Anzeige

Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Roman Pelek

Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roman Pelek » 6. März 2003, 22:28

Hi allerseits,

wir haben heute Abend zu viert zwei Mal das neue Löwenherz gespielt. Da unsere Spielverläufe sehr seltsam waren, würden mich Eure Erfahrungen dazu interessieren. Ich schildere mal kurz den Ablauf, er war in beiden Spielen identisch (nur dass andere Spieler davon betroffen waren):

Zu Anfang gab es Spieler, die nur wenige Grenzenkarten nachzogen und welche die mehr nachzogen. Spieler, die in einem günstigen Eck saßen und viele Grenzen nachzogen, hatten früh ein Gebiet und dazu das entsprechende Einkommen (2+) pro Runde. Danach erweiterten sie nach Möglichkeit ihr Gebiet geschickt (falls Karten vorhanden) bzw. versuchten, sich mit Überläufern vor den anderen zu schützen. Dahingegen dümpelten die anderen Spieler mit wenig Grenzen dahin, und konnten mangels Gebieten/Grenzen primär ihre Ritter setzen oder Karten verkaufen, um Geld zu sammeln. So enstand beides Mal die Situation, dass ein Spieler ein großes, lukratives Gebiet mit 3-4 verchiedenen Minen hatte und dies über das ganze Spiel halten/erweitern (mit 3, 4 Geld pro Runde kaum ein Problem, auch ohne großartige Kartenverkäufe) konnte und dementsprechend letztlich mit >=30 SP gewann. In beiden Partien landete damit ein Spieler bei 0 Punkten (Geld wird bei Erreichen des SP-Limits ja nicht mehr gewertet), und zwar derjenige, der am wenigsten Grenzen zu Beginn setzen konnte - diese Spieler nahmen also über die komplette Spieldauer nicht am Spielgeschehen aktiv teil.

Zusammengefasst gab's also 3 Probleme bei unseren Spielverläufen:

- Ungleich verteiltes Kartenglück bei den Grenzenkarten zu Beginn
- Inflationäres Verhalten des Einkommens ("the rich are getting richer") zugunsten der eh Führenden
- Komplette Inaktivität eines Spielers

Dass das Ganze für die beteiligten Spieler ziemlich unbefriedigend war, kann man sich denken. Deshalb meine Frage: haben wir gleich zwei extreme Ausrutscher in Folge erlebt? War das Kartennachziehen bei uns ungewöhnlich unausgewogen? Erkennt ihr aus der Beschreibung des Spielverlaufs essentielle Fehler bzgl. der Taktik der Spieler oder in der Regelauslegung (haben die Regeln nochmals gelesen...)? Für Meinungen und Erfahrungen hierzu wäre ich sehr dankbar. Denn eigentlich hat uns der Ansatz, das Spiel etwas flüssiger und familientauglicher zu machen, zu Anfang sehr gut gefallen, aber so dürfte es nun eigentlich nicht laufen, oder?

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 6. März 2003, 22:59

Ich hatte beim letzten Siedlerwochenende das Vergnügen, den (bis auf die Gestaltung mit dem endgültigen Spiel identischen) Prototypen mehrmals zu spielen, aber da waren alle (drei) Spiele bis zum Ende spannend. Wenn ich mich recht erinnere, spielten wir jeweils zu viert.

Wenn jemand übermäßig viele Grenzen nachzieht, so wird er sehr bald auch solche verkaufen müssen, die dann ja den anderen Spielern zur Verfügung stehen. Das anfänglich verteilte Geld reicht ja nicht weit. Wenn jemand zu groß wird, werden die anderen schon versuchen, ihn zu bremsen.

Ich kann an Deiner Beschreibung allerdings auch nicht erkennen, daß Ihr irgendetwas falsch gemacht habt.

