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Spiele in der Literatur

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Norbert Heimbeck

Spiele in der Literatur

Beitragvon Norbert Heimbeck » 3. April 2003, 15:17

An alle Spiele-Experten:

Kennt Ihr Bücher, Erzählungen etc., in denen Spiele wichtig sind? Klar, Stefan Zweigs "Schachnovelle" fällt mir ein. Und ein Film mit Christopher Lambert als Schachspieler (könnte "Knight Moves" oder so ähnlich heißen). Bei "Harry Potter" kommt auch wieder eine Schach-Variante vor - ist Schach das einzige Spiel, das literarische Ehren bekommt?

Hintergrund der Frage: Kürzlich ist mir beim Aufräumen der Räuberhöhle meines Sohnes das Büchlein "Die drei ??? Geisterstadt" von A. Hitchcock in die Hände gefallen. Wie's so geht, habe ich reingeblättert und mich festgelesen. Darin wird ein Spiele-Erfinder, der mit Brettspielen viele Millionen gemacht hat, entführt. Entwürfe eines neuen Spieles bringen die Detektive schließlich auf die Lösugn des Falles.

Hoffe auf belesene Antworten!

Norbert
(der deutlich mehr Bücher als Spiele besitzt, aber über beide Sammlungen keinen Überblick mehr hat)

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Kathrin Nos
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RE: Spiele in der Literatur

Beitragvon Kathrin Nos » 3. April 2003, 15:45

Hallo,

"Norbert Heimbeck" hat am 03.04.2003 geschrieben:
> Kennt Ihr Bücher, Erzählungen etc., in denen Spiele wichtig
> sind? Klar, Stefan Zweigs "Schachnovelle" fällt mir ein.
> Und ein Film mit Christopher Lambert als Schachspieler
> (könnte "Knight Moves" oder so ähnlich heißen). Bei "Harry
> Potter" kommt auch wieder eine Schach-Variante vor - ist
> Schach das einzige Spiel, das literarische Ehren bekommt?

Ich habe mal gelesen:
Rub al- Khali. Leeres Viertel. Invention über das Spiel.
von Michael Roes
(ohne Werbung machen zu wollen, aber falls jemanden die ISBN oder so interessiert, hier ein Link zu einem Bücherversender: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3821806397/ref%3Ded%5Flf%5F/028-3921402-4652536 )

Dort geht es um einen Forscher, der in der Gegenwart im Jemen unterwegs ist, und dort beschreibt, was und wie die Leute spielen. Eingeflochten sind Reise-Beschreibungen eines Forschers aus dem 18. Jahrhundert.

Alles Gute wünscht
Kathrin.
Spielerin, früher auch Rezensentin

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Bernd

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Bernd » 3. April 2003, 15:51

Hallo Norbert,

ich bin gerade mal im Geiste mein Bücherregal "durchgegangen" und habe dabei festgestellt, dass auch ich da längst den Überblick verloren habe.
Gefunden habe ich aber trotzdem...

1. "Der Spieler" von Dostojewski

2. In einer seiner Dupin-Geschichten lässt Poe seinen Detektiv über das Damespiel philosophieren.

Bernd

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Udo Bartsch
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RE: Spiele in der Literatur

Beitragvon Udo Bartsch » 3. April 2003, 16:15

Mal was Moderneres:
Die Hauptfigur in "Amor kam in Leinenschuhen" von Doris Meißner-Johannknecht muss immer "Café International" spielen und hasst es, weil sie dauernd verliert.
Benjamin v. Stuckrad-Barre "siedelt" in seinem Buch "Livealbum" (aber das ist kein fiktionaler Text).
Diese Spiele kommen also auch zu literarischen Ehren. Ich will allerdings nicht behaupten, dass sie in den jeweiligen Büchern sonderlich "wichtig" (deine Urspungsfrage) sind.

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Tanja Schroedel

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Tanja Schroedel » 3. April 2003, 17:25

Mir fällt da noch eins mit Schach ein:

Das Montgliane-Spiel (oder so ähnlich, habe es gerade nicht griffbereit...).

