Beitragvon Wolfgang Ditt » 28. Mai 2004, 17:05
Hallo Ralf,
ich versuche das, was an Goa stört, mal zusammenzufassen. Dabei werden zwangsläufig einige Dinge vermischt, weil das Spiel bei uns in den Spielerunden nicht gut ankam und es viel Kritik gab. Es wird nicht gerade einfach sein, es in präzise Worte zu fassen, also bitte nicht jedes Wort auf die berühmte Waagschale werfen.
1. In Goa werden zentrale, wichtige Dinge wieder einmal versteigert. Versteigerungsspiele können toll sein (Modern Art und Magellan sind zwei von HiG, wobei ich ModernArt genial finde und Megallan originell). Andere Versteigerungen sind zielgerichtet, so benötige ich bei Amun-Re eine bestimmte Provinz oder bei Fürsten von Florenz die diversen Dinge; ich brauche was, andere brauchen was, es entsteht ein Wettkampf.
Bei Goa verteilt die Versteigerung Material. Zu Anfang schaut man nur auf den Preis. Plantage X ist nicht besser als Y, Jede Runde ein Schiff nicht besser als jede Runde ein Gewürz. Der Preis ist wichtig, sonst nichts. Die Versteigerung ist in diesem Sinne mit wenig Ansporn verbunden, ich bekomme irgendwann was Nützliches. Dies ist bei den zuvor genannten Spielen anders, wo es eine direkte Wirkung gibt (ich bekomme das Werk, den Entdecker, die Abwerbekarte nicht ... das ist evtl. sehr negativ für mich)
2. Die Entwicklung ist gleichförmig, Schiffe nehmen, Gewürze nehmen, weiterentwickeln, vorab noch ein paar Kolonien gründen. Es mag anders gehen - Rüdiger Dorn postete es ja - aber ich habe nicht erlebt, dass ein anderer Spieler gewann als der, der viel in Schiffbau und Ernte steckte. Geld produzieren ist sinnlos, weil es Inflation betreibt und mein eigenes Geld entwertet. Die Karten sind nett, die richtige auch toll, aber nur auf Karten habe ich keine Gewinnstrategie erlebt. Folge: schnell Schiffe, schnell Gewürze und dann läuft eine gleichförmige Maschinerie an. Von anderen nicht zu stoppen, für den Betroffenen erfolgreich, aber langweilig.
3. zu 1 und 2 kommt dann die Spieldauer hinzu. Sie lag bei jedem meiner Spiele über zwei Stunden. Für die Gleichförmigkeit zu viel. Darunter fällt auch die im Posting zu Andrea Timm angesprochene Drucklosigkeit. Ich habe zwar Mangel, aber was solls ... er wird beseitigt (Schiffbau, Ernte) und weiter geht's.
4. Die Punktevergabe: es gibt für fast alles Punkte. Damit wird es egal, worauf ich hinarbeite. Irgendwie bekomme ich immer Punkte. Einzig und allein die Fehlgründung einer Kolonie ist ein echter Rückschlag, den man sich kaum erlauben darf.
Hinzu kommen zwei Faktoren, die nicht direkt mit dem Spiel zusammenhängen, aber auf mich einwirken. Ich schätze die Spiele von HiG sehr bis auf seltenste Ausnahmen wie diese. Wie ich auch in der Rezension schrieb, ist dies das dritte Mal, dass eine/die Nürnberger Neuheit von HiG auf Versteigerung basiert. Ich ermüde an solchen Spielen (zum Vergleich: ich spiel immer wieder gern von HiG Carcasssonne, E&T und OFUA, trotz aller Neuheiten, die ich kennen lerne). In diesem Jahr gibt es andere Spiele, deren Spielreiz für mich wesentlich größer ist als der von Goa, dazu gehören je nach Spielrunde die fünf Nominierten (mit Sankt Petersbrug als mein Liebling) sowie San Juan (welches ich durch die BSW am häufigsten von den Nürnberger Neuheiten gespielt habe).
Goa wäre in einem schwachen Jahrgang vielleicht ein Highlight, in diesem Jahr ist es das für mich auf keinen Fall; genauso wie andere Spiele, die auf der Liste fehle: Tongiaki wäre in anderen Jahren sicher auch empfehlenswert, Attika vielleicht nominierungswürdig, aber eben nicht im Jahr 2003/2004.
Ich hoffe, dass du mit diesem Posting meine Meinung ein wenig besser verstehst; teilen muss sie weder du noch sonst jemand und wie ich schon zu Andrea Timm schrieb, wem es gefällt, der sollte es spielen. Ich wünsche jedem großes Vergnügen dabei.
Wolfgang