Vielleicht hattet ihr wirklich eine selten ungünstige Karten-Vertelung zweimal hintereinander. (Vielleicht solltet Ihr es mal mit Mischen probieren? ;-) )

Gruß
Roland (der leider noch kein Exemplar dieses Spieles kaufen konnte, da von Toys über Vedes bis Heidelberger alle Läden im Heidelberger Raum dieses vermissen lassen)

Benutzeravatar
Steffen S.

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Steffen S. » 6. März 2003, 23:18

Hallo Roman,

also ich kann deinen Probleme nachvollziehen, muss allerdings konstatieren, dass sie in dieser Form bei uns nicht zutage trate. Der Spielplan wurde durch setzen der je 3 Burgen (bei ebenfalls 4 Spielern) bereits so eng besetzt, dass eigentlich jeder zwangsläufig günstig für einen anderen mitbaute. Die Burgen wurden zu Beginn regelmäßig zuerst in den Ecken, dann in die mittleren Seitenteile gesetzt. In unserer Runde etablierten sich (je nach Kartenglück, ich möchte lieber neutraler sagen: je nach gezogenen Karten) zwei Grundtaktiken: Bei wenig Mauerkarten schnell ein winziges, oft nur 2 (!!) Felder großes Gebiet gründen und dann stetig aufblasen, oder (dank ausreichender Mauerkarten) ein größeres Gebiet so abstecken, dass kein Gegenspieler Interesse daran haben konnte, irgendwo Mauern "einzuziehen".
In der Summer war keine Taktik per se die bessere: Wer später ein Gebiet schloß, das dafür größer war, hatte meist ähnlich viele Punkte wie der "Schnellschließer" mit Expansionsstrategie.
Das einzige Problem, das auch bei uns auftrat, ist eine gewisse Konzentration auf ein Gebiet, wenn dieses erstmal lukrativ genug ist. Aber wenn die Mitspieler bei uns so etwas sahen, folgte meistens ein "Überläufer" von einem oder gar zwei Mitspielern, und dann wurde konsequent in dieses Gebiet hineinexpandiert. Um das zu verhindern hätte der betreffende Spieler schon mehrfach zur Doppelritter-Karte greifen müssen - aber die kann er nicht einmal mit 4 verschiedenen Minen ohne weiteres bezahlen. Im Extremfall wurde bei uns sogar das lukrative Gebiet eines Spielers komplett durchgesägt, und er musste auf ein (erstmal neu zu ummauerndes) Alternativgebiet ausweichen. Und trotzdem gewann er - vielleicht weil er in diesem Moment nicht mehr angegangen wurde, und vielleicht (und jetzt kommt ein wichtiger Punkt) weil die anderen Spieler sich derart auf Expansionen konzentriert hatten, dass der Geschädigte deren am Machtmarkt verkaufte Mauerkarten ohne Widerstand vereinnahmen konnte.

So war bei uns ähnlich: Nicht alle 3 Burgen wurden bedeutsam, es wurden im Durchschnitt pro Spieler 2 Burgen mit Gebietsmauern umschlossen. Es gab meist ein "Hauptgebiet", das allerdings so starken Übernahmebestrebungen unterlag, dass es irgendwann an Wert verlor. Insgesamt erwies es sich als klug, schnell ein Gebiet zu umschließen (egal wie klein) und zu expandieren, so lange es weitgehend konkurrenzlos ging, und dabei gleichzeitig SO zu expandieren, daß durch die bei der Expansion umpositionierten Mauerstücke automatisch an einem weiteren Umschleißungsgebiet für den Spieler selbst gebaut wurde - das expandieren sozusagen als "Ersatz" für den Mauerbau herangezogen wurde.