Hier geht es um ein Geheimnis, das in einem Schachbrett und den zughörigen Figuren steckt.
Die Figuren müssen erst einmal gefunden werden, dabei gibt es Gegenspieler... Bei der Suche stellt sich heraus, dass die Hauptpersonen auch nur Figuren in einem Schachspiel sind.

Zwar nicht ganz Deiner Frage entsprechend, aber vielleicht auch interessant:

Spiele (insbesondere Schach) finden teilweise auch in Hörspielen Beachtung.
Verweisen kann ich hier auf:
??? - Master of Chess (ist wirklich herrlich, das aber nur am Rande...),

eine Folge der John-Sinclair-Hörspielreihe: Schach mit dem Dämon.

Viele Grüße, Tanja

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Jan Ostmann

RE: Spiele in der Literatur

Beitragvon Jan Ostmann » 3. April 2003, 18:00

Hallo Norbert,

da kann ich auch noch zwei Titel beisteuern:

1. Shan Sa - Die Go-Spielerin (Piper Verlag; Geb.)

Zentrales Spiel in dieser Geschichte: Go

Ausführliche Beschreibung bei Amazon:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3492044425/qid%3D1049385217/302-2905616-1700828

2. Antoine Bello - Lobrede auf das fehlende Teil (Rowohlt TB)

Ein Roman über Puzzle und zugleich ein Puzzle (im übertragenen Sinne, also ein Rätsel) in Buchform

Ausführliche Beschreibung bei Amzazon:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499232103/qid=1049385340/sr=1-2/ref=sr_1_2_2/302-2905616-1700828

3. Emse Lammers - Lang lebe die Königin (Freies Geistesleben)

Ein Kinderbuch zum Thema Schach, bei dem in Form einer unterhaltsamen Geschichte die Schachregeln vermittelt werden.

Auch hier Amazon:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/377251796X/qid%3D1049385500/302-2905616-1700828

Viel Spaß beim Lesen!

Jan

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Ralf Arnemann
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Beiträge: 2447

Schach, D&D, Bridge

Beitragvon Ralf Arnemann » 3. April 2003, 18:03

Irgendwo im Bücherschrank habe ich noch "Schach mit Sherlock Holmes".
Lauter nette Schachrätsel mit kleinem Detektivhintergrund.
Schach scheint tatsächlich das am meisten literarisch verwendete Spiel zu sein.

Martha Grimes benutzt "Dungeons & Dragons" recht zentral in einem Jury-Krimi (müßte "Anodyne Necklace" sein). Da zeichnet das Mordopfer eine Dungeonkarte, auf der der Londoner U-Bahnplan auftaucht und dort ist dann ein gestohlenes Schmuchstück versteckt.
Spaßig ist, wie die Autorin die Sache nur halb verstanden hat. Bei ihr haben auch die Dungeon Master Stufen, und der Inspektor kann sich in Spielerkreisen mit einem erfundenen Grad höchster Stufe riesigen Respekt verschaffen.

Bei Agatha Christie kommt in mehreren Krimis Bridge vor. In einem (Name fällt mir nicht ein, ist mit Hercule Poirot) spielt eine Bridge-Runde die zentrale Rolle, die Aufzeichnungen über den Verlauf der Partien geben den Schlüssel zur Mordaufklärung.

Und dann habe ich noch vage Erinnerungen an diverse Fantasy- oder SF-Romane, in denen (meist fiktive) Spiele zur Kolorierung des Hintergrunds benutzt werden.

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Marten Holst

RE: Spiele in der Literatur

Beitragvon Marten Holst » 3. April 2003, 18:42

Moinle,

es gibt noch ein Buch "Lobrede auf das fehlende Teil" (klassischer Zusatz: "oder so ähnlich"), in dem es um den Mord im Umfeld der Schnellpuzzleweltmeisterschaften geht...

