Beitragvon Günter Cornett » 17. Juni 2003, 13:37
Ralph Hänsel schrieb:
>
> Hi,
>
> einige Reaktionen im Thread zum lange schin nicht mehr
> erhältlichen Spiel WARLOCK kann ich nicht so ganz
> nachvollziehen. Auch Reaktionen einiger Verlage, die es zu
> dem Thema (Regeln zum Download) schon gegeben hat, finde ich
> eher komisch... Copyright des Autoren bzw. Verlages verletzen?!
Hallo Ralph,
der Urheber hat das Recht zu entscheiden, wer sein Werk in welcher Form und in welchem Kontext veröffentlichen darf. Ich halte es auch für sinnvoll, Regeln auf Seiten wie bordgamegeek oder spielanleitung.com zu veröffentlichen. Die Entscheidung darüber liegt aber beim Rechteinhaber.
> Die große Ausnahme sind sicherlich Seiten, wo man
> Beschreibungen von Spielen und ihrem kompletten Material (so
> z.B. geschehen bei TALISMAN oder auch HERO QUEST) gegeben
> werden.
> Auch wenn das Spiel out-of-print ist und man
> vielleicht sonst kaum an das Spiel rankommt, sowas verletzt
> eindeutig die Rechte des Autors.
Gerade wenn das Spiel out of print ist, kann ich es am ehesten nachvollziehen, wenn sich jemand ein Spiel nachbauen will. Ein Nachbau zum persönlichen Gebrauch ist übrigens keine Urheberrechtsverletzung, eine Bereitstellung von entsprechenden Dateien u.U. schon.
Ich hatte mal ne Anfrage aus den USA bezüglich des in Kleinstserie hergestellten LeJardin. Anstatt ihm das Spiel zu schicken, habe ich auf die paar mark Gewinn verzichtet und ihm die Dateien gemailt, damit er es sich - in gleicher Qualität - selber basteln konnte. Die Kosten für Versand und Überweisung hätten das Spiel so extrem verteuert, dass es das nicht wert gewesen wäre. Aber wenn jemand die Dateien ins Netz stellen würde, wäre sehr dagegen.
> Wenn man es eh aus dem
> Internet kopieren und nachbauen kann, ist das Spiel für
> künftige Vermarktung eventuell gestorben.
In Zeiten des allgegenwärtigen Farbdruckers besteht diese Gefahr durchaus. Allerdings halte ich sie in den meisten Fällen für gering, da das fertige Spiel in der Regel nicht viel teurer ist und von bessserer Qualität.
Dennoch ist es Sache des Urhebers zu entscheiden, ob er dieses Risiko eingehen will.
> Aber nur die Spielregel allein? Was könnte da das Problem sein?
> - Das man bei einigen Spielen dann leicht merkt, dass man sie
> mit dem Material anderer bereits vorhandener Spiele spielen
> kann und eigentlich nur die Regel bräuchte? (solche Spiele
> sollte es eh nicht geben...)
Warum nicht ? Insbesondere bei abstrakten Taktikspielen besteht diese Gefahr. Sollen die Verlage und Autoren keine solchen Spiele mehr publizieren bzw. auf Gewinn verzichten, nur weil man sie nachbauen kann ?
> - Das potentielle Käufer nach dem Lesen der Regel das Spiel
> nicht mehr kaufen, weil sie denken/wissen, dass das Spiel
> nichts für sie ist? (das ist doch eigentlich positiv...)
Jo, das ist positiv. Aus diesem Grund unterschlagen wir auch nicht Rezensionen, die z.B.vor Autoscooter warnen, weil das spiel nicht kalkulierbar sei:
http://www.bambusspiele.de/spiele/autoscooter/kritiken.htm
(wenngleich wir negative Bewertungen natürlich nicht an den Seitenanfang stellen)
oder auch zu Nanuuk:
http://www.bambusspiele.de/spiele/nanuuk/kritiken.htm
Dennoch finden wir es nicht gut, wenn die Regeln unserer Spiele [b]ohne eine Erlaubnis einzuholen[/b], irgendwo veröffentlicht werden.
> - Das man den wahren Spielspaß nur mit dem Regellesen nicht
> erfassen kann und vielleicht eine falsche
> Kauf-/Nichtkauf-Entscheidung fällt? (kann mit einer guten
> Regel mit Spielbeispiel sicher gemindert werden...)
Regeln sind IMHO als Ergänzung zu anderen Informationen sinnvoll, für die Leute, die nach Lesen einer Beschreibung mehr wissen wollen.
> Ich meine, dass downloadbare Regeln aller veröffentlichten
> Spiele eines Verlages (auch solcher die bereits nicht mehr im
> Programm sind) zum guten Service dazugehören. Perfekt wird
> es, wenn dann vielleicht noch anderssprachige Übersetzungen
> und eventuell auch Varianten oder FAQs zum Download vorhanden
> sind.
Jo, wenn's das gibt, ist es guter Service - und keine Selbstverständlichkeit :-).
> Leider ist das im deutschsprachigen Raum noch nicht so
> üblich, sollte es aber sein/werden! Was meint Ihr dazu?
>
> BTW: Wenn man einen Verlag anschreibt und um eine Regel
> ersucht, weil die vom Spiel der Hund gefressen hat oder sie
> mit Kaffee überschüttet wurde o.ä. bekommt man anstandslos
> Ersatz. Ich wurde da noch nie gefragt, ob ich das Spiel auch
> besitze... :)
Die meisten Verlage sind sehr hilfreich, so sie es schaffen, die Anfragen zu bewältigen. Warum sollte man ihre Regeln veröffentlichen, ohne sie zu fragen? Wenn sie das aus irgendwelchen Gründen nicht wollen, ist das zu respektieren. Und dafür braucht sich auch kein Verlag zu rechtfertigen.
[Die Ausseinandersetzung ging nicht darum, ob es sinnvoll ist Regeln im Netz zu veröffentlichen, sondern ob man den Urheber vorher fragen soll.]
Ein paar Gründe, weshalb ein Urheber nein sagen könnte:
- die Regeln werden auf einer Seite angeboten, deren politische, religiöse, moralische, ... Ausrichtung dem Urheber nicht gefällt.
- der Seitenbetreiber fängt irgendwann an, mit der Seite - und damit der Leistung der Urheber - Geld zu verdienen, ohne diesen daran zu beteiligen.
- der Seitenbetreiber macht nebenbei unseriöse Geschäfte (z.B. MLM); Leute fallen drauf rein, weil sie den Eindruck haben, seriöse Spieleverlage halten den Seitenbetreiber für seriös.
Und dann noch: Wenn ein Verlag es zulässt, dass die Spielregeln - egal ob mit oder ohne seine Kenntnis - beliebig reproduziert werden, so gibt er damit u.U. die Rechte an diesem Spiel auf. Jeder darf das Spiel dann herstellen und verbreiten. Von daher ist es wichtig, dass - jederzeit widerrufbare - Genehmigungen für den konkreten Zweck vom Verlag erteilt werden.
Gruß, Günter