ja mächtig ins Zeug dafür, dass wir uns keine Gedanken über das Woher der Spiele machen und um die Frage fundamentaler Menschenrechte ins Lächerliche zu ziehen.

> > Du hattest dich seinerzeit auch an der Antisemitismus-
> > Diskussion beteiligt, hier im Haupt-Forum.
> Das war halt aus einer normalen Diskussion entstanden und ist
> nicht rechtzeitig genug ins OT-Forum ausgegliedert worden.
> Das ist etwas völlig anderes als dieser platte Versuch, hier
> das Selbstlob einer Fraktion einzustellen.

Das hatten wir schon. Die Form und der Versuch parteipolitischer Werbung wird allgemein kritisiert. Die Sache selbst stösst aber auf breites Interesse.

Günter

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Günter Cornett

Re: OT: fair gehandelt

Beitragvon Günter Cornett » 11. Dezember 2002, 15:33

Stephan Valkyser schrieb:
>
> Was ist an diesem Handel eigentlich "fair"? Der Erzeuger
> erzielt einen höheren Preis, gut. Aber ist das "fair"?
> Schließlich darf man nicht vergessen, daß in den
> "Eine-Welt-Läden" hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter
> tätig sind, ohne deren Engagement der Kaffee am Markt nicht
> zu platzieren wäre (schließlich zahlt kaum jemand 100% mehr
> als im Supermarkt, selbst wenn er noch so idealistisch ist).

Hallo Stephan,

Es gibt fairtrade-Produkte inzwischen auch im Supermarkt.

> Angebot und Nachfrage bestimmen nun einmal den Preis. Wenn
> mir als Anbieter der Preis nicht gefällt, brauche ich den
> Handel nicht abzuschließen.
> Anders kann es nicht funktionieren. Dabei wird niemand per se
> ausgebeutet. Daran ändert sich im Endeffekt auch durch
> Subventionen (welcher Art auch immer) nichts.
>
> "Fair" ist, wenn ich mehr Geld bekomme, weil andere
> unentgeltlich arbeiten?

eben nicht. Deshalb setzen sich die Organisationen dafür ein, dass die Menschen, die das produzieren fair bezahltwerden.

> "Sozial" ist die Vermögenssteuer, weil sie "nur die Reichen
> trifft"?

Ja, denn Steuern sollenv IMHO on dem Einkommen bezahlt werden, das nicht lebensnotwendig ist

> "Gerecht" ist ein Gesundheitssystem, bei dem alle mehr
> kriegen, aber keiner dafür aufkommen muss? Oder höchstens die
> Ärzte, die "ja sowieso zuviel verdienen"?

die Pharmaindustrie nicht zu vergessen, die sich dagegen wehrt, dass AIDS-Mittel in der Dritten Welt zu einem Preis angeboten werden, die die Menschen bezahlen können.

> Ich kann an der von uns allen so liebgewonnenen
> "Verteilungsbürokratie" im Grunde nichts Soziales erkennen.
> "Gib dem Hungernden keinen Fisch, sondern zeige ihm, wie er
> einen Fisch fangen kann." Das wäre m.E. die bessere
> Vorgehensweise. Fragt sich nur, ob der "Hungernde" nicht die
> erste Alternative vorzieht, weil sie mit weniger persönlicher
> Anstrengung verbunden ist.

Nun, der Fisch muss auch verkauft werden. Denn es gibt nur noch wenige Ecken auf der Welt, wo es sich autark leben laesst. Wenn man alles dem Markt überlässt, so setzt sich der stärkere durch. Fairtrade setzt sich dafür ein, dass der selbst produzierte 'Fisch' auch verkauft werden kann.

Es ist übrigens nicht fair, wenn bestimmte Produkte durch miese Arbeitsbedingungen und fehlendem Umweltschutz subventioniert werden.

Soweit in Dritte-Welt-Läden ehrenamtlich gearbeitet wird, geschieht das freiwillig und nicht durch erzwungene Kinderarbeit -ach immer diese kleinen Unterschiede...

Günter
> Nun, genug gemeckert. Schließlich gehört das ja nun ebenfalls
> nicht in dieses Forum. Aber das wollte ich gerade mal
> loswerden...

