Beitragvon Charles » 5. November 2003, 18:19
10 Euro - das ist ja ein sagenhaftes Schnäppchen. Aber auch zum vollen Preis ist das Spiel jeden Pfennig wert - und ich kann auch gut die astronomischen Summen nachvollziehen. Hannibal ist wohl neben Diplomacy mein derzeitiges Lieblingsspiel - und ich denke nicht daß sich das in absehbarer Zeit ändern wird.
Also, ich kann den Kommentar, daß in dem Spiel viel gewürfelt werde, gar nicht verstehen. Ich denke eher, daß in Hannibal verhältnismäßig wenig gewürfelt wird.
Das Erlangen von polit. Kontrolle über Provinzen ist ein sehr wichtiges Moment in dem Spiel. Militärische Operationen sind zumeist polit. Zielen untergeordnet, wenn auch manchmal die Vernichtung des Gegners auf dem Schlachtfeld - also ein militärisches Ziel - in den Vordergrund tritt - was allerdings auch polit. Konsequenzen hat. Die enge und einfache Verzahnung beider Ebenen entwickelt seinen besonderen Reiz.
Das Spiel führt zu interessanten strategischen Entscheidungen. In welcher Region fordere ich den Gegner heraus? Timing ist hier ungemein wichtig. Ein zu frühes römisches Engagement in Spanien oder Africa könnte verheerend enden. Aber auch der Karthager muß bei einem Italienfeldzug abwägen, ob ein aggressives Vorgehen kann zu einer exponierten Stellung führen und Hannibals Heer allzugefährden.
Der Römer muß zwischen einer fabianischen Rückzugsstrategie oder einer offensiven Konfrontation Hannibals entscheiden. Desweiteren stellt sich später manchmal die Frage ob Hannibal in Italien eher Wächter oder Gefangener ist. Es kann dort sehr schnell für Hannibal ungemütlich werden. Das ewige Problem das Hannibal'sche Heer aufzustocken durch Nachführung von Truppen sorgt auch für Spannung.
Natürlich spielt Glück eine Rolle (aber keineswegs mehr als in den meisten Spielen). Ob bei den Karten, oder auch bei den Würfeln. Doch Kartenglück gleicht sich aus und es kommt viel eher auf die angemessene Nutzung derer an. Die Würfel führen wohl eher bei Unvorsichtigkeit und Tollkühnheit zu Cannae-mäßigen Katastrophen. Strategisches und taktisches Vermögen ist natürlich entscheidend.
Es wohl eher so, daß jene die schlechter spielen den Glücksfaktor betonen....