Beitragvon Marten Holst » 8. Februar 2004, 23:01
Moin Guido,
bei der Konstellation "Werwolf verliebt", "Bürger verliebt", "Werwolf enthaltsam", "Bürger enthaltsam" (Wv, Bv, We, Be) an einem Morgen hat "Bürger enthaltsam" keine Siegchance mehr:
Es wird jemand erschossen, dieses kann sein
(a) Wv oder Bv (der andere stirbt ja vor Kummer mit). Es verbleiben We und Be, in der Nacht frisst We den Be und gewinnt.
(b) Be - dann hat er eh nicht gewonnen (in diesem Fall gewinnt das Paar, denn die Wölfe werden sich nachts nicht einig werden und am nächsten Tag wird We erschossen)
(c) We - nun wird Be in der nächsten Nacht (von Wv) gefressen, und erneut gewinnt das Paar.
Daraus folgt noch kein Unentschieden. Nur hatte in diesem Fall ich (als We) auch keine echte Siegchance, denn Fall (a) ist unrealistisch. Um erschossen zu werden, bedarf es hier mindestens zweier Stimmen. Da die verliebten einander nicht erschießen werden, müssten es also Be und We sein. Gleichzeitig sollte es in dieser Konstellation aber dem Pärchen möglich sein, sich auch abzusprechen, sodass sie zumindest ein 2:2-Patt erzwingen können, sodass keiner von ihnen erschossen werden wird, und (a) ausscheidet.
Gibt es also hier Gewinner, können es nur die Verliebten sein. Daraus folgt für die beiden Nichtverliebten, dass sie beim "Erschießen" den selben zum Opfer machen müssen (sonst ist einer von ihnen dran, und gleich darauf der andere). Wie sie dies tun, das sei ihnen überlassen (Überzeugungskraft muss sein). Wichtig ist für mich im Vorfelde zu wissen, dass ich nicht alleine schieße.
Was passiert nun, wenn diese Linie durchgehalten wird? Am Tage wird keiner erschossen, denn es bleibt beim 2:2 auch in der zweiten Abstimmung. In der nacht wird niemand gefressen, denn Wv wird sich weigern, Bv zu fressen, ebenso wird We nicht seine "Lebensversicherung" Be verspeisen wollen (als We muss man nur rechtzeitig heraus bekommen, welcher Bürger welcher ist, Abstimmungs- und Abschussverhalten ist hier hilfreich). Also einigen sich die Wölfe nicht, keiner wird gefressen und am nächsten Morgen ist die alt bekannte Situation des Vortages eingetreten.
Man kann das nun beliebig fortführen (das Spiel endet nun nicht), oder sich auf Unentschieden einigen, auch wenn die Regeln das nicht vorsehen.
Das "Unentschieden" ist also nicht erzwungen, sondern lediglich die "beste Taktik" von Be und We.
Das gilt alles nur, falls man ohne Hauptmann spielt. Mit Hauptmann hat dieser ja - je nach Regelauslegung - 1,5 bzw. 2,5 (letzteres ist meines Erachtens die richtige) Stimmen.
Hier passiert übrigens folgendes: ist der Hauptmann verliebt, gewinnt das Liebespaar, ist der Hauptmann "enthaltsam", so wird Be zum "Königsmacher": er hat nach wie vor keine Siegchance (die obige Argumentation bleibt bestehen), aber sein Abstimmungsverhalten beim "Erschießen" entscheidet, ob das Pärchen oder We gewinnt - unabhängig davon, ob er selber oder We Hauptmann ist.
Alles in allem: verfahrene Situation ;-)
Tschüß
Marten