Das liest sich wie Gegenmeinungen sind OT ;-)

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Jost Schwider

RE: Politisches Spielerforum...

Beitragvon Jost Schwider » 11. Dezember 2002, 15:41

"Franz-Benno Delonge" hat am 10.12.2002 geschrieben:

> ich stimme hier mit überhaupt gar nichts überein.

Womit genau stimmst du nicht überein?
Mit meiner Anmerkung, dass leider einige wichtige Informationen fehlen, oder mit dem ursprünglichen Autoren, oder mit der daraus (wahrscheinlich) resultierenden Aufforderung, über das Thema zu sprechen?

> Mein Vorschlag wäre, daß jetzt jeder einmal (EINMAL!)
> grundsätzlich mitteilt, was er für eine politische
> Grundüberzeugung hat,

Nö, das interessiert mich jetzt nicht so sehr...

Wirklich interessant wären aber Informationen, ob auch deutsche Spieleverlage bewußt von Menschenrechts-verachtenden Praktiken profitieren.
M.E. ist dies auf jeden Fall eine ernsthafte Diskussion wert. Gottseidank gibt es da schon erste Ansätze zu:
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=57607&t=57458

> Glaubensbekenntnisse

...haben mit dem Thema aber nichts zu tun, gelle?! ;-)

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Matthias Staber

RE: Alles nur ein Spiel? Schade...

Beitragvon Matthias Staber » 11. Dezember 2002, 16:38

Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> Matthias Staber schrieb:
>
> > Wie sind denn nun eigentlich die Arbeitsbedingungen in der
> chinesischen
> > Spielzeugindustrie?
>
> Nun, meines Wissens sind in CHINA die Kinderarbeit und auch
> die Zwangsarbeit (beides nicht mit den
> UN-Menschenrechtskonventionen vereinbar) weit verbreitet, so
> dass es durchaus wichtig ist, bei Verträgen mit chinesischen
> Herstellern zu gewärleisten, daß in den entsprechenden
> Betrieben dieses eben nicht so ist. Es geht also m.E. nicht
> darum, die chinesische Wirtschaft komplett zu boykottieren
> (das wäre auch ziemlich dumm), sondern darauf zu drängen,
> dass Betriebe, die mit uns kooperieren wollen, sich an die
> Menschenrechte halten.
>
> Eon Großteil des Spielzeuges und technischer Geräte wird in
> China (incl. Hong Kong) gefertigt. Und bei weitem nicht an
> allem klebt der Geruch der verletzten Menschenwürde, aber an
> eingem eben möglicherweise doch. Von daher ist das Thema
> durchaus interessant.
>
> Gruß
> Roland


Aber wie recherchiere ich im konkreten Einzelfall, d.h. z.B bei diesem Spiel(zeug), dass ich jetzt vor mir habe (oder auch: diesem Turnschuh), unter welchen Arbeitbedingungen er hergestellt wurde? Denn wie du selbst sagst, kann es ja nicht richtig sein, unter dem Hinweis, in einem bestimmten Land gebe es in manchen Betrieben nicht so tolle Arbeitbedingungen, ganze Volkswirtschaften zu boykottieren - und damit unter Umständen genau den falschen Leuten zu schaden.

Matthias

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Matthias Staber

Re: Misereor Link (von wegen OT)

Beitragvon Matthias Staber » 11. Dezember 2002, 16:50

>Der Skandal
In vielen asiatischen Spielzeugfabriken werden soziale und wirtschaftliche Menschenrechte systematisch verletzt. Betroffen sind vor allem Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren, sie stellen den größten Teil der Belegschaften: Wenn die Produktion für das Weihnachtsgeschäft auf Hochtouren läuft, sind die Arbeitszeiten extrem lang – 12 oder 13 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Meist gibt es keinen Kündigungsschutz. Gesetzliche Mindestlöhne werden unterschritten, Arbeitsschutzbestimmungen grob verletzt. Mutterschutz gibt es nicht: All dies verstößt gegen nationale Gesetze und internationale Abkommen<

Hier ein Zitat aus dem Link. Der Leser erfährt also, dass irgendwo zwischen Istanbul und Alaska ("In vielen asiatischen Spielzeugfabriken") Frauen im Alter zwischen 18 und 30 ausgebeutet werden. Aha. Ich will mich überhaupt nicht darüber lustig machen, aber: Wäre es nicht wesentlich pfiffiger, man würde bei einem Textabschnitt. der "Skandal" übertitelt ist, Ross und Reiter nennen?

