Beitragvon Matthias Staber » 21. Mai 2003, 10:09
Michael Weber schrieb:
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> Zitat Jury Spiel des Jahres:
> "Spiele mit einfachem Einstieg und klaren Strukturen haben
> sich durchgesetzt"
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> Na, ob hier zuerst die Henne oder das Ei war?
>
> Aber grundsätzlich ist es natürlich schon zu begrüßen ...
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> Michael
> (lässt sich auch von 20 Seiten Aleitung abschrecken)
Was ist zu begrüßen? Dass einem seit ein paar Jahren seitens der Jury hysterisch dieser widerliche Hass-Satz um die Ohren gebretzelt wird? Und seither die meisten Spiele-Diskussionen sich besinnungslos taumelnd um das Mantra "hm, dieses oder jenes Spiel ist ja schon irgendwie toll, ob es aber auch für Wenigspieler..., und nicht zu komplex oder so..." drehen?
Ich kenne kein anderes Hobby, wo seitens Fachjournalisten, aus denen die SDJ-Jury ja wohl besteht, ständig den leidenschaftlichsten Liebhabern genau dieses Hobbys gegen das Schienbein geholzt wird - das ekelhafte Wort "Vielspieler" scheint sich ja mittlerweile zum veritablen Schimpfwort gemausert zu haben (was immer "Vielspieler" eigentlich auszeichnen soll - ausgezeichnete Spiele wie "Puerto Rico" laden jeden zum Zocken ein).
Die Traumvorstellung der SDJ-Jury scheint es ja zu sein, dass die Verlage endlich an den Kundenwünschen dieser lästigen Vielspieler-Freaks vorbeiproduzieren sollen, die ja ohnehin nur die traute Familienspiel-Idylle stören. So eine Stoßrichtung müsste man sich mal in einer Computerspielzeitschrift vorstellen (oder in einer Rezension über klassische Musik - à la "was für einen überambitionierten Mist spielen die Philharmoniker hier denn wieder- will das der Wenighörer überhaupt hören?" oder in einer Buchkritik - "Der neue Botho Strauß: Für Wenigleser ungeeignet, dieser verblasene Quatsch, greifen Sie lieber zum neuen Effenberg - denn Bücher mit einfachem Einstieg und klaren Strukturen haben sich durchgesetzt!")
Völlig undenkbar: Irgendwie scheinen in allen anderen Genres die Meinungen der Hobbyisten ("Liebhaber", "Kenner" usw., je nachdem, ob es sich um Popmusik, Kunst, Kochen, Literatur, Architektur usw. handelt) ernst genomen zu werden. Nur beim Hobby Brettspiel scheinen sie so eine Art Aussätzigenstatus innezuhaben.
Matthias