Beitragvon Roman Pelek » 15. Mai 2003, 03:44
Moin Jost,
Jost Schwider schrieb:
> > Was mich zur Frage bringt: Sind Spieler bessere Menschen?
> Im Allgemeinen schon, da sie die sozialen Komponenten des
> Lebens eher verinnerlichen. Und, weil sie etwaige
> Aggressionen spielerisch abbauen können.
Denke ich nicht. Jedes Hobby bringt gleichgesinnte Menschen zueinander, und ob man nun eine gemeinsame Radwandertour absolviert, Briefmarken sammelt oder über Meißner Porzellan philosophiert: man gewinnt Abstand zum Alltag. Und spätestens über das Internet wird man immer Menschen finden, die genauso denken, und mit denen man sich austauschen und sich gegenseitig unter die Arme greifen kann. Und Aggressionen abbauen kann man auf vielfältige Weise: durch Sport, durch ein Refugium der Ruhe beim Zähnchenzählen gummierter Wertmarken, durch eine hitzige Diskussion mit anderen über ein Spezialthema, je nach Mentalität und Laune.
Was für mich den Reiz am Spielen jenseits eines gemeinsam ausgebübten Hobbys ausmacht: es ist einerseits etwas Ursprüngliches und verbindet andererseits vielfältige moderne Disziplinen miteinander. Vom Tierreich bis zum Menschen (sofern man die beiden unbedingt trennen mag) - wir lernen nur spielerisch, nur durch Neugier und Experimente kommt etwas Neues zustande, wobei Regeln den eigenen Handlungsspielraum begrenzen. Andererseits finden sich vielerlei Disziplinen im Spielen zusammen: das mathematische wie das philosophische, der Pädagoge findet seinen Reiz genauso wie der Künstler.
Und beim Spiel kann man ungeniert mit den eigenen Phantasien hantieren, wobei das Spiel dadurch viel offensichtlicher über das wahre Naturell informiert als andere Künste oder gar "Tests". Auch wenn die meisten Menschen Realität von Spiel klar zu trennen vermögen: unverblümt bekommt man das Naturell eines Menschen nur im Spiel repräsentiert, jenseits der alltäglichen sozialen Zwänge und Benimmregeln. Oder um's andersherum zu sagen: einen Menschen, der mir im Spielerischen durch strategisches Denken oder gezielte Boshaftigkeit deutliche Grenzen aufzeigt, würde ich auch im Alltag nicht unterschätzen wollen. Auch wenn er das kaschiert und gesellschaftliche Normen das verwischen.
Spielen ist insofern für mich ein zweischneidiges Schwert: man kann sich endlich mal vom Alltag lösen, andererseits zeigen sich auch all die Schattenseiten, die Gedanken, Aggressionen, Boshaftigkeiten, die wir im Alltag mit uns herumschleppen und endlich einmal freilassen können. Die sprichwörtliche Katharsis, aber eben auch die Nemesis, wenn man den Erkenntnisgewinn miteinbezieht. Spieler sind für mich keine besseren Menschen, aber vielleicht machen sie sich mehr Gedanken über das Thema. Was so schlecht nicht ist.
Ciao,
Roman