Beitragvon Jost Schwider » 20. August 2004, 10:23
"Kathrin Nos" hat am 17.08.2004 geschrieben:
> Wie oft hast Du Keythedral gespielt?
Da mir der Spielspass gleich vergangen ist, werde ich es höchstwahrscheinlich bei 1x belassen. :-D
> Ich denke, dass hier ein typischer Anfängerfehler vorliegt,
> und zwar auf beiden Seiten: Bei Deinen Mitspielern, weil
> ihre Zäune offensichtlich bei den Konkurrenten effektiver
> eingesetzt worden wären (schliesslich hat jeder nur 3 Zäune
> im ganzen Spiel - die würde ich doch sehr gezielt
> einsetzen!), aber auch bei Dir, wenn Du Dich so sehr
> exponierst, dass es ein Leichtes ist, Dich "zuzumauern".
:-O Einspruch! :-?
Ich wurde "zugemauert", gerade [i]weil[/i] ich mir eine sehr gute Aufstellung gesichert habe und damit RuckZuck meine Produktion quasi verdoppeln konnte.
Das heißt also, dass weder ein Fehler von meinen Mitspielern vorlag (der Führende sollte ja tatsächlich immer gebremst werden), noch von mir (oder soll ich etwa absichtlich eine schlechte Aufstellung wählen?).
> Zugegebenermassen ist die Einsetzphase mit dem Aufbau der
> Landschaft und dem Platzieren der Hütte ein zentrales
> Spielelement, und wer hier ungünstig setzt, darf sich dann
> das ganze Spiel darüber ärgern.
Logisch, aber das trifft ja hier nicht zu...
> Ich habe die Erfahrung gemacht (und ich habe einige!
> Probepartien in unterschiedlichen Besetzungen und mit
> Anfängern und Keythedral-"Wiederholungstätern" gespielt),
> dass Anfänger dazu neigen, sehr kompakt zu bauen,
Das war bei uns nicht der Fall. Ist ja auch logisch, da man sich ja selbst behindern würde!
>> Und mangels Masse kann man dann normalerweise auch kein
>> Startspieler mehr werden, um an dieser Situation überhaupt
>> etwas ändern zu können.
Dieser Punkt trifft übrigens die eigentliche "Schwachstelle" von Keythedral: Die frühe Sanktion des (zu diesem Zeitpunkt) Führenden wirkt quasi bis zum Ende des Spiels, also auch, wenn der Sanktionierte schon lange den Anschluss verloren hat!
>> Und dann kommen auch noch die Gesetzeskarten hinzu...
>
> Ok, die Gesetzeskarten bringen ein relativ mächtiges
> Element ins Spiel. Je erfahrener aber die Spieler sind,
> desto besser kann man doch abschätzen, was an Gesetzen noch
> kommen kann,
1. Man weiß doch gar nicht, welche Gesetze überhaupt im Spiel sind?
2. Mangels Masse (s.o.) wird man kein Startspieler. Also bekommt man keine Gesetze... :-/
> Das relativiert die Gesetze meiner Meinung nach. Das ist
> ähnlich wie mit den Gebäuden bei San Juan: Je besser ich
> diese kenne, desto weniger abhängig bin ich von bestimmten
> Gebäuden, weil ich es besser hinbekomme, Kombinationen
> effektiv aufzubauen.
Ja, aber der Kartendurchsatz bei San Juan ist sehr viel größer, die Variationsmöglichkeiten ebenfalls und man kann nicht vom Nachschub abgeschnitten werden, so dass man bei SJ gar nicht vom Spiel ausgeschlossen werden kann.
>> Daher halte ich Keythedral auch für ein gutes Beispiel von
>> "schlechter Interaktion".
>
> Definiere "schlechte Interaktion"! :-D
Hier drei Aspekte:
- Aktionen, welche dazu führen, dass nicht der Bessere sondern der Glücklichere gewinnt.
- Sanktionen, welche nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
- Mechanismen, welche nur dazu dienen, die Spielbalance den Spielern aufzubürden.
Jetzt werden sicher wieder einige sagen: "Das gehört eben dazu, dass man solche Interaktionen ausnutzt." Wenn man dieses "Argument" gelten lassen würde, sähen bald alle Spiele so aus:
[i]
[b]Phase A[/b]: Alle Mitspieler warten nur ab, halten sich zurück, lassen das Spiel vor sich hin plätschern... Gähn! :roll:
[b]Phase B[/b]: Plötzlich ergreift jemand die Initiative! Resultat:
1. Er hat Glück und kann seinen Vorsprung - trotz massiver Intervention der Mitspieler - bis zum Ende des Spiels halten.
2. Er hat Pech und wird quasi vom Spielbrett gefegt. Die übrigen beginnen wieder mit Phase A...
[/i]
:-O Ein Schreckensszenario! :-/
Wie man sieht, bedeutet "schlechte Interaktion" immer, dass Glück und Willkür eine viel zu große Rolle spielen, was solche Spiele letztendlich allzu belanglos macht.
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/jas.htm - [i]Ausgezeichnete (Brett)Spiele[/i]