So hat es für mich ungefähr den Informationsgehalt von "in einigen Sorten Kartoffelchips wurde eine erhöhte Konzentration Acrylamid gefunden, in anderen nicht" oder so ähnlich. So verspüre ich zumindest noch keinen unmittelbaren Impuls, Briefe des Kundenzorns an namhafte Spielzeughersteller abzusenden. Oder mein Kaufverhalten zu überdenken - wie auch? Mir werden ja keine konkreten Informationen an die Hand gegeben.

Matthias

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Günter Cornett

RE: Alles nur ein Spiel? Schade...

Beitragvon Günter Cornett » 11. Dezember 2002, 16:51

Matthias Staber schrieb:
>
> Aber wie recherchiere ich im konkreten Einzelfall, d.h. z.B
> bei diesem Spiel(zeug), dass ich jetzt vor mir habe (oder
> auch: diesem Turnschuh), unter welchen Arbeitbedingungen er
> hergestellt wurde? Denn wie du selbst sagst, kann es ja nicht
> richtig sein, unter dem Hinweis, in einem bestimmten Land
> gebe es in manchen Betrieben nicht so tolle
> Arbeitbedingungen, ganze Volkswirtschaften zu boykottieren -
> und damit unter Umständen genau den falschen Leuten zu schaden.
>
> Matthias

Hallo Matthias,

ich teile deine Kritik. Ich finde es auch etwas seltsam, dass man einen Brief an Spielehersteller schreiben soll, von denen man nicht weiss, ob sie die Standards einhalten. Hasbro hat an den Standards mitgearbeitet, teilt aber nichts darüber mit, wie die Einhaltung überwacht wird. Es ist viel Text, aber wenig greifbares.

Zudem ist es ziemlich blöd, dass die Standards nur auf Englisch vorliegen.

Nun, ich habe mal nachgefragt und lasse mir weiteres Infomaterial schicken.

Gruß, Günter

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Heinrich Glumpler

Re: Misereor Link (von wegen OT)

Beitragvon Heinrich Glumpler » 11. Dezember 2002, 18:51

Hi,

da muss ich dir zustimmen.
Das Problem lässt sich weder auf der großen Skala ("boykottiert China") noch auf der kleinen Skala ("Wer hat meinen Zahnstocher geschnitzt") angehen.

Günter hat ja schon ein bißchen nachgehakt - ich selbst denke, dass man höchstens was auf der "mittleren Schiene" erreicht, indem man sich einen konkreten Fall herauspickt.
Aber wie du schon angedeutet hast - wo soll man anfangen?!

Ich persönlich habe jetzt jedenfalls ein Kriterium mehr, wenn ich nach den günstigsten Preisen für Spielmaterial forsche.

Gruesze
Heinrich

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peer

Re: OT: fair gehandelt

Beitragvon peer » 11. Dezember 2002, 22:18

Hi,
Du weisst nicht was "fair-trade" bedeutet , oder? Ist ja ichts schlimmes, aber anscheinend hast du Vorurteile...
Das Leute ehrenamtlich arbeiten hat schon mal nix mit zu tun. Kommt in diesem Zusammenhang zwar vor, ist aber nicht die Pointe.
Leider (?) vergisst man hierzulande tatsächlich, dass es woanders keine Gewerkschaften gibt, dass woanders Kinderarbeit kein Problem darstellt und das Leute ausbeuten nicht bedeutet, dass die auch mal unbezahlte Überstunden machen müssen. Der Vorteil an solchen Ländern ist, dass man dort viel billiger produzieren kann, weil man sich an nicht Tarife o.ä halten muss.
Natürlich ist es Marktwirtschaft, wenn ich Leuten sage: Entweder ihr verhungert oder ihr arbeitet 15 Stunden am Tag auf meiner Plantage und wenn ihr Glück habt, bekommt ihr dafür genug, um euch ein Mittagessen leisten zu können. So kann ich billig produzieren und mit meinem Kaffee (oder was auch immer) reicher werden als jemand, der Leute so bezahlt, dass die davon auch ihre Kinder und Familien ernähren können und obendrein auch manchmal zu Hause sind.
Doch MEINER Meinung nach (Sorry, Franz-Benno fürs politische Statement ;-) ) sollte man nicht alles von der Marktwirtschaft regeln lassen, sondern noch ein paar Alternativen aufweisen, dass auch Leute aus weniger priviligierten Ländern zumindest eine Chance auf vernünfiges Leben haben (und ja auch ich kann eine Sahnetorte essen, ohne an die hungerden Kinder in Afrika zu denken, nur um diesem Totschlagargument/Vorurteil zuvorzukommen)

