Beitragvon peer » 17. Mai 2003, 16:55
Hi,
Günter Cornett schrieb:
> Hm, ich habe die Namen jetzt bewusst weggelassen, weil es mir
> um den Inhalt ging und nicht darum jemanden etwas 'anzuhängen'.
> Es handelt sich um den OT-Thread, der als
> [F] Antisemitismus oder nicht ?
> begann.
Ich erinner mich. Der Thread hat gezeigt, dass es eine schmale Grenze gibt, was den Humor betrifft. Für den einen ist das Erzählen eines jüdischen/rassischten... Witzes harmlos, weil er ja niemanden dirket schadet und weil er persöhnlich diese Witze mit Blondinenwitzen etc. gleichsetzt, bei denen ja ebenfalls eine Minderheit veralbert wird.
Für den anderen ist die Grenze überschritten, da sie verharmlost, was nicht verharmlost werden darf. Auch als es darum ging, ob Guillotie jetzt noch guter Geschmack ist oder geschmacklos gings um etwas ähnliches (aber natürlich harmloser).
Ich persöhnlich könnte keine ganz so klare grenze ziehen, wie du Günther, was aber nicht daran liegt, dass ich Antisemit bin, sondern schlicht, weil es für mich eine Grauzone gibt (Klar gibt es auch für mich Witze, die keine sind).
Dieses Thema ist sicherlich ebenso schwierig wie der Unterschied zwischen Antisemitismus und Kritik an der Politik an Israel.
> Im Beitrag Nr. 5819 Datum: 30.06.02 20:50 zitiere ich diverse
> Stimmen mit Quellenangabe. Dabei verweise ich auch darauf,
> dass die antijüdischen Vorurteile nicht bös gemeint sein
> müssen. Es ist eben keinesfalls so, dass ich allen Leuten
> unterstelle, Nazis zu sein, sondern inhaltlich argumentiere:
Aufgrund eines z.T. heftigen Tonfalles kann es aber manchmal zu diesem Eindruck kommen. Hinzu kommt,d as du einfach ein gutes Gedächnis für entsprechende Zutate hat, das wird dann leicht als Paranoia ausgelegt. Ich könnte ehrlich da zitatmässig nicht mithalten.
> 'gute antisemtische Witze' - ohne Widerspruch in diesem Forum
>
> ebenso widerspricht hier niemand antijüdischen Vorurteilen
> (die gar
> nicht mal bös gemeint sein müssen, wohl eher von
> Gedankenlosigkeit
> zeugen - bitte die kompletten Zitate im Zusammenhang
> anschauen):
Nicht das sich alle mitkriegen würde, nicght das ich alle als solche ansehen würde (also die folgenden Zitate schon, aber die Hakenkreuz an A&A z.B.). Aber recht prinzipiell stimme ich dir zu.
Wobei ich auch hier nicht immer weis: Soll man eingreifen oder ist das dann zu elefantig? Ein Beispiel: Im Spielbox-Editional der 1/2003 wird unwissentlich ein Goebbels-Zitat benutzt - soll ich jetzt einen empörten Leserbrief schreiben? Immerhin wissen die wenigsten, das das Statistik-Zitat Churchill nur vom Reivhspropagandministerium in den Mund gelegt wurde.
Im Sinne der Aufklärung hätte ich es wahrscheinlich tun müssen, doch ic denke nicht, dass hier ein Schaden entstanden ist (Zur Jeden das Seine - Diskussion habe ich für mich immer noch keine konkrete Meinung gefunden)
> Toasti:
> |: Und Habgier gehört nun mal zu den Juden, berechtigt oder
> nicht.
> http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=46006&t=45883
Wobei er sich hier auf das Etikett bezog á la "Schotten sind geizig". War sicherlich ungünstig ausgedruckt...
Bei den anderen ist sicherlich Aufklärung nötig, ich werte das ein Zeichen, dass über das Thema zu wenig nachgedacht wird - Was wiederum daran liegen kann, dass die Leute keine Lust mehr haben, weil dieses Gebiet anstrengend ist.