Nicht fehlende Grüße
Marten (ein Teil)

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Claudia Hülsmann
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Beiträge: 236

Re: Schach, D&D, Bridge

Beitragvon Claudia Hülsmann » 3. April 2003, 18:47

Hallo Norbert

Mir fällt da ganz spontan Jumanji ein.. ja ich weiss ist auch ein Film aber so viel ich weiß nach einer Buchvorlage...bestimmt auch als Buch zum Film :smile:...aber sonst ich werde noch mal mein Bücherregal entlanggehen und gucken ...vielleicht fällt mir noch was ein.

suchende Grüße Claudia

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Marten Holst

RE: Spiele in der Literatur

Beitragvon Marten Holst » 3. April 2003, 18:49

Moinle,

> es gibt noch ein Buch "Lobrede auf das fehlende Teil"
> (klassischer Zusatz: "oder so ähnlich"), in dem es um den
> Mord im Umfeld der Schnellpuzzleweltmeisterschaften geht...

da hatte man den Rechner mal kurz vom Netz, vergisst vorher seine Meinung zu postieren, und schon kommt irgend so ein Jan und nimmt einem die Idee weg... sorry.

Verspätete Grüße
Marten (geht jetzt)

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fritz gruber / Kosmos

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon fritz gruber / Kosmos » 3. April 2003, 19:08

Ja und da wäre dann noch Lord Peter Whimsey, den Dorothee Sayers in ihren Krimis immer wieder mal gerne eine Partie Whist spielen lässt.

Unn unner unnera frängischen Audoren wärds doch hoffendli aan geem, der wo irchendjemand amol an zimbfdichn Schooofkobbf dreschen lässd.

Griese

Fritz Gruber

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Jan Ostmann

RE: Spiele in der Literatur

Beitragvon Jan Ostmann » 3. April 2003, 19:09


>> es gibt noch ein Buch "Lobrede auf das fehlende Teil"
>> (klassischer Zusatz: "oder so ähnlich"), in dem es um den
>> Mord im Umfeld der Schnellpuzzleweltmeisterschaften geht...
>
> da hatte man den Rechner mal kurz vom Netz, vergisst vorher
> seine Meinung zu postieren, und schon kommt irgend so ein
> Jan und nimmt einem die Idee weg... sorry.


Hi Marten,

das macht doch nix - jetzt haben wir halt eine "Lobrede auf das doppelte Teil"

:-)

Gruß von irgendeinem Jan

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peer

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon peer » 3. April 2003, 19:11

Hi,
D & D wird in "Das Tor zu einer anderen Welt" von Zimmer-Bradley öfter erwähnt.
In der "Die Welt des Meisters" - Reihe von Joel Rosenberg verschlägt es eine Rollenspielgruppe in die Fantasywelt, in der die spielen (ist leider nur im ersten band wirklich relevant)
Die Traumparkromane von David Niven beschäftigen sich mit einer Fortsetzung von Rollenspielen.

In den Hornblower-Bücher von Forrester spielt der Titelheld öfter den Bridge-Vorgänger Whist.

Und als Film: In "A beatiful mind" wird der Hauptdarsteller beim Go vernichtend geschlagen...

ciao
Peer

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Norbert Heimbeck

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Norbert Heimbeck » 3. April 2003, 19:12

Hallo Bernd,

>1. "Der Spieler" von Dostojewski

Oje, da bekenne ich mich schuldig, aber mit den Werken dieses Herrn kann ich einfach nichts anfangen ...


> 2. In einer seiner Dupin-Geschichten lässt Poe seinen
> Detektiv über das Damespiel philosophieren.


Stimmt, habe ich auch irgendwo im Regal. Das bringt mich darauf, dass ich meine (angefangene) Bücher-Datenbank vielleicht noch um ein Feld pro Datensatz erweitern sollte ... aber ich krieg' ja nicht mal alle Neuzugänge eingetragen :-(

Danke und tschüss
Norbert

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Norbert Heimbeck

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Norbert Heimbeck » 3. April 2003, 19:23

Hallo nach Mittelfranken!