So, mit diesem Posting wollte ich niemanden überreden Fair-Trade Produkte zu kaufen (das gelingt mir eh nicht), aber zumindest erklären, was das überhaupt ist und das es keine Grille linker intellektueller Hausbesetzer ist, für die es manche halten...
ciao,
Peer

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Ralf Arnemann
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Beiträge: 2447

Re: Abgrenzung von Diskussionsthemen

Beitragvon Ralf Arnemann » 13. Dezember 2002, 13:48

> Qualität und Preise hängen übrigens auch von Arbeitsbedingungen ab.
Nein wirklich! Diese völlig überraschende Erkenntnis ändert aber nichts daran, daß ein konkreter Bezug zum Forum deswegen noch lange nicht gegeben ist.
Sonst könnten wir auch über Eichels Finanzpolitik oder die Rentenreform diskutieren - denn Steuern und Lohnnebenkosten beeinflussen die Spielepreise noch viel stärker.

Das Ganze ist und bleibt ein billiger Vorwand, um statt über Spiele über Allgemeinpolitik zu diskutieren.

> Wenn du das für dich ausblenden willst, ist das deine Sache.
Nein. Das entspricht den bisher hier üblichen Regeln für dieses Forum. Für "Off-topic" gibt es ein eigenes und speziell gekennzeichnetes Forum.

> Aber du kannst doch nicht von allen anderen verlangen, das Hirn beim Konsumieren auszuschalten.
Danke.
Wenn ich sehe, wie hier in manchen Beiträgen ganz blind gängige Vorurteile wiedergekäut werden, sehe ich das "Hirn-Abschalten" eher woanders.

> Du legst dich ja mächtig ins Zeug dafür, dass wir uns keine
> Gedanken über das Woher der Spiele machen und um die Frage
> fundamentaler Menschenrechte ins Lächerliche zu ziehen.
Jetzt wirds krass.
Ich habe mit minimalen Mitteln (Hinweis ohne weiteren Text) auf die Einhaltung der üblichen Regeln hingewiesen.
Und jetzt bin ich plötzlich jemand, der die fundamentalen Menschenrechte gefährdet.

Ich finde diese Art Moralkeulen-Diskussion lächerlich und ich lasse mich nicht in irgendeine Ecke stellen, weil ich die Wahlwerbung einer grünen Heuchlerin wie im Eingangsbeitrag ablehne.
Vielleicht ziehen es manche Leute vor, ihr Gewissen nicht mit Produkten zu belasten, mit deren Herstellung sich andere Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen. Vielleicht ist es denen lieber, wenn diese Menschen politisch korrekt arbeitslos verhungern, solange sie dann nur selber keine direkte Betroffenheit befürchten müssen.
Ich teile diesen Zynismus nicht.

Wir reden hier über Spiele, und wer den Welthandel nicht versteht, kann sich anderswo schlau machen, anstatt hier irgendwelche Unterstellungen zu posten.

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Günter Cornett

Re: Abgrenzung von Diskussionsthemen

Beitragvon Günter Cornett » 13. Dezember 2002, 16:07

Ralf Arnemann schrieb:
>
> > Qualität und Preise hängen übrigens auch von
> Arbeitsbedingungen ab.
> Nein wirklich! Diese völlig überraschende Erkenntnis ändert
> aber nichts daran, daß ein konkreter Bezug zum Forum deswegen
> noch lange nicht gegeben ist.
> Sonst könnten wir auch über Eichels Finanzpolitik oder die
> Rentenreform diskutieren - denn Steuern und Lohnnebenkosten
> beeinflussen die Spielepreise noch viel stärker.

