Beitragvon Günter Cornett » 16. Mai 2003, 17:59
Knut schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
> > Also nur, weil man ein Spiel [i]bestellt[/i] auf dem ein
> > Hakenkreuz drauf ist, wird ein Verfahren wegen
> > [i]Verbreitung[/i] nationalsozialistischen Gedankenguts
> > eröffnet - also das kann ich mir bei unseren Behörden eher
> > nicht vorstellen.
>
> Ja, es gibt Dinge, die kannst Du Dir offenbar wirklich nicht
> vorstellen. Ich hatte Ende der 70er Jahre das Spiel "Escape
> from Colditz" geordert - nicht wissend, dass ein dickes
> Hakenkreuz auf der Schachtel abgebildet war. In den folgenden
> Wochen wurde unser Haus fotografiert und observiert, mehr
> passierte glücklicherweise nicht. (Nein, ich leide NICHT
> unter Verfolgungswahn).
Bist du sicher, dass beides miteinander zusammenhängt ?
Ich weiss sehr gut, dass Behörden überzogen und offen rechtswidrig handeln und dann nicht mehr davon abzubringen sind, Fehler (oder Schikanen) einzugestehen.
Die Schilderung von Ernst enthält zum einen den Widerspruch, dass der Betreffende wegen Verbreitung(!) angeklagt wurde, obwohl er nur ein Spiel bestellt hatte. Rauschgift-Konsumenten werden normalerweise auch nicht wegen Dealerei anngeklagt, wenn sie lediglich den Joint in der Hand halten und sonst nichts.
Zum anderen berichtet er von einem Freund, der Spiele mit Hakenkreuz als Händler kauft. Sorry, da habe ich kein Mitleid wenn er wegen §86 belangt wird.
Wenn jemand ein Spiel mit Hakenkreuz privat kauft und sich schicken lässt, ist das zwar seine Sache, aber selbstverständlich muss er damit rechnen, dass es beschlagnahmt wird. Denn in diesem Fall ist zwar nicht der Kauf aber der Verkauf an ihn strafbar.
Ich finde es richtig, dass das öffentliche Zeigen und Verbreiten von Hakenkreuzen hierzulande verboten ist. Ich habe auch kein Verständnis dafür, wenn dieses Verbot mit den Verbrechen der Nazis gleichgesetzt wird.
Ich bin entschieden gegen eine solche Verharmlosung des Faschismus.
Und wenn Ronald Novicky nicht nur das tut, sondern in einer Diskussion zum Thema Antisemitismus erneut bekräftigt, dass er auch antisemtische Witze gut findet, dann reg ich mich drüber auf. Ja.
Antisemitische Witze sind eben nicht so harmlos wie Ostfriesenwitze.
Dass werde ich doch noch schreiben dürfen, oder ?
> Zum Ausgleich gibt's auch eine Geschichte aus dem anderen
> Lager: Als ich mein erstes Spielertreffen veranstaltete,
> interviewte mich dann auch die Lokalpresse und wir sprachen
> auch über das Spiel "Diplomacy". Just in diesem Moment traf
> ein weiterer Spieler ein, den ich bisher nicht kannte,
> stellte sich vor und fügte hinzu, dass er Mitglied der
> kommunistischen Partei sei. Und so was passierte bei uns auf
> dem Dorf.
Was willst du mir damit sagen? Diplomacy ist ein tolles Spiel, und warum soll es keine kommunistischen Spieler geben ?
> Aber zurück zum Thema Importspiele: Einen sehr ausführlichen
> und gut recherchierten Bericht hat die Zeitschrift c't in
> ihrer Ausgabe 9/2003 veröffentlicht. Titel "Kaufen in der
> Fremde", Untertitel: "Beschlagnahmepraxis macht Eigen-Import
> digitaler Unterhaltung zum Glücksspiel." Was dort über
> PC-Spiele gesagt wird, gilt ebenso für Brettspiele, wobei
> Lizenzrechte hier allerdings weniger eine Rolle spielen.
Werde ich mal in der Bücherei nachlesen.
Online habe ich nur den Artikel
Braune Minderheit
Reaktionen auf ”Spielplatz Zweiter Weltkrieg“
http://heise.de/ct/03/08/048/
gefunden.
Ich weiss nicht, ob man das gesagte auch auf Brettspieler übertragen kann. Es gibt im PC-Spiele-Bereich bereits eine braune Szene.
Und es gibt Leute, die machen sich nur keine Gedanken, wenn sie sich provozierend Kalle88 nennen. Die müssen sich aber nicht wundern, wenn man sie beim Namen nennt.
Gruß, Günter