> Unn unner unnera frängischen Audoren wärds doch hoffendli aan
> geem, der wo irchendjemand amol an zimbfdichn Schooofkobbf
> dreschen lässd.


In mei'm Medjeh sinn solche Deggsde ned gfrocht, ober wenn Kosmos amol a solchs Spiel rausbringert, tät' ich glatt a Rezension drüber schreim tun ...


Tschauii (wie wir mondänen Oberfranken zu sagen pflegen)

Norbert H.
(der seit kurzem einen hier postenden Spielautoren kennt, der vor laaanger Zeit in einem Kaff in Oberfranken geboren wurde)

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Ralf Arnemann
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Noch mal Schach und diverses

Beitragvon Ralf Arnemann » 3. April 2003, 20:28

Ein bißchen Stöbern in den diversen Bücherschränken (man wird es nicht glauben, aber die sind immer noch zahlreicher als die Spieleregale ;-) hat noch ein paar Kleinigkeiten zu Tage gefördert.

Wobei Schach wohl wirklich das häufigste Spiel ist.
John Brunner verwendet es als zentrales Motiv in "Die Plätze der Stadt".
Bei Jack Vance kam es mal nebenbei vor - ich finde bloß den richtigen Band nicht.
Dann ganz klassisch: Vladimir Nabokov und "Lushins Verteidigung" (Lolita-Fans seien gewarnt - es geht wirklich nur um Schach und gar nicht um Sex).
Stefan Zweigs "Die Schachnovelle" wurde weiter oben wohl schon genannt.
Ich erinnere mich dunkel, auch mal eine Kurzgeschichte von Patrick Süskind mit einer Schachpartie gelesen zu haben, weiß aber den Titel nicht mehr.

Man kann natürlich den Literaturbegriff etwas weiter fassen und auch Comics gelten lassen.
Dann gibt es bei "Isnogud" von Tabary/Goscinni eine sehr schöne Schachpartie mit lebenden Figuren.

Und ganz im Mittelpunkt stehen (Glücks-)Spiele in einem Band der "Vagabunden der Unendlichkeit" von Ribera/Godard - da dreht sich alles um den Glücksspielplanet des Croupier-Präsidenten Ze-Winner.

Man könnte auch die Legionäre anführen, die sich in diversen "Asterix"-Bänden von Uderzo/Goscinny mit Würfelspielen die Zeit vertreiben.

Wobei Würfel- oder simple Kartenspiele natürlich schnell mal im Hintergrund vorkommen, bei Falstaff, der Mutter Courage oder dem braven Soldaten Schweik.

Als Darmstädter muß ich da auch das hiesige Nationalepos "Der Datterich" von Ernst Elias Niebergall lobend erwähnen.
Die Zitate bringe ich gleich getrennt.

Für die Engländer der Nelsonzeit war dann Whist angesagt, das findet man bei fast allen Seefahrerromanen mit diesem Hintergrund. Angefangen von Forresters Urbild Hornblower über Alexander Kents Bolitho und Dudley Popes Ramage bis zum Höhepunkt des Genres, Patrick O'Brians Aubrey - überall wird Whist gespielt, und zwar um zum Teil erhebliche Summen.

Später kommt dann Bridge, wie schon oben erwähnt öfters bei Agatha Christie. Der erwähnte Poirot-Roman heißt dann auch folgerichtig: "Cards on the table".

Fazit aber: "Richtige" Brettspiele der bei uns diskutierten Art scheinen in der Literatur (noch) keine Rolle zu spielen.

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Ralf Arnemann
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Nachtrag für Sprachkundige

Beitragvon Ralf Arnemann » 3. April 2003, 20:35

Wie versprochen noch die berühmte Kartenspielszene aus dem "Datterich", gleich am Anfang. Den letzten hier zitierten Satz werden viele von uns kennen ;-)



Erstes Bild - Erste Szene
Morgens. Wirtsstube. Datterich, Knerz, Bennelbächer und Spirwes spielen im Vordergrund Solo. Lisette ist im Hintergrund mit Aufräumen etc. beschäftigt.