1. Die konkreten Produktionsbedingungen beeinflussen die Spielepreise ganz spezifisch, unabhängig von allgemeiner Teurung etc.
2. Es gibt Leute, diemöchte einfach keine Spielekaufen, die unter unmenschlichen Produktionsbedingungen hergestellt wurden. Es macht ihnen keinen Spass, einen Pöppel anzufassen, der womöglich in Sklavenarbeit hergestellt wurde.

Um den Spass zu erhalten, gibt es zwei Möglichkeiten:
- Kopf ausschalten, nicht wissen wollen, 3 Affen machen
- sich informieren, um mit anderen Pöppeln zu spielen

Letzteres kann Menschen ganz konkret zu besseren Arbeitsbedingungen verhelfen.

> Das Ganze ist und bleibt ein billiger Vorwand, um statt über
> Spiele über Allgemeinpolitik zu diskutieren.

Wir diskutieren hier nicht ganz allgemein über Produktionsbedingungen in der Dritten Welt sondern manche wollen ganz konkret mehr darüber wissen, wie die Spiele hergestellt werden, mit denen wir spielen. Das ist natürlich sehr politisch, aber allen Leuten,die an diesemThema Interesse bekundet haben, zu unterstellen, das wäre für sie nur ein Vorwand, ist dreist.

> > Du legst dich ja mächtig ins Zeug dafür, dass wir uns keine
> > Gedanken über das Woher der Spiele machen und um die Frage
> > fundamentaler Menschenrechte ins Lächerliche zu ziehen.
> Jetzt wirds krass.
> Ich habe mit minimalen Mitteln (Hinweis ohne weiteren Text)
> auf die Einhaltung der üblichen Regeln hingewiesen.
> Und jetzt bin ich plötzlich jemand, der die fundamentalen
> Menschenrechte gefährdet.

Nicht wegen deinem Hinweis. In Bezug auf die Grünen-Wahlwerbung war der ja auch korrekt - und das hat man dir ja auch schon mehrfach zugestanden - , sondern wegen dem, was du in den nachfolgenden Beiträgen schreibst. Das wurde auch ganz konkret so formuliert. Entweder kannst du nicht lesen, oder dir ist das Verdrehen der Tatsachen sehr wichtig

> Ich finde diese Art Moralkeulen-Diskussion lächerlich und ich

Es wurde hier sehr konkret detailliert. Die große Keule mit dem OT-Denkverbot kommt von dir.

> lasse mich nicht in irgendeine Ecke stellen, weil ich die
> Wahlwerbung einer grünen Heuchlerin wie im Eingangsbeitrag
> ablehne.

KMW: Wo kann man dasGeschlecht einer/s anonymen Posters/in ablesen?

> Vielleicht ziehen es manche Leute vor, ihr Gewissen nicht mit
> Produkten zu belasten, mit deren Herstellung sich andere
> Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen. Vielleicht ist es

Ja,solche Leute gibt es.

> denen lieber, wenn diese Menschen politisch korrekt
> arbeitslos verhungern, solange sie dann nur selber keine
> direkte Betroffenheit befürchten müssen.
> Ich teile diesen Zynismus nicht.

Zynismus ist deine Argumentation.
Es geht nicht um die Frage Arbeislosigkeit oder menschenunwürdige Produktionsbedingungen, sondern darum wie erreicht man menschenwürdige Produktionsbedingungen ? Manche sind bereit dafür, höhere Preise zu zahlen.

> Wir reden hier über Spiele, und wer den Welthandel nicht
> versteht, kann sich anderswo schlau machen, anstatt hier
> irgendwelche Unterstellungen zu posten.

Jo, endlich sind wir mal einer Meinung.

Unterstell den Leuten hier im Forum bitte nicht unlautere Absichten, wenn sie sich über Produktionsbedingungen von Spielen Gedanken machen. Dass die 'fairplay'-Aktion, so wie sie hier bisher angekommen ist, durchaus kritisierenswert ist, steht auf einem anderen Blatt.

Günter


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