Beitragvon Ralf Arnemann » 15. Januar 2004, 11:49
Man muß das ganz nüchtern sehen: Die speziellen Brettspielläden hatten ihre Zeit, und die ist nun vorbei.
Kurzer Rückblick: Früher hatten die Spielwarenläden nur das übliche Ravensburger/Schmidt/Parker-Sortiment und sonst gab es gar nichts.
Dann kam Walter Luc Haas mit einem E-Hobbies-Versandhandel. Da mußte man fast blind bestellen, weil es nur recht wenige Informationen und Rezensionen gab (entsprechend viel Schrott aus dieser Zeit habe ich noch im Keller liegen ...).
Und dann haben engagierte Spieler vor 20-15 Jahren eine Reihe von Spieleläden aufgemacht, in denen Importspiele, Kleinverlage und sonstige Novitäten anschauen und probespielen konnte. Die meisten von uns haben wohl in solchen Läden die ersten Kontakte zur Spielerszene gefunden und halten die in nostalgischer Ehrfurcht.
Aber kommerziell liefen die meisten davon immer auf sehr dünnem Eis, die Margen waren dünn, die vielen ausgepackten Probespiele waren nur noch mit Verlust verkäuflich und eigentlich hielten sich viele Läden nur durch Selbstausbeutung des Besitzers oder durch Quersubventionierung mit Zinnfigurenverkauf o. ä.
Sehr viele dieser Läden haben inzwischen auch dicht gemacht (sogar "Das Spiel" in Hamburg - bei dem Ruf und dem Einzugsgebiet eigentlich mit den besten Überlebenschancen).
Andere konzentrieren sich auf Fantasy/Rollenspiele/Zinnfiguren/Sammelkarten, und damit auf eine ganz andere Zielgruppe (meist Jugendliche). Das kann noch lange so laufen, weil diese Produkte oft, aber nur in kleinen Mengen gekauft werden, da ist Versandhandel nicht so angesagt.
Ansonsten aber haben die normalen Spielwarenläden ihr Sortiment durchaus so ausgebaut, daß man einen großen Teil seiner Brettspielwünsche dort gut befriedigen kann.
Und für die Spezialitäten ist der Versandhandel eben viel günstiger, nicht nur preislich. Die volle Bandbreite über alle Importspiele und Kleinverlage kann nämlich kein Laden mehr vorrätig halten, das geht nur per Versand.
Und die Informationen bekommt man heute ohnehin nicht durch Beratung im Laden. Und auch nicht, wenn man dort ein Spiel auspackt und die Regel liest.
Das ist zwar schon eine deutliche Hilfe, aber man kauft immer noch viel zu viele Spiele, die sich hinterher als Enttäuschung herausstellen - und versäumt andere, die ganz toll sind (nur nach Regellektüre wäre ich nie auf die Idee gekommen, wie gut mir Puerto Rico gefallen würde).
Auch was ich heute im Laden kaufe, das kaufe ich nur, weil ich vorher Rezensionen und Diskussionen genug gelesen habe, die mir ein Bild vom Spiel vermittelt haben.
Und dann reduziert sich die Leistung des Händlers nur noch auf das Rüberschieben der verschlossenen Schachtel - das geht auch im Versand.
Fazit: Die Rahmenbedingunge haben sich komplett geändert, und die fachkundigen Händler gibt es nicht mehr und werden auch nicht mehr gebraucht.
Also kann man ruhigen Gewissens beim Billigsten kaufen.
Für die Autoren und Verlage ist der Vertriebsweg ohnehin nebensächlich, da zählt nur, daß möglichst viele Spiele an die Kundschaft kommen. Und da sind die Versender eine gute Sache.