Beitragvon Franz-Benno Delonge » 12. September 2003, 22:00
Hallo Marion, hallo Mitforscher,
als bayrischer Ureinwohner kann ich vielleicht aushelfen.
1) Neunerln
ist ganz bestimmt das Spiel, das Marion sucht. Es ist praktisch Mau-Mau mit den bayrischen Karten.
Man spielt mit dem 32er-Blatt (7 als kleinste Karte). Mischen; jeder kriegt 6 Karten. Reststapel in die Mitte, oberste Karte offen daneben. Wer dran ist, muß eine seiner Handkarten drauftun, die entweder in der Farbe oder im Schlag (Kartenhöhe) zur obersten Karte paßt. Wer nicht kann, muß eine nehmen; die darf er dann ggf. gleich spielen, wenn sie paßt.
Besonderheiten: Spielt man eine 7, muß der nächste Spieler 2 Karten extra nehmen. Spielt man eine 8, muß der nächste Spieler aussetzen. Spielt man eine 9, darf man sich eine beliebige Farbe wünschen, die nun als nächste gelegt werden muß. Und wer zuerst keine Karte mehr auf der Hand hat, hat gewonnen. Die Mitspieler kriegen für ihren Restbestand Minuspunkte: 7/7, 8/8, 9/18, 10/10, Unter/2, Ober/3, König/4, Ass (bzw. Sau)/11.
2) Schaf(f)(s)kopf
"Schafkopf" ist ordentliche bayrische Umgangssprache. "Schafskopf" ist eine Peinlichkeit, bzw. ein preußischer Personalausweis. "Schaffkopf" ist eine linguistische Streberei von neunmalklugen Musterethnologen, die irgendwo ausgegraben haben, daß man früher den Punktestand mit Kreide auf den Boden eines Holzfasses (=Schaff) aufzuzeichnen pflegte. Sowas sagen Leute, die auch statt Fleischpflanzerl "Fleischpfanzerl" sagen, weil sie wissen, daß es von "Pfanne" kommt.
Merke: Man muß nicht jeden Schmarrn übernehmen, bloß weil er stimmt.
Bayrische Grüße
Benno