Anzeige

Woher kommt das Wort Pöppel?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Andreas

Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Andreas » 18. Juni 2003, 18:49

Hallo,

bei uns in der Redaktion ist gerade eine nicht zu klärende Meinungsverschiedenheit bezüglich des Wortes "Pöppel" entstanden. Da der Duden das Wort nicht führt, gibt es "offiziell" nicht. Da aber auch ein landesspezifisches Wort wie Pümpel (norddeutsch für Saugglocke) geführt wird, stehe ich etwas in Erklärungszwang. Gibt es irgendwo eine gesicherte Erklärung, woher das Wort stammt?

Danke & Gruß,
Andreas.

Benutzeravatar
Stephan Zimmermann

RE: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Stephan Zimmermann » 18. Juni 2003, 19:17

"Andreas" hat am 18.06.2003 geschrieben:

> bei uns in der Redaktion ist gerade eine nicht zu klärende
> Meinungsverschiedenheit bezüglich des Wortes "Pöppel"
> entstanden. Da der Duden das Wort nicht führt, gibt es
> "offiziell" nicht. Da aber auch ein landesspezifisches Wort
> wie Pümpel (norddeutsch für Saugglocke) geführt wird, stehe
> ich etwas in Erklärungszwang. Gibt es irgendwo eine
> gesicherte Erklärung, woher das Wort stammt?

Aus dem Bayrischen sicher nicht. Alle die ich hier kenne fühlen sich
bei dem Wort eher an das erinnert, was man sich mit dem Finger aus der
Nase holen kann... (oder sollte das etwa gemeint sein?)

Grüße, Stephan (kürt 'Pöppel' zum Unwort der Spielerszene)

Benutzeravatar
Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

RE: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 18. Juni 2003, 19:44

Vom Wort her würde ich bei "Pöppel" an eine Abwandlung des Wortes "Püppchen" (oder süddeutsch "Püpple"?) denken.
Daß der DUDEN den "Pöppel" nicht führt, macht allerdings deutlich, daß in Sachen "Verbreitung des Kulturgutes Spiel" noch einige Runden zu spielen sind. "Pöppel" ist ein in der Spielewelt durchaus gebräuchliches Wort. Mir ist z.B. in Bilstein (Spielewochenende) noch niemand über den weg gelaufen, der dieses Wort nicht kannte und nicht wußte, was damit gemeint war.

Gruß
Roland (bevorzugt für gewöhnlich die grünen Pöppel)

Benutzeravatar
Stephan Zimmermann

RE: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Stephan Zimmermann » 18. Juni 2003, 20:13

"Roland G. Hülsmann" hat am 18.06.2003 geschrieben:

>"Pöppel" ist ein in der
> Spielewelt durchaus gebräuchliches Wort. Mir ist z.B. in
> Bilstein (Spielewochenende) noch niemand über den weg
> gelaufen, der dieses Wort nicht kannte und nicht wußte, was
> damit gemeint war.

Tja, in der Spielewelt ... da kennt man das schon.

Was ist es eigentlich für Dich genau? Nur die Figuren, die ein
Kegel mit Kugel oben drauf sind (Halma, Mädn) oder alles was
Spielfigur (Löwenherz?) oder Spielmaterial (Siedlerhaus, Geld?)
ist?


> Roland (bevorzugt für gewöhnlich die grünen Pöppel)

Ah, ... Paris Paris-Fan :-)


Grüße, Stephan

Benutzeravatar
Berthold Heß

Re: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Berthold Heß » 18. Juni 2003, 21:02

Hallo Andreas,

leider ist Deine Frage bis heute nicht abschließend geklärt. Im Mai 2000 gab es in der newsgroup de.rec.spiele.brett+karten eine interessante Diskussion dazu.

Über Google kannst Du die Diskussion finden, wenn Du in den newsgroups suchst. Hier noch mal mein damaliger Beitrag. (Der Verweis auf das Ruhrgebiet bezieht sich auf einen vorherigen Eintrag, der den Ursprung des Wortes als typisch für diese Region vermutete.)

"Ich komme aus dem Ruhrgebiet, habe lange in Westfalen gelebt und jetzt hat es
mich ins Rheinland verschlagen. "Pöppel" habe ich da nicht als gebräuchlich
kennengelernt.