Datterich: (resigniert) Mer sinn geschwolle, Freindche.

Bennelbächer: Ich kumm heit uf kahn grihne Ast. Wann Sie die Spitz zu dritt gehatt hette -

Datterich: Ja, wann is kah Keeskorb.

Spirwes: Geld will ich sähe, meine Herrn. Des leer Stroh dräsche duschur bin ich dick.
(Zu Datterich.) Von Ihne krie ich jetz zwelf Kreizer, soviel mache grood mei zwah halwe Schoppe.

Datterich: Glei, Freindche. – Lisettche!

Lisette: Was steht zu Dienste?

Datterich: Kenne-Se mer en breißische Dahler wächsele?

Lisette: Warum dann net?

Datterich: Schee von Ihne. Des wollt ich nor wisse – gehn-Se nor widder; – ich wollt nor emol Ihne ihrn gute Wille sähe.

Lisette: (kehrt ihm ärgerlich den Rücken, für sich). Der Siwwesortelumb braucht ahm aach noch zu foppe!

Spirwes: Ich kann Ihne aach wächsele, gäwwe-Se nor her.

Datterich: Losse-Se nor, die muß als e Bisje geuhzt wern. (Er rasselt in der Tasche.)

Knerz (zu Bennelbächer). Wos Schlissel!

Datterich (zu Spirwes). Valihrn Se nor die Fiduz net: Sie krijje hernach Ihne ihr Geld.
Awwer jetz: kabutt odder en Ranze! Solo!

Bennelbächer: Wie schreibt er sich?

Datterich: Schippebihk!

Spirwes: Der wackelt aach.

Datterich: E Eselsohr wackelt aach, will ich Ihne sage, un browirn Se's emal und roppe Se sich's aus.
Eraus mit de wilde Katze!

Knerz. Was spielt mer dann do am Beste?

Datterich: Nor eraus! E Katt odder e Scheit Holz! Komme Se, wie Se wolle!

Knerz. Kreiz Aß!

Datterich: Des hat kahn Vadda. Un jetz! Gewwe Se Owacht, meine Herrn! Von oben herab, sprach Bonabatt! Drumb, Drumb, Drumb! un do is noch e ganzer Hut voll Drimb! Ganjeh! Vier Madador un die Bremjeh! Geriwwelt! Drei Batze à Person! Kitt, Herr Spirwes! Lisettche, noch e halb Scheppche!

Spirwes: Sie howwe aach mehr Glick, als –

Datterich: No? als –?

Spirwes: Als wie gewehnlich.

Bennelbächer (sieht auf die Uhr). Glei zwelf nooch dem Glockespiel. Die Frah werd mi'm Esse worde: es ist Zeit, daß mer in de Schoos seiner Famillje zurickkehrt.

Datterich: Bleiwe Se da un esse Se im Werthshaus, do werd Ihne ihr Dahl in der Haushaltung gespart. Herzsolo!

Knerz (will aufstehen). Ich glaab, ich bin äwe geruffe worn.

Datterich: Bleiwe Se nor, Ihne ihr Gägewatt is hier nothwenniger. Da gucke Se her – ich will-en auflehje – siwwe Drimb, meine Herrn, riwwele-Se gefelligst – vier Knepp à Person. Lisettche, e halb Portion kalde Hammelsbrade un noch e halb Scheppche! – hier lijje achtzeh Kreizer.

Bennelbächer: Sie kenne nix Besseres duh, als spiele; Sie vadiene sich Ihne ihr Läbsucht.

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Ralf Arnemann
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Rüge an Gustav den Bären

Beitragvon Ralf Arnemann » 3. April 2003, 20:39

Eines bleibt ja noch zu sagen: Da gibt es zwei Bücher, in denen KEINE Spiele vorkommen.