Ein Gebiet mit 4 verschiedenen Minen, wie von Dir beschrieben, war bei uns kaum zu bekommen - es hätte entweder so groß sein müssen, dass das Spiel halb rum gewesen wäre, ehe man es erhalten hätte - oder man hätte es durch konsequente Expansion erschlossen. Auch das braucht aber Zeit, und in diesem Fall beherbergte das Gebiet meist zu wenige Ritter, um es gefahrlos gehalten zu können.
Meinem Eindruck nach habt ihr vielleicht zu "brav" gespielt, zu sehr auf eure eigenen Bauvorhaben geachtet, und zu wenig "zerstört" (du weisst sicher, wie ich das meine). In unseren testrunden endete das Spiel in gut der Hälfte der Fälle durch Aufbrauchen des Machtkartenstapels - kein Spieler erreichte die erforderlichen 30 Punkte, in einem Fall lag der beste am Schluss gemeinsam mit dem Zweiten bei 18 Punkten, Platz 3 und 4 lagen vier bzw. fünf Punkte dahinter. Mit massiverer agitation gegen den Führenden sollte euer Problem so nicht auftreten - und ich wage SEHR zu bezweifeln, dass es gleich mehreren Spieler gleichzeitig gelingt (das wäre schon ein drastischer Extremfall, zu dem es auch eine höchst günstige Verteilung der Landschaften bedarf), ein Gebiet mit 4 VERSCHIEDENEN (!) Minen zu umschließen. Dafür ist der Spielplan zu eng mit Burgen und Rittern besetzt, und meist bauen ja auch noch alle gerne in derselben Region, da ja die anderen mit ihren Mauern gezwungenermaßen "helfen".

Gruß,
Steffen (der eher die Versteigerungskomponente in "Löwenherz 2" vermisst, aber durch die kürzere Dauer und einfacheren Regeln jetzt viel leichter Mitspieler für Löwenherz findet)

Benutzeravatar
Roman Pelek

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roman Pelek » 7. März 2003, 01:33

Hi Roland,

Roland G. Hülsmann schrieb:

> Wenn jemand übermäßig viele Grenzen nachzieht, so wird er
> sehr bald auch solche verkaufen müssen, die dann ja den
> anderen Spielern zur Verfügung stehen. Das anfänglich
> verteilte Geld reicht ja nicht weit.

Hm, nach längerer Überlegung: nein, nicht ganz. Das trifft nur zu, wenn Du 3 Grenzkarten hast und es musst. Außerdem sind die Grenzkarten vom Verkaufswert zu niedrig dimensioniert, als dass Du nicht Alternativen hättest, sofern noch andere Karten zur Verfügung stehen. Du kannst sie anderen bewusst vorenthalten, sofern Du in der Position bist.

> Wenn jemand zu groß
> wird, werden die anderen schon versuchen, ihn zu bremsen.

Tja, aber wenn die anderen in Deiner Nähe keine Gebiete zusammenkriegen? Wie sollen sie Dich dann bremsen?

> Ich kann an Deiner Beschreibung allerdings auch nicht
> erkennen, daß Ihr irgendetwas falsch gemacht habt.

Ich hoffe wirklich, dass wir etwas Entscheidendes übersehen haben - darauf will ich hinaus.

> Vielleicht hattet ihr wirklich eine selten ungünstige
> Karten-Vertelung zweimal hintereinander. (Vielleicht solltet
> Ihr es mal mit Mischen probieren? ;-) )

;-) Haben wir, aber vielleicht hatten wir auch "Dreck an den Fingern" :-D Auszuschließen ist es nicht, wie so oft. Zwei Partien sind beileibe nicht repräsentativ. Aber eben deswegen will ich ja Feedback...

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Steffen S.

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Steffen S. » 7. März 2003, 01:44

Halo nochmal!

