Beitragvon Frank » 15. März 2004, 23:46
> Ich entschuldige mich dafür.
angenommen :-)
>Wenn Du Dir jedoch
> Deinen Beitrag noch einmal kritisch durchliest, wirst Du
> vielleicht merken, dass der in der Wortwahl gut dazu angetan
> ist, andere persönlich anzugreifen. Daher fiel meine Antwort
> etwas deutlicher aus.
war allgemein und nicht persönlich und ich erinnere an meinen zusatz :
[...]
frank (der im nachhinein doch etwas verblüfft über die härte
seiner worte ist, aber irgendwie trotzdem findet, daß
zumindest manches davon nicht ganz von der hand zu weisen ist)
[...]
und ich hätte meine anfänglichere schimpferei vielleicht auch besser noch mit dem zusatz versehen sollen : "gilt für die einzelhändler, die ich kenne und die ich in meinem blickfeld habe". ich hatte deshalb sicherlich zu sehr verallgemeinert, auch wenn es in manchen regionen (siehe posting von gerhard für südtirol) scheinbar auch nicht sooo viel anders aussieht.
> Zur Sachlage : Computerspiele sind nach
> betriebswirtschaftlichen Grundsätzen von kleinen und
> mittleren Geschäften nicht sinnvoll zu vertreiben. Da hilft
> auch kein Klagen über mangelnde Flexibilität usw.
ich denke schon, denn gerade computerspiele bieten die möglichkeit ganz fürchterlich kurzfristig ware nachzuordern, wenn sie verkauft ist. es wurde bis 15:00 uhr verkauft und ich hab´s in der regel am nächsten mittag wieder da. auf diese art und weise kann man mit einem mini-lager viel bewegen, ohne allzu große risiken einzugehen und wenn man (enstprechend der potentiellen käufer im umfeld) in diesem bereich kunden dazugewinnen kann, warum nicht ? strategie- und rollenspieler haben nach meinen erfahrungen z.b. schon immer gut zu brettspielern gepaßt bzw. sind sie oft sowieso sich überschneidende teilmengen eines ganzen.
> Auch mit Begriffen wie "überteuert", "Riesenmargen" etc.
> würde ich vorsichtig umgehen. Es wundert mich wirklich, wie
> Du als offensichtlich im Einzelhandel erfahrener Mensch
> derartiges behaupten kannst.
auch hier wäre ein zusatz "im verhältnis zu anderen wirtschaftszweigen" wahrscheinlich geschickter von mir gewesen, denn im verhältnis zu den zitierten computerspielen oder auch comics, fantasy- oder sf-büchern (die 3 letztgenannten wären übrigens auch nette und probierenswerte ergänzungen zum brettspielprogramm...) IST die marge der brettspielläden, die sich in meinem umfeld befinden geradezu fürstlich. man nehme noch ganz andere, völlig genre-fremde, wirtschaftszweige (lebensmittel, computer-hardware whatever) und die sache wird noch deutlicher.
> Man kann über
> Unternehmensstrategien geteilter Meinung sein (Stichwort :
> Flexibilität), aber man kann schwerlich negieren, dass Läden
> eine komplett andere Struktur (Mieten, Personal,
> Lagerhaltung, Öffnungszeiten) haben als Internetversender.
beides versuchen ! und das durchaus auch zu unterschiedlichen preisen, wenn die schere nicht zu weit auseinander geht, denn nach meinen erfahrungen akzeptieren es die leute durchaus, wenn dinge im laden *etwas* teuerer sind, als über den versand (und wenn dafür mehr sevice geboten wird und dieses die portokosten nicht wesentlich übersteigt). "etwas" heißt aber in dem fall nicht, fast doppelt so teuer, wie das in meinem umfeld oft der fall ist und das ist kostentechnisch eh nicht zu rechtfertigen, denn auch internetverkauf kostet ganz ordenlich geld in form von traffic, der bezahlt werden muß oder ganz banalen, aber mittlerweile unverschämt hohen, ebay-gebühren.
> Es
> ist natürlich nicht so, dass ein Absenken der Preise auf das
> Niveau von Internetanbietern automatisch ein Anwachsen
> zahlungswilliger Kunden nach sich zieht.
so war das auch nicht gemeint, aber ein halbwegs gesundes mittelmaß zu finden, wäre zumindest ein lösungsversuch.
> Sinnvoll ist es jedoch, sich als Spieleladen von der
> Spieleszene zu lösen und seine Kunden dort zu suchen, wo die
> Bereitschaft besteht angemessene Preise zu zahlen.