Im Ruhrgebiet hatten wir für alles Kleine, für Knöpfchen, Hebelchen usw. den
Ausdruck "Pinjökel" (kenne den Ausdruck nur gesprochen, nicht geschrieben).

Den Ausdruck Pöppel habe ich erst in der Spieleszene kennengelernt, sonst
nirgends.

Aber interessant finde ich den Verweis auf das englische "people". Ziehen wir
weiter auf dessen Ursprung, finden wir das französische "peuple", das sich
schon fast wir "Pöppel" ausspricht. "peuple", das niedere Volk, sehen wir da
die "pions" (frz) oder "pawns" (engl.) vielleicht das niedere Volk des Schachs
vor uns, die Fußsoldaten, das Fußvolk? Und die Bauern sehen schon aus, wie die
Halmapöppel. (Noch weiter zurück sind wir beim "populus", und das Latein war
die Sprache der Gebildeten = Schachspieler, denn in Mittelalter und Renaissance
spielte das Volk nicht gerade Schach.) Stimmt diese Hypothese, dann haben
"Pöppel" und "Pöbel" tatsächlich die gleiche Wurzel.

Aber alt muss das Wort "Pöppel" wirklich sein, sonst gäbe es die Eigennamen
"Pöppel" (war mal General der Bundeswehr) oder "Pöppelmann" nicht.

Also Germanisten, Ethymologen usw., rührt Euch bitte!

Bert Hess"

Benutzeravatar
Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

RE: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 18. Juni 2003, 21:44

Stephan Zimmermann schrieb:

> Was ist es eigentlich für Dich genau? Nur die Figuren, die ein
> Kegel mit Kugel oben drauf sind (Halma, Mädn) ...

Genau das. Also all die namenlosen Spielfiguren mit Kopf und Körper, für die es sonst keine Bezeichnung gibt.

> oder alles was
> Spielfigur (Löwenherz?) oder Spielmaterial (Siedlerhaus, Geld?)
> ist?

Nein, bei Löwenherz spreche ich von Rittern, bei Siedler von Dörfern, Straßen und Städten, etc.

> > Roland (bevorzugt für gewöhnlich die grünen Pöppel)
>
> Ah, ... Paris Paris-Fan :-)

Das zwar auch ... zumindest in der Solo-Online-Version habe ich keine Orientierungsprobleme.

Aber: Besonders bitter war es beim Spiel "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" (KOSMOS). In der Spielanleitung: "Der Spieler mit der grünen Figur beginnt!" Mein Ausruf: "Das Spiel gefällt mir!". Sehr ernüchternd dann die Feststellung, daß keine der vier Figuren auch nur andeutungsweise grün war ... :-(

Gruß
Roland

Benutzeravatar
Marten Holst

Pöppel, Pinökel und Konsorten

Beitragvon Marten Holst » 18. Juni 2003, 23:28

Hallo Berthold,

vielen Dank für die schönen Denkanregungen, der Verweis auf den Stamm von "people/peuple" scheint mir etymologisch gar nicht so verkehrt zu sein, denn die Halmakegel sollen ja wohl erkennbar Leute sein.

Spannend fand ich den Hinweis auf "Pinökel" (so würde ich es schreiben), das auch in die Richtung geht, zusammen mit Rolands und Stefans Fragestellung im Nebenast, was genau nun Pöppel eigentlich sind (für mich: prinzipiell erst einmal Halmakegel, aber auch gattungsbegrifflich, wie zum Beispiel in einem Satz a la "Die Pöppel erinnern allerdings mehr an Hüte als an Segelschiffe")

Was mich zusätzlich interessieren würde wäre der Begriff "Niffke", der von mir zum Beispiel für die Pinökel für die Personen im Spiel des Lebens verwendet wurde. Ist der deutschlandweit, regional oder holstsch? Und was gibt es alles noch für derartige Begriffe?

Grüße
Marten

Benutzeravatar
peer

Re: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon peer » 19. Juni 2003, 09:41

Hi,
wir hatten hier bereits mal eine Diskussion über das Thema - Leider kann ich sie nicht finden. Vielleicht ist sie gelöscht (was schade wäre, da Gustav eine sehr lesenswerte Geschichte dazu geschrieben hat)

Ich meine es ist tatsächlich eine Erfindung von einer namhaften Spielegrösse (KMW?) der es in seinen Rezensionen verwendete und somit verbreitete. Für KMW spricht, dass die Pöppel Revue so heisst , wie sie hieß. Leider also ganz unromantisch, ohne lange etymologische Geschichte...