> Hm, nach längerer Überlegung: nein, nicht ganz. Das trifft
> nur zu, wenn Du 3 Grenzkarten hast und es musst. Außerdem
> sind die Grenzkarten vom Verkaufswert zu niedrig
> dimensioniert, als dass Du nicht Alternativen hättest, sofern
> noch andere Karten zur Verfügung stehen. Du kannst sie
> anderen bewusst vorenthalten, sofern Du in der Position bist.
>
> Tja, aber wenn die anderen in Deiner Nähe keine Gebiete
> zusammenkriegen? Wie sollen sie Dich dann bremsen?
>
Beides gemeinsam bedingt, dass die Kartenverteilung extrem ist, also (fast) ausschließlich Mauerkarten auf einen/wenige Spieler verteilt. In meinem, zu langen, Antwortposting steht die Alternative für Mauerarmut: Die anderen fangen ja irgendwo an mit mauern, da muss man sich ggf. dranhängen und mit einem winzigen Gebiet zufrieden sein (angesprochene 2 Felder!) - wenn man selbiges aber früh genug hat, kann man es durch (noch...) ungestörte Expansion erstmal auf lohnende Größe aufblähen, ehe auch der "Maurer" sein Gebiet schließt und zu erweitern beginnt.

> Ich hoffe wirklich, dass wir etwas Entscheidendes übersehen
> haben - darauf will ich hinaus.
>
Das klingt mir etwas nach, "ich hoffe, sonst ist das Spiel nämlich Murks" - gemach, denn wahrscheinlich hattet ihr wirklich nur extremes Kartenpech gepaart mit der bei jedem üblichen Unerfahrenheit bei den ersten Partien eines Spieles. Hattet ihr Löwenherz(alt)-Erfahrung? Dort klappt die o.g. Taktik mit dem "Minigebiet" nämlich nicht (wegen der Wertung nach Gebietsgröße), auch unsere Runde brauchte 3 Partien, um diese Vorgehensweise als ernstzunehmende (und sogar sehr erfolgreiche) Alternative zu etablieren.
>
> ;-) Haben wir, aber vielleicht hatten wir auch "Dreck an den
> Fingern" :-D Auszuschließen ist es nicht, wie so oft.

Ich nehme es fast an. Ich habe mittlerweile 12 Partien "in den Knochen", und alle waren zumindest die meiste Zeit umkämpft - ich würde sogar sagen, sie wognetn außerordentlich hin und her. Der Rekort ist ein Vorsprung von 19 Punkte, dessen "Besitzer" noch auf dem dritten Platz endete....

Grüße,
Steffen (der beide Löwenherzversionen mag)

Benutzeravatar
Steffen S.

... Tippfehler ...

Beitragvon Steffen S. » 7. März 2003, 01:47

....es soll am Ende heißen "sie WOGTEN außerordentlich hin und her. Und dass man RekorD nicht mit t am Ende schreibt, sollte ich auch um 2 Uhr früh noch wissen...

Legasthenische Grüße,
Steffen

Benutzeravatar
Frodo

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Frodo » 7. März 2003, 02:05

Ich hab das Spiel erst einmal gespielt, dabei im gesamten Spiel aber nur 3 Karten gespielt, durch die ich Grenzen setzten konnte. Hab damit am Anfang ein recht kleines Gebiet (8 Felder) abgeschlossen, in dem aber eine Mine war. Danach hab ich zunächst noch Erweiterungskarten gekriegt, so dass ich in meinem Gebiet schon drei unterschiedliche Minen hatte. Da die anderen Spieler zunächst relativ große Gebiete abschliessen wollten und somit zu diesem Zeitpunkt noch keine lukrativen Gebiete hatten, wähnte ich mich eigentlich schon als sicherer Sieger. Hab allerdings dann keine einzige "Grenzen setzen" Karte mehr in die Finger gekriegt, so dass ich meine anderen Gebiete nur abschliessen konnte, indem ich das erste Gebiete durch Gebietserweiterungen um sie herum ausdehnte. So konnte ich das Spiel zwar offen halten, bin aber am Ende trotz des Kartenpechs Zweiter geworden.

Ich behaupte also, dass man mit einer guten Taktik zumindest halbwegs mithalten kann, auch wenn man viel Pech mit den Karten hat. Wichtig ist es, ein erstes Gebiet schnell abzuschließen, dann ist man nicht mehr so abhängig von den Karten.