*unterschreib*...wobei man sich mit blick auf andere branchen (s.o.) und zukünftige überlebensfähigkeit (was nützt die dickste kalkualtion, wenn mittel- und langfristig die kunden wegbleiben, weil die dank negativer reformwelle und hoher arbeitslosigkeit in deutschland wegrennen, wenn die preise *zu* hoch sind) durchaus darüber streiten könnte, was "angemessene preise" sind.
das wichtigste ist nach meiner bescheidenen ansicht aber, in bewegung zu bleiben, d.h. u.a. preise flexibel zu gestalten.
in einem monat gibt´s spiel xyz knapp über´m ek, im nächsten vielleicht deutlich teuer und im folgemonat wieder zu einem anderen preis. nicht für alle spiele, aber die sache zumindest so am fließen halten, daß die leute ein echtes interesse daran haben, häufiger im laden vorbeizuschauen und dann doch die eine oder andere schöne sache mitnehmen. "schnäppchen live" wären doch auch eine schöne sache, bei der man den reinen internetanbieter zumindest psychologisch konkurenz machen kann.
hanno hatte in dieser diskusion z.b. auch eine paar traditionelle, aber trotzdem sehr schöne und wirkungsvolle ideen in den raum gestellt. punkt 2 verdient dabei auch in den zeiten knapper staatskassen besondere beachtung, denn die "institutionen" zahlen zwar weniger, bringen aber immerhin beachtenswerte summen auf einigermaßen regelmäßiger basis in die leeren kriegskassen.
die liste der weiteren möglichkeiten ist schier unendlich lang, wenn man gewillt ist, sich darauf einzulassen :
# andere und vielleicht neue produktgruppen ausprobieren
- teilsegmente des bereichs computerspiele oder kernsoftware
- bücher (vorzugsweise "genre-literatur")
- geschenkartikel
- spielzeug (wen nicht eh schon vorhanden)
- dvd´s (ja, warum nicht und aber auch hier gelten, die schon bei den computerspielen erwähnen, gesetzmäßigkeiten)
- comics
- hörspiel-cd´s
- scherzartikel
- whatever...eben alles, was zum bereich freizeit gehört
# größere kundenbasis schaffen bzw. sonderaktionen
- natürlich die die oben schon erwähnten preisvariationen
- werbung machen und auch in diesem bereich vieles durchaus mal an anderer stelle als üblich (schülerzeitungen, stadtmagazine, clubzeitungen aller möglichen coleur etc. etc.) und gerne auch mal witzige werbung machen
- warum nicht auch internethandel probieren ?
- an diversen veranstaltungen teilnehmen oder diese sogar mit-initiieren (straßenfeste, lokale spieletreffs oder meisterschaften besuchen oder erschaffen, preisausschreiben etc. etc.)
und auf jeden fall (gebetsmühlenartig wiederholt...) in bewegung bleiben und neuen dingen (die teilweise gar nicht mehr so neu sind, wie z.b. im fall des internets...) und neuen kunden aufgeschlossen gegenübertreten und alles mal ausprobieren, um die potentielle käuferbasis zu verbreitern oder zumindest so breit zu halten, wie nur irgendmöglich.
es geht doch um hier brettspiele und ich verstehe nicht wirklich, wie wir deutschen (bzw. deutschsprachigen, um das mal allgemeiner zu fassen), die sozusagen unerklärten weltmeister des brettspiels, all das, was wir in den spielen anwenden und zu nutzen in der lage sind, ja, mit dem wir aufgewachsen sind, im echten leben wieder zu vergessen scheinen. diese bleierne schläfrigkeit in diesem land, die sich über viele wirtschaftszweige gelegt zu haben scheint und von der ausgerechnet der brettspiel(einzelhandels)bereich ganz besonders betroffen ist, ist mir völlig unerklärlich. mein gott, wir *machen* (zumindest auch) die besten brettspiele der welt, aber warum sind wir nicht in der lage, diese auch gut zu verkaufen, obwohl wir dank dieser spiele mit einem riesigen berg potentieller gewinnstrategien aufgewachsen sind ???
der elefant, der auf 4 beinen steht, bewegt sich auf der halbwegs sicheren seite des lebens, auch wenn er von außen betrachtet als ein eher langsames oder behäbiges tier erscheinen mag (was natürlich nicht wirklich stimmt !), aber der elefant, der nur auf einem bein steht, kippt irgendwann unweigerlich um. it´s as simple as that...
frank