Und zwar Gustavs ansonsten sehr empfehlenswerte Mittelalter-Romane "Die Burg der Alchimisten" und "Die Nacht des Kalifen" (beide Bastei/Lübbe für die wenigen hier, die diese noch nicht im Schrank haben sollten).

Und wenn noch nicht einmal eine solche Säule der Spielerszene die Chance genutzt hat - dann werden wir wohl noch lange vergeblich auf den großen "Puerto-Rico"-Roman warten müssen ;-)

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Birgit Janka

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Birgit Janka » 3. April 2003, 20:42

Hallo,
auch von mir noch ein Beitrag zum Thema "Spiel in der Literatur".
Bei Piper ist ein Buch erschienen, das LUST AM SPIELEN (Hrsg. Linda Walz und Gerhard Seidl, Piper Serie 3493; 8,90 Euro) heißt. Amazon schreibt dazu folgendes:

"Spielen ist Leidenschaft, Spielen befreit den Menschen von seinen Zwängen und eröffnet ihm ganz neue Realitäten. Der Mensch ist ein homo ludens, er spielt Klavier, Schach, Fußball oder Lotto. Berühmte Autoren aus aller Welt von der Antike bis heute erzählen von der Freude und Freiheit, die ein Spiel bereiten kann, aber auch von der Qual, wenn das Spiel zur Obsession wird: Alexander Puschkin, Fjodor M. Dostojewskij, Stefan Zweig, Michael Roes, Helmut Krausser, Carl-Johan Vallgren, Manuel Vazquez Montalban, Carna Zacharias und viele andere."

Hier sind also Ausschnitte aus "spielrelevanten" Szenen in verschiedensten literarischen Werken gesammelt. Ich hab's selbst noch nicht gelesen, es macht aber einen guten Eindruck.

Viel Spaß beim Schmökern,
Birgit

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Hans-Joachim Müller

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Hans-Joachim Müller » 3. April 2003, 21:58

Hallo,
und was ist mit Hermann Hesses " Das Glasperlenspiel"? Siehe Sid Sacksons "Spiele anders als andere" Seite 191.

Gruß
HJM

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Gregor Breckle
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Beiträge: 648

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon Gregor Breckle » 3. April 2003, 22:07

Hallo,

wohl nicht das, was Du meinst, aber es gab (gibt, wird geben) auch Spiele in Bücherform wie z.B. der "Hexenmeister vom flammenden Berg" von Ian Livingston, ein Solorollenspiel-Abenteuer, bei dem es auch noch mindestens eine Fortsetung gab, deren Titel ich aber gerade nicht herausfinden kann, da diese bei meinen Eltern in einer Kiste verpackt auf der Bühne stehen. *tief Luft hol*
Alles andere ("Das Montglane-Spiel") wurde schon genannt.

Viele Grüße

Gregor Breckle

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indigoküper

Re: Spiele in der Literatur

Beitragvon indigoküper » 3. April 2003, 23:09

Hallo!

Mir fällt da jetzt spontan "Watten" von Thomas Bernhard ein. Der Titel des Romans ist ein Kartenspiel, das hauptsächlich wohl im süddt., & österr. Raum gespielt wird.

Ich habe es mir im Urlaub 'mal beibringen lassen - es ist so einfach, dass wahrscheinlich selbst nach etlichen Bieren das Regelwerk noch von allen Anwesenden beherrscht werden kann.

Ich erinnere mich aber grob daran, dass der Protagonist in Bernhards Roman ständig wiederholt, dass er eben nicht mehr zum Watten spielen gehen wolle. Ansonsten handelt es sich halt um einem "typischen Bernhard", bei dessen Lektüre zumindest ich sehr viel lachen konnte.

Vielleicht fallen mir später noch Titel ein...?

Viele Grüße vom indigoküper

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Gustav der Bär

Schuldbekenntnis und tätige Reue

Beitragvon Gustav der Bär » 3. April 2003, 23:40

Ich gestehe: In meinen Romanen kommen tatsächlich keine Spiele vor.