Benutzeravatar
Roman Pelek

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roman Pelek » 7. März 2003, 02:06

Hi Steffen,

Steffen S. schrieb:

> In unserer Runde etablierten sich (je nach Kartenglück, ich möchte lieber
> neutraler sagen: je nach gezogenen Karten) zwei
> Grundtaktiken: Bei wenig Mauerkarten schnell ein winziges,
> oft nur 2 (!!) Felder großes Gebiet gründen und dann stetig
> aufblasen,

Ja - nur weiß man das ja nicht vorher. Das war bei uns ein Problem.

> oder (dank ausreichender Mauerkarten) ein größeres
> Gebiet so abstecken, dass kein Gegenspieler Interesse daran
> haben konnte, irgendwo Mauern "einzuziehen".

...und genau so lief's bei uns.

> Das einzige Problem, das auch bei uns auftrat, ist eine
> gewisse Konzentration auf ein Gebiet, wenn dieses erstmal
> lukrativ genug ist. Aber wenn die Mitspieler bei uns so etwas
> sahen, folgte meistens ein "Überläufer" von einem oder gar
> zwei Mitspielern, und dann wurde konsequent in dieses Gebiet
> hineinexpandiert.

Dazu braucht man natürlich ein Gebiet angrenzend. Und genau daran haperte es bei uns.

> Im Extremfall wurde bei uns sogar das
> lukrative Gebiet eines Spielers komplett durchgesägt, und er
> musste auf ein (erstmal neu zu ummauerndes) Alternativgebiet
> ausweichen. Und trotzdem gewann er - vielleicht weil er in
> diesem Moment nicht mehr angegangen wurde, und vielleicht
> (und jetzt kommt ein wichtiger Punkt) weil die anderen
> Spieler sich derart auf Expansionen konzentriert hatten, dass
> der Geschädigte deren am Machtmarkt verkaufte Mauerkarten
> ohne Widerstand vereinnahmen konnte.

Tja, bei uns wurden kaum Mauerkarten verkauft, weil sie grade zu Beginn sehr lukrativ sind und man ihren Nutzen sehr genau kalkulieren kann. Wer früh ein Gebiet hat, bekommt in der Regel früh Einnahmen - warum also Mauerkarten verkaufen?

> Insgesamt erwies es sich
> als klug, schnell ein Gebiet zu umschließen (egal wie klein)
> und zu expandieren, so lange es weitgehend konkurrenzlos
> ging, und dabei gleichzeitig SO zu expandieren, daß durch die
> bei der Expansion umpositionierten Mauerstücke automatisch an
> einem weiteren Umschleißungsgebiet für den Spieler selbst
> gebaut wurde - das expandieren sozusagen als "Ersatz" für den
> Mauerbau herangezogen wurde.

Auch eine Taktik, wobei die in dieselbe Richtung geht wie der Verlauf bei uns: Gebiet haben - Geld kassieren - expandieren.

> Meinem Eindruck nach habt ihr vielleicht zu "brav" gespielt,
> zu sehr auf eure eigenen Bauvorhaben geachtet, und zu wenig
> "zerstört" (du weisst sicher, wie ich das meine). In unseren

Glaube ich nicht, es waren 4 versierte Spieler anwesend, die Löwenherz in der Ursprungsversion schon vorher sehr gut kannten. Eher tendiere ich zur Ansicht, dass die Kartenverteilung extrem war, aber in Kombination mit der Tatsache, dass sich das Spiel gegen den Führenden weniger lohnt als das Verfolgen von Eigeninteressen. Gerade im zweiten Spiel habe ich den Verlauf sehr genau beobachtet, und ich konnte keine elementaren Spielfehler feststellen. Bei mir auch nicht - ich habe schließlich mit Abstand gewonnen ;-)

> Mit massiverer
> agitation gegen den Führenden sollte euer Problem so nicht
> auftreten

Natürlich nicht. Ein Mehrpersonenspiel mag so unausgewogen sein, wie es will - mit massivem Einsatz aller anderen Spieler ist jeder kleinzukriegen. Aber darum geht's ja nicht. Es geht darum, inwiefern es persönlich lohnt, sich gegen den Führenden zu engagieren. Bei uns ging's nach 20 (von 60 Minuten) nur noch um Spiel auf Platz. Und das kann es nicht sein.