Aber vielleicht erinnert sich ja noch ein anderer an die Diskussion? Gustav? Glomeaor? KMW? (Die habenn sich zumindest mit Sicherheit daran beteiligt)
Oder Jost hat sie noch auf dem Rechner (wegen Offline-Reader?)?

ciao
Peer

Benutzeravatar
Andreas Keirat/Claudia Schlee

Re: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Andreas Keirat/Claudia Schlee » 19. Juni 2003, 13:03

Berthold Heß schrieb:
>
>
>
> Aber interessant finde ich den Verweis auf das englische
> "people".

Hallo!

Als Nordlicht, der diesen Begriff schon seit seiner Geburt kennt ( :D ), denke ich auch, daß er aus dem Plattdeutschen & Englischen stammt. Leider kann ich kein "platt"...

Auf jeden Fall ein absolutes Fachwort für "Insider"... Ob Hoecker (schreibt er sich so?) das wohl bei Genial Daneben weiß ?

Ciao,

Andreas Keirat

Benutzeravatar
Jost Schwider

RE: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Jost Schwider » 19. Juni 2003, 14:46

"Andreas" hat am 18.06.2003 geschrieben:

> Gibt es irgendwo eine gesicherte Erklärung,
> woher das Wort stammt?

"Gesichert"? Nöö...

Aber diese Diskussion gab es hier schon mehrmals. Hier ein paar Tipps:

Thesen über den Ursprung:
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=11790&t=11743

Besonders schöne Geschichten: ;-)
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=12181&t=11743
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=12250&t=11743

Deutlich später noch ein "ReLaunch":
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=46390&t=46390

Viele Grüße
Jost aus Soest (testet die neue Suchfunktion des Offline-Readers)
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i](Brett)Spiele und mehr...[/i]

Benutzeravatar
Jost Schwider

Inhalte - Online vs. Offline

Beitragvon Jost Schwider » 19. Juni 2003, 14:46

"peer" hat am 19.06.2003 geschrieben:

> Aber vielleicht erinnert sich ja noch ein anderer an die
> Diskussion? Gustav? Glomeaor? KMW?

Hier, ich! ;-)

> Oder Jost hat sie noch auf dem Rechner (wegen
> Offline-Reader?)?

:-O Es wäre echt Schade, wenn sowas für immer aus dem Online-Bereich verschwinden würde... :-/
KNUUUUTTT! :LOL:
...ist mal wieder nicht da, wenn man ihn braucht! ;-)

Macht es Sinn, in solchen Fällen alte Postings nochmal zu zitieren?

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i](Brett)Spiele und mehr...[/i]

Benutzeravatar
Jost Schwider

Grüne Pöppel...

Beitragvon Jost Schwider » 19. Juni 2003, 14:46

"Roland G. Hülsmann" hat am 18.06.2003 geschrieben:

> Aber: Besonders bitter war es beim Spiel "Der Herr der
> Ringe - Die zwei Türme" (KOSMOS). In der Spielanleitung:
> "Der Spieler mit der grünen Figur beginnt!" Mein Ausruf:
> "Das Spiel gefällt mir!". Sehr ernüchternd dann die
> Feststellung, daß keine der vier Figuren auch nur
> andeutungsweise grün war ... :-(

Stecke einfach die Pöppel in einen Beutel und schleudere diese ein paar mal wild herum. Du solltest mal sehen, wiiieee grün Pöppel werden können... :LOL:
:-O Aber der Geruch! :-/ ;-)

Problem: Anschließend sind alle Pöppel grün! :-D

BTW: Die Umfrage zur Pöppelfarbe: ;-)
http://asp.ggrz-hagen.nrw.de/vote/vote-test.asp?Account=spiele&ID=-698667334

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i](Brett)Spiele und mehr...[/i]

Benutzeravatar
Volker L.

Re: Woher kommt das Wort Poeppel?