Ein ganz anderes Beispiel, welchen Einfluss gedankenlosigkeit hat:
Die Verbindung Schoten=geizig hat ja ausserhalb eines Witzes keine Bedeutung mehr, aber folgendes:
Meine asiatische Freundin wohnt und arbeitet zur Zeit in Bangkok.
Na, was für Assoziationen kommen jetzt beim Leser hoch? Genau! Und das folgt automatisch, auch wenn man es gar nicht will. Ist sicherlich der gleiche Mechanismus und würde ihn nicht für weniger schlimm halten - nur für weniger beachtet (übrigens ist sie Grundschullehrerin und ich sehe sie im Juli wieder)
>
> > Unterschied zwischen Antisemitismus und Unwissenheit und um
> > entscheiden von welcher Seite diese Zitate kommen, müsste man
> > den Ursprung kennen.
>
> Diesen Unterschied berücksichtige ich durchaus. Jedoch wird
> mir in diesem Thread nicht nur von Gustav, auch z.B. von
> Attila generelle Humorlosigkeit, abstrakte political
> correctness, etc. unterstellt, anstatt inhaltlich darauf
> einzugehen.
Auch bei PC zieht jeder die Grenze unterschiedlich, zudem hat es einen schlechten Ruf, weil es oft völlig überzogen dargestellt wird. Ich würde niemanden kritisieren, dass er seine Grenze da ziehst, wo du sie ziehst, aber ich halte auch das Erzählen von jüdischen Witzen nicht für einen Ausdruck meiner Selbstbestimmung und sehe sie daher auch nicht von dir gefährdet. Wobei ich nicht mal denke, dass gustav dass so sieht, sondern er lediglich denkt, er KÖNNTE sich in seiner Selbstbestimmung gefährdet sehen, wenn er denn solche Witze wirklich erzählen wollte und er es denn von dir verboten worden wäre (oder so...). Wie Michael Knopf sich auch toll fühlt, dass er frauenfeindliche Aspekte in seine Rezensionen reinbringt, weil er gleichzeitig impliziert, Kritiker sind humorlos. Eigentlich finde ich es arm, wenn man das eigene Überlegenheitsbewusstsein auf dieser Ebene auszubauen versucht, aber letztlich ist es nicht meine Sache....
> > Naja im Falle Thomas sind wir uns ja einig. Bei Ronald lese
> > ich allerdings keine rechten Tendezen heraus.
> > Ich verstehe sein Posting zu der Zollproblematik nämlich
> > weniger so wie du (Hakenkreuze zu verbieten ist so schlimm
> > wie das dritte Reich), sondern eher in die Richtung, dass die
> > Pauschalisierung "Hakenkreuze sind immer schlecht, auch wenn
> > sie in einem historischen Zusammenhang - Buch, Spiel, Film -
> > stehen" mit den Pauschalisierungen des dritten Reiches zu
>
> Diese Pauschalisierung wird von Richtern so nicht gemacht.
Gut, aber anscheind von einigen Zollbeamten und darum ging es ja.
> > vergleichen sind (Wobei auch da "Das ist ja wie früher" auch
> > als gedankenlose Phrase durchgehen kann). Sicherlich wäre es
>
> Das könnte durchaus mal eine unbedachte Äußerung eines
> schlecht informierten Bubis seiin, aber Ronald weiss sehr
> genau wovon er redet. Ihm ist nach eigenen Worten auch der
> Zusammenhang zwischen Zweitem Weltkrieg und Judenverfolgung
> geläufig.
Gut, aber assoziiert schon mal die Zeit mit etwas negativen, was dem klassichen Rechtsradikalen ja schon einmal wiedersprecht ("Sicher war das alles schlimm, aber immerhin hat Hitler ja was gegen die Arbeitslosigkeit getan" und ähnliche Aussagen)
> Nicht für Kriegsverbrechen - für Tapferkeit und freilich, aus
> Propagandazwecken. Genauso wie die angesprochenen Medaillien
> der allierten Mächte. Warum der 2. WK geführt wurde, und
> warum man ihn generell als ein großangelegtes Verbrechen
> bezeichnet, ist eine eigene (politische) Diskussion und hat
> nichts mit einem Eisernen Kreuz zu tun.
