Beitragvon Oli-spielbox » 27. März 2004, 06:50
Ralf Arnemann schrieb:
>
> Ich gehe davon aus, daß die meisten Käufer auch bei den
> Hasbro-Spielen ihren Spaß haben. Nix erklären, nix
> nachdenken, etwas rumwürfeln - fertig ist der Nachmittag.
Ich gebe zu, das trifft fuer einige Leute zu. Die koennen aber auch mit einem einfachen Spiel wie "Zoff im Zoo", "Land unter", 'Carcassonne" usw. was anfangen. Dazu kommt, dass mehr Monopolys zum Verschenken als zum eigenen Gebrauch gekauft werden. Ich kenne aber auch eine Menge Leute (vor allem hier in den USA), die Monopoly, Cluedo usw. nur spielen, weil es "halt nichts anderes gibt".
> Mit Marketing alleine wird man die nicht auf "überlegene
> Produkte" umpolen können (und da rede ich nur von relativ
> einfachen Spielen wie Siedler, noch lange nicht von den
> Freak-Spielen).
Bestimmt nicht alle, aber eine erkleckliche Anzahl sicherlich schon. Und wie man am momentanen Spielemarkt gerade beobachten kann, ohne vernuenftiges Marketing laeuft halt gar nichts.
> Die Medien sind m. E. nicht in der Lage, hier viel beizutragen.
> Weil man da nur passiv konsumiert.
> Der eigentliche Spaß kommt bei Spielen aber erst, wenn man
> aktiv mitmacht. Das muß man erleben, um interessiert zu werden.
Dann frage ich mich aber, warum die ganzen Hasbro-Artikel sich soviel besser verkaufen als auch nur ein anderes Nicht-SdJ? Nicht umsonst ist das AIDA-Prinzip immer noch eine Grundlage des Marketings. (AIDA= Attention: Aufmerksamkeit erzeugen; Interest: Interesse wecken; Desire: Wunsch nach dem Gut wecken; Action: zur Handlung auffordern)
> Nur das uns nicht "kaum Zukunft"
> droht, sondern höchstens "in der Nische weiterleben".
> Das Hobby Spiel ist nicht bedroht, ist m. E. sogar dabei,
> langsam zu wachsen.
> Ein deutlicheres Wachstum wäre natürlich besser.
Wenn man durch den Siedler-Erfolg jahrelang ein ueberdurchschnittliches Wachstum hatte, dann ist ein langsames der Tod vieler Verlage. Siehe auch die aktuelle Weltwirtschaftslage, die man auch noch als "langsames Wachstum" beschreiben koennte. Wer stagniert, wird frueher oder spaeter von den anderen Branchen ueberrannt.
> Und dieses Wachstum geschieht typischerweise über Kontakte.
> Da kommt jemand in eine Spielerunde, kriegt die Regeln
> erklärt (die er sonst nie lesen würde, auch mit
> Medienkampagne), hat Spaß und kommt auf den Geschmack.
> Und bringt das dann wiederum seinen Freunden bei, und so
> weiter.
Genau diese Vorstellung scheint auch in der Spielebranche vorzuherrschen. Das hat dazu gefuehrt, dass sich viel immer nur in einem kleinen, recht elitaeren Zirkel abspielt, zu dem selten mal neue Leute dazustossen. Wieviele neue Namen tauchen denn hier im Forum auf und bleiben vor allem erhalten?
> Und das richtige "Medium", um Neulinge an die Szene
> ranzuführen, das sind nicht Fernsehen und Zeitung, das sind
> offene Spielefeste, bei der die Besucher ihren Horizont
> erweitern.
Warum sollten sie denn kommen? Ich ziehe als Vergleich mal den Radsport heran. Der war vor Jan Ullrich eine echte Randsportart. Man musste schon Glueck haben, wenn sie im Dritten Programm einige Etappen der Tour uebertragen haben, von den Klassikern ganz zu schweigen. Heute stehen zehntausende Menschen an den Strassenraendern, um den Fahrern bei einem drittklassigen Sparkassencup zuzujubeln. Waere das ohne die Medienpraesenz je moeglich geworden?
Ciao, Oli (der gar nicht soviel Meckern sondern vor allem Wachruetteln moechte)