Beitragvon Volker L. » 19. Juni 2003, 14:51

peer schrieb:
>
> Hi,
> wir hatten hier bereits mal eine Diskussion über das Thema -
> Leider kann ich sie nicht finden. Vielleicht ist sie gelöscht
> (was schade wäre, da Gustav eine sehr lesenswerte Geschichte
> dazu geschrieben hat)

Ja, das ist schon recht lange her. Ist mir auch gleich eingefallen,
als ich diese Ueberschrift las :-)

> Aber vielleicht erinnert sich ja noch ein anderer an die
> Diskussion? Gustav? Glomeaor? KMW? (Die habenn sich zumindest
> mit Sicherheit daran beteiligt)
> Oder Jost hat sie noch auf dem Rechner (wegen Offline-Reader?)?

Wenn ich micht recht erinnere, waren da mindestens zwei
lesenswerte Fantasie-Erklaerungen, einmal aus dem "Poebel"
hergeleitet, einmal aus dem franzoesichen "peuple".
Obwohl - *Kopfkratz* - war da nicht auch noch eine etwas
kompliziertere Herleitung aus irgendeinem Begriff fuer Pfaffe?
Ein Teil davon stammte definitiv von Gustav, aber ich glaube
nicht alles.
Ausserdem waren wohl auch noch ein paar ernsthafte
Erklaerungsversuche dabei. Es waere schoen, wenn jemand mit
Offline-Reader das nochmal posten koennte - oder vielleicht
hat Knut noch irgendwo die alten Daten rumliegen?

Gruss, Volker

Benutzeravatar
peer

RE: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon peer » 19. Juni 2003, 14:58

Hi,
Leider zeigt sich was ich befürchtet habe: Der gesuchte Beitrag wurde nicht gefunden...
Ist es möglich, zumindest die Erklärung nochmal zusammenzufassen sowie die Geschcihten noch mal zu posten?
Wären dann ja deutlich weniger Postings als früher...

ciao
Peer (der die Geschichte vom Poebel postete)

Benutzeravatar
peer

Re: Inhalte - Online vs. Offline

Beitragvon peer » 19. Juni 2003, 15:00

Hi,
Jost Schwider schrieb:
>
> Macht es Sinn, in solchen Fällen alte Postings nochmal zu
> zitieren?

Als Sntwort auf eine konkrete Frage: Auf jeden Fall! (Da die Postings ja gelöscht, also nicht verfügbar sind)

ciao
Peer

Benutzeravatar
Christian Scherff

RE: Alte-Pöppel-Postings

Beitragvon Christian Scherff » 19. Juni 2003, 15:39

Hallo Peer,

hier die drei von Jost angegebenen Postings:


ID=12181
DT=12:20:00
PT=11790
AU=H.-Georg Rausch (G´Ork)
SB=re: Herkunft des Wortes "Pöppel"
EM=hagera.ludos@t-online.de
KS=www.afs-rheinland.de
Hallo,
um der Legendenbildung ein Ende zu bereiten:
Das Wort Pöppel stammt m.E. vom deutschstämmigen amerikanischen Landvermesser August Pöppel, der zum Zwecke der Vermessung und Abgrenzung später nach ihm benannte kegelförmige Pfähle (eben "Pöppel") in die Erde rammte.
Korrigiert mich, falls ich mich irre.
Gruß
G´Ork.



ID=12250
DT=06:27:00
PT=12203
AU=Ulrich Schumacher
SB=re: Wir brauchen neue Legenden!
EM=
KS=
Hallo Peer,
das geht ja schon in die richtige Richtung, aber es ist trotzdem falsch: In Wahrheit stammt das Wort "Pöppel" (mit Doppel-P!) von dem französischen Wort "peuple" ab. Der französische König Ludwig XVI. benutzte nämlich lebende Spielfiguren, Leute aus dem Volk, eben "peuple" für sein Schachspiel. Aufgrund seiner langen Überlegungszeiten für einen Zug mussten diese Spielfiguren allerdings sehr lange stillstehen. Das zehrte natürlich an ihren Nerven, und schliesslich machten sie ihn aufgrund seiner extrem langsamen Kopfarbeit um ebendiesen kürzer. So geschehen im Jahre des Herrn 1793 und damit lange vor Ludwig II. !
Viele Grüsse
Uli


ID=46390
DT=15:28:19
PT=0
AU=Reinhold Müller
SB=[OT] auch Popel
EM=R.Mueller@wasy.de
KS=

Hallo alle,

vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle über den Ursprung von "Pöppel" debattiert.