Wobei er nicht mal unrecht hat - auch ohne das eiserne Kreuz wäre der zweite Weltkrieg nicht besser gewesen. Warum man allerdings jetzt Symbole aus der Zeit sammeln sollte, geht über mein Verständnis, allerdings verstehe ich auch nicht den Reiz an Kriegsmodellen (Stichwort Modellbau) und warum Leute unbedingt Bombenattarpen sammeln.
Unmittelbarere Hinweise auf Judenverfolgung (Nachbau von KZs etwa) finde ich allerdings extrem verwerflich und da hört dann auch meine Toleranz auf.
> Kann ich auch verstehen. Vielelicht gibt es auch das eine
> oder andere taktisch recht interessante Spiel, in dene
> Hakenkreuze vorkommen. Ich hätte dann nicht unbedingt
> Bedenken, es zu spielen (käme auf das konkrete Spiel an).
Guck, da habe ich bislang Skrupel gehabt. So reagiert jeder auf andere Reize. Allerinsg würde ich niemanden verurteilen, der solche Spiele spielt (ohne zu sagen, dass du das tust. Oh, man muss echt aufpassen, was man schreibt ;-) )
> Aber ich erwarte von den Leuten, die solche Spiele spielen
> und behaupten, sie täten das (auch) aus einem historischen
> Interesse soviel Verständnis, dass sie das Verbot des
> Hakenkreuzes nicht mit dem gleichsetzen, was unter dem
> Hakenkreuz verbrochen wurde.
Da gehen wir komplett konform (auch sonst sind wir glaube ich nicht gerade auseinander, oder?)
> Bei solchen Äußerungen gibt es IMHO zwei
> Interpretationsmöglichkeiten:
> a) Man betreibt eine bewusste Verharmlosung
> b) Das Spielen führt dazu, dass man ein unkritisches
> Verhältnis zur NS-Zeit entwickelt (obiges Zitat von Ronald
> legt diesen Schluß nahe)
>
> In beiden Fällen sage ich: weg mit dem Scheiss!
Zumindest eine Sensibilisierung ist schon vonnöten. Das wiederum erreicht man aber eher mit einer sachlich geführten Diskussion, so wie wir sie jetzt führen und weniger mit Seitenhieben (zu denen ich dein PS zählen würde)
Nochmal zur Entwicklung des unkritischen Verhaltens: Ich denke dass die Gefahr besteht, dass man sich aufgrund solcher Zollprobleme (und darum ging es ja) in eine Verteidigungshaltung gerät, bei der man tatsächlich potentielle Gefahren verharmlost. Ich will nicht sagen, dass Ronald durch das Spielen mit A&A zum Nazi wird - ein solcher Schluß ist wiedersinnig. Aber dass man auch und gerade bei einer spielerischen Beschäftigung mit der Nazizeit, eine kritische Auseinandersetzung führen sollte.
Ähnliches konnte manin der Counterstrike-Szene beobachten, nachdem das Spiel ins Kreuzfeuer der Medien geriet: In de Medien wurde übertrieben pauschalisiert, aber in der Szene war die Verteidigungshaltung so starr, dass dort ebenfalls jegliche Objektivität und damit moralische Auseinadersetzung fehlte.
> > Und das er an Turnieren teilnimmt, bei denen Weltkriegsreden
> > zu gewinnen sind, ist imho auch kein Argument. Zum einen
> > weiss ich ja nicht, ob er deswegen am Turnier teilnimmt, zum
> > anderen gibt es eine Reihe Leute die obskure Dinge wie Orden
> > oder Panzerquartette oder die Axis&Allies- Reihe sammeln,
> > ohne sich gleich mit dem rechten Gedankengut zu infizieren.
>
> Habe ich grundsätzlich kein problemmit, auch wenn ich diese
> Leidenschaft nicht nachvollziehen kann.
Dito.
> Aber was den WWII-Tapferkeitsorden angeht:
> Sache ist aber, dass der Zweite Weltkrieg ein wesentlich
> größeres Verbrechen war und das diese Art von Tapferkeit
> nichts belohnenswertes ist. Wer das belohnt, identifiziert
> sich mit dem Verbrechen oder ist einfach nur hohl in der
> Birne. Letzteres werfe ich Ronald undden
> ASL-Turnier-teilnehmern vor.