- und ich wage SEHR zu bezweifeln, dass es gleich
> mehreren Spieler gleichzeitig gelingt (das wäre schon ein
> drastischer Extremfall, zu dem es auch eine höchst günstige
> Verteilung der Landschaften bedarf), ein Gebiet mit 4
> VERSCHIEDENEN (!) Minen zu umschließen.

Exakt. Da gab's nur einen Spieler - und der hat gewonnen. Er hatte das Geld, um nicht aussetzen zu müssen und notfalls einen Ritter zu rekrutieren oder abzuwerben - je nach Karte. Die anderen gerieten da zu sehr ins Hintertreffen, um etwas ausrichten zu können. Und danach mussten sie aussetzen, um Kräfte zu sammeln. Und im Endeffekt war's - egoistisch betrachtet - lukrativer, Punkte auf die anderen gut zu machen, als gegen den Führenden zu spielen in der vagen Hoffnung, die anderen ziehen mit.

> Dafür ist der
> Spielplan zu eng mit Burgen und Rittern besetzt, und meist
> bauen ja auch noch alle gerne in derselben Region, da ja die
> anderen mit ihren Mauern gezwungenermaßen "helfen".

Aber wenn einer einen Ausweg findet, ein größeres, lukrativeres Gebiet als die andern zu haben, dann mag er wegrennen. Und das war bei uns das Problem.

> Steffen (der eher die Versteigerungskomponente in "Löwenherz
> 2" vermisst, aber durch die kürzere Dauer und einfacheren
> Regeln jetzt viel leichter Mitspieler für Löwenherz findet)

Ich weiß nicht, ob sich das aufwiegt. Die Versteigerungskomponente hat das Spiel quasi von selbst ausbalanciert, wie so oft bei Versteigerungen. Wenn ich von den heutigen Spielverläufen ohne Versteigerung ausgehe, so finde ich dafür natürlich viel einfacher Mitspieler: die Regeln sind simpel, klar strukturiert, die Grafik ist klasse, das Spiel sowie Thema an sich reizt ungemein, die Spieldauer verkürzt sich von 90+ auf gut 60 Minuten. Problem ist nur: die werden nie wieder mitspielen, wenn einer nach 60 Minuten Untätigkeit zu 0 Siegpunkten verdammt ist und einer von Anfang an mit einem lukrativen Gebiet davonrennt. Das bereitet mir Sorgen - und ich finde tendenziell mehr Bestätigungen für diese These als Widerspruch *seufz*

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Roman Pelek

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Roman Pelek » 7. März 2003, 02:35

Hi Steffen,

Steffen S. schrieb:

> > Ich hoffe wirklich, dass wir etwas Entscheidendes übersehen
> > haben - darauf will ich hinaus.
> Das klingt mir etwas nach, "ich hoffe, sonst ist das Spiel
> nämlich Murks"

So war's auch gemeint ;-) Nur so kriegt man auch gehaltvolle, kontroverse Gegenmeinungen :-)

> - gemach, denn wahrscheinlich hattet ihr
> wirklich nur extremes Kartenpech gepaart mit der bei jedem
> üblichen Unerfahrenheit bei den ersten Partien eines Spieles.

Zugestanden. Obwohl eine Sache mich, wie immer, ins Zweifeln bringt: spielt jemand, der nicht so bekloppt ist wie die Szene-Leute, so ein Spiel wirklich ein zweites, drittes Mal, wenn's so läuft? Ich glaube nicht...

> Hattet ihr Löwenherz(alt)-Erfahrung? Dort klappt die o.g.
> Taktik mit dem "Minigebiet" nämlich nicht (wegen der Wertung
> nach Gebietsgröße), auch unsere Runde brauchte 3 Partien, um
> diese Vorgehensweise als ernstzunehmende (und sogar sehr
> erfolgreiche) Alternative zu etablieren.