Ich stieß zufällig auf einige Sagen zum "Pöpel"
http://www.waischenfeld.de/kultur/geschich/sagen/wai-poep.html
und zum "Pöpl"
http://www.waischenfeld.de/loewisch.neubauer/Marga/Nankendorf/loehlitz.html#9.%20Sagen%20vom%20Schaf
und will sie euch nicht vorenthalten.

Mit spielerischen Grüßen
Reinhold


Gruß,

Christian (fragt sich auch woher der Pöppel wirklich kommt)

Benutzeravatar
nicola

Re: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon nicola » 19. Juni 2003, 16:52

Hai,

ich kannte als Kind nur das Wort "Nüppchen" für Spielfigur. Ich stamme übrigens aus Wuppertal, kann aber nicht sagen, ob das Wort aus dem südlich der Benrather Linie liegenden Sprachraum oder dem nördlich besagter Sprachgrenze liegenden Sprachraum stammt (*schraub*).

Grüße, Nicola

Benutzeravatar
Gustav der Bär

Re: Woher kommt das Wort Pöppel?

Beitragvon Gustav der Bär » 19. Juni 2003, 20:11

peer schrieb:
> (...) Aber vielleicht erinnert sich ja noch ein anderer an die
> Diskussion? Gustav? (...)

Ich erinnere mich zwar noch gut, habe den Text selbst aber leider auch nicht mehr: Er ist zusammen mit vielen anderen kleinen Firlefänzchen, die ich mir nie ausgedruckt hatte, Opfer der großen Brrittzzzzlll-Katastrophe im Februar geworden, die mit der Bären-EDV Tabula Rasa gemacht hat.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

Benutzeravatar
Jost Schwider

Hierher kommt Gustavs Pöppel

Beitragvon Jost Schwider » 20. Juni 2003, 10:37

"Gustav der Bär" hat am 19.06.2003 geschrieben:

> Ich erinnere mich zwar noch gut, habe den Text selbst aber
> leider auch nicht mehr:

OK, auf ganz besonderen Wunsch hier nochmal die Story (plus exklusivem Vorwort!), als umfangreiches Zitat:
[i]
[b]Wir brauchen neue Legenden![/b]
Jede Nation, jedes Volk, jeder Trachtenverein hat einen Haufen Legenden über die Entstehung wichtiger Begriffe entwickelt, die von Generation zu Generation weiter gegeben und geglaubt werden.
Und ausgerechnet wir, die arme Spielerszene, waren bisher immer darauf angewiesen, uns mit solch ärmlichen Legenden wie "Die Siedler von Catan nehmen anderen guten Spielen die Chance" oder "Sammelkartenspiele machen Kinder kriminell" zu bescheiden.
Drum lasst uns die Gelegenheit nutzen und endlich eine Legende um die Herkunft des Wortes "Pöppel" schaffen, die Hand und Fuß hat, möglichst bis ins Mittelalter zurückgeht, im besten Fall eine unglückliche Liebesgeschichte enthält ... und mit etwas Glück irgend wann in einem Lexikon auftaucht!