Naja, sagen wir: Den Veranstaltern werfe ich vor, eine dämliche Idee gehabt zu haben - entweder aus oben genannten "Wer was dagegen sagt ist doof"-Gründen oder einfach weil sie tatsächlich nicht sehr sensibel waren.
Ob man sich mit den Verbrechen identifiziert sei dahingestellt. Ich glaube die Veranstalter haben einfach gedacht "Es wäre doch passend, wenn man in einem WW2 - Spiel eine Preis aus der Zeit egwinnen könnte" Das hätte auch eine Minitaur eines Allierten Flugzeuges sein könne oder sonstwas. Hier fehlt einfach die kritische, über das akademische Hinausgehende, Diskussion ums Thema. Ob die Teilnehmer jetzt vorab wussten, was es zu gewinnen gab oder ob es sie überhaupt interessiert, wage ich mal zu bezweifeln.
> Es geht mir nicht darum, ein Person als Sünder zu brandmarken
> sondern die Vorurteile und Einstellungen sichtbar zu machen,
> die mir in den Beiträgen auffallen. Die hängen natürlich mit
> Personen zusammen. Aber in diesen ganzen langen Threads
> werden meine inhaltliche Beiträge mit Pauschalisierungen
> (Cosimfeindlichkeit, Humorlosigkeit) beantwortet, ohne auf
> Argumente einzugehen.
Diese Unterscheidung zwischen Person und Meinung ist eben nicht so leicht als solche zu erkennen. Und niemand lässt sich gerne vorwerfen, er hätte Vorurteile oder so. Ich meine, ich weiss dass ich nicht rechts bin, dennoch möchte ich nicht ausschliessen, dass ich Vorurteile habe, oder mir eine Verfehlung rausrutscht, die ich anders gemeint habe. Wird dies dann als "rechtes" Gedankengut dargestellt, rücke ich in eine Verteidigungshaltung und reagiere sehr emotinal udn verteidige womöglich am Ende Dinge, für die ich gar nicht stehe (so würde ich Gustavs Witze einordnen).
Besonders extrem natürlich, bei Themen, bei denen ich weiss, dass sie moralisch zweifelhaft sind, ich sie aber für mich vertreten kann (Cosims oder Counterstrike). Da man gewohnt ist die Gleichung Counterstrikespieler - Gewaltverherrlicher zu hören (oder im obigen Beispiel: Freundin in Bangkok - Sextourist), liest man dies auch leichter heraus, wos nicht gemeint ist.
> Ich weiss echt nicht, wie ich das anders machen sollte.
>
> Danke, ich gebe zu, dassmeine Beiträge durchaus auch
> emotional sind, aber in der Argumentation bin ich doch
> sachlicher als die 'Gegenseite', diemir Paranoia,etc
> vorwirft, anstatt inhaltlich zu antworten.
Naja, man nimmt emotionaleres eben immer krummer als sachliches. Und solches Nachtreten in einem PS ist einfach schlechter Stil (habe ich ja auch schon mal Gustav vorgeworfen), ebenso z.B. auf andere, nichtrelevante Threads hinweisen :
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=65665&t=65652
Das heule nicht, halte ich z.B. völlig verfehlt. (Ausserdem wollte ich auch EINMAL einen anderen Thread zitieren ;-) )
Wobei du recht hast: Du argumentierst sachloch. Nur leider meistens erst als Antwort auf eine Antwort auf ein sehr "enotinal gefärbtes" Posting von dir. Dann ist es allerdings meist schon zu spät, da die Diskussion die Sachebene schon wieder verlassen hat und in Beschuldigungen mündet.
> Ich denke, es müsste klar geworden sein, dass ich die
> inhaltliche Auseinandersetzung suche, wenn mir etwas nicht
> passt.
Oh, dass weiss ich, deswegen führe ich ja diese Diskussion mit dir (während ich andere lieber ignoriere)
> Gruß, Günter
ciao
Peer