Jau, wir hatten Alterfahrung, aber so lange her, dass die Abwägung zwischen Alttaktik und Neutaktik ins Gebiet der Esoterik zu verweisen sein mag ;-) Aber der Ansatz, dass man bei Neu-Löwenherz auf Minimalgebiete aus sein muss, ist interessant. Das ist probierenswert. Eins irritiert mich dennoch: ein auf Familienspiel getrimmtes Freak-Spiel muss in gewisser Weise gespielt werden, damit’s nicht aus dem Ruder läuft. Dafür suche ich noch Gegenargumente…

Ich fasse mal kurz persönlich zusammen: Alt-Löwenherz hat sich durch Versteigerung selbst austariert. Neu-Löwenherz ist kürzer, flüssiger, hängt aber mehr vom Kartenglück ab. Dem entgegen mag man gezieltes Spiel gegen den Führenden stellen – aber wie viel Sinn macht das? M. E. keinen. Die Strategie verlagert sich in Richtung schneller Gebietsgründung – aber welche Familie weiß damit umzugehen? Sorry, aber mir behagt das grade nicht, Eure Antworten deuten eher in die Richtung „Wenn man die Fehler kennt, mag man gegensteuern“. Dafür aber braucht man kein neues Löwenherz, das alte ist schon ein exzellentes Freakspiel, das solche Extreme nicht kennt – es sei denn, man spielt wirklich bescheuert. Hm. Schwieriges Thema, schwieriges Spiel. Bin mal gespannt, wie sich die Diskussion weiterentwickelt.

Ciao,
Roman

Benutzeravatar
Steffen S.

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Steffen S. » 7. März 2003, 03:01

Nun muss man die Existenz dieses "Mangels", die ich nicht in Abrede stelle, aber in den Kontext der Wahrscheinlichkeit stellen: Die Karten werden von A nach D sortiert und aufeinandergelegt. Die Spieler ziehen von oben (d.h. aus Teil A) ihre 3 Machtkarten zu Spielbeginn. Unter den Karten in Teil A dominieren die Mauerkarten aber so stark, dass es schon extraordinärem Pech gleichkommt, hier keine zu erwischen (rein mathematisch ist das sogar nur bei einem von vier Spielern möglich, da 5 A-Karten "mauerlos" sind). Und selbst wenn der "worst case" eintreten würde, sollte sich das Problem dadurch kompensieren, daß dann lfast automatisch Mauerkarten nachgezogen werden, oder dass gleich mehrere Spieler (2-3) NUR Mauerteile haben, so dass eben doch zwangsläufig welche auf dem Machtmarkt landen.
Klar, im schlimmsten Fall kann es tatsächlich zum Supergau kommen, dass ein Spieler mit extrem wenigen Mauern agieren muss - dann bleibt nur der Ausweg des Minigebietes. Vergleichende Anm.: Auch ein "Siedler" besitzt z.B. einen worst case - man könnte, rein theoretisch, durch Würfeln fast überhaupt keine Rohstoffe bekommen (was auch duch das Handeln nicht zu kompensieren wäre) Auch dort ist dieser Fall existent, aber so selten, dass ich es dem Spiel nicht vorwerfen kann und will.
Die Frage ist also, ob man das Spiel abwerten will, wenn die Wahrscheinlichkeit des "worst case" derart gering ist. Ich halte es schon für bedenkenswert, dass es bei uns in immerhin 12 Runden nie eintrat. Es trat sehr wohl ein, dass Spieler eindeutig MEHR Mauern hatten als andere - aber dass man früh ein (je nach Karten mehr oder weniger) kleines Gebiet erschließen sollte, um dem Schicksal nicht so ausgeliefert zu sein, gehört zur inneren Logik des Spiels, die zu erkennen Teil eines jeden Spiels mit strategischen Zügen ist - und sei es noch so sehr "Familienspiel". Familienspiel ist m.E. zudem ein Etikett ist, das ich dem neuen Löwenherz nicht uneingeschränkt aufdrücken würde. SO simpel ist es dann auch nicht!
Ganz klar: Das neue ist irgendwo "Löwenherz light", aber ein TAKTISCHES Spiel bleibt es nach wie vor, und als solches erfordert es gewisse Planung, und gewisses "Gespür" für erfolgreiche Ansätze in der Spielweise.