[b]Die Geschichte von Kunz und Catherine[/b]
Nur wenige wissen, dass das Wort "Pöppel" eigentlich ein doppeltes Lehnswort ist, das von der Bezeichnung eines geistlichen Standes über ein völlig anderes Spiel schließlich auf die einfache Spielfigur überging.
Aber gehen wir der Reihe nach vor:
Ende der 80er Jahre des 11. Jahrhunderts waren die Streitigkeiten zwischen den deutschen König Heinrich IV. und Papst Gregor dem VII. über Fragen der Interpretation der "Zwei-Schwerter-Lehre" bis an den Rand eines Krieges eskaliert. Heinrich stellte eine Armee auf und zog nach Italien, um Gregor abzusetzen.
Gregor, der militärisch unterlegen war, nutzte die Tatsache, dass Heinrich sich mit den Deutschen Kurfürsten in der Frage des sogenannten "Fahnlehens-Konflikts" überworfen hatte, und sprach 1088 den Kirchenbann gegen den König aus. Die Kurfürsten stellten dem König ein Ultimatum: Entweder, er wurde bis zum Jahresende vom Kirchenbann befreit oder er wurde seinerseits abgesetzt.
Unversehens sah sich Heinrich in die Defensive gedrängt. Er folgte mit seinem Heer Gregor bis vor die Mauern der Alpenfestung Canossa, wo der Papst sich sicher verschanzt hatte und gedachte, das Problem - wie später noch manch anderer Herrscher - einfach auszusitzen.
Heinrich seinerseits lagerte vor der Festung und versuchte, mit einer Mischung aus Diplomatie und Druck die Lösung vom Bann zu erreichen. Soweit der historisch bedeutsame Teil, der euch allen zumindest in groben Zügen aus der Schule geläufig sein dürfte.
Innerhalb dieses Rahmens aber spielte sich eine zutiefst erschütternde menschliche Tragödie ab: Catherine de Lombardie, die jüngere Tochter des päpstlichen Gonfalioniere (wörtl.: "Bannerträger", der Kommandant der Truppen) liebte von ganzem Herzen den abenteuerlustigen Kunz von der Stetten, genannt der Kuerisser, einen Ritter aus Heinrichs Gefolge. Kunz wäre trotz - oder vielleicht sogar wegen - einer Handvoll schlechter Minnelieder, die von ihm überliefert sind, inzwischen der Vergessenheit anheim gefallen, wenn nicht Catherine einige Briefe an ihre älter Schwester Genevieve hinterlassen hätte, aus denen man die folgende Episode rekonstruieren kann.
Da die Belagerung eine sogenannte "ehrenhafte" Belagerung war, konnten die Nichtkombattanten aus der eingeschlossenen Festung sich frei bewegen. Kunz und Catherine nützten diese Gelegenheit, um sich mehrfach zu treffen; natürlich ebenfalls "ehrenhaft", also stets in Anwesenheit einer Anstandsdame für Catherine und eines ritterlichen Waffengefährten für Kunz.
Als Leute von Kultur pflegten sie bei ihren Treffen Schach zu spielen und dabei allenfalls in Andeutungen von ihrn Gefühlen zu sprechen. Nun werden die Figuren in der vordertsten Reihe beim Schach, das ja seinem Wesen nach eine taktische Simulation ist, als "Bauern" bezeichnet und zwar, weil sie die Infanterie darstellten, die aus wehrpflichtigen Bauern ohne Rüstung und mit leichten Waffen bestand. (Bauern waren gemäß dem Lehnsrecht jährlich zu sechs Wochen Waffendienst auf Reichsgebiet oder vier Wochen im Ausland verpflichtet.)
Kunz pflegte seine Catherine, die ja auf der Seite der päpstlichen Armee stand, damit aufzuziehen, dass ihre "buren" in Wirklichkeit Priester seien. Catherine verwendet in ihren (lateinischen) Briefen überwiegend die Bezeichnung "clerici minores", also "kleine Priester"; einmal nur zitiert sie ihren Geliebten wörtlich. Da Kunz aus der preussischen Mark stammte, wo eine Mischung aus Mittelhochdeutsch und mittelalterlichem Russisch gesprochen wurde, verwendete er nicht das deutsche Wort "pfaffo", sondern das russische "pope" und zwar in der Verkleinerungsform "poepel".
Die Liebesgeschichte der beiden endete unerfüllt: Vielleicht wegen der häufigen Treffen im einem ungeheizten Zelt im Frühwinter, vielleicht wegen der Entbehrungen, die mit der Belagerung verbunden waren, erkrankte Catherine und starb nur wenige Tage, nach dem die hohen Herren einen faulen Kompromiss geschlossen hatten und die kaiserliche Armee wieder abzog.
Kunz jedenfalls verwendete in einigen seiner späteren Lieder wiederholt Analogien aus dem Schach und verglich die Wirren der Liebe mit dem Kräftemessen der "buren" und "poepel" auf dem Raster des Spielfeldes.
So kam der Begriff des "Pöpels" für die einfache Spielfigur zunächst in die Umgangssprache der Kriegsleute und mehr als ein halbes Jahrtausend später durch die Massenheere des 30-jährigen Krieges auch in die Umgangssprache.
Wäre Kunz ein besserer Dichter gewesen, würden heute vielleicht Schachspieler in aller Welt die Figuren der vordersten Reihe "Pöppel" nennen, so aber behielten die Schachfiguren ihre Bezeichnung als "Bauern" und der "Pöppel" wurde zum Begriff für die Figuren in anderen Spielen.
So musste eine junge Frau sterben, damit ... aber Tränen verschleiern mir angesichts dieses tragischen Geschehens den Blick und - ach - ich muss jetzt enden!