In der ersten Fassung der "Burg der Alchimisten", die noch in der dritten Person erzählt wurde und drei parallel erzählte Handlungsstränge erst am Schluss bei der Belagerung der Schönburg zusammenführte, gab es allerdings noch eine kurze Sequenz mit einem Pinke-Spiel mit gezinkten Würfeln im Landsknechtslager - aber die ist dann im Zuge der Umarbeitungen spurlos verschwunden.

Jetzt verbüße ich meine Strafe im sozialen Dienst und trage noch ein paar Bücher bei, in denen gespielt wird (allerdings auch nur das in Büchern "übliche"):

S.S.van Dine: Der Mordfall Bischof (The Bishop Murder Case), DuMont´s Kriminal-Bibliothek 1987, ISBN 3-7701-1907-X
Der "Bischof" im Titel ist eine alternative Bezeichnung für die "Dame" beim Schach. Der Mordfall, den van Dines Serien-Detektiv Philo Vance hier zu lösen hat, spielt unter Schachspielern, die alle etwas behuscht und gaga sind. Das Mordopfer hatte angeblich eine unschlagbare Schach-Eröffnung entwickelt und die Zeugen und Verdächtigen sind alle viel mehr daran interessiert, heraus zu bekommen, ob die Eröffnung wirklich funktioniert wie erwartet, als an der Entlarvung des Täters. Ich fand die Geschichte recht langweilig.

Harry Harrison: Die Todeswelt (Deathworld), Heyne-SF-Taschenbuch 3067 (ist, glaub´ ich, irgendwann in den 70er Jahren erschienen)
Im ersten Band der Todeswelt-Trilogie lernen wir den Helden Jason dinAlt als erfolgreichen professionellen Falschspieler kennen, wie er grade versucht, seine Haut vor einigen ebenfalls professionellen Schlägern zu retten. DinAlt betrügt mit Hilfe seiner PSI-Fähigkeiten und rettet sich, in dem er sich von der Verwaltung eines abgelegenen Kolonial-Planeten für einen Spezialauftrag rekrutieren lässt - die weitere Handlung hat dann mit Spiel nichts mehr zu tun, ist aber der spannende Auftakt zu einer Action-reichen Abenteuerserie.

Dann wäre noch zu erwähnen, dass Kapitän Horatio Hornblower, dessen Leben und Abenteuer zur Napoleonischen Zeit C. S. Forester in zehn Bänden erzählt, sich einige Zeit, in der er ohne Kommando und Einkommen ist, recht gut "über Wasser hält", in dem er in Clubs um Geld Whist spielt.

Und "Cincinnati Kid", der spannende Poker-Thriller von Norman Jewison, basiert auf einem Roman von Richard Jessup (den ich allerdings nicht gelesen habe).

Darf ich mit mildernden Umständen rechnen?

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Tobias / Glomeor

Re: Spiele in der Literatur - Schopenhauer

Beitragvon Tobias / Glomeor » 4. April 2003, 00:59

Jetzt will ich mal etwas mit Bildung protzen.

Der gute alte Schopenhauer lässt sich in seinen Aphorismen zur Lebensweisheit gelegentlich über die Kartenspieler aus.
Wer seinen Geist zu betäuben sucht und zu faul ist zum Denken, der wird sich alsbald dem Kartenspielen widmen, denn dort könne er sich in einer schnöden kleinen Regelwelt zurechtfinden ohne sich der wirklichen Welt zu stellen.
So weit ich mich weiter richtig erinnere ist für Schopenhauer das Kartenspielen die niederste Form von Beschäftigung in der Freizeit, denn sie schaffe in den meisten Fällen Betäubung ohne Erholung.

Tobias (spielt gern mit Karten)

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Stefanie Kethers

Re: Spiele in der Literatur - Go - Robert van Gulik

Beitragvon Stefanie Kethers » 4. April 2003, 01:12

In Robert van Gulik's "The Chinese Lake Murders" spielt
ein Go-Problem eine tragende Rolle ;-)

Cheers,
Stefanie


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