Fazit: Das Spiel kann kollabieren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es "rockt" :D ist so erdrückend höher, dass ich den Kollabierungsfall als fast schon logische Konsequenz eines Spiels einordnen möchte, das eben einen Glücksfaktor beinhaltet (s. Siedler).

Gruß,
Steffen (der am Wochenede schon wieder Löwenherz spielt)

Benutzeravatar
Steffen S.

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Steffen S. » 7. März 2003, 03:25

Hallo Frodo,

interessant, ein Spiegelbild meiner letzten Partie... nur mein Ausgangsgebiet war noch kleiner, und ich bekam zu Beginn gar keine Mauerkarte, zog aber wenigstens eine doppelte, so dass ich durch die Bausweise meiner Mitspieler wenistens ein 3er-Gebiet umschließen konnte. Dann hieß es schnell expandieren, und zwar durchaus bewusst um meine zweite Burg herum. Ich wurde auch Zweiter (bei mir fehlte nur 1 Punkt, grrr...), aber staunte nicht schlecht, dass ich trotz meiner fast nicht vorhandenen Mauerkarten so um den Sieg mitspielen konnte. Die Runde von Roman hatte wohl dasselbe Pech in der Kartenverteilung, aber vielleicht wurde das Reagieren inform eines frühen Schließens eines kleinen Gebietes verpasst. Das verbuche ich aber unter "Erfahrungen sammeln" - den Fehler macht man nur einmal, und in der nächsten Runde nimmt man dann üble Rache :D :D

Expandierte Grüße,
Steffen

Benutzeravatar
Franz-Benno Delonge
Kennerspieler
Beiträge: 277

Re: Neues Löwenherz: Eure Erfahrungen?

Beitragvon Franz-Benno Delonge » 7. März 2003, 18:47

Hallo Roman,
ich habs jetzt zweimal gespielt. Beide Spiele waren spannend und ausgeglichen. Rein subjektiv gefällt mir das Spiel insgesamt besser als die alte Version. Das liegt aber nur zum Teil an den schlankeren Regeln; vor allem finde ich das Design jetzt schöner und übersichtlicher. Allein dadurch verdoppelt sich bei mir das Spielvergnügen.
Schönen Gruß
Benno

Benutzeravatar
Roman Pelek

Herzlichen Dank fürs Feedback!

Beitragvon Roman Pelek » 8. März 2003, 09:52

Hi Benno & die anderen,

erstmal herzlichen Dank für Eure Erfahrungen!

Franz-Benno Delonge schrieb:

> ich habs jetzt zweimal gespielt. Beide Spiele waren spannend
> und ausgeglichen. Rein subjektiv gefällt mir das Spiel
> insgesamt besser als die alte Version. Das liegt aber nur zum
> Teil an den schlankeren Regeln; vor allem finde ich das
> Design jetzt schöner und übersichtlicher. Allein dadurch
> verdoppelt sich bei mir das Spielvergnügen.

Ich finde es auch sehr ansprechend gestaltet, mir persönlich gefällts in dieser Hinsicht auch deutlich besser als die alte Version. Es ist zwar etwas bunter, aber die Übersicht ist dennoch gegeben. Außerdem tut der Plan in dieser Version endlich, was er soll: nämlich plan liegen, was ganz angenehm ist ;-) Ich werd's nach Eurem Feedback mal einer "unverbrauchten" Runde auftischen und mal schauen, was passiert :-)

Ciao,
Roman


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 56 Gäste