28.02./08.03.2001
Gustav der Bär (a.k.a. Peter Gustav Bartschat)
[/i]
(TaschentuchHeraushol) Schnieff!

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i](Brett)Spiele und mehr...[/i]

Benutzeravatar
Sven Weiss

Pöppel und Nubsis

Beitragvon Sven Weiss » 20. Juni 2003, 10:57

Aus meiner süddeutschen Heimat kannte ich den Begriff "pöppel" nicht, lernte ihn dann aber weiter im Norden bald kennen, zusammen mit so wichtigen Dingen wie etwa dem weiter oben bereits erwähntem Pümpel/Pömpel, der in Süddeutschland einfach namenlos ist.
Noch verwirrter wahr ich, als ich feststellte, dass auch der mir bis dato unbekannte Begriff "Nubsi" durchaus gebräuchlich ist. Ausserhalb der Spieleszene wird er wohl für allerhand, üblicherweise kleine Dinge und Phänomene verwendet, für die es keinen eigenen Begriff gibt oder bei denen die korrekte Bezeichnung gerade entfallen ist. Bei Spielen jedoch wird das ganze schon etwas konkreter.
Ein Nubsi ist nämlich, im Gegensatz zum Pöppel, immer flach.

...oder wir ist das bei Euch???? ;-) ;-) ;-)



Grüsse

Sven

Benutzeravatar
Rolf Braun

Re: Böbsel

Beitragvon Rolf Braun » 21. Juni 2003, 03:00

Hallo Marten,

> Und was gibt es alles noch für derartige Begriffe?

wir nenne diese Dinger auch gerne 'Böbsel' oder 'Böbsl' - weiß nicht wie mans schreibt!

Gruß
Rolf, der gerne Spiele auspöppelt - auch welche ohne Böbsel!

Benutzeravatar
Michael Schramm

Re: Hierher kommt Gustavs Pöppel

Beitragvon Michael Schramm » 21. Juni 2003, 20:58

Hi Jost,

wir wußten doch, auf Dich ist Verlaß, danke!

nice dice

Michael

Benutzeravatar
Gregor Breckle
Kennerspieler
Beiträge: 648

Re: Böbsel

Beitragvon Gregor Breckle » 22. Juni 2003, 17:36

Hallo,

ich gehöre ja zu den (hier wohl seltenen) Vertretern der Spezies "Alle-Spieleteile-sind-Pöppel". So zählen für mich auch Pappteile dazu, auch wenn mir bewußt ist, daß diese als Counter bezeichnet werden.
Rolfs Bemerkung ...

Rolf Braun schrieb:

> Rolf, der gerne Spiele auspöppelt - auch welche ohne Böbsel!

... stärkt mich nun darin, da der Begriff auspöppeln auch hier im Fourm (nur aus Erinnerung, ohne Beweis) schon öfters gefallen ist. Da man aber bei den meisten Spielen die Spielfiguren nicht auspöppeln muß, im Gegensatz zu den Countern, ich aber "Auscountern" noch nie gehört habe, bleibe ich bei meiner Pöppel-Definition.

Viele Grüße

Gregor

Benutzeravatar
Marten Holst

RE: Böbsel

Beitragvon Marten Holst » 22. Juni 2003, 19:38

Moin Gregor...

komm uns doch nicht mit Logik ;-) Das von Dir angesprochene scheinbare Sprachwirrwärrchen basiert auf dem magischen Dreieck des Spielens:

(i) Pöppel werden gezogen
(ii) Züge werden gekontert
(iii) Counter werden gepöppelt.

Alles klar? ;-)

Grüße
Marten

Benutzeravatar
Gregor Breckle
Kennerspieler
Beiträge: 648

RE: Böbsel

Beitragvon Gregor Breckle » 23. Juni 2003, 08:26

Hallo Marten,

> (i) Pöppel werden gezogen
> (ii) Züge werden gekontert
> (iii) Counter werden gepöppelt.
>
> Alles klar? ;-)

:lol: :grin:

Glasklar und unwiderlegbar argumentiert.

Vielen Dank für die Erleuchtung ;-)

Viele Grüße

Gregor


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 64 Gäste